Rente: Durchblick statt Versprechungen!

Niemand wird bezweifeln, dass die finanzielle Bildung der Bürger auch hierzulande verbessert werden muss. Doch gerade bei der Rente ist die Politik hier leider wenig hilfreich.

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Kaum sind die Politiker aus der Sommerpause zurück, geht der Streit um die Rente wieder los. Zuerst war es Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) mit der Forderung, die Höhe der Renten bis zum Jahr 2040 statt wie bisher zum Jahr 2025 zu garantieren. Stimmt die Union nicht zu, droht er mit einem Rentenwahlkampf. Scholz sieht die Rentengarantie als Waffe gegen Populismus. „Stabile Renten verhindern einen deutschen Trump“, zitiert ihn die „Bild am Sonntag“.

Dass die Union umgehend konterte, gehört zum politischen Handwerk. Was aber ist von dem Argument zu halten, mit stabilen Renten gegen Populismus anzugehen?

Niemand wird bezweifeln, dass die finanzielle Bildung der Bürger auch hierzulande verbessert werden muss. Doch gerade bei der Rente ist die Politik hier leider wenig hilfreich. Zum einen ist das dort benutzte Fachvokabular wie „doppelte Haltelinien“, „Demografiereserven“ und auch der berühmte „Eckrentner“ kaum greifbar und schwer verständlich. Zum anderen aber haben es Politiker aller Parteien bislang versäumt, den Bürgern und Bürgerinnen Informationen über alle Renteneinkünfte leicht verständlich, datensicher und auf Knopfdruck zu ermöglichen.

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Die Rentenreformen der vergangenen Jahre haben ja gerade darauf abgezielt, neben der gesetzlichen Rente mit der betrieblichen und privaten Rente auch die beiden anderen Säulen der Altersversorgung zu stärken. Wer jedoch wissen will, was er oder sie im Alter daraus an Gesamteinkünften ziehen kann, muss mühselig diverse mehr oder weniger verständliche Standmitteilungen aus Aktenordnern kramen. Ist das geschafft, sind die versprochenen Zahlungen mal in jährlichen Raten, mal in monatlichen Raten ausgewiesen, mal brutto und mal netto. Dies alles ist so kompliziert, dass selbst studierte Mathematiker oft aufgeben.

Wer den Bürgern deshalb Sicherheit bei der Rente verschaffen will, sollte für Durchblick sorgen. Obwohl im derzeitigen (und vorherigen) Koalitionsvertrag vorgesehen und in Ländern wie Dänemark und Schweden längst eingeführt, gibt es in Deutschland noch kein Instrument, mit dem Bürger auf einen Blick ihre gesamten Alterseinkünfte sehen können.

Wir brauchen deshalb in Deutschland dringend ein datensicheres und einfach zu handhabendes Rentencockpit, mit dem jeder und jede alle Alterseinkünfte auf einen Click abrufen kann. Die so in Euro und Cent ermittelte Summe verschafft den Bürgern mehr Sicherheit als jede Diskussion um ein abstraktes Rentenniveau.

Dies ist nicht nur die Erkenntnis aus meiner langjährigen Beschäftigung mit der Vermittlung von Finanzwissen, sondern auch das Ergebnis der ersten groß angelegten wissenschaftlichen Studie zur Wirkung derartiger Rentencockpits. Mit Hilfe zweier großer Finanzinstitute haben die Goethe Universität Frankfurt am Main in Kooperation mit dem Max-Planck Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik und der Deutschen Renten Information e.V. (DRI) über 20.000 Bürgern die Möglichkeit geboten, sich Durchblick über ihre gesamten Alterseinkünfte zu verschaffen.

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Wer bis zum Schluss durchhielt – und das war mit über tausend Teilnehmern eine repräsentative Stichprobe – erhielt sein persönliches Rentencockpit. Der Name ist bewusst gewählt: wie im Auto wollten wir eine auf den ersten Blick zu erfassende und möglichst einfache Darstellung erreichen. Statt Jahressummen auszuweisen, haben wir uns analog zu den Gehaltszahlungen auf die monatlich zu erwartenden Einkünfte konzentriert. Sie wurden als garantierte sowie zusätzlich mögliche Summe gezeigt und zudem in Brutto- und Netto-Werte aufgeteilt.

