Österreichs Babys können in Eltern-Kind-Pass sechs Geschlechter haben

Im neuen österreichischen Eltern-Kind-Pass sind sechs Geschlechtskategorien vorgesehen, die künftig in diesem Vorsorgepass für Neugeborene erfasst werden sollen. Grundlage dafür ist ein Erlass aus dem Jahr 2020, der nun im Zuge der Digitalisierung des Eltern-Kind-Passes praktische Relevanz erhält – das sorgt für Kritik.

IMAGO / Roland Mühlanger
Der alte Mutter-Kind-Pass wurde ersetzt durch den Eltern-Kind-Pass

Der Eltern-Kind-Pass, früher als Mutter-Kind-Pass bekannt, begleitet Familien von der Schwangerschaft bis zum fünften Lebensjahr des Kindes. Er dokumentiert medizinisch empfohlene Untersuchungen und gilt seit Jahrzehnten als wichtiges Element der Vorsorgemedizin. Ab 2026 soll der Pass überwiegend digital geführt werden. Mit dieser Umstellung werden auch neue formale Kategorien verbindlich – darunter sechs mögliche Angaben zum Geschlecht eines Neugeborenen, von „männlich“ und „weiblich“ bis hin zu „divers“, „inter“, „offen“ oder „keine Angabe“.

Im Parlament hat diese Reform bereits zu heftigen Auseinandersetzungen geführt: Befürworter argumentieren, dass intersexuelle und nicht-binäre Menschen auch in staatlichen Dokumenten sichtbar sein müssten und dass der Eltern-Kind-Pass diese gesellschaftliche Realität abbilden solle. Kritiker hingegen sehen darin eine ideologisch motivierte Überfrachtung eines ursprünglich medizinischen Instruments. Speziell im sensiblen Bereich der Geburtshilfe stoße diese Vorgabe an klare Grenzen, so der Tenor vieler Einwände.

Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts OGM verdeutlicht die Skepsis in der Bevölkerung. Demnach halten 82 Prozent der Österreicher sechs Geschlechtsoptionen für Neugeborene für „absurd“. Die Ergebnisse decken sich auffällig mit der Kritik aus Teilen der Ärzteschaft, die die neuen Vorgaben als realitätsfern und medizinisch problematisch bezeichnen.

Deutliche Kritik von bekanntem Frauenarzt

Besonders deutlich äußerte sich der Grazer Frauenarzt Armin Breinl in einem Interview auf ServusTV: Er kritisierte sowohl die Umbenennung des Mutter-Kind-Passes als auch die neuen Geschlechtskategorien. Begriffe wie „offen“, „inter“ oder „divers“ bei Neugeborenen hätten aus medizinischer Sicht keine Grundlage. Breinl schilderte, dass Hebammen und Ärzte unmittelbar nach der Geburt verpflichtet seien, eine entsprechende Auswahl zu treffen – obwohl medizinisch zu diesem Zeitpunkt ausschließlich ein eindeutig männliches oder weibliches Geschlecht festgestellt werden könne.

In dem Interview zeigte Breinl die entsprechende Seite des Passes, die direkt nach der Geburt auszufüllen ist. Dort werde das Geschlecht abgefragt, wobei künftig auch Optionen wie „keine Angabe“ vorgesehen seien. Aus seiner Sicht widerspreche das der medizinischen Praxis. Selbst in seltenen Fällen wie dem adrenogenitalen Syndrom, einer genetisch bedingten Hormonstörung, sei eine eindeutige Diagnose erst später möglich. Die neuen Kategorien seien daher auch in solchen Fällen nicht hilfreich.

Nach eigenen Angaben habe Breinl in mehr als 40 Jahren ärztlicher Tätigkeit keinen einzigen Fall erlebt, in dem diese zusätzlichen Kategorien medizinisch sinnvoll gewesen wären. Zusätzlich warnt er vor einer massiven Zunahme bürokratischer Belastungen. Mit dem verpflichtenden elektronischen Eltern-Kind-Pass ab 2026 seien zwischen 100 und 150 zusätzliche Fragen, neue Dokumentationspflichten und technische Anforderungen zu erwarten. Junge Kolleginnen und Kollegen hätten ihm bereits angekündigt, den Beruf angesichts dieser Entwicklung aufzugeben.

