Die Roboter der CDU: Vorne jubeln, hinten fluchen

Wenn man CDU-Politiker fragt, dann legen sie Reformpläne vor, die die deutsche Industrie retten könnten. Dann wird illegale Migration beendet und der NGO-Sumpf ausgetrocknet. Nur, wenn es um Taten geht, liefert die CDU das Gegenteil. Darin ähneln Merz und Co. den Killer-Robotern aus Stanisław Lems Sterntagebüchern.

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Friedrich Merz und Gitta Connemann, Landesparteitag der CDU Niedersachen am 23.08.2025 in Osnabrück

Auf dem Planeten Circia haben sich die Roboter unter ihrem Anführer „Der Kalkulator“ gegen ihre menschlichen Herren erhoben und ermorden nun alle Menschen, die sie finden können. Eine Vielzahl menschlicher Agenten wurde schon von der Erde nach Circia entsandt, um die menschliche Herrschaft zu retten – aber zu jedem von ihnen ist der Kontakt abgebrochen. Also soll Kosmonaut Ijon Tichy nun auf den Plan treten. Dazu wird er in eine perfekte, rostfreie Roboterverkleidung gesteckt, um unerkannt dem Treiben des Kalkulators und seiner Roboter ein Ende zu bereiten.

So beginnt die Elfte Reise, ein Kapitel in Stanislav Lems Roman „Die Sterntagebücher“. Wer die CDU verstehen will, kann sich mit Lem gedanklich annähern. Lems Erzählungen waren immer abstrus genug, um veröffentlicht zu werden. Und das war wichtig: Lem war Pole und wirkte unter Sowjetherrschaft. Kritik am System war nur allegorisch möglich.

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Ijon Tichy passiert schon bei seiner Landung auf Circia ein Malheur. In einem Feld vor der Hauptstadt stolpert er in der Dunkelheit über rostigen Schrott, der dort herumliegt. Er wird entdeckt, enttarnt und von Robotern vor ihren Roboter-Diktator gezerrt.

Lems Roman ist eine absurde Parabel. Denn tatsächlich sind die Roboter – Menschen. Die sich aber nicht trauen zu widersprechen und handeln wie meuternde Roboter. Und als solche Dinge betreiben, die sie als absoluten Quatsch durchschauen.

Im Berlin 2026 wirken CDU-Politiker wie Roboter. Sie gehorchen den Vorgaben ihres großen Kalkulators.

Keine Steuerreform kann so verlogen, kein Projekt so wirtschaftsfeindlich sein, dass seine Parteisoldaten es in den sozialen Medien, im Bundestag oder auf Veranstaltungen nicht robotergleich bejubeln. Nun soll also die Grenze, ab der der Spitzensteuersatz fällig wird, von 69.879 Euro auf 70.600 Euro erhöht werden. Der Höchststeuersatz greift damit also 721 Euro später. Hurra. Diese Steuererleichterung gleicht nur gerade mal die Inflation aus. Die Juli-Reform wird einem Durchschnittshaushalt mit vier Köpfen nur 50 Euro im Monat Erleichterung versprechen.

Gleichzeitig hat diese Familie aber am Ende weniger Netto übrig, da steigende Zuckersteuer, Plastiksteuer, Wassercent und was an Lebens-Verteuerungen sonst noch kommen mag, ihr im Jahr deutlich mehr als 50 Euro im Monat abnehmen werden. So werden die Heizkosten für Gas-Wärme um bis zu 1.000 steigen, dank CO2-Abgabe. Die Rentenabgaben steigen um je 30 Euro. Die Krankenversicherung wird teurer, für Kinder und Ehepartner wird wohl ein Zusatzbeitrag fällig.

Eine ziemlich lächerliche Sache, aber wie Roboter feiern CDU-Funktionäre das öffentlich:

 

Nun sind die Roboter-Jubler ja nicht intellektuell unterbelichtet, sondern erfahren und kenntnisreich.

Gitra Connemann zum Beispiel ist nicht nur Bundestagsabgeordnete, sondern auch Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, Beauftragte der Bundesregierung für den Mittelstand und Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT). Viele Posten, viel Macht.

