Das ewige Stereotyp vom kapitalistischen Ausbeuter

Prof. Hans Jürgen Schlösser, Dr. Michael Schuhen und Prof. Dr. Nils Goldschmidt von der Universität Siegen haben im Auftrag des Verbandes Die Familienunternehmer e.V. „Marktwirtschaft und Unternehmertum in deutschen Schulbüchern“ untersucht.

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Wenn man mit „Linken“ diskutiert, hat man oft den Eindruck, dass deren Unternehmerbild spätestens in den Anfängen der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts hängen geblieben ist. Einem Bild von ausbeuterischen Kapitalisten, die ihre elenden Lohnabhängigen am ausgestreckten Arm gerade nicht verhungern lassen. Mit Ebenezer Scrooge schuf Charles Dickens in A Christmas Carol von 1843 den bis heute prägenden Prototypen des menschenverachtenden Unternehmers dazu.

Tatsächlich war das schon damals nicht so simpel. Als eines von unzähligen, unbesungenen Gegenbeispielen mag der Deutsche Ferdinand Thun herhalten, der sich als amerikanischer Textilmaschinen- und Textilfabrikant auf dem Betriebsgelände um die ärztliche Versorgung, Bildung, Erholung und Altersvorsorge seiner Mitarbeiter kümmerte – was die Gewerkschaften nicht von gewaltsamen Streiks zur Erzwingung der gewerkschaftlichen Organisation des Werks abhielt, die mit Verletzten und einem Toten einhergingen, obwohl eigentlich zwischen Betriebsführung und Belegschaft Vertrauen herrschte.

Nicht von ungefähr liegen in der Hochzeit der Industrialisierung um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert zugleich auch die Wurzeln von Unternehmer-Initiativen wie den Rotary oder den Lions. Das 19. Jahrhundert gilt als die Blütezeit privater wohltätiger Stiftungen. Nachdem die sich entwickelnden Nationalstaaten noch zu schwach waren, um die drängenden sozialen Fragen zu bewältigen, haben die genauso kapitalistischen wie aufgeklärten Bürger die Verantwortung übernommen.

Das alles und vieles mehr stört „Linke“ nicht, das immer selbe schematische Vorurteil vom kapitalistischen Ausbeuter zu bedienen. „Linke“ und Lehrer. Ob Letztere eher den Lehrerberuf ergreifen, weil sie „Linke“ sind und verbohrte Ansichten über Unternehmer, Kapitalismus und Marktwirtschaft haben, oder ob sie in ihrer Laufbahn dahingehend erzogen werden, sei dahingestellt. Jedenfalls verharrt in der Lehrerausbildung „die Behandlung des Unternehmertums oft in biografisch-anekdotischen oder auch herabsetzenden Darstellungen mit einer Betonung der negativen sozialen Nebenwirkungen von Marktwirtschaft und Unternehmertum“. So die zusammenfassende Beurteilung der ökonomischen Bildung von Lehrern durch Prof. Hans Jürgen Schlösser, Dr. Michael Schuhen und Prof. Dr. Nils Goldschmidt von der Universität Siegen, die im Auftrag des Verbandes Die Familienunternehmer e.V. „Marktwirtschaft und Unternehmertum in deutschen Schulbüchern“ untersucht haben.

Das spiegelt sich dann auch in den Schulbüchern wider. In der Studie wurden u. a. aktuelle Bücher allgemeinbildender Schulen der Fächer Erdkunde/Geographie, Geschichte sowie Politik/Wirtschaft, Sozialkunde und Sozialwissenschaften untersucht. Unternehmer spielen da meistens entweder keine Rolle oder kommen nur am Rande vor – z.B. als technische Erfinder – oder werden haltlos pauschal abgekanzelt: „Die Mehrzahl der Unternehmer kümmerte sich nicht um die Lebensbedingungen ihrer Arbeiter. Nur einige wenige waren daran interessiert die Lage der Arbeiter zu verbessern.“ denk|mal Geschichte 2 über die Zeit der Industrialisierung

Kraft und Löhrmann wollen es so
Von der Marktwirtschaft leben, gegen sie in der Schule ausrichten
Die Bedeutung von Unternehmern als Innovatoren und Antreiber von Fortschritt und dem damit verbundenen Wohlstand wird unterschlagen. Der Strukturwandel zur industriellen Gesellschaft wird als eine unpersönliche historische Entwicklung dargestellt ohne personifizierte Träger. Wobei die Frage, ob die Industrialisierung Fluch oder Segen sei, sowieso „in den meisten Schulbüchern der Sekundarstufe I wohl eher mit »Fluch«“ beantwortet wird. In den Sozialwissenschaften/Gesellschaftslehre sind Unternehmerpersönlichkeiten „nahezu nicht gegenwärtig“. Nicht einmal in den Wirtschaftsbüchern werden die Unternehmerpersönlichkeiten hinter den da tatsächlich anerkannt wohlstandsträchtigen Mittelstands- und Familienunternehmen gesehen.
Wenn Soziale Marktwirtschaft nicht gleich mit Sozialstaat verwechselt wird, dominiert wenigstens in der Sozialkunde eine „skeptische bis ablehnende Haltung zur Marktwirtschaft“. In der Geografie sind marktwirtschaftliche Verteilungswirkungen nur von Belang, wenn sie Ungerechtigkeiten erzeugen. Der herrschende global und historisch einmalige Wohlstand scheint ansonsten vom Himmel gefallen zu sein. Wenigstens darf er offensichtlich in keinem Fall etwas mit unternehmerischer Verantwortung, Freiheit, Eigentum und Wettbewerb zu tun haben.