Sagten uns vorher mit 66 Prozent zwei von drei Befragten, sie könnten ihr Alterseinkommen nicht einschätzen, fühlten sich nun 61 Prozent gut über die Altersvorsorge informiert. 64 Prozent empfinden das Rentencockpit als klar hilfreich.

Diese Werte machen deutlich, wie nützlich ein derartiges Rentencockpit für Durchblick bei der Altersvorsorge wäre. Die Deutsche Renten Information e.V. (DRI) hat deshalb im Mai 2018 mit zehn leistungsstarken Partnern aus Finanzindustrie und Wissenschaft die Arbeit an einem Prototyp für ein derartiges Rentencockpit begonnen. Wir wollen bis spätestens Ende 2019 eine offene Plattform für alle privaten und öffentlichen Rententräger schaffen, auf der Nutzer und Nutzerinnen einfach, datensicher und auf Knopfdruck ihre gesamten Alterseinkünfte einsehen können.

Wer als Politiker verhindern will, dass politverdrossene Bürger vermeintliche Sicherheit bei Populisten suchen, sollte deshalb schnellstens die im Koalitionsvertrag vorgesehenen gesetzlichen Voraussetzungen für ein solches Rentencockpit schaffen. Das ist Durchblick statt Versprechungen – und solide Sozialpolitik gegen Populismus.


Andreas Hackethal ist Finanzprofessor an der Goethe-Universität Frankfurt und Vorstandsvorsitzender der Deutsche Renten Information e.V. (DRI). Die DRI ist eine neutrale Plattform, die Bürger und Bürgerinnen alle wichtigen Daten ihrer Altersvorsorge einfach, sicher und auf Knopfdruck zur Verfügung stellt. Die Datenhoheit liegt beim Einzelnen, so dass alle Sicherheitsinteressen ausgewogen gewahrt werden.

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Kommentare ( 6 )

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Rentenkonzept der Groko:
Wann? So spät wie möglich!
Wie hoch? So niedrig wie möglich!
Wie lange? So kurz wie möglich!
Ergebnis: Genug Kohle übrig, um die ganze Welt zu bespassen.
Ein Rentencockpit ist überflüssig, ein nachhaltiges Rentenkonzept nötiger denn je.

Wehrter Autor, meinen Sie mit populisten die Altparteien CDU/SPD/Grüne?

Denn die versprechen alles mögliche, was weder umsetzbar ist, noch jemals umgesetzt werden sollte. Da sind erstaunlicher weise Linke und AFD näher am Realisierbaren.

Was für eine geniale Rentenpolitik. Lebensversicherungen werden besteuert, der Rentner zahlt auch steuern, und damit einen Teil seiner Rente selbst. Blüm meinte auch nie, dass die Rente sicher sein, sondern die Pension. Betrug wohin man schaut.

Die „politikverdrossenen“ Bürger wählen primär nicht wegen der Rentenpolitik die AfD oder gehen gar nicht zur Wahl, sondern wegen der Einwanderungspolitik und den sich daraus ergebenden Konsequenzen die u.a. auch, aber eben nicht nur, die Rentenpolitik beeinflußen. Hier sollt man schon klarer differenzieren bevor man einmal mehr die „Populisten“ ins Feld führt.

So viel Mut hat keine Altpartei!

Kein Sprit mehr, um das Ziel zu erreichen und dazu noch viele Zwischenstopps auf langen Umwegen.

Auf dem Weg dahin steigen dazu immer mehr Leute ein. Der Fahrer hat keine Ahnung. Eine Navigation fehlt…

Was für ein Cockpit erwarten Sie denn? Schon jetzt leuchten nur noch die sämtlichen roten Lämpchen.

Solange die Politik nach Gefühl und Wellenschlag in die Rentenkasse greifen und das Geld für alles Mögliche, nur nicht für die Rentner verschleudern kann, nützt ein Rentencockpit, wie Sie es nennen, gar nichts. Es ist nur eein weiterer Kunstbegriff ohne Inhalt und eine weitere Verar**** des Bürgers.