Der WDR wollte sein Filmhaus sanieren lassen – für eine viertel Milliarde Euro

Eine Kontrollkommission stoppt wegen ausufernder Kosten die Erneuerung des WDR-Filmhauses. Vorläufig zumindest. Vor kurzem klagte der WDR-Chef noch über Geldsorgen und kündigte Programmkürzungen an.

IMAGO / Horst Galuschka

Vor ein paar Tagen stand der WDR noch wegen seiner Berichterstattung über die Flutkatastrophe im Mittelpunkt der Kritik, nun landet die Sendeanstalt erneut in den Schlagzeilen. Grund dafür ist die Sanierung des WDR-Filmhauses in Köln.

Denn die Kosten für das Projekt, ursprünglich waren 80 Millionen Euro Gebührengeld geplant, stiegen zuerst auf 130 Millionen und nun auf 240 Millionen Euro. Doch jetzt stoppt die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten, kurz KEF, das Bauvorhaben des WDR, wie die Bild-Zeitung berichtet. Die Behörde verweigert dem öffentlich-rechtlichen Sender nun eine Zahlung von 69,1 Millionen Euro.

Die KEF rügte zudem in ihrem 22. Jahresbericht 2020 den WDR für „erhebliche Transparenzdefizite“ in den vom WDR gewählten Anmeldeverfahren. Die gesperrte Summe von 69,1 Millionen Euro entspricht laut dem Bericht den anteilig gebildeten Sonderrücklagen für Bausanierungen und Investitionen.

Der WDR soll nun aufgrund der explodierenden Kosten erneut die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens prüfen und gleichzeitig finanziell günstigere Alternativen in Betracht ziehen. In einem internen Vergleich stellte die KEF fest, dass ein Neubau bei den WDR-Studios in Bocklemünd deutlich günstiger sei als eine Sanierung.

Der WDR verwies ebenfalls auf die zusätzlichen Kosten, die für die Erschließung des Geländes und die technische Anbindung an die Sendezentrale in der Innenstadt anfallen würden. Auf die Frage was, der Sender jetzt ohne das Geld machen würde gab sich der WDR zuversichtlich: „Da das Projekt voll im Kosten- und Zeitplan liegt, ist der WDR zuversichtlich, dass die aktuell gesperrten Gelder im Nachgang eingesetzt werden können.“

Besonders brisant: Nach dem die Rundfunkgebühren letztes Jahr nicht erhöht wurden klagte WDR-Chef Buhrow über Geldsorgen und kündigte Programmkürzungen an. „Wir müssen vieles kürzen“, sagte Buhrow dem Focus im Juni 2020. Wie ernst das gemeint war, offenbarte das Sanierungsvorhaben des Filmhauses.

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Kommentare ( 35 )

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Tacitus
2 Monate her

Die Kürzungen liegen doch auf der Hand, selbst wenn sie nicht nur den WDR oder die ARD betreffen:

  • Zusammenlegung der ÖR-Medien, also von ARD und ZDF
  • Verpflichtung der ÖR-Medien auf ihren umfassenden Bildungsauftrag, der seit mind. 2 Jahren nicht mehr stattfindet
  • Streichung der hochnotpeinlichen Sendungen von Anne Will, Maischberger, Lanz und ähnlicher Konsorten
  • erfolgsorientierte Finanzierung bzw. Gehälter im ÖR

Das wäre schon ausreichend und es bliebe noch Einiges für sinnvolle Aktivitäten übrig.

Takeda
2 Monate her

Tja, ich würde jetzt gerne sagen, ich sei überrascht. Doch das wäre gelogen. Machen wir uns nichts vor, der Deutsche ist zu naiv, um was zu ändern. Egal ob Politik, Medien oder eben ÖR. Solange man Haltung (die richtige!) beweist, ist jeder Betrug, jede Vetternwirtschaft, jedweiliges abschreiben oder neuerfinden, ja sogar grenzenlose Inkompetenz als Kandidat für ein „hohes Amt“ kein Problem.

Btw. Wenn die Qualität des ÖR wirklich so gut wäre, der ÖR müsste keine Angst haben, das dem ÖR keiner die Stange halten würde. Aber das nur am Rande.

olympos
2 Monate her

Warum nicht, die koennen es sich erlauben. Der Buerger zahlt mit Zwang fuer „Unabhaengige“ Informationen. Sie haben alles im Griff, der Buerger zahlt gerne und waehlt komform. Weitergehen, es gibt nichts zu sehen.

Wilhelm Roepke
2 Monate her

Der WDR braucht für die Masse der Beschäftigten keine Zentrumslage. Bitte umziehen. Hoffentlich wachen nach dem Totalversagen bei der Flutkatastrophe mehr Leute auf.

