Koalition legitimiert neue Schritte gegen kritische Medien

Der Koalitionsausschuss stellt das Grundgesetz zur Disposition und macht Medienkontrolle zur „vordersten Aufgabe“: Diskurs „stützen“, „Angriffe von innen“ markieren, ständig neue Vorwände für Eingriffe. Kritische Medien werden zur Zielscheibe.

picture alliance / Geisler-Fotopress | Bernd Elmenthaler

Man will es für ein Versehen halten: Der Koalitionsausschuss hat gestern das Grundgesetz zur Disposition gestellt. Man muss dazu wissen, dass der Erfinder „unserer Demokratie“ Erich Honecker war, dargelegt in dem Buch „Aus meinem Leben“. In diese Tradition begibt sich die Bundesregierung, so will sie anscheinend wirken, wenn es in ihrem Beschlusspapier zum Koalitionsausschuss heißt:

„In Zeiten hybrider Angriffe von innen wie außen bilden eine stabile Demokratie, der Zusammenhalt unserer Gesellschaft sowie eine vielfältige Medienlandschaft für einen demokratischen Diskurs die Grundlage für die Widerstandsfähigkeit unserer Gesellschaft. Sie zu stärken und zu unterstützen ist vorderste Aufgabe der Bundesregierung. Daher werden wir mit konkreten Projekten die Demokratiestärkung unterstützen. Die Bundesregierung wird den Rechtsstaat stärken und gegen Deep Fakes gezielter vorgehen.“

Dieser Passus hat es in sich, man lese ihn gründlich und mehrmals. Zunächst muss man die Frage stellen: Wer ist der Angreifer von innen? Wer ist der neue „Volksfeind“? Wogegen muss ein Volk geeint stehen?

Es ist Neo-Stalinismus, wenn in der direkten und indirekten Einflussnahme auf die Medienlandschaft die Regierung die Grundlage ihrer eigenen Herrschaft erblickt, schließlich ihre „vorderste“, also ihre wichtigste Aufgabe darin sieht, Medien zu stärken und zu unterstützten, wie unlängst von Daniel Günther gefordert, Zensur, Regulierung und Verbote kritischer Medien durchzusetzen und Propaganda- und Indoktrinationsmedien zu finanzieren. Wenn nicht die „vorderste Aufgabe der Regierung­ darin besteht, zum Wohle des deutschen Volkes tätig zu sein, seinen Nutzen zu mehren, Schaden von ihm zu wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes zu wahren und zu verteidigen, die Pflichten gewissenhaft zu erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann zu üben, wenn sie nicht darin bestehen, den Wohlstand zu sichern, die richtigen Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Gedeihen zu schaffen, die innere Sicherheit, ein funktionierendes Sozialsystem und ein exzellentes Gesundheits- und Bildungssystem abzusichern, sondern sie ihre vorderste Aufgabe in Kontrolle und Administration des gesellschaftlichen Diskurses sieht, dann will sie das nur, weil sie auf allen anderen Gebieten versagt.

Kontrolle des Diskurses?
Der Koalitionsausschuss erklärt die Wirklichkeit zum Feind
Eine Regierung, die mit konkreten Projekten die Demokratiestärkung unterstützen will, kontrolliert damit den Diskurs. Die Kontrolle und Organisation des Diskurses kennt man nur aus Diktaturen. Von der Regierung gestärkte und gestützte Medien sind aber Regierungsmedien. Will man also, wie man den öffentlich-rechtlichen Rundfunk vom Bürger zwangsfinanzieren lässt, rotgrüne Medien auf Regierungskurs auch vom Steuerzahler finanzieren lassen als Demokratiestärkungs-Projekt?

Wenn die Bundesregierung „den Rechtsstaat stärken“ will, um „gegen Deep Fakes gezielter vorgehen“ zu können, dann kann sie nur an Zensurgesetze denken. Wer entscheidet übrigens über Deep Fake und Fakt? Elmar Theveßen? Dunja Hayali? Claas Relotius? Mal ganz davon abgesehen, dass laut Grundgesetz es gestattet ist, auch „Deep Fakes“ zu verbreiten. Was nicht gestattet ist, ist, zu verleumden und zu beleidigen. Wie steht es damit bei Jan Böhmermann und Co.?

