BDS ruft zum Boykott des ESC in Israel auf

Boycott, Divestment and Sanctions ist eine internationale Kampagne, mit der Israel wirtschaftlich, kulturell und politisch isoliert werden soll. Jetzt wird gegen den Eurovision Song Contest in Israel getrommelt.

FRANCISCO LEONG/AFP/Getty Images
ESC-Gewinnerin 2018 Netta Barzilai

Nachdem die Israelin Netta Barzilai im vergangenen Jahr den Eurovision Song Contest gewonnen hat, soll der diesjährige Wettbewerb, der ESC 2019, in Tel Aviv stattfinden. Dagegen arbeitet die BDS-Bewegung, und sie hat einen breiten Unterstützerkreis, der von der europäischen Linken bis zur Hamas im Gaza-Streifen reicht. Die hierzulande tätigen BDS-Aktivisten fordern die Mitglieder der Europäischen Rundfunkunion und die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auf ihrer Webseite auf, „sich aus dem Eurovision Song Contest 2019 (…) zurückzuziehen, um zu verhindern, an Israels anhaltenden Verletzungen der palästinensischen Menschenrechte beteiligt zu sein“. Das bedeutet, dass die BDS-Bewegung alle Organisation und jede Einzelperson für die kritisierte Politik Israels mitverantwortlich macht, der sich weigert, dem Boykottaufruf zu folgen.

Eindeutig geht aus der veröffentlichten Webseite hervor, dass die BDS-Bewegung die heutige Politik Israels direkt mit der einstigen südafrikanischen Apartheid-Politik vergleicht. Wörtlich wird die ESC-Siegerin Barzilai als „Kulturbotschafterin für Israels Regime der Besatzung und Apartheid“ diffamiert. Dass es den Israelis um den Schutz ihrer Bevölkerung vor islamischen Terroristen wie zum Beispiel Selbstmordattentätern und – ganz aktuell – den Raketen der Hamas gehen könnte, wird nicht einmal in Erwägung gezogen.

Sie wollen sich Israels bemächtigen

Der BDS-Bewegung werden heutzutage 171 Gruppen zugerechnet: palästinensische Frauenorganisationen ebenso wie NGOs, Flüchtlingsorganisationen, linke politische Parteien, radikale Moslemorganisationen – die der übertriebenen Israeltreue unverdächtige „Süddeutsche Zeitung“ nennt die BDS-Szene „ein schwer durchschaubares Geflecht“. Insbesondere das von der BDS geforderte „Rückkehrrecht für alle palästinensischen Flüchtlinge“ ist dabei ein vergifteter Köder, denn dies soll gleich auch für alle Kinder, Enkel und Urenkel derer gelten, die behaupten, vor 1948 auf dem heutigen israelischen Staatsgebiet gelebt zu haben. Und die das in Einzelfall vielleicht sogar beweisen können. Nach Schätzung der Tageszeitung „Taz“ könnten das allein 5,3 Millionen Menschen sein.

Mit der Schätzung, dass rund fünf Millionen Menschen Ansprüche anmelden könnten, nach Israel einwandern zu dürfen, ist die linke Tageszeitung nicht allein. Darunter dürften auch viele Glücksritter und Landeroberer subsummiert sein, die ihre alten Papiere aus der britischen Mandatszeit „nur grad verlegt“ haben oder denen diese „gestohlen“ wurden. Wie so etwas geht, ist seit September 2015 in Mitteleuropa verstärkt zu beobachten. Die Palästinenser wären – so oder so – in Israel schlagartig in der Mehrheit. Das bedeutet, dass sowohl die sich wieder radikalisierende Fatah als auch die de facto kriegführende Hamas sich Israels bemächtigen möchten. Was radikalisierte muslimische Gruppen machen, sobald sie in einem Land die Mehrheit haben, ist bekannt.

Israel bietet Chancen auch für Araber

BDS-Anhänger bezeichnen Israel als „Apartheidstaat“ – ohne zu berücksichtigen, dass Araber, die leistungsbereit sind, in Israel Aufstiegschancen haben. Sie bekleiden als Moslems im mehrheitlich jüdischen Staat Israel hochrangige Posten an Gerichten und Universitäten. In israelischen Krankenhäusern operieren jüdische und arabische Ärzte gemeinsam jüdische und arabische Patienten. Arabische Israelis, die sich für de Stärkung dieses Miteinanders, das es in allen Bereichen der Wirtschaft, Wissenschaft und Politik Israels gibt, vehement einsetzen, beklagen, dass die Boykott-Aktionen von BDS gegen israelischer Hochschulen, Firmen und Kulturveranstaltungen ihnen schade. Dies alles stört die BDS-Aktivisten nicht. Das Ziel, das sie erkennbar verfolgen, ist die Zerstörung Israels und die Ausrufung eines strikt muslimischen Staates auf dem Gebiet des heutigen Israel mit einer unter der Scharia stehenden Hauptstadt „Al-Quds“ – das bedeutet „Die Goldene“, und so nennen die radikalen Araber Jerusalem.

