Dänen geschockt durch Doku-Serie über Imame

Die Anweisungen von dänischen Imamen haben zwei Muslime für den dänischen Fernsehkanal TV2 mit versteckten Kameras aufgenommen. Wir dokumentieren das Interview des dänischen Programmdirektors Thomas Breinholt mit dem Redakteur des niederländischen nrc.nl Moral Noshad Sharifi.

Screenshot: „Moskeerne bag slöret“

Imame in Dänemark sagen ihren Gläubigen, du darfst nicht zur Polizei gehen, wenn dein Mann dich vergewaltigt und untreue Frauen darfst du steinigen. „Wir haben zwei Menschen als Spione ausgebildet,“ sagt Thomas Breinholt, Programm-Direktor im dänischen TV2, die beiden haben alles mit versteckten Kameras festgehalten. Moral Noshad Sharifi, Redakteur von nrc.nl hat den Dänen interviewt.

Eine Frau kommt zum Imam mit der Frage: Ich werde von meinem Mann geschlagen und vergewaltigt, darf ich zur Polizei gehen? „Nein“, sagen sieben Imame von acht Moscheen in Dänemark. Die meisten sagen auch, du darfst dich nicht einmal scheiden lassen.

Glücklicher Weise wird wird die Frau nicht wirklich misshandelt. Sie hatte einen verborgene Kamera bei sich für TV24, einen dänischen Sender. Das Gespräch wurde aufgezeichnet. Und als Teil einer vierteilten Doku-Serie „Moskeerne bag slöret“ („Hinter dem Schleier von Moscheen“) ausgestrahlt.

Was die Dänen in den Wochen danach noch zu sehen bekamen: Einen Imam, der sagt, dass man Kinder ab 10 Jahren schlagen muss, wenn sie nicht beten wollen, Einen Imam, der sagt, dass man fremdgehende Frauen steinigen muss.

Seit die Dänen diese Bilder im März gesehen haben, sind sie immer noch geschockt. Zwei Monate später wird immer noch auf der Straße, in den Zeitungen und im Fernsehen über diese TV-Serie gesprochen. Über sie wurden etwa 4.000 Artikel geschrieben, sie hat in Dänemark bereits einen prestigeträchtigen journalistischen Preis gewonnen, sagt Thomas Breinholt, der für den Inhalt der Serie verantwortliche Programm-Direktor.

Aufgrund der Serie hat die dänische Regierung am Dienstag beschlossen, eine Liste mit Hasspredigern aufzustellen und zu veröffentlichen. Ausländische Hassprediger bekommen ab sofort Einreiseverbot. Europäische Hassprediger kommen auf eine Beobachtungsliste. Darüber hinaus erklärte der Bürgermeister der dänischen Stadt Aarhus letzte Woche, dass die Pläne für den Bau einer neuen Moschee gestoppt würden.

Moral Noshad Sharifi fragt: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Serie über Muslime zu machen?

„Der Journalist Martin Kjaer Jensen hat ein Buch geschrieben (Mein Abschied vom Islam) über Ahmad Askari, einen dänischen Imam, der beschlossen hatte, sein Wirken zu beenden. Askari erzählte dem Autor, dass Imame in Dänemark zwei Gesichter haben und dass sie Empfehlungen geben, die den dänischen Gesetzen widersprechen. Davor hatte der Autor versucht in die muslimischen Nachbarschaften und Stadtteile zu gehen, um über die Arbeitslosigkeit von Frauen zu schreiben. Niemand wollte mit ihm reden. Vor anderthalb Jahren kam er zu uns mit der Idee. Es war eine große geheime Aktion – nur drei bis vier bei TV2 wussten davon.Wir sind im Ausland auf Suche gegangen nach zwei Personen, die wir zu Spionen ausgebildet haben. Beide sind Muslime, die aus strengen Milieus kommen. Drei Monate lang haben sie als Paar in einem Migrantenviertel in Aarhus gewohnt. Und sie haben alle Aufnahmen mit verborgener Kamera gemacht. Unmittelbar danach habe wir sie außer Landes geflogen. Aus Sicherheitsgründen wohnen sie nun an einem geheimen Ort.“

Warum haben Sie beschlossen, eine verborgene Kamera einzusetzen?