Angriff in Gießen
Von Antifa und DGB bis Daniel Günther – die breite Front gegen freie Medien
Doch gegen Zensurgesetze wird wohl das Verfassungsgericht, nachdem man es rotgrün gestellt hat, nicht mehr aufbegehren. Merkels Pandemie-Diktatur scheint der Testlauf gewesen zu sein. Wer vom „demokratischen Diskurs“ spricht, meint nicht Meinungsfreiheit, sondern Zwang, denn es existiert kein „demokratischer Diskurs“, weil Diskurs nur ein einziges Attribut verträgt, nämlich frei. Was es aber gibt, das ist der Diskurs in der Demokratie. Wenn der Diskurs in der Demokratie nicht mehr frei ist, dann existiert nur noch der „demokratische Diskurs“ in „unserer Demokratie“, wie er von Lenin bis Honecker definiert wurde.

Die Losung des Stalinismus lautete: „Feinde überall“ – und „revolutionäre Wachsamkeit“ stand hoch im Kurs. Die Koalition behauptet, dass die Demokratie angegriffen wird. Braucht die Koalition Feinde, Pappkameraden, um ihr Scheitern anderen in die Schuhe zu schieben, um ihr Scheitern von willfährigen Medien in Erfolge umdeuten zu lassen? Die Warnung vor dem allmächtigen Feind, er hybrid ist und überall zuschlägt, der allgegenwärtig ist, die medial verbreiteten Verschwörungstheorien sollen Folgebereitschaft herstellen. Und wo das nicht gelingt: Folgezwang?

Die Regierung mauert sich ein. Sie verwechselt ihre Existenz mit der Demokratie, doch im Moment der Verwechslung handelt sie gegen die Demokratie, weil alle Kritik an der Regierung zur Kritik an der Demokratie wird. Wenn aber Kritik an der Regierung als Angriff auf unsere Demokratie gewertet wird, dann ist man in der Diktatur. Wenn Regierungen sich mit der Demokratie gleichsetzen, muss jede Opposition undemokratisch sein. Dann gibt es auch keinen Wechsel mehr, dann gibt es auch keine Demokratie mehr.

Ministerpräsident der Skurrilitäten:
Wer spricht da eigentlich? Daniel Günther, die CDU und die Staatskanzlei
Kurt Schumacher und Helmut Schmidt, Ludwig Erhard und Helmut Kohl hätten leidenschaftlich das Wort gegen Leute erhoben, die mit dem Lexikon des Totalitarismus daherkommen: „stabile Demokratie“, „Zusammenhalt unserer Gesellschaft“. Erinnert sich bei CDU und SPD niemand mehr daran, dass der „Zusammenhalt unserer Gesellschaft“ in der Einheit von Partei und Volk bestand, dass nur die sozialistische Demokratie eine stabile Demokratie war, weil sie die Feinde des Volkes, die Feinde der Demokratie bekämpfte, vor Zersetzung schützte und unsere Menschen vor Infiltration bewahrte? Erinnern sie sich nicht daran, dass die Demokraten in Ostberlin Konrad Adenauer als „Spalter“ beschimpften?

Und um alles, wie Orwell in „1984“ dargestellt hat, kontrollieren zu können, will die Bundesregierung „die Resilienz Deutschlands und Europas gegenüber digitalen Monopolen“ ausbauen „durch den Aufbau deutscher europäischer Technologieführerschaft, europäischer Plattformen und Clouds“. Von der Leyen, Merz und Klingbeil wollen künftig entscheiden, was veröffentlicht werden darf, und was nicht, um resilient gegen die Demokratie zu sein.

Eine Regierung, die „weitergehende Befugnisse für die Sicherheitsbehörden“ geschaffen hatte, hatten wir in Deutschland übrigens schon einmal.

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Kommentare ( 42 )

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Haedenkamp
1 Monat her

Meine Anerkennung für die Erhöhung der Schlagzahl – fast täglich einen oder mehrere brillante Artikel. Wie schaffen Sie das, werter Herr Mai?

