Blackbox KW 30 – Hitze: Nicht nur Berlin hat einen Schatten

Modenschau in Bayreuth, Hitzekoller in Redaktions- und Amtsstuben. Akuter Sonnenstich an der Humboldt-Universität. Wenigstens der schlaue Gauck ging baden.

Weiß die Hauptstadtjournaille mehr als wir? Zitteranfälle bei „Einigkeit und Recht und Freiheit“, aber Tannhäuser („Der Gnade Heil ist dem Büßer beschieden…“) bei 40 Grad kein Problem? Selbst Wagnerianer hatten wegen der Temperaturen ihre Bayreuth- Karten zurückgegeben, aber von Angela Dorothea Merkel, deren Tremens Berliniensis offiziell stets mit Wassermangel und großer Hitze begründet worden war, wurden im Festspielhaus ohne Klimaanlage keine Auffälligkeiten berichtet. Halt! Was heißt hier keine Auffälligkeiten? Keine Zwischenfälle wie aus dem Jahr 2015, als die Kanzlerin vom Stuhl fiel, aber selbstverständlich lobten die Zeitungen von Merkels Busenfreundin Friede Springer deren Bayreuth-Kleid, das diesmal in „Textmarkergelb“ („Welt“) leuchtete.

♦ Ach, Bayreuth! Für wahre Mode-Aficionados auch immer so eine Art Polnische Fashionweek. Unvergessen die sprenkelbunte Wuchtbrumme Claudia Roth, die dieses Jahr aber von Katrin Göring-Eckardt in Jesuslatschen und einem Kleid, grünglänzend wie ein Malachius bipustulatus (Zweifleckiger Zipfelkäfer), vertreten wurde. „Sie trug das Outfit ihres Lebens“ raunte die „Welt“ darob, ohne das näher zu begründen. Allerdings augenscheinlich ohne BH – wir müssen das hier ansprechen, weil es auch politisch ist. Denn in Italien hatten Aktivistinnen von FreeTheNipple alle Damen aufgefordert, am Samstag aus Solidarität mit Carola Rackete auf ihren BH zu verzichten. Tannhäuser war nicht Samstag, mögen Sie einwenden, verehrte Leser, aber Samstag hätte bei KGE vielleicht keiner geguckt.

♦ Wieder einmal wurden Behörden, Würdenträger und selbst unsere weitsichtige politische Elite vom Sommer überrascht. Die Bahn nutzte die gestiegenen Temperaturen flugs als Super-Ausrede für Verspätungen und andere Unpässlichkeiten, ein großer Teil des Parlaments gab sich selber hitzefrei bei der Vereidigung unserer neuen Verteidigungsministerin Lady KaKa, mehrere Städte stritten erbittert um den Titel „Heißeste Stadt Deutschlands“ – am Ende gewann, wenn auch nicht unumstritten, das niedersächsische Lingen mit 42,6 Grad – und die SPD hatte endlich wieder ein Thema:

Hubertus Heil, unser Genosse Sorgenkind, forderte die Unternehmen in Deutschland auf, Wasser und Ventilatoren bereit zu stellen (als würden deutsche Arbeitnehmer gehalten wie Hühner in Legebatterien), Svenja Schulze sieht die Erderwärmung in vollem Gange und Karl „die Fliege“ Lauterbach forderte Klimaanlagen für Altenheime und Krankenhäuser. (Von wem fordert er das? Seine Partei sitzt doch schon in der Regierung.)

♦ Die heißesten Ideen hat aber immer noch die Partei mit dem Sonnenstich. Deren Vorsitzender findet es „erstrebenswert, bis ins Jahr 2035 keine Inlandsflüge mehr in Deutschland zu haben“. Habecks Lösung: „Wir brauchen mehr Nachtzüge.“ Ein solcher Blödsinn würde nicht einmal einem afrikanischen Diktator bei 50 Grad Hitze einfallen.

♦ Würde Habecks Gedanken-Soufflé nicht in der Journaille breit diskutiert, hätte keiner mitbekommen, dass allein Mitarbeiter der Bundesministerien im vergangenen Jahr 230.000 Mal zwischen Bonn und Berlin hin und herflogen (Berlin-Bonn-Gesetz). Wenigstens hat dieser Wahnsinn Methode mit Paragraphen.

