TE-Exklusiv: Gestern Partner, heute „Speakerunternehmen“: Weimers wundersame Logo-Wand

Am Dienstag führte Weimers Frankfurt Summit die INSM unter seinen „Partnern“. Die INSM widerspricht: Eine Partnerschaft habe es nie gegeben. Einen Tag später bekommt die Logo-Wand einen neuen Hochstapler-Namen. Hinter dem Vorgang steht eine lange Geschichte mit angeblichen Medienpartnern, fremden „Autoren“, verschwundenen Logos und teuer vermarkteter politischer Nähe.

Screenprints: Frankfurt Finance Summit - Collage: TE

Die Weimer Media Group hat zwischen Dienstag, dem 29. September, und Mittwoch, dem 30. September, auf der Internetseite ihres „Frankfurt Finance & Future Summit“ eine auffällige Änderung vorgenommen. Am Dienstag hieß der entsprechende Bereich noch „Partner 2026“, unmittelbar darunter stand „Eine Auswahl unserer Partner“. In dieser Auswahl befand sich neben vielen weiteren auch das Logo der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

Am Mittwoch meldete sich die INSM bei TE. Ihre Erklärung lässt wenig Interpretationsspielraum: Man habe „zu keinem Zeitpunkt eine Partnerschaft mit dem Event vereinbart oder zugesagt“. Auch eine Abstimmung über eine Partnerschaft sei der Initiative nicht bekannt. Geschäftsführer Thorsten Alsleben sei lediglich eingeladen worden, bei der Veranstaltung einen Impuls zu geben. Er habe zugesagt, weil er sich aufgrund eines anderen Termins ohnehin in Frankfurt aufhalte. Von ihrer Darstellung als Partner habe die INSM nach eigener Aussage erstmals durch den TE-Artikel vom Vortag erfahren.

Wenig später hatte sich die Veranstaltungsseite verändert. Aus „Partner 2026“ war „Partner & Speakerunternehmen 2026“ geworden, aus „Eine Auswahl unserer Partner“ wurde „Eine Auswahl unserer Speakerunternehmen & Partner“. Das INSM-Logo blieb an seinem Platz. Einen Grund für die Änderung hat die Weimer Media Group bislang nicht öffentlich genannt. TE hat beide Fassungen dokumentiert.

Damit ist der aufgeblasene Begriff „Speakerunternehmen“ geboren. Ein Geschäftsführer hält einen Impuls, seine Organisation steht zunächst unter „Partner“ und tags darauf findet sie sich in einer neu geschaffenen Sammelkategorie wieder. Shady, shady, wie so vieles bei den Weimers. Diese Kategorie vereinigt nun echte Partner und Organisationen, deren Vertreter auf der Bühne auftreten, in derselben optischen Auslage. Nachher ist auch noch Deutsche Bank und Emirates Partner, weil da mal jemand per Zufall vorbeigelaufen ist oder in der Nähe einen Termin hatte. Welche wirtschaftliche oder institutionelle Beziehung hinter dem einzelnen Markenzeichen steht, erfährt der Besucher dort nicht mehr.

Für jeden unbeteiligten Dritten ist die Darstellung vom 29. September eindeutig. Über dem Logo stand „Partner 2026“, darunter „Eine Auswahl unserer Partner“. Auch mit der neuen Darstellung und Subsumierung unter dem neuen Weimer-Gedöns-Titel „Speakerunternehmen“ wird nach wie vor eine Unternehmenspartnerschaft suggeriert, die Größe und Nähe vortäuscht, wo offenbar gar keine ist.

Genau diese Partnerschaft bestreitet die INSM vehement.

Bei der Weimer Media Group trifft dieser Vorgang auf eine bereits erstaunlich lange Geschichte im Umgang mit fremden Namen und Markenzeichen.

Die FAZ war „Medienpartner“ – die FAZ wusste nur nichts davon

Schon der Frankfurt Finance & Future Summit 2025 war mit einer Medienpartnerliste beworben worden, die nach ersten Nachfragen brüchig wurde. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ erklärte damals ausdrücklich, sie sei weder 2024 noch 2025 Medienpartner der Veranstaltung gewesen. Eine entsprechende Vereinbarung habe es nicht gegeben; auch die Verwendung des FAZ-Logos habe die Zeitung nach eigener Darstellung nicht gestattet. Die FAZ selbst bezeichnete die behauptete Partnerschaft später als erfunden.

