"Es geht um Störung, nicht Zerstörung. Wir sehen bereits ein Muster", analysiert der bekannte Terror-Experte Peter R. Neumann die 27 aktuellen Bombendrohungen gegen Fluglinien in Europa. Zusätzlich zu diesem Angriff beunruhigen noch Hacker-Angriffe auf Tiefkühlanlagen von Supermärkten und einer Blutbank.
Bundesheer
Kampfjets stiegen über Österreich, Frankreich und Italien auf, Passagiere mussten auf einem Militärflugplatz in der Normandie aussteigen und Flughäfen in Sofia, Prag und Warschau waren im Ausnahmezustand – am Donnerstag belastete eine neue Welle von Bombendrohungen den europäischen Luftverkehr. 27 Flüge wurden umgeleitet, eskortiert oder noch vor dem Start gestoppt. Allerdings: Bei der anschließenden Durchsuchung der Jets wurde kein einziger Sprengsatz gefunden.
Die Drohungen schädigten eine außergewöhnlich hohe Zahl an Fluggesellschaften: Ryanair, Aer Lingus, Finnair, Wizz Air, LOT Polish Airlines, easyJet, Iberia, Air Europa, Air Serbia, Aegean Airlines und Sky Express waren Ziele der Täter, die betroffenen Verbindungen gingen nach Dublin und Helsinki über Mailand und London bis nach Sofia, Rom, Prag, Warschau und Bukarest.
Der Terrorismus- und Sicherheitsexperte Peter R. Neumann vom King’s College London fasste die Lage in einem Thread zusammen: „Allein heute waren mindestens 15 europäische Flüge von Bombendrohungen betroffen. Dabei zeichnen sich erste Muster ab.“ Elf der Fälle hätten Bezug zu nur drei Städten: Mailand, Prag und Sofia. Bereits am Dienstag seien Ziele wie Warschau, Sofia und Rom ausgewählt worden.
Neumann meint, alles spreche für eine breit angelegte Störaktion, deren Ziel kein tatsächlicher Anschlag sei, sondern die Erzeugung möglichst großer Unsicherheit im europäischen Luftverkehr: „Das Ziel scheint Störung, nicht Zerstörung zu sein. Insofern erinnert das Vorgehen an eine koordinierte hybride Operation.“ Der Terror-Experte mahnt aber zur Vorsicht: Für eine russische Täterschaft gebe es bislang keinerlei belastbare Belege. Er warnt auch vor dem Gewöhnungseffekt: Jede Drohung müsse ernst genommen werden, auch wenn das Personal sowie Ressourcen binde. Nach vielen Fehlalarmen bestehe jedoch die Gefahr, dass die Wachsamkeit nachlasse – „und genau darin liegt das Risiko“.
Eurofighter im Einsatz
Österreichs Luftstreitkräfte kommentieren den Einsatz zweier Eurofighter auch auf X. Heeres-Sprecher Oberst Mag. Michael Bauer: „Aufgrund von Bombendrohungen gegen zivile Flugzeuge wurden alle betroffenen Flüge im österreichischen Luftraum durch Eurofighter begleitet. Was können die Eurofighter dabei leisten: Sie können, als einziger Augenzeuge die Situation vor Ort beobachten und eine mögliche Abweichung der Flugroute melden, falls der Pilot keine Funkverbindung hat. Und falls das Flugzeug beschädigt wird und flugfähig bleibt, kann der EF-Pilot die Schäden inspizieren und mit Infos über den Zustand helfen. Durch die Sichtverbindung zum Piloten können sie diesen jedenfalls unterstützen.“
Auch die französische Blutbank (Établissement Français du Sang) meldete einen Cyberangriff: An drei Standorten wurden die Temperatur- und Abtauwerte von Kühlräumen extrem angehoben. Alarmsysteme schlugen rechtzeitig an, die Plasma-Produkte konnten gesichert werden, es kam zu keinen Schäden. Die französische Cybersicherheitsbehörde ANSSI und das Gesundheitsministerium wurden eingeschaltet.



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