♦ Fliegen, Hitze, Fantasieren, da muss auch Lütke Daldrup, SPD, ein Wörtchen mitreden, schließlich ist er Chef des außerordentlichsten Flughafens der Welt, des BER. Der soll „bis 2050 klimaneutral operieren“ kündigt Lütke ungefragt an. Was will er damit sagen? Dass der BER erst 2050 in Betrieb geht?

♦ Da Frank-Walter, der Spalter, im Urlaub weilt, füllte Joachim Gauck das präsidiale Sommerloch so gut es ging. Noch ist die Berichterstattung nicht eindeutig: Rammte ein Sicherheitsbeamter den Weg frei, damit Pastor Gauck standesgemäß als erster ein Flugzeug in Berlin verlassen konnte? Oder drängelte sich ein frecher Bürger, 65, vor und attackierte den kräftigen Personenschützer, der lediglich „in aller Freundlichkeit“ dessen Weg blockierte? Gottseidank ist der Vorfall nicht in Sachsen passiert.

Danach ging der Pastor erst mal baden. Auch hier gibt es allerdings eine unsichere Quellenlage. Die einen sagen, Gauck sei in einem Einmann-Segelboot zu einem Ausflug auf die Ostsee gestartet, gekentert und prustend von einem NGO-Schiff gerettet worden. Vielleicht war auch das ein Missverständnis. Wer muss schon bei 1,50 Meter Wassertiefe von einem Rettungskreuzer aus dem Meer gefischt werden? Nicht mal Heiko Maas, 1,75 m.

♦ Mit Abscheu hat die deutsche Presse die Wahl von Alexander Boris de Pfeffel Johnson zum neuen Premierminister Englands zur Kenntnis genommen. Dabei ist der eigentlich einer von ihnen – „Times“, „Telegraph“, „Spectator“ sind nur einige Stationen seines früheren Lebens – außerdem hat Boris Johnson einen vorbildlichen Migrationshintergrund. Sein Großvater hieß noch Osman Ali und nahm erst in London den Namen Wilfred Johnson an. Weiß das Erdolf, der Prächtige? Hören wir aus Istanbul ein dreifach kräftiges Hurryiet?

♦ Boris schickte übrigens gleich mal einen Zerstörer in den Golf, um mit den Iranern ein ernstes Wort zu reden. Das würde auch unsere Verteidigungsministerin Lady KaKa gerne tun, hätte Vorgängerin Ursula die Marine nicht kaputt gemacht. Kreuzfahrtschiff statt Kreuzer klappt nicht mal bei KaKa. Deshalb verlangt KaKa nun mehr Geld für die Reparatur. Schon kräht Genosse Lars Klingbeil: „Es wird keine Aufrüstung nach den Wünschen von Trump geben. Das ist mit der SPD nicht zu machen …“ Wünsche von Trump? Offensichtlich sind die NATO-Gipfel 2002, 2006 und 2014 spurlos an SPD-General Klingbeil vorübergegangen. Leider ist das Willy-Brandt-Haus kopflos, so bleibt der IKEA-Aufruf ungehört: Der kleine Lars sollte mal langsam aus der SPD- Krabbelgruppe abgeholt werden!

♦ Großes Entsetzen nach Berichten aus Saarlouis: „Beispiellose Aggression nach dem Stadtfest ‘Emmes‘, Probleme im Freibad: Der OB von Saarlouis schlägt Alarm.“ Von „massiven Problemen mit Jugendbanden, die allesamt Migrationshintergrund haben“, schreibt OB Demmer, SPD, in einem Brandbrief, und von vielen Beschwerden „aus den Reihen der Gewerbetreibenden in der Stadt hinsichtlich dieser Jugendbanden“. Die Polizei von Saarlouis trainiere bereits den geordneten Rückzug. Entsetzen und Sprachlosigkeit herrscht übrigens vor allem, weil ein SPD-OB so etwas öffentlich sagt.

Der schreibt zwar extra beschwichtigend, dass es „eine gefühlte Zunahme“ von schweren Straftaten gebe, aber nun stehen die Migrations-Fakten schwarz auf weiß im Raum.