Für Armin Breinl steht fest: Der neue Eltern-Kind-Pass drohe sich zu einem „Gender-Pass“ und zugleich zu einem Bürokratie-Monster zu entwickeln. Die Reform geht noch auf Initiativen des damaligen grünen Gesundheitsministers Johannes Rauch zurück, der die Neuausrichtung des Passes als Schritt in Richtung Inklusion verstand.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 20 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

20 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
marie huana
2 Stunden her

Was sagt die Genetik dazu? Ich frage für einen Freund 🤡

Deutscher
17 Stunden her

Nur 6? Was ist mit den 127 anderen?

verblichene Rose
17 Stunden her

Im Siedlungsgebiet sieht es mit der „Vernunft“ ja nicht wirklich besser aus. Hier sind auch immer noch etwa 80% der Meinung, daß es mit der Kleiko schon gut gehen wird.
Wir müssen jetzt nur wirklich gut aufpassen, sonst holen uns diesmal die Ösis Heim ins Reich 🤠

Kassandra
4 Stunden her
Antworten an  verblichene Rose

Die Besatzung ist da wie dort ähnlich – und da musste nicht erst einer mit dem erhobenen rechten Arm in Wien einziehen. Das ganze geht diesmal schleichend und ohne Marschmusik – denn auch die ist bei denen verpönt. Kriegsgeheut – das ja. Man soll sich auf einen Gott berufen, schreit man so.

Michaelis
18 Stunden her

Wenn Kickl Volkskanzler ist, wird dieser Spuk ein Ende haben, sofort!! Dann kehrt wieder politische Vernunft ein im Alpenländle.

Alfons Kuchlbacher
4 Stunden her
Antworten an  Michaelis

Das Problem sind nicht die Kasperln in der Regierung oder im Parlament, sondern wie überall die verbeamteten Ideotologen in der Bürokratie.

Endlich Frei
18 Stunden her

Gemäß Trump:
„Drill, baby drill…“

…empfiehlt sich nun:
„Sprinkle, baby sprinkle…“

Heptamer
19 Stunden her

Was für ein grotesker Mist. Aber als Blaupause für Durchgeknallte in Deutschland allemal von Nutzen. Wobei die deutsche Gründlichkeit, immerhin in zwei Weltkriegen optimiert, noch ein paar Geschlechter dazu entdecken würde.

Kassandra
19 Stunden her

Das wird die Nachkommen mit den Kopftüchern vielleicht zusätzlich etwas verwirren – sie aber weiter fest daran glauben lassen, dass es von Allah gewollt nur Männer und Frauen geben kann –
und van der Bellen ja schon ankündigte, dass alle Frauen ihr Haar zu bedecken haben werden: https://x.com/WallStreetMav/status/2009439514830209468
Seitdem sind Millionen solcher mehr hier – und der Zeitpunkt rückt näher.
Was heißt, auch dieser „Aufreger“ ist einer vollkommen jenseits der uns zugemuteten Realität – und davon ablenkend.

Endlich Frei
20 Stunden her

Man kann nur hoffen, dass dieser Irrsinn endlich sein Ende findet und mit ihm die über 200 Lehrstühle für „Genderwissenschafen“ in Deutschland plus X in Österreich dazu. Wir brauchen endlich wieder nutzbringendes Wissen und keine Studenten im 20. Semester „Genderwissenschaften“. Die Dekadenz Deutschlands findet hier seinen größten Ausdruck.

Reinhard Schroeter
20 Stunden her

Es wird auch bei unseren Nachbarn, ausreichend Bekloppte geben, die nicht ahnen, was sie ihren Kindern damit antun.

Alfons Kuchlbacher
4 Stunden her
Antworten an  Reinhard Schroeter

Ja, stell mir grad vor wie so eine Vorstadt-Karen, die mit 40 ihr erstes Kind gekriegt hat, dramatisch dem Arzt erklärt, welches Geschlecht ihr Sprössling hat.

PK110
20 Stunden her

Wo kommen wir denn dahin, wenn sich die Politik um die Meinung von 82 Prozent der Österreicher scheren würde. Die Verantwortlichen sind sicher, das sie die einzigen sind, die wissen, was gut und richtig ist.