Migrantische Gewalt: Die Realitätsleugnung geht weiter

Nachdem Messer und Autos als Gewalttäter entlarvt wurden, sind es nun Bahngleise: Man widmet sich allen möglichen Fragen, nur nicht dem eigentlichen Problem. Auch nach dem Tod eines iranischen Mädchens will man nicht über migrantische Gewalt diskutieren, sondern über Begleitumstände.

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„Warum gibt es hierzulande keine Schutzmaßnahmen an Bahnsteigen?“, fragt der Stern am Freitag, einen Tag, nachdem ein achtzehnjähriges Mädchen von einem Südsudanesen umgebracht wurde.

An der U-Bahnstation Wandsbek Markt hatte der 25-Jährige die junge Iranerin gepackt und sich mit ihr vor den einfahrenden Zug geworfen. Beide wurden überrollt und starben.

Erst „Person“, dann „Südsudanese“

Die Evolution der Schlagzeilen, die dieses Verbrechen thematisieren, ist vielsagend. „Person greift anderen Fahrgast und reißt ihn vor einfahrende U-Bahn mit in den Tod“, heißt es bei der Welt zunächst; man scheint bemüht, den Täter nicht versehentlich zu misgendern. „Mann packt Frau und stürzt sich mit ihr vor U-Bahn“, titelt die Bild.

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Der naive deutsche Bürger fragt sich, ob es eine Beziehungstat war oder ein Streit. Lebensklügere Landsleute warten einfach ab, bis sie die Ahnung, die sie beschleicht, auch in den Medien bestätigt sehen: Bei der Bild wird aus dem Mann bald ein „Südsudanese“, bei der Welt erweist sich die ominöse Person als „polizeibekannter Mann“. Er war erst wenige Tage zuvor wegen eines Angriffs auf Polizeibeamte festgenommen und wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Das Opfer: Fatemeh, ein iranisches Mädchen, das sich laut jüngsten Erkenntnissen vor häuslicher Gewalt in ein Frauenhaus geflüchtet hatte. Ein zweifaches Opfer deutscher Ignoranz.

Symptombekämpfung und Placebo-Debatten

Angesichts dieser – nein, es ist kein „Drama“ und auch keine „Tragödie“ – Mordtat ist die wirklich allerletzte Frage, die der Stern stellen sollte, die, warum es keine Schutzvorrichtungen an Bahnsteigen gibt.

Anstatt über Ursachen und Bekämpfung migrantischer Gewalt zu diskutieren, werden Begleitumstände thematisiert, arbeitet man sich an Symptomen ab: Merkel-Poller, Messerverbotszonen, Absperrwände an Gleisen – die Gefahr verschiebt sich lediglich. Wer töten will, findet einen Weg, wie man an der Evolution terroristischer Waffen erkennen kann: Vom Sprengstoffgürtel zum schlichten Auto.

Die eigentlichen Fragen sind völlig andere. Warum erlauben wir kriminellen Ausländern, messerstechend, Amok fahrend und totschlagend Angst zu verbreiten, das gegenseitige Vertrauen zu zerstören und das Zusammenleben im Land zu torpedieren? Warum erlauben wir Parallelgesellschaften, in denen Gewalt gegen Frauen akzeptiert wird? Warum erlauben wir Politikern und NGOs, immer mehr Menschen, die nicht dazu bereit sind, sich produktiv und konstruktiv in unsere Gesellschaft einzubringen, einzuschleusen? Warum finden wir uns mit flächendeckendem Behördenversagen ab?

Fatemeh war achtzehn Jahre alt. Die Ukrainerin Liana, die 2025 in Friedland vor den Zug gestoßen wurde, war erst sechzehn. Und 2019 starb Leo, gerade acht Jahre alt, als ein Eritreer ihn und seine Mutter vor einen einfahrenden ICE stieß. Junge Menschen, deren Tod hätte verhindert werden können. Durch restriktive Einwanderungspolitik, durch konsequente Abschiebung, durch effiziente Strafverfolgung. Nicht durch Schutzvorrichtungen an Gleisen.

Neben Wut, Resignation und Hilflosigkeit stellt sich angesichts dieser Verbrechen mittlerweile etwas viel Gefährlicheres ein: Gewöhnung. Wo weder Assimilation noch Integration eingefordert werden, passen sich eben die Einheimischen an – an eritreische Zustände und syrische und sudanesische und afghanische. Wir vermeiden Blickkontakt, um keine Begehrlichkeit oder Aggression zu wecken. Wir meiden bestimmte Orte. Wir warten möglichst weit von der Bahnsteigkante entfernt, scannen die Umgebung nach Gefahrenquellen und positionieren uns so, dass sich uns nicht etwa jemand von hinten nähern und zustoßen könnte.

Das neue Normal, das entsteht, wenn man nicht die Täter straft, sondern die Allgemeinheit sanktioniert.

Kollateralschaden: Der gesellschaftliche Zusammenhalt

Die Opfer dieser Verbrechen sind oftmals selbst zugewandert. Diese Tatsache entlarvt jene als Heuchler, die jeden, der an ungezügelter Massenmigration Kritik übt, als rassistisch, xenophob oder „faschistisch“ geißeln. Denn nicht solche Kritiker sind mitverantwortlich für den Tod der jungen Iranerin. Sondern alle, die migrantische Gewalt bagatellisieren, effiziente Maßnahmen zum Schutz der hiesigen Bevölkerung – gleich welcher Herkunft – verhindern, und Andersdenkende verteufeln und mundtot machen.

Und nicht nur das: Diese Propagandisten setzen durch ihre Weigerung, sich der Realität zu stellen, viele Zugewanderte einem Generalverdacht aus – Kollateralschäden ideologischer Verblendung, die den Verantwortlichen vollkommen gleichgültig sind.

Misstrauen, Tribalisierung, Feindseligkeit und Radikalisierung: Das sind die Folgen einer Politik, die nicht nur die eigene Bevölkerung, sondern auch Einwanderer und Besucher unseres Landes Mördern ausliefert. Das Ende der Sicherheit ist auch das Ende der sozialen Kohäsion.

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