Eine tragische Melange, wenn das in den Schulen dann auch noch verknüpft wird mit Deutschlektüren vom Stalin-Friedenspreisträger Bertolt Brecht, vom nach eigener Aussage „verhinderten Kommunisten“ Heinrich Böll („Denn ich halte den Kommunismus immer noch für eine Hoffnung, für eine Möglichkeit des Menschen, sich diese Erde »Untertan zu machen«, ihr Ordnung zu geben …“, DIE ZEIT, 11.8.1967), vom real existierenden Soziallisten Ingo Schulze oder von anderen weniger offenkundig aber nichtsdestoweniger überzeugt antikapitalistischen Autoren.
Nachgerade systematisch werden unsere Kinder schulisch als Bürger eines Schlaraffenlands der Umverteilung erzogen. Kein Wunder, dass die Marktwirtschaft inzwischen massenhaft in Misskredit kommt. Es braucht schon starken familiären Rückhalt, dass jemand am Ende seiner Schullaufbahn auch nur den Hauch einer Ahnung hat, worauf unser Wohlfahrtsstaat baut – auf individuelle Innovationskraft, Risikofreude sowie Leistungswille, Eigenverantwortungsbewusstsein und persönliche Haftungsbereitschaft.

Das hat äußerst weitreichende politische Implikationen. Wenn der unternehmerische Bürger nicht als Triebfeder einer gedeihlichen gesellschaftlichen Entwicklung erkannt wird, schwindet auch die Bedeutung der wirtschaftlichen Freiheit. Individuelle Freiheit wird dann schnell als Egoismus umgedeutet. Ein allseits regulierender Staat erscheint dann als logische Konsequenz.

Die Tragweite der ökonomischen Bildung sollte also nicht unterschätzt werden. Der Forderung des Familienunternehmerverbandes nach der flächendeckenden Einführung eines Schulfachs Wirtschaft ist daher eigentlich richtig. Bleibt allerdings die Frage, wie man die Lehrer dafür ausbildet beziehungsweise wie die Linkslastigkeit der Lehrerschaft generell überwunden werden kann.

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Kommentare

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  • Antikotu

    Ganz meine Meinung… Der A… Der Nation… Wie der Hamster im Laufrad… Immer nur laufen, laufen, laufen, damit das Rad sich dreht. Irgendwann vor Erschöpfung aussteigen und feststellen: der Käfig ist der alte und das Futter auch. Bon Appe.

  • Eysel

    Nur ein klitzekleines, reales Beispiel
    für die längst alltägliche Aversion, sogar Kriminalisierung von Unternehmertum:
    Als ich vor einigen Jahren meine „Geschäfte“ verkaufte musste ich meiner im Unternehmen ganz regulär angestellten Frau kündigen. Daraufhin war sie – noch nicht im Rentenalter – arbeitslos. Um Arbeitslosengeld zu erhalten verlangte die Krankenkasse eine Sonderprüfung in der festgesellt werden sollte ob ich die Arbeitgebenbeiträge (Ehegattenarbeitsvertag) ordnungsgemäß abgeführt habe/hätte. Dies TROTZ der turnusmässig regelmässig stattgefunden Prüfung all der letzten Jahre. – Grundlegendes Misstrauen bis hin zur Kriminalisierung! –

  • Bryan Hayes

    Welchen „Machtmissbrauch“ der Wirtschaft sehen Sie? Macht ist die Möglichkeit, Zwang auszuüben. Gerade das ist in einer ordoliberalen Wirtschaftsordnung, wie es die meisten Länder des Westens haben, so auch DE, gerade nicht möglich. Sondern Wirtschaftsunternehmen können etwas nur anbieten, auf das die Käufer dann freiwillig eingehen können. Da ist gerade kein Zwang mit im Spiel, höchstens Einfluss durch Werbung.

  • KoelnerJeck

    Ein Bildungsmonopol und ein allgemeines hohes
    Bildungsniveau schließen sich gegenseitig aus. „Staatliches Bildungswesen ist
    […] nichts anderes als ein vom staatlichen Gewaltmonopol betriebenes
    Massenkidnapping […] [der] Kinder und Jugendlichen zum Zwecke der beliebigen
    Indoktrination. [Es kann den] Vergleich mit der Vielfalt, der Effizienz und der
    Bedarfsgerechtigkeit der Angebote auf freien Märkten [nicht] standhalten.“
    (Roland Baader (2002) totgedacht S. 85). Privatisieren das Bildungswesen, dann wird’s besser!

