Für Kriege muss der deutsche Michel viel Geld blechen, auch wenn sie ganz woanders geführt werden. Für den Konflikt im Iran und in der Ukraine zahlen die Deutschen fleißig mit – an der Zapfsäule und sogar bei der Deutschen Bahn.
picture alliance / SULUPRESS.DE | Torsten Sukrow
Der Krieg kennt nur Verlierer. Das sagt man ja so, doch es ist falsch. Nicht umsonst gibt es den Begriff „Kriegsgewinnler“. Damit bezeichnet man nicht diejenigen, die den Krieg gewinnen – sondern diejenigen, die am Krieg gewinnen.
Zahlen kennen keine Moral. Aber sie lügen auch nicht. Um Missverständnissen vorzubeugen: Hier geht es nicht um eine politische oder gar ethische Bewertung. Nicht um gut und böse, nicht um richtig und falsch. Hier geht es allein um ökonomische Kosten und ökonomischen Nutzen.
Das kann man unmenschlich nennen. Oder nüchtern. Für den Krieg im Iran zahlt zunächst einmal der deutsche Autofahrer.
Dabei kann einem schon der Gedanke kommen, dass da mit der notorischen „German Angst“ besonders kräftig Kasse gemacht wird.
In der vergangenen Woche ist der Großhandelspreis für einen Liter Super-Benzin um 6,8 Prozent gestiegen. An der Zapfsäule kostet derselbe Liter locker zwölf Prozent mehr als vor einer Woche.
Anderswo – komisch, komisch – steigen die Spritpreise nicht in den Himmel. Zum Beispiel in Spanien, das Foto stammt vom 04. März 2026:

(Foto: privat)
Oder in Tschechien, auch das ist vom 04. März 2026:

Dass die Konzerne Benzin ausgerechnet bei uns plötzlich so teuer machen, hat nichts mit dem Weltmarkt oder dem Iran zu tun.
Ein Öltanker braucht für die ungefähr 6.500 Seemeilen von der Straße von Hormus bis nach Hamburg etwa 20 Tage, wenn er über den Suezkanal fährt. Öltanker fahren aus Gründen der Sicherheit und der Energieeinsparung meist langsam mit durchschnittlich 13 bis 15 Knoten, das sind umgerechnet ca. 24 bis 28 km/h.
Wegen des Iran-Kriegs wählen viele Reedereien jetzt die längere Route um Afrika herum, als am Kap der Guten Hoffnung vorbei. Dadurch verdoppelt sich die Fahrzeit in etwa. Dazu kommen regelmäßig Wartezeiten von mehreren Tagen bei der Hafenabfertigung in Deutschland. Und danach muss das angelieferte Öl ja auch noch zu Benzin raffiniert werden, auch das dauert noch einmal ein bis zwei Tage.
Es gibt keinen logistischen Grund, weshalb das Benzin an unseren Zapfsäulen – und fast nur an unseren Zapfsäulen – hier und heute so viel teurer ist als vor einer Woche.
Unabhängig von aktuellen Preisschwankungen ist es bei uns natürlich der Staat, der das Tanken am meisten verteuert. Fast zwei Drittel des Spritpreises – im Schnitt 61,7 Prozent – sind Steuern.
Wenn die schwarz-rote Bundesregierung wollte, könnte sie die Autofahrer natürlich massiv entlasten. Aber sie will nicht.
Wir alle zahlen den Krieg mit Geldentwertung.
Der Iran wehrt sich derzeit vor allem mit Drohnen vom Typ Shahed. So ein Ding fliegt ungefähr 2.000 Kilometer weit, kann etwa 40 Kilo Sprengstoff tragen und kostet umgerechnet ziemlich genau 30.000 Euro pro Stück.
