Energiewende: Wegmarken zum Ruin – und die Rettungsoption

Die OECD warnte mit der NEA-Studie die deutsche Regierung unüblich deutlich: Erneuerbare Energien würden ohne Kernkraftwerke aufgrund extremer Systemkosten „finanziell untragbar“. Dies umso mehr angesichts stark steigendem Strombedarf. Von Dipl. Physiker Dr. Werner Huber

picture alliance / imageBROKER | Erich Teister
RWE - Braunkohle-Kraftwerk Weisweiler, Eschweiler, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Während Solar- und Windenergie günstige Netto-Erzeugerkosten bieten, explodieren bei einem reinen „Erneuerbaren-System“ die zusätzlichen Systemkosten, die für diese wetterabhängigen Energien nötig sind. Deutschland ist dabei, voll in diese „Kostenfalle“ – so die Nuclear Energy Agency (NEA) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) – zu laufen. Sehenden Auges, wissentlich, ohne Rücksicht auf die Folgen: „Diese Energiewende bringt uns um“, so der Kanzler und erklärte sie postwendend als irreversibel.

Beispielhaft für die Bedenkenlosigkeit ist, dass Deutschland bis zu 71 Backup-Gaskraftwerke zur Überbrückung der dunkelflaute-bedingten Brownouts und Blackouts bauen wird. Das bedeutet  für Verbraucher und Wirtschaft eine Belastung von über 20 Milliarden Euro pro Jahr in Form neuer Stromumlagen. Die politmediale Gemeinde marschiert, die Reihen fest geschlossen, stoisch in die Schuldenfalle. „Ich brauche keine Zahlen, um zu wissen, dass es richtig ist“, so der Finanzminister.

Den Verantwortlichen für das globale Finanzsystem aber wird es ob solch neuem deutschen Irrealitätsfuror blümerant. Deutschland ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, eine deutsche Schuldenkrise hätte das Zeug zum globalen System-Crash. Und so richtete die OECD kürzlich mit der NEA-Studie eine unüblich deutliche Warnung an die deutsche Regierung: Erneuerbare Energien würden ohne Kernkraftwerke aufgrund extremer Systemkosten „finanziell untragbar“. Dies umso mehr angesichts stark steigendem Strombedarf.

Marsch ins finanziell Untragbare aber führt zum Kollaps. Um das zu prüfen, habe ich den Energiewendeprozess analysiert bezüglich kostenrelevanter Entwicklungen und deren Auswirkungen auf Wirtschaft, Verbraucher, Staatsfinanzen.

Hier die Wegmarken abwärts:

  • Die Energiekonzerne ziehen sich weltweit aus Offshore-Windkraft zurück wegen Kostenexplosion und Umorientierung zu Öl und Gas: harter Rückschlag für die deutsche Energiewende durch den Ausstieg von BP und TotalEnergies aus zentralen Nordsee-Groß-Projekten mit Folge masssiver Verzögerungen, Kostenexplosion und erwartbar hoher Stromkosten.
  • Der starke Windkraft-Zubau (2020 – 2025 plus 69% Nennleistung) brachte kaum noch Ertragszuwachs. Gründe: Schwachwindjahre, Abschaltungen Windparks bei viel Solarstrom, Winderschöpfung in Windparks. Besonders fatal ist dies angesichts stark erhöhter Bau- und Finanzierungskosten.
  • Für den Zeitraum 2027 – 2030 werden rund 38 Mrd. Euro Strafzahlungen fällig (in Form Zertifikate-Ankauf) wegen verfehlter CO2-Reduktionsziele gemäß EU-Klimaschutzverordnung. Dies folgt aus dem Ausstieg aus der CO2-freien Kernkraft. Für die Zeit nach 2030 sind weitere hohe Zahlungen absehbar.
  • Die Belastung der Staatsfinanzen und Verbrauer eskaliert auf jährlich 100 Mrd. Euro für Investitionen und Subventionen plus 90 Mrd. Euro jährlich Betriebs- und Systemkosten (McKinsey 2026). Angesichts hohem Extra-Finanzbedarf auch für Rüstung, Ukraine, Migration läuft die Überschuldungsspirale heiß mit Folge Vertrauensverlust der Finanzmärkte und Kreditkrise mit Zinsanstieg und Kreditverknappung für Staat und Privatwirtschaft.
  • Die bis Ende 2030 geforderte 65%-CO2-Reduktion ist unerreichbar. Als Konsequenz werden die CO2-Sparmaßnahmen verschärft, wie etwa Sanierungszwang Altbauten, Verbot Gas-/Öl-Heizungen, Erhöhung CO2-Steuer, verschärfte Industrieauflagen, Fahrverbote. Damit steigen die Lasten für Immobilieneigentümer, Mieter, Firmen/Gewerbe, Verbraucher noch weiter.
  • Ab 2031 beginnt der finale Kohleausstieg. Im Gefolge eskalieren die Strom- und Wirtschaftskrise: Destabilisierung Netz- und Versorgungssicherheit (Verlust Momentanreserve), neue Strompreisrekorde. Gründe: Wegfall billiger Kohlestrom, Strommangel, teurer Systemaufwand für Netz-Stabilisierung. Netzstörungen und Industrieabschaltungen werden endemisch.
  • Instabile Energieversorgung, untragbare Stromkosten und die Kredit- und Liquiditätskrise entziehen der Wirtschaft den Boden. Firmensterben und -abwanderung, Arbeitslosigkeit, soziale Instabilität und Gewalt werden weiter zunehmen. Die Jugend wird davon besonders betroffen sein. Das Steueraufkommen wird zurückgehen. Die Flutung mit EZB-Geldern wird die Stagflation befeuern, es droht ein Crash des EU- und des Global-Finanzsystem. Der IWF könnte eingreifen müssen und rigorose Austerity-Programme, mit rigoroser Rückschneidung des Staatsapparates, der Staatsausgaben. Das könnte das Ende der Energiewende bedeuten. Deutschland und und die EU würden aber langfristig zurückgeworfen werden und würden erhebliche Schäden erleiden.

Soweit die Wegmarken zum Ruin. Teils schon abgeschritten, teils vorgegeben durch „Klimagesetze“ und „Klimaurteil“ des Bundesverfassungsgerichts. Die letzte Wegmarke – den Absturz und was so oder so ähnlich Wirklichkeit wird – wird die Zukunft zeigen, sofern Deutschland weiterhin seine Steuergelder für die wetterabhängige Wind-Sonne-Only-Energievision verbrennt. Eine Vision mit unbezahlbar teuren Defiziten. Neben den Blackout-Stromlücken etwa der Verlust der Netzstabilität – ein Memento der Spanien-Blackout im April 2025 –, oder die nötige ungeheure Windradanzahl mit Folge 1.200-Milliarden-Vernetzungsaufwand (DIHK) samt Belastung unzähliger Menschen, oder die bedarfs- und marktwidrige Erzeugung mit hohen Folgekosten und -problemen.

Diese und weitere teure Defizite sind Garantie für Finanzerosion und Rekordstrompreise, die Wirtschaft und Haushalten die Luft abdrücken werden. Gibt es Rettung? Nur bei politischem Willensumschwung, Verzicht auf Klimadogmen und Entschärfung der Klimagesetze. Dazu ein Aktions-Dreisprung, der Deutschland sogar wieder an die Sptze bringen könnte:

  1. Sofort-Stopp Kohleausstieg: dadurch könnten rund 15 GW Leistung (entspricht 12 Kernkraftwerken) erhalten werden. Weiter bräuchte es Strompreissenkung, Vermeidung Strommangel und Industrieabschaltungen, also Vermeidung der Haupt-Absturzursachen.
  2. Reaktivierung stillgelegter Kernkraftwerke („die sichersten weltweit“) gemäß Machbarkeitsanalyse von Radiant Energy Group (US-Thinktank kooperiert mit OECD). Die Radiant-Analyse geht inhaltlich konform mit dem Appell ehemaliger deutscher AKW-Leiter und -Experten an die Regierung: „Wir weisen als kerntechnische Führungskräfte darauf hin, dass eine Reaktivierung der deutschen Kernkraft technisch eine mögliche und sinnvolle Option ist.“ Noch seien Kompetenz, Standorte, Infrastruktur, Kraftwerksgebäude, Teile der Anlagen und des Personalstamms verfügbar. Zudem seien im Ausland deutsche Anlagen und ähnliche Kraftwerke weiter in Betrieb oder in Bau, weshalb Erfahrungen mit dem deutschen Anlagentyp vorhanden seien. Laut Analyse können 9 Kernkraftwerke binnen weniger Jahre reaktiviert werden. Bewertung: teils harte Ablehnung, aber Bevölkerungsmehrheit dafür (Umfragen 2026: 55% – 61%, Tendenz steigend). Die Reaktivierung von z.B. 6 Kernkraftwerken wäre eine Brücke zur neuen, hochinnovativen 5. Generation-Kernkraftwerke – und sollte auch so vermittelt werden.
  3. Forcierte (Mit-)Entwicklung 5. Generation-KKW „Dual Fluid“. Vorteile: Eigensicherheit, Recycling Alt-Atommüll, Lösung Endlagerproblem, hohe Arbeitstemperatur ermöglicht geringe Baugröße/Baukosten und Wärmeauskopplung für Fern- und Prozess-Wärme (Blockkraftwerke), flexible Skalierbarkeit von Klein- bis Großkraftwerk (300 MW – 1500 MW), niedrige Stromkosten erwartbar, geeignet auch für Wasserstoff-Elektrolyse (erhöht Grün-Akzeptanz). Markt-Rollout geplant ab 2035. Grundprinzip: kein fester Kernspaltstoff in Form Uranbrennstäben wie bisher, sondern Flüssigmetall-Gemisch: billiges Natururan, Thorium (unerschöpflich) und sogar Atommüll von konventionellen KKW („Allesfresser“). Als „Schneller Brüter“ wandelt er dank energiereicher, „schneller“ Neutronen schwer spaltbares Natururan oder Thorium in leicht spaltbare Stoffe (Transmutation). Deshalb kann er Atommüll-Uran aus konventionellen KKW (dort nur ca. 1 Prozent des Urans gespalten) vollständig spalten: immenser Kostenvorteil und drastische Entschärfung des Endlagerproblems.

Die enorme Arbeitstemperatur des Spalt-Fluids von rund 1000 Grad wird abgeführt durch zirkulierendes flüssiges Blei („Dual Fluid“), und außerhalb des Reaktorkerns auf den Generatorkreislauf übertragen. Der flüssige Spaltstoff ermöglicht intrinsische Eigensicherheit: selbstregulierend durch Negativrückkopplung der Spalteffizienz bei Temperaturanstieg, und zusätzlich bei Überschreitung Temperaturlimit die selbsttätige Entleerung des Fluids in Auffangbecken mittels Schmelzsicherung, was die Kernreaktion sofort stoppt.

Aufgrund deutscher „Schnelle Brüter“-Erfahrungen (Reaktoren Karlsruhe, Kalkar; aber noch nicht Dual Fluid) und German Engineering wäre Deutschland prädestiniert für die Industrialisierung dieser Durchbruchstechnologie.

Dieser Aktions-Dreisprung würde nicht nur Deutschlands Absturz verhindern, sondern auch dank sicherer und günstiger Energie unsere industrielle und wirtschaftliche Stärke reanimieren – und uns eine Hochtechnologie-Zukunft eröffnen. Jetzt ist die Politik gefordert …

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