Annegret Kramp-Karrenbauer – das vorläufig jüngste Merkel-Opfer

Das könnte der Startschuss für die ultimative Merkel-Dämmerung sein.

Wenn Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) als CDU-Vorsitzende jetzt zurücktrat und auf die Kanzlerkandidatur verzichtete, dann ist sie an sich selbst, vor allem aber an Merkel gescheitert. An sich selbst ist sie aus drei Gründen gescheitert. Erstens weil sie sich übernommen hat. Man kann das Verteidigungsministerium als das mit Abstand schwierigste Bundesministerium nicht mit der einen Hand und die CDU als wahlstatistisch dahindümpelnde Partei mit der anderen Hand leiten. Zweitens weil sie es beim letzten CDU-Parteitag vom Dezember 2019 mit einer trägen und überlangen Rede nicht geschafft hat, aus dem mageren Ergebnis von 51 Prozent in der Kampfkandidatur vom Dezember 2018 gegen Friedrich Merz gefühlte 90 Prozent zu machen. Drittens weil sie sich viel zu wenig von Merkel abgesetzt hat. Merkel blieb die heimliche Vorsitzende der CDU, die CDU wurde weiter aus dem Kanzleramt oder qua Merkel-Statement aus Angola gelenkt, wie AKK im Zusammenhang mit der „Thüringen-Sache“ zuletzt leidvoll erfahren musste.

Es musste so kommen, und AKK ist damit das jüngste Opfer des Merkel-Imperiums. Es ehrt AKK, dass sie als Verteidigungsministerin Entscheidungen auf den Weg brachte, die das Chaos, das Vorgängerin von der Leyen hinterlassen hat, mit der Zeit beseitigen lassen. Siehe Rücknahme unsinniger Privatisierungen, mehr öffentliches Sichtbarmachen der Bundeswehr, verbesserte Einsatzfähigkeit der Fluggeräte, Fahrzeuge und Schiffe usw. Aber auch hier ist zu befürchten, dass sie ihr Werk nicht vollenden können wird. Denn spätestens im Herbst 2021 wird es im Bendler-Block an der Spitze wohl eine andere Führungskraft geben.

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Wie es weitergeht mit der CDU? Alles spekuliert jetzt über die Frage, ob den CDU-Vorsitz Armin Laschet oder Friedrich Merz (beide übrigens aus demselben NRW-Landesverband) übernehmen wird und einer der beiden dann mehr oder weniger automatisch die Kanzlerkandidatur schultert. Oder ob Markus Söder (CSU) die Kanzlerkandidatur übernimmt. AKK hat schon mal vorsorglich erklärt, CDU-Vorsitz und Kanzlerkandidatur müssten in einer Hand bleiben. Bei Söder wäre das nicht möglich. Also will AKK wenigstens noch ein wenig Königsmacherin spielen.
Jedenfalls muss sich die CDU bald berappeln. Dass der Wechsel im Parteivorsitz bis Sommer 2020 dauern soll, ist ein großer Fehler. Denn dann wird die CDU weiter eine Außenstelle des Kanzleramtes bleiben. Das ist das Schlimmste und Dümmste, was AKK und CDU machen können.

Nein, es wird jetzt allerhöchste Zeit, dass die CDU als Partei und die CDU/CSU-Fraktion die Reißleine ziehen und die Merkel-Dämmerung einleiten. Sonst droht der CDU das Schicksal der SPD, die binnen weniger Jahre – kommissarische Vorsitzende und Triumvirat-Vorsitzende mitgerechnet – mehr als zwei Handvoll SPD-Vorsitzende verschlissen hat, ohne dass sich an den Wahlergebnissen irgendetwas zum Positiven geändert hätte.

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Kommentare ( 105 )

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105 Kommentare auf "Annegret Kramp-Karrenbauer – das vorläufig jüngste Merkel-Opfer"

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Die Bürger unseres Landes werden kein Verständnis dafür haben, die CDU über weitere Monate hinweg zu alimentieren und auszuhalten, bis sich diese auf neues Personal geeinigt haben könnte, das vielleicht in der Lage wäre, den Parteivorsitz zu übernehmen. Noch dazu wenn das Ganze unter fachlicher Aufsicht einer Kanzlerin erfolgt, die nicht bereit ist, ihr Kanzleramt abzugeben, nicht bereits ist den Weg für einen Neuanfang frei zu machen. Ein Problem, das durch Rücktritt der Kanzlerin leicht gelöst werden kann, ggf. durch Abwahl gelöst werden muß. Deutschland kann nur gewinnen, wenn sofortige Neuwahlen erfolgen. Eine Personalfindung analog SPD führt zu nichts, spielt… Mehr

Sorry, aber ich sehe KEINE EINZIGE Persönlichkeit im Berliner Polit-Stadl, die auch nur ansatzweise als Kanzler taugen könnte. Die jetzigen sogenannten Parteispitzen sind alles Taugenichtse. Merz – OGott, Laschet – OGottOGott, diese Grün-Hampelchen, diese SPD-Nebelkerzen… Nein, es ist keiner Sicht.