Die BDS-Führungsspitze heutiger Tage kennt hingegen Israel sehr gut, und das durchaus auch von innen. Omar Barghouti, von dem einige der aktuellen Forderung der BDS-Bewegungen formuliert wurden, hat Elektrotechnik in Tel Aviv studiert. „Zum Dank“ fordert er einen Palästinenserstaat auf dem Gebiet des heutigen Israel. Wobei er vorläufig eher das Gegenteil erreicht, denn als BDS energisch gegen den Mineralwasserhersteller Sodastream protestierte, schloss der eine Produktionsstätte im Westjordanland. 500 Beschäftigte, alles Palästinenser, verloren ihre Arbeitsplätze. Doch vielleicht ist dies auch Kalkül. Denn prosperierende Firmen in einem unter israelischer Oberhoheit stehenden Gebiet westlich des Jordan – das passt nicht zur Errichtung eines radikalmuslimischen Kalifats in Jerusalem. Und so wird denn ganz aktuell gegen Israel getrommelt – auch mit Raketen aus dem Gaza-Streifen.

Antisemitismus seit 1922

Und die BDS-Aktivitäten haben eine lange, unheilvolle Vorgeschichte. 1922 untersagte ein arabischer Kongress für Palästina allen Geschäfte mit Juden, vor allem den Verkauf von Land, schon damals ging es um Boykott, Deinvestition und Sanktionen. 1931 rief der Islamische Weltkongress zum Boykott jüdischer Unternehmen auf. Im Oktober 1934 entschied die Arab Labour Federation, jüdische Unternehmen zu bewachen und zu boykottieren. Der Großmufti von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini, ein großer Verehrer Adolf Hitlers, rief nach dem Vorbild von SA und NSDAP einen Boykott aller jüdischen Läden und Händler aus. Nach 1948 ging es der BDS-Bewegung zunächst um eine unmittelbare Auslöschung Israels, seitdem wurden die Ziele den politischen Entwicklungen angepasst.

Seit 2001 wird nun schritt für Schritt der Terminus vom „Apartheidstaat Israel“ eingeführt. Der Boykott von Waren geht zunehmend auf die Ausgrenzung von Israelis und israelischen Organisationen über. Die Ausfälle gegen Netta Barzilai sind ein vorläufiger Höhepunkt, doch es steht zu befürchten, dass es rund um den Song Contest in Deutschland noch sehr unschöne Bildern von linken und linksextremen Gruppen geben wird. Wie weit es die ARD und die öffentlich-rechtlichen Sender schaffen werden, hier die Distanz zu wahren, wird zu beobachten sein. Wie schnell es jedoch gehen kann, zeigt der Fall der Frankfurter Rundschau, die die Wiederwahl des israelischen Ministerpräsidenten von der konservativen Likud-Partei mit der Überschrift quittierte: „Der ewige Netanyahu“ – in direkter Anspielung auf einen der schlimmsten antisemitischen Hetzfilme, der 1940 im nationalsozialischen Deutschland entstand: „Der ewige Jude“. Ein Tiefpunkt des deutschen Antisemitismus. Die rasch nachgeschobene Entschuldigung der Redaktion kam zu spät. Und wer dies alles mit klandestiner Freude gesehen haben dürfte, sind die Judenfeinde von der BDS-Bewegung.

Felix Klein, der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, hat zu alledem eine klare Meinung: „Wer wie BDS das Existenzrecht Israels abstreitet und die israelische Politik mit den Nazis gleichsetzt, der übt keine legitime Kritik an Israel mehr, sondern agiert im Kern antisemitisch.“ So jedenfalls zitiert ihn die Süddeutsche Zeitung am 28. Januar 2019. Damit hat Klein korrekt die Motivation der BDS-Bewegung benannt. Der Antisemitismus ist die Triebfeder, um die Dämonisierung und Delegitimierung Israels zu betreiben. Und letztlich die Vernichtung des jüdischen Staates im Heiligen Land.

In diversen Kaufhäusern deutscher Großstädte bekleben derzeit immer wieder vom BDS ausgesandte Helfer in antisemitischer Mission israelische Produkte mit Boykott-Stickern gegen den ESC: Erdbeeren, Orangen, Avocados, Hummus. Im Jahre 1933 hätte auf diesen Aufklebern gestanden: „Kauft nicht beim Juden!“

Konsequenterweise sollten die BDS-Vertreter ihren Protest gegen den ESC 2020 wie folgt titulieren: „Tanzt nicht beim Juden!“ Eine Frage drängt sich auf: Wieviel von dem Antisemitismus, der auch schon die Nationalsozialisten antrieb, steckt in der heutigen BDS-Bewegung? Der Eurovision Song Contest in Tel Aviv wird vor allem eines: ein Lackmustest für die politischen Parteien und Bewegungen in Europa – und das ganz speziell in dem Land, von dem einst der Holocaust ausging.

