Hart aufgelaufen ist der Bundeskanzler beim Parteitag seiner CDU mit der Forderung, die Anonymität im Internet abzuschaffen. Doch das Thema wird wiederkommen. Es ist für die Demokratie wichtiger, als die meisten ahnen.
IMAGO
Ein bisschen wie in Alcatraz fühlt man sich dieser Tag am Landgericht Amberg. Die kleine Stadt in der Oberpfalz ist Schauplatz eines Mammutverfahrens wegen Waffen- und Drogenhandel.
Ein Ukrainer und vier Männer mit kasachischen Wurzeln sind angeklagt, AK-47-Schnellfeuergewehre, Handgranaten, Crystal Meth und Koks deutschlandweit im großen Stil vertickt zu haben – möglicherweise auch an die Hells Angels.
Verkäufer und Käufer werden der gewaltbereiten Organisierten Kriminalität zugeordnet. Es ist ein Hochsicherheitsprozess. Zusätzlich zu den massiven Vorkehrungen vor und im Justizgebäude sitzen auch im Gerichtssaal selbst ein halbes Dutzend Polizisten einer Sondereinheit.
Sie sind sämtlich vermummt.
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„Ich möchte Klarnamen im Internet sehen. Ich möchte wissen, wer sich da zu Wort meldet.“
Das könnte eines der prägenden Zitate für die Amtszeit von Friedrich Merz als Bundeskanzler werden. Der Vorstoß des CDU-Vorsitzenden ist auf dem gerade beendeten Parteitag zwar ins Leere gelaufen: Die Delegierten wollten sich damit nicht beschäftigen und haben das heiße Eisen an die Bundestagsfraktion weitergereicht. Aber die Idee ist jetzt in der Welt. Sie wird wieder auf die Tagesordnung kommen.
Und egal, von welcher Seite aus man sie betrachtet: Sie ist fürchterlich.
Kaum etwas könnte das besser verdeutlichen als die vermummten Polizisten in Amberg. Jeder versteht sofort, weshalb sie ihre Identität nicht preisgeben: Damit nicht die Herren vom Waffenschieberring oder die freundlichen Motorradfahrer von den Hells Angels beim SEK-Beamten zuhause erscheinen und einen kleinen Plausch halten wollen.
Analog möchten Bürger ihre Meinung gerne auch ohne Namensnennung sagen können, damit man nicht wegen einer flapsigen Bemerkung morgens um sechs in den zweifelhaften Genuss einer Hausdurchsuchung kommt.
Dabei muss jedem klar sein: Ein bisschen anonym geht genauso wenig wie ein bisschen schwanger. Das sieht man auch an der Debatte über ein Social-Media-Verbot für Jugendliche. Das lässt sich nämlich überhaupt nur dadurch umsetzen, dass sich jeder – nicht nur der Jugendliche – vor der Benutzung identifizieren muss.
Da sind wir dann gar nicht mehr so weit weg von China oder von Weißrussland, wo die Menschen ihren Ausweis zeigen müssen, bevor man sie im Internetcafé an einen Rechner lässt.
Wer würde sich wohl noch im Netz in einem Fachforum über Alkoholismus, über Depression oder über eine Geschlechtskrankheit informieren, wenn er dazu immer seinen vollen Namen preisgeben müsste? Wer würde sich online noch an einer Umfrage über den eigenen Arbeitgeber beteiligen?
Wahlen sind in allen demokratischen Staaten aus demselben Grund geheim, aus dem die Anonymen Alkoholiker nicht Klarnamen-Alkoholiker heißen: um Menschen zu schützen. Niemand soll fürchten müssen, wegen seiner Wahlentscheidung Repressionen ausgesetzt zu sein – genauso wenig, wie irgendjemand fürchten soll, wegen seines Alkoholismus (oder einer anderen Sucht) öffentlich an den Pranger gestellt zu werden.
Exakt dasselbe gilt für Meinungsäußerungen. Selbstverständlich müssen die auch anonym möglich sein.
Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie naiv viele Menschen auf diesen Gedanken reagieren. „Da passiert doch nichts“, heißt es dann. „Wer nichts getan hat, hat auch nichts zu befürchten.“
Deutschland hat in den vergangenen hundert Jahren zwei monumentale Diktaturen erlebt. Beide Male ist sehr vielen Menschen sehr viel passiert, weil sie nichts anderes getan haben, als ihre Meinung zu sagen. Warum nur halten ausgerechnet die Deutschen den Staat für ihren Freund und die Politiker für gute Menschen?
Vor wenigen Wochen hat die Zeitung „Welt am Sonntag“ enthüllt, dass der Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende seit 2021 – da war er noch Oppositionsführer – Hunderte Strafanträge wegen Beleidigung gegen Kritiker gestellt haben muss.
Dass Friedrich Merz weiß, wer sich im Internet zu Wort meldet: Das kann
kein Bürger wollen, der auch nur halbwegs bei Verstand ist.

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Klarname : Pinocchio
Na? Wer ist das?
Merz glaubt anscheinend, dass wenn er sich als der Super-Populist der dominierenden Haltungsklasse aufführt, dort oben an Einfluss gewinnen kann.