B. Ramelow zitiert auf Twitter A. Hitler. Mal schaun, ob ich das hier auch darf. „Ich habe jede Möglichkeit von vornherein einkalkuliert.“ Hitler 30.01.1941 .
A. Merkel hat mit Sicherheit das Scheitern A. K.-K.s einkalkuliert. Nun bleibt uns nur zu hoffen, dass sie sich, genauso wie ihr Vorgänger als Regierungschef ,auch endlich mal verkalkuliert. Noch ist es aber nicht soweit. Bisjetzt läuft alles nach Plan. E. Honeckers Rache ist noch nicht vollendet.

Lieber Herr Kraus, für das Einleiten einer „Merkeldämmerung“ fehlt es bei der CDU an Personal mit genügend Chuzpe – Klatscher, die vor allem ihr Pöstchen im Auge haben genügen dafür jedenfalls definitiv nicht. Es hätte wirklich schon mehr als genügend Anlässe gegebe, unsere außer Rand und Band geratene BKin in die Schranken zu verweisen – nichts ist passiert. Und auch diesmal wird am Ende ein bisschen Rauch gewesen sein, und ansonsten wird man weitermerkeln bis zum bitteren Ende. Bitter im übrigen vor allem für die Bürger dieses Landes, deren Zukunft dann zerstört sein wird und die den Trümmerhaufen dereinst wieder… Mehr
Ich las die Artikelüberschrift und mußte den Kopf schütteln. *Kramp-Karrenbauer – das vorläufig jüngste Opfer Merkels*. Sehr geehrter Herr Kraus, diese Aussage hat aber nichts mit faktischen Erkenntnissen und aufgrund Altersweisheit zu tun. AKK war (und ist sehr wahrscheinlich noch immer) eine der treudoofen bis gerissenen und willfährigen personalpolitischen Ausgeburten Merkels. Leider hat sich das ‚Blag‘ nicht so entwickelt, wie Mutti das erhoffte – und nun wird es, wie auch bei anderen Tiergattungen üblich – gefressen. Sei’s drum, schade ist es in keinem Falle. Die Mutti geht sicher schon wieder seit geraumer Zeit mit einer/m Nachfolger/in schwanger.

„Das könnte der Startschuss für die ultimative Merkel-Dämmerung sein. “ Könnte sein, könnte aber auch nicht sein. Die Merkel-Dämmerung ist nicht nur hier, sondern schon beinah überall verkündet worden, und das regelmäßig seit wenigstens acht Jahren. Leider waren das alles fromme Wünsche.

Ich teile eher die Meinung Ihres Kollegen Hingerl: Merkel hat AKK nur eingesetzt, weil sie wusste, dass sie es NICHT schaffen wird, die CDU zu einen und zu führen. AM hat die Nachfolgekämpfe fest einkalkuliert, um sich dann selbst als Retterin in höchster Not zu präsentieren. Und ebenso wie Herr Hingerl hoffe ich verzweifelt, dass ihre Pläne diesmal endlich und endgültig scheitern werden. Aber vermutlich ist das zu viel Optimismus.

Bitte keine guten Ratschläge, wie sich die CDU aus der misslichen Lage befreien kann. Ich erfreue mich zu sehr an deren Selbstsabotage, an der zunehmenden Geschwindigkeit wie alles aus dem Ruder läuft und an dem ganzen Gezeter und Gemecker der Besserwisser.

Diese Wünsche nutzen sowieso kaum etwas. Das Personal für eine echte Erneuerung ist längst aus der Partei ausgetreten.

In den ersten 13 Zeilen ist alles gesagt was das Dilemma der „Annegret guck in die Luft“ ausgemacht hat. Es gehört schon eine große Portion Naivität dazu, ohne vernetzt in der Partei zu sein, nur auf die Loyalität von Frau Merkel zu setzen. Sie hätte schon bei der quasi 50—50 Entscheidung gegen F. Merz , nein Danke sagen müssen. Aber vielleicht ist sie damals auch , wie jetzt Kemmerich, total „überrascht“ worden.

Vielleicht gehörte das alles zum Plan dieser durch und durch gewieften Taktikerin Merkel, dass sie sich 2021 noch einmal „opfert“ mit dem unausgesprochenen Hinweis, dass AKK der Aufgabe eben nicht gewachsen war und sie eigentlich erneut die einzige Alternative für das Bundeskanzleramt sein kann.