Grünen-Parteitag: Rednerin vergleicht Klimaforscher mit verfolgten Juden

Auf dem Parteitag der Grünen sorgte die Gastrednerin Carolin Emcke für einen Eklat: Sie vergleicht die Situation der Klimaforscher mit der der Juden - das sorgt für breite Empörung. Cem Özdemir bezeichnet Emckes gewählten Vergleich als "nicht angemessen".

IMAGO / Future Image
Carolin Emcke bei der lit.cologne 2019
Auf dem Bundesparteitag der Grünen hielt die Autorin und Publizistin Carolin Emcke eine mehr als nur fragwürdige Rede. Darin zog sie u.a. diesen absolut geschichtsvergessenen Vergleich, der einem die Haare zu Berge stehen lässt: „Es wird sicher wieder von Elite gesprochen werden. Und vermutlich werden es dann nicht die Juden und Kosmopoliten, nicht die Feministinnen und die Virologinnen sein, vor denen gewarnt wird, sondern die Klimaforscherinnen.“

Das sorgte nicht nur für viele Fragezeichen, Schulterzucken und Kopfschütteln, sondern für nachvollziehbare zum Ausdruck gebrachte Empörung. Im Netz wurde der SZ-Autorin u.a. Verharmlosung des Holocausts vorgeworfen. Viele User fragten nach dem Unterschied zu jenen Demonstranten der Querdenken-Bewegung, die sich zu den „neuen Juden“ erklärten und von allen Seiten dafür scharf kritisiert wurden – exemplarisch etwa der Auftritt von Jana aus Kassel, die ins Kreuzfeuer der Kritik geriet, weil sie sagte, sie als Maßnahmenkritikerin würde sich ein bisschen wie Sophie Scholl fühlen. Auch im Zusammenhang mit den Antisemitismus-Vorwürfen gegen Hans-Georg Maaßen, denen die Grünen in großen Teilen beipflichteten, ist dieser Satz von Autorin Carolin Emcke mehr als brisant.

Die zugeschaltete Emcke, die im vergangenen Jahr von Armin Laschet mit dem Landesverdienstorden Nordrhein-Westfalens ausgezeichnet wurde, hatte in Baerbock und Habeck sichtlich interessierte Zuschauer, die andächtig, vielleicht auch etwas abwesend, applaudierten und diesen geschichtsvergessenen Satz ohne jeden Widerspruch stehen ließen. Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner erklärte gegenüber der BILD, Emcke wäre „über jeden Verdacht des Antisemitismus erhaben und hat in ihrer Rede die Logik der Demagogie aufgedeckt“. 

Cem Özdemir twitterte: „Unsere Demokratie wird von vielen Seiten bedroht. Das hat Carolin Emcke in ihrer Rede sehr deutlich gemacht. An einer Stelle war das aber in der Rede unglücklich formuliert. Vergleiche mit dem Hass, dem Menschen jüdischen Glaubens ausgesetzt sind, sind nicht angemessen.“

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Kommentare ( 108 )

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daldner
1 Monat her

Immerhin sind Frisur, Duktus und Habitus der Dame ganz auf der Höhe der Zeit… asthenisch, elegisch, verdorrt, verkopft, verworren…

Kristina
1 Monat her

An diesem Vorfall sieht man erneut, wie mit zweierlei Maß gemessen wird. Wenn sog. Querdenker einen solchen „Vergleich“ anstellen, schlagen die Wellen hoch und gerade die grünen „Berufsempörten“ schreien am lautesten. Ich stelle mir vor, jemand von der AFD hätte sich so geäußert. Das Geschrei nach sofortigem Verbot der Partei wäre riesig gewesen. In diesem Falle hört man keinerlei Empörungsgeschrei auf Seiten des MS.

Gert Friederichs
1 Monat her

Klimaforscherinnen??? Ich kenn da nur eine, Claudia (nicht Roth) und das reicht! Ich hoffe weiterhin, dass niemand meiner Nachkommenschaft auf die Idee kommt, eines ihrer Kinder mit dem Namen Claudia zu verdeppen!

Dieter
1 Monat her

Es wird und wurde in dieser Welt schon vor vielen gewarnt.
Womit sie wahrscheinlich Recht haben wird: es wird vor KlimaforscherINNEN gewarnt werden..
Den Verdacht hege ich aus gutem Grunde auch..

Last edited 1 Monat her by Dieter
Thrym
1 Monat her

Billiger Versuch, sich unkritisierbar zu machen. Perfekte Analyse dazu: https://www.cicero.de/innenpolitik/carolin-emcke-eklat-parteitag-gruene-antisemitismus

Schmidtrotluff
1 Monat her

Eigentlich passt es. Wenn Leute, die früher eine Diagnose gehabt hätten, jetzt Redner auf Parteitagen sind, ist alles über diese Partei gesagt.
Oh mein Gott. Was ist das nur für eine Selbsthilfegruppe ? Was für eine Mega- Meise fliegt im Tiefflug über das Land ? Leider wird diese Super- Meise von keinem Windrad gestoppt. Im Gegenteil, das Ausrauben der Bevölkerung verlängert das süße Leben der Verrückten.

steadyrollingman
1 Monat her

Der Philosoph Dieter Bohlen hat einmal gesagt. „Sag mal einem Bekloppten, dass er bekloppt ist!“

Fred Katz
1 Monat her

Naja, Kanzlerinnenberater Rockström soll, nach seiner Nummer mit „wievielÖlstecktin einemSteak?“ noch immer weinend im Keller sitzen! Emcke will halt, dass man selbst offensichtlichen Schwachsinn bejubeln soll. Futurama würde dann auch verboten, wegen Ogden Wernstrom

country boy
1 Monat her

Schade, dass Anne Will sich schon in den Sommerurlaub verabschiedet hat. Dort hätte Frau Emcke sicher Gelegenheit, ihre Thesen einem noch breiteren Publikum vorzustellen.

Wolodja P.
1 Monat her

>> Und vermutlich werden es dann nicht die Juden und Kosmopoliten, nicht die Feministinnen und die Virologinnen sein, vor denen gewarnt wird, sondern die Klimaforscherinnen. << Sollte die Aussage in dieser zitierten Form getan worden sein, so handelt es sich im ersten Teil des Satzes aus sprachlicher Sicht um die reine AUFZÄHLUNG unterschiedlicher Gruppen, vor denen (zu gewissen Zeiten) GEWARNT wurde. Der Gehalt der Aussage wird nicht grundsätzlich verändert, wenn man „Juden“ streicht und durch „Hausfreunde“ eretzt (Deutscher Titel eines englischen Films von 1960: ‚Vor Hausfreunden wird gewarnt‘): Das erkennbar Unsinnige der Warnung ginge dadurch nicht verloren. Es hat ein… Mehr

Last edited 1 Monat her by Wolodja P.
kdm
1 Monat her
Antworten an  Wolodja P.

Recht haben Sie, aber so präzise denkt und redet Frau E. nicht. Sie schwafelt verschrobenes Philosphen-Kauderwelsch, dazu reiht sie Rethorik-Floskel and Rethorik-Floskel.