Die SPD ist nur noch ein Apparat

Die SPD zehrt nur noch vom eigenen Apparat. Zwischen Funktionärsblase, Klassenkampfpose und Realitätsverweigerung verliert sie ihre letzten Arbeiter an die AfD. Übrig bleibt eine ausgebombte Partei, die das ganze Land mit in den Abgrund zieht.

IMAGO

Vielleicht rettet die SPD nur noch die Vereinigung mit der SED, die sich jetzt Die Linke nennt. Schließlich jährt sich die Vereinigung von KPD und SPD im Berliner Admiralspalast im April 1946 in diesem Jahr zum 80. Mal. Was für ein Jubiläum – und dann noch zur rechten Zeit. Der Eindruck verfestigt sich, wenn man zumindest dem Juso-Vorsitzenden Türmer zuhört, der von fern an den FDJ-Vorsitzenden Erich Honecker erinnert, wobei Türmers Klassenkampfattitüde allerdings etwas ranzig riecht. Gerechterweise muss man allerdings sagen, dass Honecker damals gerade aus dem Zuchthaus Brandenburg kam, in das die Nazis ihn eingesperrt hatten, während Türmer seine Radikalisierung in einem gutsituierten Kinderzimmer genoss. Und so hören sich Türmers Klassenkampfparolen auch an, unecht, geliehen, talmi, voller Kinderzimmerradikalismus. Und wie aus einem Kinderzimmer klingen seine Sprüche zum Thema soziale Gerechtigkeit, die nur belegen, dass er den Alltag von Handwerkern oder Facharbeitern nicht kennt. Aber wer kennt den schon noch im SPD-Apparat?

Klingbeils Initiative für die steuerliche Entlastung von Menschen mit einem Einkommen von 3000 Euro belegt die fehlende Kenntnis des SPD- und auch des Juso-Apparates der Wirklichkeit. Denn die Politik der SPD in der Ampel und jetzt mit der Union vertrieb die klassische Wählerschaft der SPD zur CDU oder zur AfD. Der Facharbeiter und der Handwerker kommen in der Politik der SPD nicht mehr vor, all jene nicht, die über 3000 Euro im Monat verdienen und die die Wirtschafts-, vor allem die Energiepolitik der Regierung trotz 4 oder 5000 Euro im Monat arm macht. Ein Blick auf die Wählerwanderung müsste der SPD die Richtung weisen, wenn sie denn als Partei überleben will. Sie ist nämlich nur noch ein Apparat ohne Basis. In Rheinland-Pfalz verlor die SPD 80 000 Wähler an die CDU und immerhin 35 000 an die AfD, an die Linke nur 7000 Wähler.

Ginge es nach Türmer, müsste die SPD um die gleichen Wähler kämpfen, die Grüne und Linke umwerben. Aber macht das die SPD nicht schon? Liegt nicht darin der Grund für ihren Niedergang? Die Grünen sind im Klimatralala erfolgreicher. Einzig in der Spießigkeit liefern sich Grüne und SPD noch einen harten Wettbewerb. Die Linken punkten bei Spätpubertierenden und bei NGO-Finanzierten, bei Islamisten und bei Antisemiten.

Nicht einmal mit dem Satz: „Die Parteispitze hat bisher keine ausreichenden Antworten gefunden – die Vorsitzenden leisten Regierungsarbeit, aber ein Gefühl des Aufbruchs oder eine überzeugende Erzählung für die SPD fehlt vollständig“ hat Türmer Recht, denn in der Regierung geschieht, was die SPD will. Wo will Türmer denn hin? In den Islamo-Kommunismus?

Nach dem Wahldebakel wird Merz Klingbeil noch mehr entgegenkommen, weil man ja der SPD helfen muss. Aber dadurch wird die Union a la longue die gleiche Erosion erfassen, in der sich die SPD bereits befindet. Nicht eine neue „Erzählung“ ist gefragt, sie erzählen schon genug, sondern Politik für das Land, für die Bürger, für die, die noch arbeiten und dem Umverteilungssystem noch nicht innerlich gekündigt haben. Nicht Worte, sondern Taten zählen.

Zwischen dem Versuch, irgendwie Mitte zu bleiben, und Türmers Klassenkampf wird die SPD zerrissen. Sie lebt vollständig in der Vergangenheit, weder Pistorius, noch Bas, noch Klingbeil, und auch nicht der Retro-Marxist Türmer haben auch nur annähernd begriffen, dass wir uns in der Neuordnung der Welt befinden, in der Welt, aber auch in Deutschland. Sie geben nur wieder, was ihre 68er Lehrer ihnen in der Schule erzählt haben. Sie leben in der Welt von gestern. Die Jusos und die ihnen folgenden SPD-Apparatschiks möchten so gern Avantgarde sein und sind doch nur Arrièregarde.

Es gibt keine Ewigkeitsgarantien für Parteien. Die SPD ist ein Anachronismus, sie lebt nur noch, weil ihre Funktionäre in allen Institutionen vertreten sind, weil sie Apparat ist, wie Lew Tolstoi sagen würde: ein lebender Leichnam.

