Wenn die bunten Fahnen wehen?

Der Berliner Senat setzt Prioritäten: Am 24. Juli 2019 wurden weitere 92 Maßnahmen für eine geschlechtliche und sexuelle Vielfalt beschlossen. Polizisten, die auf Neutralität bestehen, werden angegriffen und gemeldet.

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Ab sofort wird scharf zurückgedroht! Der Berliner SPD-Abgeordnete Tom Schreiber verbittet sich auf das Schärfste jegliche Kritik am Hissen der Regenbogenflagge. Die Berliner Polizei hatte getwittert: „Als Zeichen für Mitmenschlichkeit und Respekt hissten heute die stellv. Leiterin der #Dir6, Frau Röder, und der dortige Ansprechpartner für #LSBTI, Herr Buder, die #Regenbogenfahne vor ihrem Dienstgebäude in #Marzahn. #HappyPride2019“

Auf dem dargebotenen Foto sieht man eine Flagge und keine Fahne, aber das sei einmal dahingestellt. Die angeordnete Maßnahme zur bunten Flaggenhissung rief die „Unabhängigen in der Polizei“ auf den Plan:

„Regenbogenflagge hinter amtlichen Wappen der @polizeiberlin. Klarer Verstoß gegen das Neutralitätsgebot, das muss man auch scharf kritisieren. Offensichtlich hat das ^tsm die Funktion eines staatlichen Organs immer noch nicht verstanden.“

Nun ja, natürlicherweise darf man geteilter Meinung sein, ob es für staatliche Institutionen angebracht ist, solcherart Symbole vor seinen Dienstgebäuden anzubringen. Von Gelassenheit bis zu Kritik ist dabei alles möglich. Das liegt im wahrsten Sinn des Wortes in der Natur der Sache.

Die Sexualität eines Menschen ist in erster Linie Privatsache und keine staatliche Angelegenheit. Mir ist auch kein Fall bekannt, in dem ein Beamter aufgrund seiner Sexualität Nachteile in Kauf nehmen musste, es sei denn, damit waren Straftaten verbunden. Nur Letzteres erfordert eine Einmischung, bei der der Staat verpflichtet ist, zum Schutz seiner Bürger wirksam zu werden.

Nun aber hat sich seit mehreren Jahren der Berliner Senat den Minderheitenschutz ganz besonders auf die Fahne geschrieben. Berlin soll zur Regenbogenhauptstadt werden. Unisextoiletten in öffentlichen Gebäuden bilden dabei einen Schwerpunkt, währenddessen beispielsweise Schulgebäude verfallen und die personelle Ausstattungen rudimentär sind. Auch die Justiz vegetiert inzwischen auf dem Zahnfleisch vor sich hin. Der Senat setzt jedoch andere Prioritäten: Am 24. Juli 2019 wurden weitere 92 Maßnahmen für eine geschlechtliche und sexuelle Vielfalt beschlossen.

Die legitime Kritik am Hissen der Regenbogenflagge durch Berliner Polizisten, versucht man hingegen mit den üblichen Floskeln und Totschlagargumenten platt zu machen. So twitterte die Berliner Polizei: „Die Regenbogenflagge hängt immer wieder auch direkt vor unserem Polizeipräsidium. Ein Bekenntnis zu Werten wie Respekt, Mitmenschlichkeit, Gleichberechtigung und Toleranz schließt Neutralität nicht aus.“

Wumms, es wurde mit einer größtmöglich schweren Kanonenkugel auf die Zweifler geschossen. Geradezu ein Unmensch, wer kritisiert – wer kritisiert ist nämlich auch gleich gegen diese Werte. Damit versucht man natürlich jegliche Kritik schon im Keim zu ersticken. Das Motto lautet: „Sie kritisieren uns? Sind Sie etwa gegen die Menschenrechte und den Weltfrieden?!“ Derlei plumpe Totschlagargumente sind schwer in Mode gekommen.

