In Heilbronn wird gegen einen Rentner ermittelt, weil er in einem Facebook-Kommentar Bundeskanzler Friedrich Merz mit der Märchenfigur „Pinocchio“ in Verbindung gebracht haben soll. Der Fall erinnert an die „Schwachkopf“-Affäre um Robert Habeck.
picture alliance / DeFodi Images | Marco Steinbrenner
Auslöser des Ermittlungsverfahrens gegen den Mann ist ein Facebook-Kommentar unter einem Beitrag der Polizei Heilbronn. Die Behörde hatte im Oktober vergangenen Jahres über ein temporäres Flugverbot anlässlich eines Besuchs von Bundeskanzler Friedrich Merz und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann informiert. Der Rentner schrieb: „Pinocchio kommt nach HN“ – ergänzt um ein Emoji mit langer Nase.
Drei Monate später erhielt er eine Anzeige von der Kriminalpolizei. Gegen ihn werde wegen des Verdachts der Beleidigung einer Person des politischen Lebens gemäß Paragraf 188 Strafgesetzbuch ermittelt. Das Social-Media-Team des Polizeipräsidiums war bei der Sichtung auf den Beitrag gestoßen. Polizeisprecher Andreas Blind erklärte: „Wenn wir im Rahmen des Social-Media-Monitorings unserer Kanäle auf strafbewährtes Handeln im Einzelfall stoßen, wird dieses zur Anzeige gebracht beziehungsweise der Staatsanwaltschaft zur Prüfung vorgelegt.“ Beim Verdacht einer Straftat seien Polizeibeamte verpflichtet, dem nachzugehen. Über das weitere Vorgehen entscheide die Staatsanwaltschaft.
Der Betroffene selbst hält das Verfahren für „völlig unverhältnismäßig“. Gegenüber der Heilbronner Zeitung, die zuerst über den Fall berichtete, sagte er: „Das ist doch ein Witz und völlig unverhältnismäßig. Als ich im Freundes- und Bekanntenkreis von der Anzeige erzählt habe, dachten alle, ich will sie auf den Arm nehmen.“
Der Fall weckt Erinnerungen an die „Schwachkopf“-Affäre um Ex-Wirtschaftsminister Robert Habeck, wie die Junge Freiheit zu recht bemerkt. Im Herbst 2024 hatte die Hausdurchsuchung nach einer Anzeige nach § 188 Strafgesetzbuch bei einem Rentner aus Bayern für Schlagzeilen gesorgt. Der 64-jährige Stefan Niehoff hatte auf der Plattform X ein Meme geteilt, das das Foto des damaligen Wirtschaftsministers Robert Habeck, versehen mit dem an eine bekannte Shampoo-Marke angelehnten Schriftzug „Schwachkopf Professional“ zeigte. Daraufhin rückte die Polizei in den frühen Morgenstunden zu einer Hausdurchsuchung an. Der Vorwurf lautete auf Beleidigung von Personen des politischen Lebens gemäß § 188 Strafgesetzbuch – jener Paragraf, der Politiker besonders schützt und nun auch in Heilbronn zur Anwendung kommt. Im Schwachkopf-Fall wurde das Verfahren später eingestellt. Stefan Niehoff ist Anfang 2026 verstorben.
Rechtsexperten äußern Zweifel an der Strafbarkeit. Der Berliner Anwalt Moritz Ott sagte: „Natürlich darf man beispielsweise Friedrich Merz als Pinocchio bezeichnen.“ Das falle „in den Bereich der Meinungsäußerung und ist durch Artikel 5 des Grundgesetzes gedeckt“. Der Hamburger Medienrechtsanwalt Michael Rath-Glawatz erklärte: „Die Bezeichnung ‚Pinocchio’ halte ich für ein Werturteil, keine (unwahre) Tatsachenbehauptung.“ Personen des öffentlichen Lebens müssten auch abschätzige Kritik hinnehmen.
Zu denjenigen, die Kritik offenbar nicht hinnehmen können, gehört Friedrich Merz. Er sei einer der empfindlichsten Politiker in der Geschichte der Bundesrepublik, so Welt am Sonntag, gemessen an seinem juristischen Vorgehen. Die Zeitung konnte belegen, dass Merz seit 2021 – da war er noch Oppositionsführer der Union – Hunderte Strafanträge wegen Beleidigungen gestellt haben muss.
Der Heilbronner Rentner hat inzwischen die Einstellung des Verfahrens gefordert. In seiner Stellungnahme argumentiert er, der satirische Kommentar nenne weder Namen noch ziele er zweifelsfrei auf eine konkrete Person ab. Ob die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt oder das Verfahren einstellt, ist bislang offen. Im Falle einer Anklage halten Experten allenfalls eine geringe Geldstrafe für wahrscheinlich.