♦ Gehen wir lieber schnell weiter ins Homeland NRW, wo der Armin und der Herbert für Ordnung sorgen. Am Bahnhof der beschaulichen Kleinststadt Voerde fahren jetzt extra eine Polizistin und ein Polizist aus dem eine Stunde entfernten Kempen Streife, seit das Sicherheitsgefühl der Voerdener nach einem Mord leichten Schaden nahm. Ein serbischer Roma namens Jackson, wurde trotz (oder wegen) intensivster behördlicher Betreuung (knapp zwei Dutzend Einträge in der Kriminalakte) schließlich zum Mörder. Doch was nutzt die Polizei, wenn die Justiz Sozialarbeiter spielt?

♦ Wieder wurde das Düsseldorfer Rheinbad geräumt, weil „eine Gruppe von ungefähr 60 Jugendlichen, die aus Nordafrika stammen sollen, die Kontrolle im Bad übernehmen“ wollten. (!) Da können die Düsseldorfer froh sein, dass die großen Clans das Freibad nicht für sich beanspruchen. Die können sich trotz Sheriff Reuls Sondermaßnahmen längst private Pools leisten …

♦ Weil Sie, verehrte Leser, alleine nicht im Traum darauf gekommen wären, was alleine wahrer Forscherfleiß ans Licht bringen kann, wollen wir Ihnen folgende bahnbrechenden Erkenntnisse nicht unterschlagen:

Die Berliner Humboldt-Universität (der arme Humboldt!) hat herausgefunden, dass die meisten „Flüchtlinge“ (Definition wohl nach Dr. Merkel) „starke demokratische Grundeinstellungen mitbringen und der Achtung von Minderheitenrechten große Bedeutung beigemessen wird“. Das dürften dann wohl andere „Flüchtlinge“ sein als die, über die wir täglich überall lesen müssen.

♦ Apropos Crazytown: Der Sohn von Drogeriekönig Schlecker hat seine Strafe wegen Konkursverschleppung in Berlin angetreten, „wo die lockersten Regeln für den Strafvollzug in Deutschland gelten“. Ein normaler Bürger hat diese Chance in der Regel nicht, deshalb gilt für alle zukünftigen Gesetzesbrecher, was die alten längst wissen: Berlin ist Gangster’s Paradise.

♦ Das sächsische Verfassungsgericht gestattet der AfD nun 30 statt 18 Listenplätze und bezeichnete die Kastrierung der Partei durch die extra installierte Landeswahlleiterin Carolin Schreck als „mit hoher Wahrscheinlichkeit rechtswidrig“. Damit ist die Wunderwaffe „Schreck“ der Regierungsparteien in Sachsen quasi beim Start explodiert.

♦ In Österreich setzt man statt auf juristische Tricks mehr auf einen Video-Wahlkampf. Ibiza-Video, Schredder-Video, fehlt noch ein Sebastian-Kurz-Party- Video …


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Kommentare ( 81 )

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81 Kommentare auf "Blackbox KW 30 – Hitze: Nicht nur Berlin hat einen Schatten"

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Schön, dass das „Schreck-Thema“ in Sachsen hier auch einmal angesprochen wird! Wer war eigentlich Mitglied des am 5. Juli 2019 entscheidenden Landeswahlausschusses? Richtig, in der Sitzung führte die Landeswahlleiterin, Frau Carolin Schreck, den Vorsitz. Als Beisitzer waren Herr Freundorfer, Herr Grundmann, Herr Israel, Frau Rericha, Herr Dr. Scheffer, und Herr Weise anwesend. https://wahlen.sachsen.de/download/Medieninformation/LWL Und was hat das LVerfG Sachsen Frau Schreck vorgeworfen? Richtig: Rechtswidrigkeit! Carolin Schreck( CDU) ist Präsidentin des Statistischen Landesamtes des Freistaates Sachsen und Landeswahlleiterin von Sachsen. Frau Carolin Schreck hat an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen Rechtswissenschaften studiert. 1997 bis Juni 2001 war sie Kreiswahlleiterin beim Landratsamt Bautzen.… Mehr

Das Problem mit den Bahnhöfen ist, das auf dem Bahnhofsgelände die Bundespolizei zuständig ist, außerhalb aber die Landespolizei. Die Landespolizei könnte nämlich aus dem an Voerde angrenzenden Wesel kommen.

„…bis ins Jahr 2035 keine Inlandsflüge mehr in Deutschland zu haben“. Habecks Lösung: „Wir brauchen mehr Nachtzüge.“ Aber, aber Meister Habeck, wie wollen Sie denn des nachts, wenn es wegen Dunkelheit zappenduster ist, einen Klimaleugner wie mich bekehren, kann ich doch so den Klimawandel nicht in Augenschein nehmen, wie es per Inlandsflug von höherer Warte möglich wäre.