Als Berliner Polizeibeamte 2006 zur Fußball-WM den Stolz auf ihre Deutschlandfahne dokumentieren wollten, war man deutlich einfältiger und intoleranter. Das würde gegen das „Neutralitätsgebot“ verstoßen, so eine Polizeisprecherin. In anderen Bundesländern sah man das allerdings nicht so. Eine weitere lebensfremde Berliner Aussage lautete: „… dass Einsatzkräfte etwa bei Ausschreitungen zwischen rivalisierenden Anhängern keinesfalls für Fans gehalten werden dürften.“ Um dieses zu vermeiden, wurden global Uniformen erfunden und kreiert, an manchen prangte sogar das stolze Landeswappen. Weltweites Verstoß gegen das „Neutralitätsgebot“? Es wird langsam komisch.

Ein Erziehungswissenschaftler schlägt unter die Gürtellinie

Aber man kann immer noch einen drauf geben. Ein besonders glorreiches Beispiel für „Respekt und Mitmenschlichkeit“ ist Tom Schreiber. Einst brach er seine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann ab, um von 2001 bis 2014 ein Studium der Erziehungs- und Politikwissenschaft an der Universität Potsdam zu absolvieren. Der Sozialdemokrat ist außerdem Fördermitglied „Verein lesbischer und schwuler Polizeibediensteter Berlin-Brandenburg“ (VelsPol BB e.V.).

Gestehen wir Schreiber zu, dass er sich von der Kritik ganz persönlich angegriffen fühlt. Das wäre allerdings betreffs seiner Abgeordnetentätigkeit grenzwertig und unprofessionell. Denn Schreiber bedroht Berliner Polizeibeamte mit seiner folgenden Veröffentlichung (einschließlich der Rechtschreibung übernommen):

„Sollten hier Polizeibeamte tatsächlich irgendetwas von einem Verstoß gegen die Neutralität schreiben, Bitte ich um die Namen. Dann kümmert sich der unmittelbare Vorgesetzte & die Behördenleitung darum! Ich auch! @Queerspiegel @queer_de @KnuthKristian @VelsPol @GdPHauptstadt“

Donnerwetter! Ein sozialdemokratischer Hinterbänkler führt in Berlin die Polizei und bedroht kritische Polizeibeamte. Disziplinarvorgesetzter scheint er auch noch zu sein. In diesem Zusammenhang würden mich und andere tatsächlich Schreibers Dienstgrad und Dienststellung in der Polizei interessieren. „Polizeianwärter auf Abruf“?

Wer mutmaßliche private Befindlichkeiten mit seiner privilegierten Abgeordnetentätigkeit vermischt, läuft Gefahr, sich für ein politisches Amt zu disqualifizieren, da er die rechtsstaatliche Gewaltenteilung nicht verstanden hat. Selbst wenn das Hissen der Regenbogenflagge nicht gegen das Neutralitätsgebot verstößt, hat Schreiber in der Berliner Polizei nichts zu melden. Vielmehr geht es hier darum, Kritik zu unterdrücken und Ängste zu streuen. Davon muss man sich aber nicht zwangsläufig beeindrucken lassen.

Dieses Verhalten kennzeichnet ausdrücklich nicht einen demokratisch legitimierten Umgang mit anderen Auffassungen. Bedrohungen beherrschen vielmehr das ungeschriebene Gesetz der Straße. Durch ein dominant-martialisches Auftreten sollen Menschen klein gemacht werden. Als zertifizierter Trainer mit vielen Jahren Berufserfahrung empfehle ich dann immer, sich von solcher Art Imponiergehabe nicht erschüttern zu lassen. Schreiber hat in der Berliner Polizei nichts zu melden, um im sozialdemokratischen Jargon zu bleiben: „Und das ist auch gut so!“


Steffen Meltzer, Autor von Ratgeber Gefahrenabwehr: So schützen Sie sich vor Kriminalität – Ein Polizeitrainer klärt auf

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Kommentare ( 36 )

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36 Kommentare auf "Wenn die bunten Fahnen wehen?"

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Ist Mohammed in Berlin nicht der beliebteste Vorname? Ich wünsche eine frohe Zukunft, Genossen 🙂

Dieser Vorgang ist ein Skandal erster Klasse. Auch wenn man gegen die Bewegung an sich aus demokratischer Sicht nichts einzuwenden hat, so ist diese Anmaßung ein Anzeichen des Sittenverfalls. Und zwar demokratischer Sitten. Ich kann einer Behörde, wie immer auch die Begründung für diesen Vorgang lauten mag, nicht mehr Vertrauen. Die verantwortlichen Person müssen zurücktreten. Und ich hoffe, dass die Presse den nötigen Druck aufbaut. Wenn der Staat parteiisch wird, dann ist unsere Demokratie tot.