Damit stand schon vor einem Jahr dieselbe elementare Frage im Raum: Was bedeutet es eigentlich, wenn die Weimer Media Group ein renommiertes Logo unter die Überschrift „Partner“ setzt?

Beim britischen Wirtschaftsmagazin „The Economist“ wurde es anschließend noch eigenartiger. TE hatte bereits am 20. Oktober 2025 angefragt, ob die über Jahre dargestellte Verbindung zur Weimer Media Group tatsächlich bestand und ob das Unternehmen seine Marke für die Veranstaltungen freigegeben hatte. Eine Antwort blieb aus. Danach verschwand das Economist-Logo von den Weimer-Veranstaltungsseiten – vom Ludwig-Erhard-Gipfel und auch nachträglich vom Frankfurt Finance Summit. Auf der Internetseite von „The European“ wurde „The Economist“ weiter als Kooperationspartner geführt. Auch das CNBC-Logo verschwand aus der Rubrik der (angeblichen) Medienpartner.

Die Öffentlichkeit erfuhr bislang nicht, welche konkrete Vereinbarung hinter der jahrelang ausgestellten Economist-Nähe gestanden hatte. Sichtbar war nur die Bewegung auf den Webseiten: erst das Logo, dann die Pressefragen, schließlich das fehlende Logo.

Beim aktuellen INSM-Fall vollzieht sich eine andere Variante. Das Markenzeichen bleibt stehen. Die Überschrift darüber wird weiter gefasst.

Aus Politikern wurden bei „The European“ Autoren

Diese „Mehr Schein als Sein“-Vorgeschichte hat bei Weimers eine lange Tradition. Umso verwunderlicher ist, dass sich nach wie vor Personen wie Thorsten Alsleben von INSM weiterhin in diesen Ruch stellen und sich selbst mit jemandem in Verbindung bringt, den die FAZ als „Windbeutel“ bezeichnet.

Im Oktober 2025 geriet das zur Weimer Media Group gehörende Debattenportal „The European“ wegen seiner Autorenpraxis unter erheblichen Druck. Alexander Wallaschs Recherche beförderte zutage, dass die meisten der angeblichen Autoren keine solchen waren. Im Anschluss rekonstruierte auch t-online anhand archivierter Seiten fast 1.000 Autorenprofile. Die Weimer Media Group hatte sich zuvor damit gebrüstet, mehr als 2.000 renommierte Autoren aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft veröffentlicht zu haben. Unter den geführten Namen fanden sich Spitzenpolitiker und internationale Prominente.

Bei näherer Prüfung bestanden zahlreiche dieser Beiträge aus übernommenen Reden, Pressemitteilungen, Bundestagsbeiträgen oder Einträgen aus sozialen Netzwerken. Alice Weidels Sprecher erklärte, sie sei nie Autorin von „The European“ gewesen und habe auch keine Erlaubnis erteilt, sie mit entsprechenden Texten als Autorin auf der Plattform zu präsentieren. Alexander Dobrindts Innenministerium teilte mit, auch Dobrindt sei dort nicht als Autor tätig. t-online dokumentierte weitere Fälle, in denen Personen nach eigener Aussage nichts von ihrer neuen publizistischen Nebenbeschäftigung gewusst hatten.

„The European“ verteidigte die Veröffentlichung von Politikerreden sehr, sehr dünn als dokumentarische Praxis und verwies auf Quellenangaben. Fehlende Quellenangaben in einzelnen Fällen wurden bedauert. Tja, kann man halt nichts machen. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe ging das Großreinemachen los, zahlreiche Texte sowie schließlich sämtliche Autorenprofile verschwanden zunächst von der Internetseite, womit auch eine weitere Entstehung dieser Historien überprüft werden konnte. Das gesicherte Material reichte jedoch aus, um von einer groß angelegten Täuschung sprechen zu können.

Der Täuschungsmechanismus der Weimer Media Group war damit schon damals öffentlich bekannt: Ein bekannter Name erschien auf der aufgepumpten Medienseite in einer Kategorie, die eine engere Beziehung zum Medium nahelegte, als die betreffende Person selbst für sich reklamierte – oder ihr überhaupt selbst bekannt war.

Am Tegernsee wurde politische Nähe zum Verkaufsargument

Im November 2025 folgte die nächste Affäre. Dieses Mal ging es nicht um Autoren oder Medienlogos, sondern um das wertvollste Gut im politischen Berlin: Zugang.

