Kehrwoche

Die grün dominierte Stuttgarter Stadtverwaltung kam auf etwas, was führende Grüne nicht mehr kannten, wohl aber jede schwäbische Hausfrau, die sich ja von Merkel zitieren lassen musste. Wieder Straßen sauber machen! In der Weltmetropole der Kehrwoche!

© Jürgen Bosse/Getty Images

Heidenei – kein Feinstaubalarm in Stuttgart mehr? Der berüchtigte Talkessel wieder sauber? Kein Weltuntergang, keine Gefahr mehr für Leib und Leben? Kaum zu glauben nach dem Aufruhr und den Demonstrationen gegen Feinstaub („Stuttgart erstickt!“, „Atmen gefährdet!“). Atemschutzmasken in der Schwabenmetropole ließen schon Japan-Gefühle aufkommen. Jetzt ist nichts mehr? Was ist da los?

Schlichtweg eine Weltrevolution im Stuttgarter Talkessel! Die Stadt hat eine Sensation verkündet: ein neues Reinigungskonzept. Die grün dominierte Stuttgarter Stadtverwaltung ist auf etwas gekommen, was führende Grüne gar nicht mehr kannten, wohl aber jede schwäbische Hausfrau, die sich ja bereits von Merkel zitieren lassen musste: Dreck weg! Ganz einfach: Mal wieder Straßen sauber machen! Und das in der Weltmetropole der Kehrwoche.

Oifach Schildle naus’ghängt: Kehrwoch!

Drei Kehrmaschinen fahren jetzt durch die Straßen, versprühen ein paar Tröpfle Wasser und ein rotierender Besen wischt auf. Der Prüfkonzern DEKRA begleitet –  sicherlich nicht schlecht dabei verdienend – das Projekt Kehrwoche. Das Ergebnis: Der EU-Tagesmittelgrenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter soll nach den Putzaktionen nicht überschritten worden sein. Gemessen wurde Werte zwischen 23 und 48 Mikrogramm.

Dafür könnte es drei Gründe geben, hat der grüne Fritz Kuhn, der den großen Sessel der Oberbürgermeisters von Stuttgart auszufüllen versucht, gesagt: „Erstens: Die intensive Reinigung der Straßen zeigt Wirkung. Zweitens: Das insgesamt wärmere Wetter sorgt für besseren Luftaustausch. Oder drittens: Es ist eine Kombination von beidem“. Noch sei es aber zu früh, Rückschlüsse vom Reinigungsprojekt auf die Entwicklung der Messergebnisse am Neckartor zu ziehen. „Der Feinstaub fliegt ja durch die Luft!“

„Umweltschützer“ wollen jedoch das totale Diesel-Verbot und finden die Kehrwoche überflüssig. Der dubiosen Deutschen Umwelthilfe glitzern angesichts ihrer Klagen gegen Städte schon die Dollar-Zeichen aus den grünen Äuglein, statt mal in einem demonstrativen Akt selbst zu Wassersprenger und Kehrbesen zu greifen und die Straßen zu reinigen.

Der nächste Feind
Feinstaub, eine Posse
Nur hätte das ein paar Schweißperlen gekostet und sich nicht so schön vermarkten lassen wie der Aufruf: „Dass Stuttgart die Stadt mit der mit Abstand schlechtesten Luftqualität in Deutschland ist, liegt nicht nur an der Topographie und der autofreundlichen Landes- wie Stadtregierung. Die hohe Belastung der innerstädtischen Atemluft mit Feinstaub und Stickstoffdioxid ist auch unmittelbares Ergebnis eines besonders hohen Anteils vermeintlich moderner Euro 6 Diesel-Pkw südwestdeutscher Autokonzerne!“ Doch der Dieselmotor ist kaum am Feinstaub schuld. Der ist mit Filtern und Abgasreinigungstechnik mittlerweile sauber geworden.

Lastenfahrräder, so eine Idee, sollen dafür sorgen, dass die Geschäfte beliefert werden. Romantische Vorstellung, mit Muskelkraft einige Hundert Kilogramm fair gehandelte Güter die steilen Steigungen der Stuttgarter Hänge hinaufzubefördern. Die grünen Sturmabteilungen fordern dagegen ein Diesel-Fahrverbot „an allen Tagen und auch für Euro6“. Da kann einem Ministerpräsidenten eines Bundeslandes, das extrem von der Automobilproduktion abhängig ist, schon leicht mulmig werden.

Kretschmann schwärmt von der Dieseltechnologie, betont, dass er sich selbst gerade einen Diesel nach der Euro-6-Norm gekauft habe: „Das ist der beschde Verbrennungsmotor!“ Und setzt als Beruhigungspille für seine Grünen nach: „Der wird als Übergangstechnologie gebraucht!“ Für den Übergang ins Paradies also, in dem Luft und Liebe für den Antrieb ausreichen.