Ich bin erschüttert. Ich kann mich an keinen derartigen Vorgang erinnern, in welchem Symbole, die keinen hoheitlichen Bezug haben, vor staatlichen Einrichtungen installiert wurden. Ich ziehe meine Schlüsse daraus. Einer RRG-Regierung in meinem Bundesland werde ich keinesfalls loyal gegenüberstehen. Ich denke, dass ich nicht allein stehen werde. Das nimmt ja langsam gefährliche Züge an.

Die echten Problem der Berliner Polizei, wie Personaldecke, technische Ausstattung und Kriminalität können nicht gelsöt werden, also macht man mit solchen Themen einen groß en Zirkus um von TOTALVERSAGEN abzulenken.

Die Berliner Polizieschule ist ein natürlich multi.kulturelles Tollhaus, in der Öffentlichkeit geht es drüber und drunter. Ob nun Rad- oder Scotterfahrer – die fahren wo und wann sie wollen, die Stadt vermüllt, und Betrunkene verzieren den Nahverkehr genauso wie das Rauchverbot auch nur für der deutschen Sprache mächtigen gilt.

„Regenbogenhauptstadt“ na klar, da haben die Senatsblasen wohl vergessen ihre zwecks Multikultitraum importierten Moslemmassen in die Rechnung einzubeziehen. Ich war vor 4 Wochen, nach langer Zeit (ca. 20 Jahre), mal wieder in Amsterdam. Galt lange Zeit als „Schwulenhochburg“ in Kontinentaleuropa. Sie sind immer noch sehr zahlreich in der Öffentlichkeit zu sehen. Doch im Gegensatz zu früher, nicht mehr händchenhaltend oder gar mal küssend. Sie traben nur noch nebeneinander her. In gesicherten Bereichen (Clubs, Wohnung) wird das anders sein, ist mir klar. Was hat sich in 20 Jahren so geändert? Definitiv die Kopftuchdichte. Unzählige die sich mit ihrer zahlreichen Brut und… Mehr

Und da dacht ich immer der Regenbogen steht für von jeder Art ein Männlein und Weiblein.

Bei den unendlich vielen Koryphäen in der SPD (Bundesebene eingeschlossen, Frau Svenja Schulze lässt grüßen), die sich alle berufen fühlen, für alle möglichen Klientel (Familiennachzug, Minderheiten etc. aber eben nicht für die Braunkohlekumpel in der Lausitz) öffentlich Partei zu ergreifen, nur für ihre ehemalige Stammwählerschaft eben nicht, freue ich mich schon auf das nächste Wahlergebnis, bspw. in Brandenburg! Die SPD darf dann feiern, falls sie nicht einstellig werden!

Die kleinste Minderheit ist das Individuum. Der Bezug auf Gruppen ist völlig sinnfrei, weil zum einen die (von der Politik gewählten) Gruppen völlig willkürlich definiert werden und zum anderen ein Indivuduum gleichzeitig in mehreren Gruppen vertreten ist. Deswegen braucht es auch kein „Primat der Politik“ sondern ein Primat von Freiheit und Recht.

keine Sorge, die Moslems werden sich dieser Klientel mit großer Hingabe annehmen. In Berlin soll ja jetzt viel gebaut werden.

So twitterte die Berliner Polizei: „Die Regenbogenflagge hängt immer wieder auch direkt vor unserem Polizeipräsidium. Ein Bekenntnis zu Werten wie Respekt, Mitmenschlichkeit, Gleichberechtigung und Toleranz schließt Neutralität nicht aus.“

Genauso könnte man schreiben: Das Nichthissen der Regenbogenflagge ist ein Bekenntnis zur Neutralität der Polizei.
Seit wann ist es Aufgabe der Polizei, sich öffentlich zu Werten einer bestimmten Ideologie zu bekennen?