Für den Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee bot die Weimer Media Group Unternehmen hochpreisige Kooperationspakete an. In den veröffentlichten Verkaufsunterlagen wurde als Vorteil ausdrücklich „Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger“ genannt. Pakete für 60.000 bis 80.000 Euro eröffneten unter anderem Zugang zur exklusiven „Executive Night“. Im Verkaufsgespräch wurde damit geworben, ein erheblicher Teil der Bundesregierung werde anwesend sein.

Die Weimer Media Group wies die Interpretation zurück, konkrete Gesprächstermine mit Ministern würden verkauft. Die politische Wirkung der Verkaufsunterlagen blieb erheblich. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zog sich als Schirmherr des Ludwig-Erhard-Gipfels zurück und sagte den bislang damit verbundenen Staatsempfang ab. Zur Begründung verwies er auf das „sehr offensive Anbieten“ von Kontakten über diesen Empfang. Später sagten auch die für den Gipfel angekündigten Bundesminister ihre Teilnahme ab.

Strafrechtliche Folgen ergaben sich aus diesem Komplex bislang nicht. Die Staatsanwaltschaft Berlin (es darf gelacht werden) sah keine zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für eine Straftat und eröffnete kein Ermittlungsverfahren. Die Frage nach der Vermischung eines Regierungsamtes mit einem Unternehmen, von dem Weimer wirtschaftlich weiterhin profitieren kann, blieb davon getrennt Gegenstand öffentlicher und parlamentarischer Auseinandersetzungen. Im März 2026 wurde bekannt, dass Weimer trotz seiner Treuhandkonstruktion im Transparenzregister weiterhin als wirtschaftlich Berechtigter der Weimer Media Group geführt wurde. Das ganze ist so dermaßen unsäglich, dass abermals die Frage gestellt werden muss, warum sich Personen wie Thorsten Alsleben von INSM ob nun mit oder ohne Logo in diese Nähe stellen.

Auch Frankfurt hat seine eigene Vorgeschichte

Der Frankfurt Finance & Future Summit selbst stand 2025 unter erheblicher Beteiligung des Landes Hessen. CDU-Ministerpräsident Boris Rhein übernahm die Schirmherrschaft und eröffnete die Veranstaltung, Finanzminister Alexander Lorz trat auf einem Panel auf. Hessen Trade & Invest unterstützte den Summit mit 30.000 Euro. Lotto Hessen steuerte nach Angaben der Landesregierung 9.000 Euro bei, die WI-Bank weitere 15.000 Euro. Für die von der Staatskanzlei beauftragte HTAI entstanden zusätzlich Kosten von 4.600 Euro.

Die parlamentarische Aufarbeitung beförderte eine eigentümliche Konstruktion ans Licht: Grundlage der 30.000-Euro-Leistung war ein privatrechtlicher Vertrag. Im Hessischen Landtag wurde kritisiert, dass keine detaillierte Kostenkalkulation, keine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung und kein Verwendungsnachweis vorgelegen hätten. Die Gegenleistung bestand nach den dort vorgetragenen Angaben im Wesentlichen aus der Platzierung des Landeslogos und der Möglichkeit, einen Sprecher zu benennen.

Zum Paket gehörte außerdem ein umfangreiches Ticketkontingent: 30 Karten für die Konferenz, fünf davon mit Zugang zur Abendveranstaltung, dazu 25 Tickets für die Kryptoveranstaltung. Nach Auskunft der Landesregierung wurde dieses Kontingent nicht genutzt. Die Schirmherrschaft Rheins war bereits beim ersten Gespräch zwischen Staatskanzlei und Weimer Media Group im März 2025 vereinbart worden.

Für 2026 zog Hessen dann die Reißleine bei der Unterstützung mit Steuerzahlergeld. Am 19. Mai fragte die Grünen-Abgeordnete Kaya Kinkel im Landtag, ob das Land den neuen Frankfurt Finance & Future Summit erneut unterstützen werde. Staatskanzleichef Benedikt Kuhn antwortete mit einem knappen „Nein“. Als unmittelbar danach angesprochen wurde, dass Hessen Trade & Invest weiterhin als Partner auf der Veranstaltungsseite geführt werde, erklärte Kuhn, diese Information sei ihm neu und werde überprüft.