Vorher aber ist die Kehrwoch’ dran!

Großartig grüne Wissenschaft. Neue wissenschaftliche Studien haben ergeben: Putzen hilft.

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Kommentare ( 26 )

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Erstens wurden in der Stadt Spuren zurückgebaut für Radwege, die kaum jemand benutzt → mehr Stau. Ein CDU-Abgeordneter beklagte dies neulich zu Recht.

Zweitens wurden aus ideologischen Gründen die nötigen Umgehungsstraßen nicht gebaut. Viele müssen durchs Zentrum fahren, obwohl sie es nicht wollen (fehlende Filderauffahrt, fehlende Nordostumfahrung).

Drittens müssen viele auf den Autobahnen A8 und A81 durch den Großraum Stuttgart fahren, weil das Autobahnnetz in Ba-Wü für die Bevölkerungsdichte und Wirtschaftskraft viel zu grobmaschig ist (Wikipedia: A831, A85, A86 und A89).

Die Idee: Man stattet den Daimler einfach mit einer Kehreinrichtung aus, dann darf er wieder in Stuttgart fahren. Den benötigten Wassertank zu füllen wird zwar teuer – 10 Euro der Liter – dafür ist die Stadt aber sauber, Innovation ist halt alles

Zwei Fragen:
Wieviel an Feinstaub wird erzeugt durch die Baustelle S21 und den damit verbundenen LKW-Verkehr? (Übrigens fahren die LKW den Dreck bis in die etwa 80 km entfernten Steinbrüche zwischen Oberndorf und Rottweil)
Um wieviel verschlechtert sich der Luftdurchsatz im Stuttgarter Kessel, wenn das (noch vorhandene!) Gleisfeld vor dem Bahnhof bebaut wird?

Im TV wurde letztens gezeigt das in Polen in einer Stadt sofort die Polizei kommt und überprüft was man verbrennt(mit Proben!)wenn sich jemand beschwert oder sie es ihnen selber zu dreckig vorkommt.Hier müssen sie erstmal vor Gericht Privat ihren Nachbarn verklagen…und wahrscheinlich reichen dann die BEweise nicht aus weil sie keine haben.Die Schornsteinfeger sollen sich ja auch das Holz ansehen was verbrannt wird,nur sagen sie doch mal ihrem Schornsteinfeger in Deutschland das die Nachbarn feuchtes Holz(Holz muss mind. 2 Jahre trocknen-nur wer hat heutzutage so lange Geduld?)oder sonst was verbrennen,Er wird ihnen sagen(wenn überhaupt)das es ja seine Kunden sind…. Seit… Mehr
Bei uns misst der Schornsteinfeger die Feuchtigkeit des Holzes. Das Lagern alleine macht es nicht – das Holz im Hochsommer nach dem Spalten in der Sonne trocknen lassen und luftig lagern – sonst verrußt der Ofen und Schornstein und es kann zum Schornsteinbrand kommen – Feinstaub dürfte dabei das geringere Problem sein – der weiße Rauch ist Wasserdampf. Etwas anderes ist, wenn ihr Nachbar den Ofen als Müllverbrennungsanlage nutzt – das stinkt und die Chemieabgase lassen grüßen – Feinstaub nehmen sie nicht wahr. Wenn es stinkt, ist es kein Holz was verbrannt wird – evtl. Braunkohle oder sonst was. Erzählen… Mehr

Da bleibt nur Zynismus!!!

Ein bisschen mehr „schwäbische Hausfrau“ statt Leuchtturm-Projekt-Visionen allerorten würde uns insgesamt ganz gut tun.

Könnten wir nicht den bislang unbeschäftigten Fachkräften für Irgendwas einen Besen in die Hand drücken?

Mal sehen, wann unsere grünen Schlaumeier das Rad neu erfinden: Mungeflochten von einem transsexuellen Yamomami-Stammesangehörix und viereckig, da rollt es in Stuttgart nicht die Berge herab.

Ja, die Vorurteile. Transsexuelle wählen grün. Ich bin transsexuell, DeutschAmeikanerin und befürworte die Todesstrafe, Guantanamo Bay und freien Schusswaffenbesitz.

War ja auch ein „Pattern“.

Nützlicher Nebeneffekt, sollte dieses Beispiel Schule machen, wäre eine bessere Sicht für Kraftfahrer: nach dem Dahinscheiden der (nicht minder überflüssigen) sechseckigen „Ozonplakette“ verschwände auch die „Feinstaubplakette“ von der Windschutzscheibe.

Dumme Sache nur für so manchen Stadtkämmerer… 😉

Heureka!!!
Auch ein grünes Huhn findet mal ein Körnchen Wahrheit.