 

Erst in der vergangenen Woche warb sie vor Journalisten und Unternehmern für Wirtschaftsreformen. Für Lockerungen und Bürokratieabbau. Zwei Stunden fuhr sie im Bus des Wirtschaftsverbandes Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) mit Journalisten und Freunden der CDU-nahen Stiftung durch Berlin und erklärte: „Wenn die Möglichkeit bestünde, die AKWs zu reaktivieren, dann müsste man das tun.“ Müsste? Wieso müsste? Warum nicht einfach machen? Ihre MIT schrieb noch am 27. Juni: Eine Erhöhung des Spitzen- und Reichensteuersatzes dürfe es nicht geben, denn: „Damit würden wir mitten in der Krise die Steuerlast für die meisten unserer Unternehmen erhöhen.“ Gut gebrüllt. Und was geschieht? Es kommt eine Erhöhung der Reichensteuer.

Zweifellos wusste Connemann zu diesem Zeitpunkt schon von den Anti-Reförmchen, die ihr „größter Wirtschaftsförderer Merz“ (O-Ton-Connemann) und die SPD-Kollegen verhandelten. Wenn nun das Gegenteil von dem gemacht wird, was Connermann für richtig erkannt und benannt hat: Wird Connemann nun dazu beitragen, den Kanzler zu stürzen? Nein, sie hat ja auch Angela Merkel über all die Jahre mitgetragen, trotz des desaströsen Atomausstiegs (den Connemann immerhin zu verhindern versuchte). Hört man Connemann reden, freut man sich schon auf die kommenden Reformen. Kommen sie dann, die Merz-Reformen, ist keine Connemann drin. Aber Connemann ist nicht allein, Connemann geht voran.

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Kann man mit Unionspolitikern im Vertrauen sprechen, dann hört man viele gute und schlaue Sachen von ihnen. Dann ist die SPD ein unmöglicher Koalitionspartner, dann müssen sofort massive Reformen her, dann muss die Neuverschuldung sofort beendet werden. Hört man die CDU/CSU-Abgeordneten reden, dann will man sich an ihrer Seite aufmachen und die Kettensäge mit ihnen anwerfen. Dann werden gemeinsam die NGOs ausgetrocknet, dann werden EU, Klimabürokraten- und lähmende Beamte in ihre Schranken verwiesen. Misst man die Union an ihrer Rhetorik, dann wird sie die AfD bald rechts überholen. Doch wenn dieselben CDU-Politiker im Bundestag abstimmen, dann kommen Friedrich Merz und diese „Reformen“ dabei raus. Sieht ein CDU-Politiker eine Kamera, dann spricht er nur, wenn dahinter ein grüner ARD-Reporter steht, und gefällig verspricht der CDU-Mann oder die CDU-Frau mit der AfD im Kopf dann, den Kampf gegen Rechts zu intensivieren.

In den Sterntagebüchern soll Ijon Tichy exekutiert werden. Denn alle Menschen auf Circia werden exekutiert. Und dann geschieht das Sternen-Wunder: Er überlebt es. Er überlebt es, weil sich herausstellt: Es gibt nur einen einzigen Roboter auf dem Planeten. Der Kalkulator, der Roboter-Diktator ist es. Die anderen Roboter waren nämlich nicht rostfrei. Ohne menschliche Wartung gingen sie kaputt. Ihre Schrott-Karkassen sind es, über die Ijon Tichy bei seiner Ankunft gestolpert ist, sie liegen in den Feldern um die Hauptstadt verstreut. Die Roboter, die Tichy enttarnten und festnahmen, die ihn festnahmen, verurteilten und exekutieren wollten: Sie waren menschliche Agenten in Roboter-Verkleidungen, die ihre Tarnung nicht aufgeben wollten und die Rolle als Menschenhasser so vollkommen ausfüllten, dass sie einander nicht erkannten. Bis Kosmonaut Tichy über die Überreste eines wahren Roboters stolperte und die Menschen sich wieder trauten, wie Menschen zu handeln.

Frau Connemann und die zahllosen Abgeordneten der Union kennen die Probleme dieses Landes. Sie benennen die Lösungen, solange sie nicht danach handeln müssen. Im Bundestag agieren sie wie Roboter in den Sterntagebüchern. Sie wissen, dass Deutschland nicht an zu wenig Staat, zu niedrigen Abgaben und zu viel wirtschaftlicher Freiheit leidet. Sie sprechen es sogar laut aus – aber verkriechen sich in ihre Roboter-Rüstungen, sobald es zur Abstimmung kommt. Ijon Tichy ist schon über die toten Karkassen der SPD gestolpert. Jetzt muss die Union handeln und sich zur Wirklichkeit bekennen – oder untergehen. Hoffentlich reißen sie Circia nicht mit in den Abgrund.

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