  • Bryan Hayes

    Die CDU ist doch eine linke Partei, auf die meine Kritik dementsprechend natürlich auch gemünzt ist.
    Von Ihren Punkt ist „die Befreiung der „energieintensiven“ Unternehmen von der EEG-Umlage“ der einzige, der nicht links ist, sondern vernünftig, denn sonst würden diese Unternehmen ja ins Ausland abwandern.

  • Na da bin ich ja beruhigt. Auf Grund des Artikels und der Kommentare komme ich endlich auch zu der Überzeugung, daß der Kapitalismus ja gar nicht so schlecht ist. Jetzt müssen nur noch „linke“ Lehrer und Politiker wieder verboten werden, dann können wir uns alle im Paradies der westlichen Wertegemeinschaften wohlfühlen. Diese Kritiker sind aber auch allzu lästig.
    Weiter so bis zur totalen Privatisierung und Vermarktung. Es leben die Unternehmer.

    • Bryan Hayes

      Sie überziehen. Der Kritikpunkt von vielen hier ist, dass wir ein Verhältnis von ca. 25:1 (z.T. bis 100:0) haben von linker Sichtweise vs. realer Sichtweise und zwar in Schulen, Politik, NGOs, Verwaltungen etc.

  • Bryan Hayes

    Wir haben es hier häufig mit einer Mischung aus vorsätzlich selbstverschuldeter Urteilsunfähigkeit und Unwissenheit über die Realität einerseits und andererseits mit einer vorsätzlichen Propaganda zu tun. Letztere dient dazu, die Herrschaft der Funktionäre über die Bürger/Unternehmer immer weiter auszubauen; dies ist die Essenz und das Ziel aller „linken“ Kreise, „Argumente“, „Gedanken“ etc. Im Kern ist es der Sieg der Schwätzerkaste über die (ehemaligen) Bürger. Diese Leute wollen nicht im Wettbewerb ihre „Leistungen“ anbieten, sondern sie wollen sich am Eigentum der Bürger vergreifen, die Taktik dazu ist es, sich die Kontrolle über die Gremien der Territorialverwaltungen zu verschaffen und diese dann Zug um Zug umzubiegen, damit sie via Steuersystem etc. einen immer größeren Anteil am Bürgerwohlstand abgreifen und in die eigenen Taschen und zugunsten eigener Projekte lenken. Nur darum geht es am Ende. Und dazu sind diesen Leuten alle Mittel Recht. Historisch gesehen wirklich alle.

  • Gernot Radtke

    Zu wenig naturwissenschaftliche Bildung, schlechte intellektuelle
    und sprachliche Kompetenzen, völlig unzureichendes Wissen um das kulturelle Erbe der eigenen Nation und kaum etwas von dem Europas, aber vollgepumpt mit linker Ideologie auch über die ‚conditio sine qua non‘ (unerläßliche Bedingung) einer funktionierenden Wohlstandsgesellschaft, der brummenden Ökonomie und ihren mächtigen Finanzströmen – Herr Kraus führt es hier in TE ein ums andere Mal vorzüglich aus und einige
    andere Autoren wie Gerd Maas jetzt auch, die man dafür nicht genug loben kann. Ein Staat, der unter linker Bildungsägide seit Jahrzehnten die eigene
    Verdummung betreibt; der sich zu der hausgemachten eigenen Substanzschwächung noch millionenfach eine völlig bildungsresistente aus der Fremde ins Land und dessen Sozialsysteme holt; der von schaurigem Politpersonal regiert wird, das in seiner Einfalt dem Motor seiner Glückszuweisungen, der Wirtschaft, einen Knüppel nach dem anderen zwischen die Beine wirft; der sich vollends universalmoralischem
    Rettungs-Obskurantismus (Euro, Klima, Energie, Migranten, Hindukusch, Mali, Schwerkriminelle) ergeben hat – ein solcher Staat, noch dazu mit
    Schuldentürmen höher als der Himalaya, hat die besten Zeiten hinter sich. Ultimative Endstation und Endzweck seiner Entwicklung: der Nichtstuer mit bedingungslosem Grundeinkommen. Wellness für alle. Wer wird sie erwirtschaften? Die Hofreiters, Schulzes, Göhring-Eckardts, Kippings? – Es hat sich, und zwar auf allen Gebieten sich ehemals pragmatisch beschränkender Staats- und Gesellschaftskunst, eine entsetzliche und unfaßbare Lähmung unseres Landes bemächtigt. Überall sitzt der
    Pöbel obenauf und wird das Defiziente mit seinen Interessen zum Maß aller Dinge gemacht.