Nach Angaben des international renommierten „Center for Strategic and International Studies“ (CSIS) kommt nur jede zehnte Shahed-Drohne ins Ziel. Der Rest wird von Raketen und anderen Drohnen vom Himmel geholt. Diese Drohnen-Abwehr kostet ihrerseits immens viel Geld. Eine einzige „PAC3“, eine Abfangrakete vom Typ Patriot also, hat ein Preisschild von umgerechnet knapp 2,6 Millionen Euro. Die „günstigere“ Variante NASAMS kostet immer noch umgerechnet 860.000 Euro.
Das CSIS hat ausgerechnet, dass jede Shahed-Drohne, die ihr Ziel tatsächlich erreicht, durchschnittlich einen Schaden in Höhe von umgerechnet 300.000 Euro anrichtet. Man kann also die folgende, einfache Rechnung aufmachen:
Eine billige NASAM-Rakete kostet 860.000 Euro. Wenn sie eine Shahed-Drohne abfängt, hat sie einen Schaden in Höhe von 300.000 Euro verhindert. Unter dem Strich kostet eine solche Abwehraktion also 560.000 Euro.
Das sind die nackten Zahlen.
Ungefähr seit 1914 geht es in allen Kriegen maßgeblich vor allem darum, den Gegner ökonomisch auszubluten. So zynisch das klingt: Die vielen, vielen toten Soldaten und Zivilisten sind im Prinzip nur Kollateralschäden. Das gilt auch jetzt im Iran. Das Portal „BlingBling“ hat das völlig zutreffend so auf den Punkt gebracht:
„Wenn der Iran mehr billige Shahed-Drohnen produzieren kann als die USA teure Abfangraketen, dann gewinnt Teheran.“
Diese Materialschlacht zahlt der Bürger.
Rüstung ist staatlicher Konsum. Mit Schulden bezahlte Rüstung ist inflationär. Die Geldmenge steigt, aber die verfügbare Warenmenge sinkt. Panzer sind keine Investitionen. Sie verrosten oder werden zerstört. In beiden Fällen erhöhen sie nicht Wertschöpfung und Produktivität.
In welchen ökonomischen Wahnsinn uns Friedrich Merz, Lars Klingbeil und ihre Komplizen von „Unsere Demokratie“ da gerade hineinsteuern, zeigt ein einfaches Beispiel:
Seit dem russischen Angriff hat die Bundesrepublik Deutschland etwa 200 Milliarden Euro in die Ukraine überwiesen. Da sind Bürgergeld, Wohngeld und all die anderen Zuwendungen an ukrainische Flüchtlinge bei uns noch gar nicht mitgerechnet. Mit 200 Milliarden könnte man die Deutsche Bahn komplett sanieren und modernisieren. Im Wortsinn komplett: Züge, Streckennetz, Digitalisierung – wirklich alles.
Das Geld ist nicht weg. Es hat nur jemand anderes.

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Der Deutsche zahlt doch gerne. Gerade noch im Grenzgebiet Österreich getankt. 1.54 für Diesel. Jetzt, nach der unvermeidlichen Preiserhöhung, 1.63€. Also das Niveau in Dummerland VOR dem Iran-Krieg. Wer da wohl profitiert?
Bezüglich der Kosten für Waffenmaterial sei gesagt, daß Russland ungefähr nur 1/10 an Produktionskosten für Granaten etc. hat als der Westen. Deswegen kann sich ein russischer Vasall auch deren Raketen etc. erlauben…
In welchen ökonomischen Wahnsinn uns Friedrich Merz, Lars Klingbeil und ihre Komplizen von „Unsere Demokratie“ da gerade hineinsteuern?
In den Untergang.
Die größte Frechheit ist der Begriff „unsere Demokratie“. Das ist nicht Demokratie des Grundgesetzes.
Und die EU-Kommission macht fleißig mit, schlägt „Made in Europe“-Vorgabe vor.
Nur, ohne USA und China geht nichts.
In welcher Welt leben diese Leute?
In der Blümchenwelt?
Bei der DUH knallen mit Sicherheit die veganen Sektkorken.
War letzte Woche in Kroatien, habe insgesamt 3x getankt (auch für die Rückfahrt zurück ins beste Deutschland aller Zeiten). Hier die aktuellen Preise an den Tankstellen, bereitgestellt vom kroatischen „ADAC“:
Cijene goriva – Putne informacije – HAK
Was hat sich verändert? NICHTS!
