Schulden rauf, Vertrauen weg, Edelmetalle als letzte Rettung

Der weltweit wachsende Schuldenberg droht in nicht allzu ferner Zeit zusammenzufallen. Also wird Gold und in seinem Gefolge Silber als Gegenspieler der Schulden gebändigt – ein hoffnungsloses Unterfangen.

Am vergangenen Freitag stürzten die Preise von Gold und Silber ab. Wieder einmal, denn dieses Ritual hat eine lange Geschichte. Und immer, wenn den Kommentatoren keine stichhaltige Begründung für dieses Phänomen einfällt, erfinden sie eine. Dieses Mal war es der am Freitag veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht. Aber was hat der mit Gold und Silber zu tun? Um zwei Ecken gedacht: Im Januar sorgte der amerikanische Privatsektor für 267.000 neue Arbeitsplätze. Das werteten Anleger angeblich als positives Zeichen für die Wirtschaftsentwicklung und als negatives Zeichen für die beiden Edelmetalle, von denen Gold in bestimmten Anlegerkreisen als Krisenmetall gilt oder zumindest als solches abgestempelt wird. Und wenn der Arbeitsmarktbericht wegen vieler neuer Arbeitsplätze offenkundig das Gegenteil belegt, gehört eben der Goldpreis und in seinem Gefolge der Silberpreis in den Keller geschickt.

Man braucht kein Anhänger von Verschwörungstheorien zu sein, um so eine haarsträubende Begründung als Unsinn abzutun. Schließlich stiegen die Edelmetallpreise während ihres Aufwärtstrends zwischen 2001 und 2011 ja nicht allein in Krisenjahren, sondern auch über mehrere Jahre hinweg, als die US-Konjunktur brummte, etwa von 2004 bis 2008. Gold ist viel mehr als nur ein Krisenmetall, zum Beispiel Währungsreserve, internationales Geld, Schmuck und, wie gerade dargelegt, jahrelang auch eine interessante Geldanlage. Es ist staatenlos, hat kein Bonitätsrisiko, kann immer gehandelt werden und schützt vor Geldentwertung, also vor der im Trend abnehmenden Kaufkraft des beliebig vermehrbaren sogenannten Papiergeldes (sprich Schuldenberges), wohingegen Gold knapp ist. Was den Schuldenberg angeht, hat die Unternehmensberatung McKinsey gerade wieder einmal Horrorzahlen veröffentlicht. Demnach beliefen sich die weltweiten Schulden Mitte 2014 auf 288 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung.

Silber zieht Gold nach unten

Wie kann es sein, dass der Goldpreis immer wieder solche Einbrüche verkraften muss wie am vergangenen Freitag? Die in diesem Fall plausibelste Antwort: Weil Gold – wie auch Silber und andere Metalle – nicht nur physisch in Form von Barren, Münzen oder Schmuck, sondern auch an Terminmärkten gehandelt wird. Thorsten Schulte, Chef des Spezialdienstes „Silberjunge“, macht vor allem eine „sonderbare Marginerhöhung im Silberfuture“ für den kurzfristigen Preissturz verantwortlich. Margin bezeichnet die Höhe des Einschusses für Geschäfte mit Futures (Terminkontrakten). Verlangt die Terminbörse mehr Einschuss, wirkt sich das für kurze Zeit negativ auf den Preis aus; und dass dann der Silberpreis den Goldpreis mit nach unten zieht (wie bei anderer Gelegenheit auch umgekehrt), ist üblich.
Marginerhöhungen ziehen sofort Swapdealer (Terminmarkt-Spekulanten), die auf fallende Preise wetten, geradezu magisch an. Kommt dann der Arbeitsmarktbericht als Beschleuniger des Preisrückgangs dazu, zahlt sich die Spekulation aus. Schulte geht in seinen Überlegungen sogar noch weiter: „Die Swapdealer wollen den Investoren signalisieren, dass Gold und Silber weiter keine Alternative zu Papiergeld und erst recht nicht zu Aktien darstellen.“

Goldpreis von 1970 bis 1980 plus 2300 Prozent

Auch wenn man diese Meinung in Bezug auf Aktien nur bedingt teilen mag, in Bezug auf Papiergeld ist sie jedenfalls gerechtfertigt. Dafür gibt es genug historische Beispiele. Greifen wir hier nur ein besonders markantes heraus: die Gründung des Goldpools der Zentralbanken im Oktober 1961. Er sollte dafür sorgen, dass der Goldpreis konstant blieb. Das gelang dem Goldpool ein paar Jahre, dann wurde es wegen der zunehmenden Schwäche von Pfund und Dollar immer unruhiger. Im März 1968 hörte der Goldpool mit der Preismanipulation auf. Er beschloss die Spaltung des Goldmarktes in einen offiziellen und einen kommerziellen Teil. Daraufhin hüpfte der Goldpreis fast zwei Jahre lang ein wenig rauf und runter – bis er im Lauf des Jahres 1970 zum ersten Mal explodierte. Als dann im August 1971 die USA sich weigerten, Gold weiter gegen Dollar rauszurücken, gab es kein Halten mehr: Bis Anfang 1980 stieg der Goldpreis in Dollar, verglichen mit dem Preisniveau zehn Jahre zuvor, in der Spitze um 2300 Prozent.

Dimitri Speck nennt in seinem lesenswerten Buch „Geheime Goldpolitik“ drei Methoden der Goldintervention: direkte Verkäufe (wie gerade anhand eines Beispiels gezeigt), Goldleihe (Zentralbanken verleihen in einem komplizierten Verfahren Gold an Minen) und Terminmarkt (wie zwei Absätze vorher beschrieben). Wer interveniert, beantwortet Speck so: „Als Institution auf amerikanischer Seite kommt vorrangig der Exchange Stabilization Fund infrage, da dort der Einfluss des Kongresses geringer ist und da keine Protokolle veröffentlicht werden.“

Ein Anleihencrash liegt in der Luft

Die extrem hohe Verschuldung der Welt zu 288 Prozent der Wirtschaftsleistung, wie McKinsey sie ausgerechnet hat, ist mit nichts zurückzudrehen. Sie betrifft reiche und arme Länder. Täglich kommen einige Milliarden hinzu, ein schleichender, bis auf Weiteres kaum spürbarer Prozess. Er wird zwangsläufig in eine neue Währungsordnung münden, Zeitpunkt ihres Eintretens und Struktur unbekannt, eher in fünf Jahren und nur grob strukturiert als in zehn Jahren und aus einem Guss. Vorher dürfte etwas geschehen, das die Währungsreform erzwingen wird, denn ohne einen entsprechenden Druck würden sich Regierungen und Zentralbanken Zeit lassen. Denkbar ist eine nochmalige Finanzkrise, ein Konjunktureinbruch, die Ausdehnung der Griechenland-Krise auf andere Euroländer, die Eskalation des Ukraine-Kriegs, ein Crash an den Börsen oder das Zusammentreffen von zwei bis drei dieser Ereignisse.

Ein Anleihencrash liegt ja schon in der Luft, man verfolge dazu nur den Terminkontrakt Bund Future, der erst neulich die absurde Höhe von 160 Punkten gestreift hat; 100 Punkte wären normal. Anleihen sind Schulden, und die türmen sich immer mehr zu Bergen auf. Wann aus dem in der Luft liegenden Anleihencrash ein realer wird, lässt sich nicht vorherbestimmen. Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft wird das Vertrauen, das die Anleihenkurse oben hält, von einem Tag auf den anderen schwinden. Spätestens dann werden die Preise von Gold und Silber nach oben springen.

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