„Ich bin der Meinung, dass man eine verborgene Kamera braucht, wenn man meint, dass die Wirklichkeit verborgen bleibt. Diese Vermutung hatten wir. Im Fernsehen hören wir Imame, die sagen, dass sie Brückenbauer und dass sie für die Integration von Muslimen in das dänische Zusammenleben seien. Wir sprachen mit abgefallenen Jugendlichen, in sicheren Häusern, die aus ihren Gemeinschaften geflüchtet waren aus Angst vor Gewalt. Sie erzählten uns, welchen großen Einfluss die Imame auf Überzeugungen und Meinungen ihrer Eltern haben.“

Die erste Sendung löste sehr viel Wut aus. „Während der Imam erklärt, untreue Frauen müsse man steinigen, sieht man im Bild Kinder herum rennen. Politiker von links bis rechts waren zornig“, erzählt Breinholt. Einige wollten die Moschee, die bekannt ist als Anwerbeplatz für IS-Kämpfer – 20 der 100 dänischen Jugendlichen, die nach Syrien und Irak verschwunden sind, waren regelmäßig dort – schließen. Andere waren böse und sagten, dass die Serie ‚Moslimbashing‘ betrieb. Und dass wir nur die extremen Imam zeigen würden, sagt Breinholt. Danach zeigten wir Bilder aus der gemäßigten Moschee, der Moschee für Frieden in Aarhus. Der Imam sagt, dass eine Frau verpflichtet sei, mit ihrem Mann zu schlafen, auch wenn sie nicht will. Er sagte auch, dass eine Frau nicht zur Polizei gehen darf, wenn ihr Mann sie schlägt. Nach der Sendung konnten die Menschen schwerlich sagen: ‚Es geht nur um einige verrückte Imame.’“

Hat es viel Kritik gegeben über Ihr Vorgehen?

„Ich habe die Berichterstattung über unsere Serie in den Medien beobachtet. 5 bis 10 Prozent haben unsere Methode kritisiert. Die meisten aber hatten es verstanden. Sie glaubten nicht, dass es auf andere Weise möglich gewesen wäre, dies aufzudecken.“

Wie haben die Muslime reagiert?

„Eine Gruppe Imame hat nach der ersten Sendung bereits einen Brief geschrieben, in dem sie die Serie verabscheuten. Sie sagten, dass wir die Bilder aus der Grimhöjmoschee manipuliert hätten. Ich glaube, dass sie dort selbst auch Gespräche aufnehmen. Sie hatten nämlich Clips mit Gesprächen mit unseren Spionen. Andere Muslime fühlten, dass sie durch die Serie endlich ein Podium hatten, auf dem sie ihre Geschichten teilen konnten.“

Was ist das wichtigste, dass sie gelernt haben?

„Menschen haben das Recht auf ihre eigene Religion, aber wenn die Regeln gegen die Menschenrechte verstoßen, kann man dann noch von einer freien Wahl sprechen? Die Empfehlungen der Imame in diesen 8 Moscheen verstoßen gegen das Leben von Menschen und gegen die Menschenrechte: das Recht auf Selbstbestimmung, das recht auf körperliche Unversehrtheit, das Recht auf freie Meinungsäußerung, und deutliche gegen gleiche Rechte für Männer und Frauen. In welchem Maße können wir das als Gesellschaft zugestehen? Das ist jetzt die Frage.“

Warum haben wir das nicht früher gewusst?

„Die Regierung hat jahrelang nur darauf gehört, was die Moscheen nach draußen erzählt haben. Sie wussten nicht, dass sich dies abspielte. Auch wusste zum Beispiel niemand, dass ein Scharia-Rat in der Moschee für Frieden in Aarhus aktiv ist.“

Glauben Sie, dass wir in anderen europäischen Ländern die gleiche Situation haben?

„Ich glaube, dass das sehr wahrscheinlich ist. TV-Sender überall auf der Welt sollten diese Untersuchung anstellen. Religiöse Führer haben sehr viel Macht. Im Moment kommen große islamische Gemeinschaften, um in Europa zu leben, die sich letztlich in unsere Gesellschaft integrieren müssen, um einen Beitrag für unsere Ökonomie leisten zu können, was auch für ihren eigen Wohlstand gut ist. Wir müssen schauen, welche Probleme dabei auf sie zukommen und wie wir sie überwinden können.“

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