„möglicherweise auch an die hells angels“. ja, und? gibt ein paar klicks mehr. es ist te zu gönnen! . nein, nicht das, was viele jetzt denken: das einstimmen in das übliche gejammere, vulgärlibertäre inklusive. was meinen sie, warum diese figuren noch existieren, während man in berlin ernsthaft ein motorradverbot am wochenende diskutiert? WER ist diesen figuren alles im letzten halben jahrhundert in den hintern gekrochen? polizisten, politiker, journalisten, …? die gleichen, die es auch das nächste halbe jahrundert tun werden. . nun gibt es ja nicht nur die crème de la crème. eine kleine stufe tiefer wird es aber auch… Mehr
Der Olympionike schaut lieber die Geißens als mit Merz zu telefonieren:
https://www.zdf.de/play/shows/heute-show-104/heute-show-vom-20-februar-2026-100
Min. 04:54
Aber ER “will Klarnamen sehen”. Dann sollte doch alles klar sein.
Wie aber finden sie Rentner in Heilbronn, die Lügner mit Märchenfiguren verbinden, die unter Alias facebooken?
Er soll ungestraft bleiben – und die anderen, deren Nonsens auffiel, wohl ebenso.
Will jemand nun wissen, was solche Aktion den Steuerzahler kostete?
„Ich möchte wissen ….. “
Dazu hat er kein Recht. Punkt!
Es gibt schon lange keine Anonymität im Internet mehr. Selbst wenn man wider Erwarten auf die „Klarnamenpflicht“ verzichten sollte – wenn Behörden einen finden wollen, dann werden sie ihn finden: Anhand von IP-Adresse & Co. Da helfen TOR und VPN nur bedingt. Selbst im so genannten „mega-anonymen Darknet“ haben Fahnder schon Kriminelle ausfindig gemacht.
Internet-Anonymität ist eine Illusion, selbst ohne Klarnamenpflicht.
Mal ein Tip an all’ die Bürgis, die „nichts zu verbergen haben“: Darüber entscheiden doch gar nicht Sie. Darüber, was unproblematisch ist und was vielleicht besser zu verbergen wäre, darüber entscheidet die Regierung. Und zwar nach Belieben, von einem Tag auf den anderen.
Wer es nicht versteht: man erlaubt jedem Straftäter, sogar Schwerverbrechern, sich im Gerichtssaal zu „anonymisieren“, indem er sich einen Aktendeckel vors Gesicht hält. Muslimische Frauen, wie die Gattinnen von IS-Mitgliedern, die wegen Mißhandlung/Folter von „Ungläubigen der (Mit-)Täterschaft angeklagt waren, konnten dort in Vollverschleierung auftreten. Beriefen sich auf ihre „Religion“. Linksterroristen können trotz „Vermummungsverbot“ ( genau so lächerlich wie „Messerverbotszone“!) maskiert/vermummt als Zuschauer in Gerichtssälen in Massen auftreten, unbehelligt von Polizei/Gericht. Offiziell mit FFP2-Maske, Sonnenbrille und Strickmütze als gute Bürger legitimiert. Und gewissen Tätern erlaubt man, im Gerichtssaal offen Symbole ihrer Gesinnung zu zeigen/tragen, während sie ihr Gesicht verbergen. Clevere Verteidiger… Mehr
„Sollen wir uns das weiter gefallen lassen von Politikern und Behörden“?
Nun, ca. 75% der Wähler sagen: ja!
Ja. Wie Bohley und Bezmenov weissagten:
man hat ihnen tatsächlich erneut den Verstand genommen. Nun irren sie – und können nicht mehr zum eigenen Wohle entscheiden.
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Prof. Mausfeld in seinem Vortrag über „Machteliten, Think Tanks und Tiefenindoktrination“ spricht auch über den „Gebrauch“ der Schulen hinsichtlich dessen: https://www.youtube.com/watch?v=EmqWNjEhVt0&ab_channel=wikiTHEK
Hier das Skript: https://www.uni-kiel.de/psychologie/mausfeld/pubs/Mausfeld_Die_Angst_der_Machteliten_vor_dem_Volk.pdf
Zitat: „sitzen auch im Gerichtssaal selbst ein halbes Dutzend Polizisten einer Sondereinheit. Sie sind sämtlich vermummt.“ > Nun ja, wenn SEK/MEK- und GSG9-Beamte durch ihre Sturmhauben vermummt sind, habe ich dafür ja noch ein gewisses Verständnis. Doch bei uns in „Schland“ läuft ja heute – also im Merkelischen Jahre 11 nach 2015, mittlerweile selbst jeder normale Polizist bei einen normalen Einsatz oder Haus-/Geschäftsdurchsuchung mit einer Sturmhaube durch die Gegend. Gleiches gilt auch auf Demonstrationen. Warum eigentlich??! Ja, warum eigentlich? Kann es vielleicht angehen, dass bei unseren -nicht selten auch grad gegenüber den schon länger hier lebenden großkotzig auftretende- Polizisten in… Mehr