Die Bundesregierung hat den „Migrationsbericht 2024“ vorgestellt. In dem Jahr sind unterm Strich 430.000 mehr Menschen eingewandert als ausgewandert. 2023 waren es noch 660.000 Menschen.
picture alliance/dpa | Michael Matthey
Rund 1,7 Millionen Menschen sind laut „Migrationsbericht 2024“ in dem Jahr nach Deutschland eingewandert. 1,3 Millionen Menschen sind 2023 demnach ausgewandert. Unterm Strich bedeutet das einen Zuzug von 430.000 Personen – im Jahr 2023 waren es noch 660.000 Personen. Der Rückgang des Netto-Zuzugs betrug demnach 35,1 Prozent.
Laut Statistischem Bundesamt sind 2024 in Deutschland 677.000 Kinder geboren worden. Im gleichen Jahr sind hierzulande 1.010.000 Menschen gestorben. Ohne Zuwanderung hätte es also 2024 einen Bevölkerungsrückgang von 333.000 Personen gegeben. Mit Zuwanderung war es ein Plus von knapp 100.000 Personen.
Ein Drittel der Zuwanderer kam laut Bundesregierung im Jahr 2024 aus der EU nach Deutschland. 61,3 Prozent kamen aus der EU oder aus anderen europäischen Staaten. Im dritten Jahr des russischen Angriffkriegs war die Ukraine das Land, aus dem die meisten Einwanderer nach Deutschland kamen: 220.000 Personen. Allein die Ukraine stellt damit einen Anteil von 13,1 Prozent aller Zugewanderten. Es folgen Rumänien mit 174.000 Zuzügen und die Türkei mit 89.000 Zuzügen.
Auch bei den Fortzügen dominierte 2024 die Migration innerhalb Europas. 68,9 Prozent der Auswanderer zog es in ein europäisches Land, 47,2 Prozent aller Auswanderer in einen Mitgliedsstaat der EU. Das bedeutete 2024 ein Comeback: Nach 2008 war zum ersten mal die Zahl derer, die aus der EU nach Deutschland kamen kleiner, als die Zahl derer die in Mitgliedsstaaten auswanderten. Im Jahr 2013 hat die EU die Regeln der „Freizügigkeit“ erweitert. Demnach ist die Zuwanderung von einem zum anderen Mitgliedsstaat und auch wieder zurück leichter geworden.
Entsprechend stand 2024 bei der Abwanderung mit Rumänien ein EU-Staat an der Spitze der Länder, in die Menschen aus Deutschland ausgewandert sind: insgesamt 178.000 Personen. Danach folgte die Ukraine, in die 100.000 Personen abwanderten, Polen mit 95.000 Fortzügen und Bulgarien mit 61.000 Fortzügen. Laut Bundesregierung kamen zum ersten mal, seit diese Staaten Mitglied in der EU sind, weniger Menschen aus Polen, Bulgarien und Rumänien nach Deutschland, als in diese Länder ausgewandert sind.
Dazu passen die aktuellen Zahlen der Agentur für Arbeit. Demnach ist die Zahl der Beschäftigungen von Januar 2025 auf Januar 2026 um 94.000 Beschäftigungen auf 45,7 Millionen Beschäftigten gesunken. Auch die Zahl der Beschäftigten ist rückläufig gewesen: um 40.000 Personen auf 35 Millionen Beschäftigte. Wie das Bundesministerium für Arbeit mitteilt, wäre die Zahl der Beschäftigten ohne Zuwanderung schon seit Jahren rückläufig.
Wer die Zahlen des Migrationsberichts mit den aktuellen Beschäftigungsdaten zusammenlegt, kann daraus einen Trend ablesen, dass es für Menschen aus Polen, Bulgarien und Rumänien weniger attraktiv geworden ist, zur Arbeit nach Deutschland zu kommen. Anders als die Bürger mit türkischem Hintergrund fällt es ihnen wegen der EU-Freizügigkeit leichter, zwischen zwei Ländern zu wechseln.
Laut Migrationsbericht lebten im Jahr 2024 rund 21 Millionen Menschen mit einer „Einwanderungsgeschichte“ in Deutschland. Das entsprach in dem Jahr etwas mehr als einem Viertel der Bevölkerung, genau 25,6 Prozent. Von diesen 21 Millionen Menschen waren 75,6 Prozent Mitglieder der „ersten Generation“, sind also selbst ausgewandert. 24,4 Prozent waren Mitglieder der „zweiten Generation“, sind also Kinder von zwei eingewanderten Eltern, aber in Deutschland geboren. Von den 21 Millionen Menschen mit „Einwanderungsgeschichte“ besaßen im Jahr 2024 rund 44 Prozent die deutsche Staatsbürgerschaft.
Nach einer statistischen Erhebung des Bundes, dem Mikrozensus, kamen 2024 von den 21 Millionen Menschen mit „Einwanderungsgeschichte“ nur 29,7 Prozent aus Staaten der EU – aus anderen Länder der EU waren es 35,1 Prozent. 27 Prozent kamen demnach aus Asien. Der Rest verteilte sich 2024 auf Länder aus Afrika, Amerika und Australien. Unter den einzelnen Ländern stellt die Türkei die größte Menge von Menschen mit „Einwanderungsgeschichte“: 2,6 Millionen Personen.

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