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Ra Steinhöfel und die Grüne Brantner bezeichneten Merz richtigerweise ebenfalls als Pinocchio Kanzler .Die beiden Personen sind bezüglich einer Anzeige aus der mutigen Staatsanwaltschaft eher schwieriger zu greifen bzw würde der Schuß direkt nach hinten los gehen. Aber bei einem “ durchschnittlichen “ Bürger tobt man sich gerne aus.
Kann man, nähmen sie einen an die Kandare, nicht verweisen?
Auch als Höcke, es ehrlich meinend, „alles für Deutschland“ aussprach, gab es eine Fußballerbraut, die das auch sagte, und nicht belangt wurde. Hummels oder so?
Laut https://www.gmx.net/magazine/politik/inland/senior-bezeichnet-merz-pinocchio-ermittelt-polizei-41931724
habe nicht der „Kanzler“ selber die Anzeige gestellt
„… sondern das Social-Media-Team des Polizeipräsidiums….“
Das war wohl der berühmte Kadavergehorsam, der mal wieder so vorauseilend war, daß er das Prinzip der Verhältnismäßigkeit überholt und die Unschuldsvermutung dabei versehentlich über den Haufen gefahren hat.
Auf deren Grabstein steht jetzt:
IN DUBIO CONTRA REUM
So geht es in einem von Grünen regierten Bundesland. So geht es, wenn schon ein Polizeipräsidium Heilbronn „gleichgeschaltet“ ist. Und die Staatsanwaltschaft, die eine solche Petitesse zur Anklage bringt. Und der Innenminister von der CDU auch.
Ja, so ist das, wenn man die WAHRHEIT nicht vertragen kann und auch keinen HUMOR 😆 in die Wiege gelegt bekommen hat.
102 Jahre alt soll der Vater sein – und ihm nichts erzählt haben von den Zeiten, die damals durchzumachen waren?
Es war ja nur eine Bild- Assoziation, ein Physiognomie- Vergleich und nicht mal eine Kritik oder eine Bewertung. Da sind für Merz oder die schale CDU emsige Sammler unterwegs, die für das Auffnden solcher Vergleiche gut bezahlt werden: das ist eher das Problem: die brauchen Arbeitsnachweise! …sie werden pro Fall bezahlt. Im Wilden Westen wurde ja nur geschossen, weil es heiß: life or dead! Er muss gekriegt werden. Zahlung pro Fall.
Wenn man Mitglieder der „Unsere Demokratie“-Parteien etwas intensiver kritisiert, gilt das als eine „Beleidigung“. Eine Strafanzeige dagegen kann man sehr bequm in die Statistik der rechtsradikalen Straftaten implementieren um die echte Bedrohung von rechts besser dem Volk vor die Augen zu führen.
Der Rentner verweist bei einer Stellungsnahme ggü. der Polizei darauf, bei seinem Pinnochio-Vergleich keine Person namentlich genannt und somit auch niemanden gezielt beleidigt zu haben. Es habe sich lediglich um eine „mehrdeutige, symbolische und satirische Meinungsäußerung im politischen Kontext“ gehandelt.
Wenn sich Herr Merz (oder sein anzeigender polizeilicher Stellvertreter) nun persönlich angesprochen fühlt, spricht das schonmal Bände. Er selbst kann sich – wenn ich es nicht falsch verstehe – offenbar sehr gut mit Pinnochio identifizieren.
Heilbronn ist möglicherweise für die Union das, was Bamberg für die Grünen ist.
Staatsanwaltschaft und Richter sollte man gut im Auge haben.
Wo lässt eigentlich MASZ anschreiben? Wiewohl das weniger sein wird, seit sie über die Liste nach Brüssel kam – und dem fdp-desaster entfloh.
Keiner sollte in einem Vergleich so herabgewürdigt werden: auch Pinocchio nicht !
Dürfte man Kohl heute noch als „Birne“ bezeichnen? Oder Waigel als „Das Brauen“?
Klar. Richtung rechts ist das erlaubt. Immer noch.
„Über das weitere Vorgehen entscheide die Staatsanwaltschaft.“
Da mache ich mir gar keine Sorgen bei der bekannten totalen Unabhängigkeit der deutschen Justiz – die werden UNSERE Demokratie schon zuverlässig schützen vor dem Angriff aus dem Rentnermilieu.
Hier die 3 aus Göttingen: https://x.com/60Minutes/status/1891282394440732787
Weiß jemand, was die inzwischen beschäftigt?
.
Staatsanwälte bekommen ihre Weisungen aus den jeweiligen Justizministerien.
Auch das „ein Fehler“ unsererDemokratie.