"Praktisch alle" Migranten seien von Ceuta nach Marokko zurückgekehrt – schrieb EU-Migrationskommissar Magnus Brunner am 31. Juli auf Twitter. Dies ist mittlerweile als Fake News bestätigt: Die Strände der Exklave sind noch immer von 3.000 Afrikanern besetzt, insgesamt sind 10.000 Migranten in Ceuta.
picture alliance / abaca | Europa Press/ABACA
Die Behauptung, die Krise in der spanischen Exklave Ceuta sei vorbei, hält einem Fakten-Check nicht stand: Ende Juli hatten 80.000 Menschen innerhalb von zwei Tagen die Grenze von Marokko aus überrannt – 59 Tage später sind noch immer etwa 10.000 Migranten in der kleinen Exklave, in der 80.000 Spanier leben.
Die Fakten: Zwei Monate nach dem Grenzsturm sind nach Angaben der Zentralregierung mehr als 6.000 Migranten in Notunterkünften untergebracht, 3.000 Zuwanderer schlafen weiter an den Stränden. Territorialminister Ángel Víctor Torres bestätigte im spanischen Fernsehen die Zahlen der Asylbewerber, die außerhalb der Aufnahmeplätze schlafen. Die Schätzung stütze sich auf ausgegebene Mahlzeiten und die Arbeit der Helfer vor Ort. Die Schwerpunkte seien die Strände El Trampolín und Benítez sowie das Umfeld von Benzú und der Grenze. Die Stadtregierung von Ceuta nennt eine deutlich höhere Zahl: Vizepräsident Alejandro Ramírez sprach von 13.000 Personen in der Stadt.
Ein Versuch, die Strandlager zu räumen, scheiterte Mitte September: Die Guardia Civil und die Policía Nacional brachten zwar 1.700 Menschen zum provisorischen Lager am Muelle de Poniente, mindestens 2.000 Migranten kehrten aber nach La Vanguardia und El Mundo auf Trampolín und Benítez zurück. Beide Strände sind nun weiter überfüllt – dort leben mehr als 3.000 Menschen in einem Slum von über einem Kilometer Länge.
Die spanische Generalstaatsanwaltschaft zählte Ende August bereits 23 Sexualdelikte seit dem Massenansturm, darunter fünf Vergewaltigungen. Neun Opfer waren Minderjährige im Alter von 14 bis 17 Jahren. Die Staatsanwaltschaft von Ceuta prüft zudem Misshandlungsvorwürfe aus Notunterkünften für unbegleitete Minderjährige. Präsident Juan Jesús Vivas hatte die Lage schon Ende Juli „unhaltbar“ genannt: Die Bewohner der Strandviertel klagen über Beschädigungen ihrer Häusern und über Diebstähle – sie sagen auch, dass sie ständig in Angst leben müssten.
Die Krise in Ceuta ist nicht vorbei – auch wenn das der EU-Migrationskommissar schon vor 59 Tagen ganz anders kommuniziert hat.


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