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Kommentare ( 24 )

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Also dass der ‚BDS‘ solche Forderungen stellt, ist in etwa so neu, wie die Erkenntniss, dass Wasser nass ist. Skandalös an der ekelerregenden Sache ist das hinnehmen seitens der Politik. So eine Organisation gehört strengstens überwacht, oder verboten.

Eurovision Song Contest- Mal davon abgesehen, dass ich die ganze Veranstaltung für absurd halte, was hat Isreal oder Australien in einem Eurovisionswettbewerb zu suchen, so ist das Verhalten der BDS und andere Israelhasser verständlich. Sie solidarisieren sich lieber mit den Terroristen der Hamas denn die stehen ihnen politisch näher. Ich begreife nicht, dass solche Vereine, die ihren versteckten Judenhass als Israelkritik tarnen, auch noch vom Staat gefördert werden. Der versteckte Antisemitismus unserer Regierung und die Tatsache, dass sich dieser durch alle Parteien zieht, macht mich Sprachlos. Wenn es darum geht auf das deutsche Volk einzuschlagen wegen dem Holocaust dann sind… Mehr

Israels Politik des Eigenschutzes ist nachvollziehbar. Er ist aber rabbiat und umfasst auch die Nachbarländer. Ob Bomben auf Syrien ohne jede Kriegserklärung, die Annektion der syrischen Golanhöhen oder der Druck über Amerika auf den Iran, Israel hält sich nicht an das Völkerrecht. Nur wird das völlig toleriert.

Ursache und Wirkung verwechselt? Nur ein bisschen schützen? Wer toleriert die Angriffe auf Israel?

Apartheidsstaat, finde ich gut! Der Gastarbeiter hat sich den Einheimischen anzupassen und nicht alle Rechte, sehr vernünftig! Als Ausländer hätte ich da auch gar kein Problem mit! Wenn in Afrika ein Tourist höhere Preise zahlt als die afrikanische Mama, schreien sie dann auch gleich „Apartheid?“

Der Moment konsequent aufzuräumen, ist lange überfällig.
Diplomatie sorgt nur für die Verlängerung von Krisen und der Etablierung und Ausbreitung problematischen Gedankenguts. Was Israel auf seinem eigenen Staatsgebiet tut, ist nur Israels Angelegenheit. Punkt.

Neid war immer ein sozialistischer Antrieb. Nie war es Gerechtigkeit. Was Israelis aus diesem Land gemacht haben, kann man nur bewundern. Was “Palästinenser“ aus diesem Land gemacht hätten, kann man nur befürchten. (Und das trotz Milliarden Euro Hilfe aus der EU).

Aufkleber, sehr gut, dann brauch ich nicht so lang nach Produkten aus Israel suchen!

Ich würde diese Produkte auch gerne kaufen. Was ist eigentlich aus den Orangen aus Israel geworden, die es früher überall gab?

Wer einmal, zB., die Jaffa Orri Clementinen aus Israel probiert hat, will keine anderen mehr!
Im normalen Lebensmitteldiscounter sind
sie kaum zu finden, weil sie teurer sind –
eher in Feinkosthandlungen. Einfach gezielt
danach fragen. Oder im Internet unter Israel Jaffa Orri Früchte recherchieren. Es gibt
hier in Deutschland Händler, die auch direkt
liefern.
Als Verbraucher kann ich Israel gezielt
unterstützen, was ich auch gerne tue, da die
Produkte zwar etwas teurer sind aber
in der Qualität wirklich Spitze!

@ KorneliaJuliaKoehler
Danke für den Tip.

Findet dieser Wettbewerb nun 2019 oder 2020 statt?

Es geht wohl um die ECS-Veranstaltung am 18. Mai 2019 in Tel Aviv, denke ich.

2019 aber google kann auch helfen 😉 Der Rest ist natürlich ein Skandal und die bekloppten Linken mischen wieder mal mit.

Prima Artikel, danke! Überfällig zu sagen, dass die „Linken“ und Pro-Palästinenser meist Antisemiten sind. Und niemand hierzulande schränkt sie in ihren hetzerischen Aktivitäten ein. DAS ist im Grunde der wahre Skandal. Israel ist eines der wunderbarsten Länder der Welt. Geschaffen aus dem Sand, dem Nichts. Eine Hochkultur. Klar, dass die Palästinenser neidisch sind und gerne so okkupieren würden, wie Afrika Deutschland okkupiert. Auch hier schreitet niemand ein. Es ist zum Verrücktwerden. Zum Weinen.

Alle Linken und damit ein Großteil des Bundestags quer durch sämtliche Altparteien sind antisemitisch. Gezeigt wird nach linkem Muster aber mit dem Finger auf andere, z.B. die AfD, in deren Programm ich nicht den Hauch von Antisemitismus erkennen kann – im Gegenteil. Antisemitismus ist in deutscher Politik und in deutschen Medien absolut hoffähig, gerne auch verkleidet in „man muss doch Kritik an Israel üben dürfen.“ Das sagen dann genau die, die einen erbitterten Krieg gegen alle führen, die Kritik an ihrem linken Geschwurbel üben.