„Interessant ist, dass die meisten starke demokratische Grundeinstellungen mitbringen und der Achtung von Minderheitenrechten große Bedeutung beigemessen wird.“

Was soll daran unstimmig sein? Es beschreibt doch bestens, was unter demokratischer Grundeinstellung in Deutschland (wieder einmal) zu verstehen ist. Und wenn man sich selbst als schützenswerte Minderheit dieser ‚neuen’ Demokratie betrachtet, die es besonders zu achten gilt, ist doch auch alles gesagt.

Ich fasse es nicht mehr. Da mußte ein Gedicht von einer großen Giebelwand eines mindestens 4-stöckigen Hauses verschwinden, weil es als sexistisch empfunden werden konnte. Wenn man sich dazu Mühe geben wollte.
Und die gleichartige Fraktion zieht jetzt in den Nippel-Krieg. Und kommt sich dabei heldenhaft vor, wie Jeanne d´Arc.
„Um auf wesentliche Inhalte aufmerksam zu machen.“
Die Öffentlichkeitsarbeit vom Fakten-Basierten zur Tennie-Emotion. Aufmerksamkeitserregung muß wirksamer sein als Koks.

Ach, der knuddlige Robert, der Schwiegermamiliebling mit Löcher in den Socken… Wer halt noch nie in der freien Wirtschaft sein Geld verdient hat, der träumt halt vom DB- Nachtzug, sofern er denn fährt. Aber in Zukinft braucht’s noch nicht einmal mehr den, denn Industrie gibt’s ja keine mehr, Geschäftstermine sind passé, also nehmen wir doch gleich das Fahhrad, denn wir sind ja dann nur noch zum Spass unterwegs. Oder Pferde, aber generieren die nicht zuviel CO2? Schöne neue Welt, willkommen zurück im Mittelalter!

Wie wär’s statt zigtausender Inlandsflüge oder eines vollständigen Bonn-Berlin-Umzugs zu Kosten von mehreren Milliarden vielleicht mal mit Videokonferenzsytemen … oder ist auch das immer noch Neuland – oder bei den Digitalisierern der Verwaltung noch nicht angekommen?

Na hören Sie mal – da hört doch der Ami mit, und das „geht gar nicht“.

Herrlich !
Dank an Herren Paetow ,der mal wieder ein Schmunzeln ins Gesicht schreibt .
Wo immer sich bundesdeutscher Politikerirrsinn breitmacht ist der Autor zu Stelle . Um Irrsinn als Irrsinn zu bezeichnen und den Politchaoten den Spiegel vor die überhebliche Nase zu halten . Danke dafür !

Was sind das eigentlich für Formulierungen: „… mit hoher Wahrscheinlichkeit rechtswidrig“ … gegen einen „etwa geltenden Grundsatz“ … verstoßen …? Ob Frau Schreck oder die Richter jemals etwas davon gehört haben, dass „nur auf Grundlage eines Gesetzes“ in die Rechte der Bürger (und letztlich auch von Parteien) eingegriffen werden darf (Gesetzmäßigkeit)? Eine solche Rechtsgrundlage wurde bisher nirgends, absolut nirgends genannt. Beim Durchlesen der einschlägigen Regelungen wie dem Landeswahlgesetz (https://www.revosax.sachsen.de/vorschrift/2876-Saechsisches-Wahlgesetz) oder der Landeswahlordnung (https://www.revosax.sachsen.de/vorschrift/3733) habe ich nirgends eine einschlägige Vorschrift finden können, die die Entscheidung des Wahlausschusses hätte rechtfertigen können. Ein „hätte, wäre, wenn“ darf es in einem Rechtsstaat nicht geben.… Mehr

‚Hätte, wäre, wenn‘ gibt es schon lange in Deutschland, bis sich die Balken biegen – s. Art. 16a des Grundgesetzes.
Der wurde offensichtlich stillschweigend in die Tonne gekloppt.
Wen interessieren denn Gesetze…?

Jeden Sonntag lese ich zuerst die Blackbox von Stephan Paetow. Er beschreibt mit unnachahmlicher Treffsicherheit, die mittlerweile zur Wirklichkeit gewordenen Absurditäten in diesem Lande.