Allerdings werden die letzten Tage der SPD die Republik noch sehr teuer zu stehen kommen.

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Kommentare ( 21 )

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Rainer Glaesel
16 Minuten her

Bitte die Union nicht vergessen. Da gibt es keinen Unterschied mehr zur SPD. Auch deren Wirkung wird uns noch sehr teuer zu stehen kommen. Begonnen hat unser Niedergang ja schließlich mit Merkel. Unser politisches System in der jetzigen Form ist gescheitert. Volksbegehren und Volksabstimmungen braucht das Land. Nur noch direkt gewählte Abgeordnete. Durch die Listenplätze kann man die schlechtesten Politiker nicht abwählen. Politikerhaftung muss ebenso, wie unabhängige Staatsanwalten eingeführt werden. Ich als juristischer Laie halte den Tatbestand des Landesverrats bei mehreren Politikern für gegeben. Leider fehlt hier auch ein dringender Informationsbedarf durch alternative Medien. Wir haben gerade Politiker, die intellektuell,… Mehr

Fulbert
17 Minuten her

Der Text untrliegt einer falschen Annahme: Die SPD ist der politische Arm der Gewerkschaften (als Organisationen, nicht als Arbeitnehmervertretungen) sowie diverser anderer Verbände und (Nicht-)regierungsorganisationen, nicht jedoch die politische Vetretung von Teilen der Bevölkerung. Und damit eine hochmoderne, postdemokratische Partei, die extrem erfolgreich die Interessen ihrer Klientel durchsetzt, notfalls auch mit robusten Mitteln, wie politische Gegner, aber auch vermeintliche Partner es schon bei Aktionen von Gewerkschaften und anderen Organisationen der SPD erleben durften. Auf die Zustimmung der Wähler ist diese Partei schon lange nicht mehr angewiesen, wie die nahezu ununterbrochene Regierungsbeteiligungen ungeachtet der Wahlergebnisse zeigen.

Montesquieu
21 Minuten her

Die SPD ist die neue FDP. Sie kann sich bei 6% einrichten, aber trotzdem dauerhaft in der ersten Reihe am Regierungsmandatenapf mit fressen. Sie verlieren und verlieren und sitzen zur Strafe auch in der nächsten Regierung.

Unterthan
21 Minuten her

Sie hat Geld. Sie hat Netzwerke. Sie hat Pressemacht. Das zieht uns alle mit hinunter, wenn keine Einsicht einkehrt.

Leroy
27 Minuten her

Die SPD ist kein Apparat sondern ein Zombie. Ein lebender Toter.

Will Hunting
33 Minuten her

Das Problem der SPD dürfte folgendes sein.
Sie war Stellvertreter für die Arbeitnehmer im Kampf gegen die Bosse.
Dieses Themenfeld hat sich aufgelöst.
Warum auch immer.
Jetzt ist die SPD Stellvertreter für die Migranten.
Eine Abwendung von den Migranten dürfte in die absolute Bedeutungslosigkeit führen , denn die frühere Klientel ist zur AFD gewandert.
Für diesen Spagat braucht es mutige und intelligente Entscheidungen.
Da sehe in der SPD keinen klugen Kopf.

GWR
34 Minuten her

Wenn Merz jetzt der SPD noch! weiter entgegen kommt, dann wird sich das im Herbst in Meck-Pom und Sachsen-Anhalt rächen. Da wette ich drauf. Da laufen dann noch mehr Wähler von CDU und SPD zur AfD über. Aber das wäre auch gut so. Aber so weit denken die Politstrategen der Regierungsparteien nicht. Denen geht es nur um den aktuellen Machterhalt, Posten, Pfründe und Dienstwagen.

deltacenter
5 Minuten her
Antworten an  GWR

Ich hatte schon Angst Bas und klingglöckchen treten zurück !!!! Bitte bleibt !!!! Euer Werk ist noch nicht vollendet….ab 4% dürft ihr euch eine richtige Arbeit suchen

Holger Wegner
36 Minuten her

In den Abgrund ziehen können die das Land aber nur, weil die CDU das ermöglicht

sunnyliese
49 Minuten her

Die ganze Gilde der SPD besteht aus blutleeren Apparatschicks, denen es nur um ihre Posten geht, da kann man nehmen, wen man will. Leider ist das bei allen Altparteien so, und bei der jungen AfD ist der Prozess am wenigsten weit fortgeschritten, wird aber auch noch kommen.
Der Parteienstaat ist am Ende.

H. Hoffmeister
50 Minuten her

Die SPD und die Grünen könnten gar keinen Schaden anrichten, wenn die Union nicht die völlig undemokratische Brandmauer errichtet hätte. Die wirkt wie eine Reuse in der Politik: es wird immer nur noch roter und grüner, je mehr die Wähler nach langer Lernkurve die Schnauze voll haben und zur AfD wechseln. Bis eben die AfD die absolute Mehrheit auf sich vereinigen kann. Dies wird aber erst passieren, wenn der palliative Zustand des Landes im Exitus gemündet ist. Schade eigentlich.