Lars Baecker
2 Monate her

Bei der Flutberichterstattung und möglicher Warnungen im WDR-Radio hat man das Programm ja an der richtigen Stelle gekürzt. Meiner Meinung nach haben sich Buhrow und Konsorten mitschuldig an fast 200 Todesopfern gemacht. Diese abkassierenden Minderleister sollten im Katastrophengebiet persönlich mit anpacken. Stattdessen werden unnötige Millionenausgaben für die Sanierung eines Funkhauses gerechtfertigt. Für das, was dieser Sender an Programm bringt, sollte ein ausrangierter Bauwagen reichen.

Lucius de Geer
2 Monate her

M.E. sind solche abstrusen Baupreise nur mit Korruption zu erklären – da scheinen sich Anbieter mit immer höheren „Angeboten“ die Klinke in die Hand zu geben und merkwürdigerweise wird die Sache immer teurer, obwohl sauberer Wettbewerb zum Gegenteil führen müsste. TE, bitte dranbleiben und ebenso den monströs teuren „Anbau“ des Kanzleramts unter die Lupe nehmen, der unter der CDU-Regierung in Auftrag gegeben wurde. Die Merkel-Partei verdient keine Schonung, ungeachtet einiger vernünftiger Köpfe darin.

JederFuerSich
2 Monate her
Antworten an  Lucius de Geer

Vernünftige Köpfe und Politische Parteien ist ein Oxymoron. Representation in Zeiten direkter Kommunikation ist ein auslauf Model, und die Korrupten die sich in der Branche wie Zecken festgesetzt haben gehören mit Feuer entfernt, jeder, ohne Ausnahme, samt Clan.

Silverager
2 Monate her
Antworten an  Lucius de Geer

Ich überlege die ganze Zeit, welche „vernünftigen Köpfe“ wohl in der Merkel-Regierung zu finden seien.
Kann mir jemand helfen?

Achilles
2 Monate her

Ein interessanter Artikel, der die Selbstbedienungsmentalität von Buhrow und Konsorten offenbart. Der öff.-rechtl. Rundfunk lässt ja gefühlt keinen Fettnapf mehr aus. Konsequenzen? Keine, wie auch. Solange die dortigen Gremien von einflussreichen Politikern unterwandert sind, wird sich nichts ändern. Eine komplette Neuausrichtung der „Qualitätsmedien“ ist mehr als überfällig.

Endlich Frei
2 Monate her

Warum ist es dem WDR nicht möglich, ob seiner finanziellen „Sorgen“ seine Gebäude in zentralen Bestlagen in Köln teilweise zu verkaufen und ins günstigere Umland umzuziehen – sprich mit ihrem Anlagevermögen zu wirtschaften, so wie es die Privatsender schon seit langem tun ?

Lars Baecker
2 Monate her
Antworten an  Endlich Frei

Weil dazu der Grips der Führung fehlt und deren Macht, es gegen die sich in Jahrzehnten selbständig gemachte und verknöcherte Verwaltung des WDR, die ihre Pfründe mit Händen und Füßen verteidigt, durchzusetzen. An Strukturveränderungen beim WDR ist bereits die vorherige Intendantin Monika Piel gescheitert, die man letztlich weggemobbt hat. Tom Buhrow hat nicht ansatzweise den Schneid einer Frau Piel. Deshalb verbrennt er sich nicht die Finger. Und wie macht er das? Durch Nichtstun. Ein klassischer Frühstücksdirektor. Mir konnte und kann bis heute niemand erklären, was einen Nachrichten-vom-Blatt-Ableser qualifiziert, eine Anstalt des Öffentlichen Rechts, also eine „rechtlich selbständige Behörde“ zu leiten.

Genco Steins
2 Monate her
Antworten an  Endlich Frei

…weil es schöner ist, die Mittagspause in der Kölner City zu verbringen.

country boy
2 Monate her

Da sieht man, wie es um die Glaubwürdigkeit und Integrität von Leuten wie Buhrow bestellt ist.

Last edited 2 Monate her by country boy
Mausi
2 Monate her

Mir ist nicht ganz klar, ist das Bauvorhaben noch in Planung oder sind das „Nachtragsgelder“, nachdem das Vorhaben bereits in die Verwirklichung gegangen ist?

Silverager
2 Monate her
Antworten an  Mausi

Nun, der Berliner Fluchhafen sollte mal 1,9 Milliarden Euro kosten und im Jahre des Herrn 2011 eröffnet werden.
Er kostete am Ende 7 Milliarden Euro und wurde eröffnet im Jahre des Herrn 2020.
Es war also eine Kostenüberschreitung von knapp 270 Prozent.
Da ist eine Verdoppelung der geplanten Kosten des WDR-Filmhauses doch sehr maßvoll.
Allerdings ist der Kasten ja bislang noch nicht saniert. Da geht noch was.