Hier unterstützt „Vater (m/w/d) Staat“ den Raubzug der Mineralölkonzern-Ganoven bzw. unternimmt nichts dagegen, weil er ja selber massiv durch zusätzliche Einnahmen davon profitiert und etliche aktuelleo der auch zukünftige Regierungsverantwortliche wünschen sich noch höhere Preise für alle Autofahrer mit Verbrenner-Motor.
Wer nicht reagieren will muß fühlen und die werden es erst merken wenn sie arm und verlassen auf der Straße sitzen und da lobe ich mir die Sozialisten Spaniens, die wenigstens noch im Sinne ihres Landes handeln und nicht das Geld der Bürger zum Fenster hinauswerfen, nur weil ander meinen, ihne folgen zu müssen. Was derzeit abläuft ist hochgradig gefährlich für ganz Europa und die Auserwählten aus dem Morgenland sollen gefälligst ihre Handlungen selbst tragen, denn das geht uns genauso wenig was an, wie die Sache in der Ukraine und wir werden von ihnen seit Jahrezehnten immer noch als Nazis… Mehr
TE ist das erste deutsche Medium, wo korrekt wiedergegeben wird, dass anscheinend nur wir Deutsche wieder einmal so richtig abgezockt werden. Ich bin gestern aus Spanien zurück gekommen. Am Samstag haben wir dort unser Auto noch mal schnell vollgetankt (1,52 EUR/l, auf dem Foto im Artikel ist eine Billig-Tanke mit Selbstbedienung, während wir sogar den Service in Anspruch nahmen). Zu allem Überfluss empfahlen wir auch spanischen Freunden, schnell noch ihre Autos voll zu tanken. Die halten uns nun für bekloppt. Preis am Sonntag an derselben Tanke: 1,52. Preis am Dienstag: 1,52. Und gestern auf dem Weg zum Flughafen schaute ich… Mehr
„ Für den Konflikt im Iran und in der Ukraine zahlen die Deutschen fleißig mit – an der Zapfsäule und sogar bei der Deutschen Bahn.“
für die Ukraine zahlen die Deutschen zusätzlich noch mit ihren Beiträgen zur gKV, Arbeitslosenversicherung und gRV, höheren Mieten Dank Wohnungsnot …
Gott sei Dank haben wir ja das Bundeskartellamt, das uns vor derartiger Abzocke bewahrt! Kollege Kolbe kann ganz sicher auch erklären, warum das ganz normale Marktbewegungen sind, auf die der Staat keinesfalls mildernd Einfluss nehmen darf.
Um so höher der Benzinpreis um so mehr kassieret der Staat, das gefält sicher. Wenn die Steuern gesengt würden, müsste der Autofahrer keine horrente Preise zahlen.
Das die Spritpreise derart in die Höhe gehen dürfte weniger am Krieg liegen, als an Spekulation. Und natürlich an den in Deutschland extrem hohen Steuern. Der lange Umweg hat damit auch nichts zu tun. 89% des Öls das durch die Straße von Hormuz transportiert wird, gehen nach Asien. 2.5% in die US, 3.8% nach Europa. Das spielt keine wirklich große Rolle, schwerwiegender dürfte da sein, das Asien (China) teils bereits beginnt Transporte auf anderem Weg umzuleiten. Durch Überbieten. Die BW Brussels z.B. grade (siehe Fritz Goergen). Das Rüstung keine Investition darstellen würde ist auch extrem kurz gedacht. Ein funktionierendes Militär… Mehr
Gewöhnr euch schon mal diese Preise. Das wir uns auf Teuerungen bei Energie einstellen sollen, hat unser Kanzler ja weit vor dem Krieg gesagt. Damit die Sozialleistungen für Nichteinzahlende blos nicht gekürzt werden müssen, ist an eine Steuerminderung oder die Abschaffung der Luftsteuer nicht zu denken.