Auch dort tauchte also bereits die inzwischen vertraute Frage auf: Was genau sagt ein Logo auf einer Weimer-Veranstaltungsseite eigentlich aus?

Jetzt heißt die Lösung also „Speakerunternehmen“

Am 21. und 22. Oktober richtet die Weimer Media Group nun den nächsten Frankfurt Finance & Future Summit aus. Die Veranstaltung wirbt erneut mit einer langen Wand bekannter Namen aus Wirtschaft und Finanzwelt. Nachdem die INSM gegenüber TE bestritten hat, jemals Partner gewesen zu sein, ist aus der klar bezeichneten Partnerwand binnen eines Tages eine gemeinsame Wand für „Partner & Speakerunternehmen“ geworden.

Thorsten Alslebens Teilnahme steht dabei außer Streit, der Mann will seinen Namen und den seines Unternehmens unter Kenntnis der langen und nun aktuell neuen Skandalserie in den Ruch der Weimers stellen. Die INSM bestätigt, dass ihr Geschäftsführer einen Impuls zugesagt hat. Er sei rein zufällig gerade in Frankfurt. Genau dieser Zufall genügt offenbar dafür, das INSM-Markenzeichen weiterhin prominent im Umfeld der Veranstalterpartner zu zeigen. Am 29. September erklärte die Website dem Besucher noch ausdrücklich, er sehe eine Auswahl der „Partner“.

Nach den Erfahrungen mit FAZ, Economist und CNBC bekommt damit jedes weitere Logo auf dieser Wand zwangsläufig eine eigene Frage. Weitere Unternehmen unter den übrigen dargestellten Institutionen können echte Partner sein, einen Vortragenden stellen oder in einer ganz anderen Beziehung zum Summit stehen. Vielleicht wissen die Unternehmen aber auch ebenso wenig über ihre „Partner“schaft mit dem Weimerschen Frankfurt Summit wie FAZ oder INSM.

Für einen Veranstalter, dessen Geschäftsmodell erheblich vom Renommee seiner Gäste und Unternehmen lebt, ist diese erzeugte erneute Unschärfe keineswegs nebensächlich. Eine Wand voller international bekannter Marken transportiert schon vor dem ersten Vortrag eine Botschaft über Größe, Vertrauen und Anschlussfähigkeit. Sozusagen das Steckenpferd der hochstapelnden Weimer Group.

Nach fremden Autoren, bestrittenen Medienpartnerschaften und verschwundenen Logos hat die Weimer Media Group mit dem „Speakerunternehmen“ endlich eine Kategorie geschaffen, die fast alles und jeden darunter aufnehmen kann. Wer dort einen Vortrag hält, dessen Arbeitgeber bekommt einen Parkplatz auf der großen Wand. Wer diesen Parkplatz bestellt hat, eröffnet den Raum für weitere Fragen.


Update 1. Oktober 11:15 Uhr: INSM teilt uns mit, dass das Unternehmenslogo von der „Partner & Speakerunternehmen“ Wand entfernt wurde.

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Kommentare ( 4 )

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4 Comments
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Peter Gramm
20 Minuten her

Weimer ist auch so einer aus Merzens Resterampe. Im Medienbereich sind viele Schaumschläger unterwegs. Es wird herumgelabert und Gesülze verbreitet.

Nihil Nemo
22 Minuten her

Das klingt ja alles sehr dubios. Wo ist er den veranstaltet worden, dieser Summit? In der Frankfurt Münchner oder Elbestraße?

Bernd Bueter
51 Minuten her

..ist das der zweite, sinnlose Geschwätzwissenschaftenzweig außerhalb der Laber-Universitäten?
Blendwerk a la Weimerismus? Vortäuschen von Nützlichkeit nennt sich das. Einziger Zweck: an öffentliche Gelder zu gelangen.
Bezahlte geistige Leere. Sozusagen ein Corpus CDU.

bkkopp
55 Minuten her

Ich weiss nicht ob die eitle Geltungssucht der Weimers, wie sie sich in den Medienprodukten und Verantaltungen zeigt, von ihm oder von ihr ausgeht, oder ob beide ähnliche Defizite im Selbstwertgefühl haben, das sie mit narzistischem Name-Dropping und extremer Wichtigtuerei mit den Teilnehmern ( Partner, Autoren bis Speakerunternehmen ) überspielen. Die dengliche Wortschöpfung Speakerunternehmen kann man schon als durchgeknallt einordnen.