Egozentrik
1 Monat her

Wer gibt unserer ReGIERung eigentlich die Macht; alle vier Gewalten eines Rechtsstaats zu dominieren und sogar zu manipulieren? Die Bürger sind es jedenfalls nicht! Die ReGIERung nimmt es sich einfach heraus, weil die Bürger es mit sich machen lassen. Da aber die Polizisten auch Bürger und dem Grundgesetz verpflichtet sind, ist es doch schon auf Grund ihres Amtseides deren Pflicht, sich den Machtansprüchen zu widersetzen und grundgesetzliche Maßnahmen gegen Bürger NICHT auszuführen! Auch darum dürften die ReGIERungen ihre selbst angemaßte Macht gar nicht mehr ausüben. Dasselbe gilt doch auch für die Bundeswehrangehörigen. Vor allem müssten nun die Staatsrechtler und die… Mehr

Last edited 1 Monat her by Egozentrik
Simplex
1 Monat her

Die Union wird als rechtspopulistischer Haufen hingestellt. Man nehme diesen unseligen Verein, über den sich Murswick in nius auslässt – Aus dieser Vereinsbroschüre für die Jugendverbände nur dieses Zitat zum Einstieg: „Gelegentlich umstritten ist allerdings auch der Begriff „gegen Rechts“, da er auch so verstanden werden kann, dass alle sich nicht links verortenden Menschen gleich als rechts angesehen werden. Allerdings verstehen sich beispielsweise die CDU/CSU und FDP zwar eindeutig als nicht linke Parteien, bezeichnen sich aber selbst als Parteien der Mitte und nicht als rechte Parteien. Somit erscheint der Begriff als griffige Kurzform geeignet, um die genannten Phänomene alltagssprachlich zu… Mehr

Last edited 1 Monat her by Simplex
November Man
1 Monat her

Anders können die Linksextremisten des Kartells keine Wahlen mehr gewinnen. Die einzig verblieben Oppositionspartei die AfD und kritische Presse sollen mundtot gemacht oder gleich verboten werden. So will man die Meinung der Wähler manipulieren. Aber es liegt am Wähler sich eine eigene Meinung zu bilden, Wahlbetrug zu verhindern und die richtige Partei zu wählen. Und das sind nicht die linken Parteien aus der Kartellbande. Wir können es uns nicht erlauben, dass die Linksextremen Parteien weiter dieses Land regieren. Sonst heißt es bald Koffer packen und fliehen. Rette sich wer kann.

Unglaeubiger
1 Monat her

Danke, nach diesem Artikel kein: „noch Fragen Herr Binzle?“ mehr. Ob diese Mischpoke regelmäßig zum Grab Honeckers pilgert, um ihn um seinen Beistand für die Errichtung einer noch „besseren“ DDR 2.0 bitten?

Juergen P. Schneider
1 Monat her

Der Volksfeind des links-grünen Kartells ist der kritische Bürger also mithin der Arbeitgeber dieser übergeschnappten Politschranzen. Unter dem Deckmantel des Demokratieschutzes wird der Wesenskern der Demokratie, die Meinungsfreiheit und mit ihr die Machtkritk, abgeschafft. Das links-grüne Bankrottkartell will sich endgültig gegen jede Art von Kritik immunisieren. Man kann das Aussprechen der Wahrheit und die Beschreibung der unschönen Realitäten zwar verbieten, aber die Missstände verschwinden dadurch nicht. Man darf gespannt sein, wie lange es in Deutschland noch freie Wahlen geben wird bzw. wie sehr das Wahlrecht durch Entzug des passiven Wahlrechts für missliebige Bewerber so eingeschränkt wird, dass von freien Wahlen… Mehr

Juri St.
1 Monat her

Die Regierung hat zutreffend erkannt, dass eine „vielfältige Medienlandschaft“ Grundlage für die Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft ist. Das will sie durch das Unterbinden und Bestrafen abweichender Meinungen, die Bekämpfung und Zensur kritischer Medien und massive Unterstützung regierungstreuer NGO‘s und Presseorgane erreichen. Nicht das einzige Oxymoron der Regierung. Wirtschaft stärken durch Verknappung und Verteuerung der Energie,Mißbrauch des Sozialstaates verhindern durch Erleichterung des Zuganges zu Sozialleistungen und weniger Kontrollen oder Zuwanderung begrenzen durch Abbau von Grenzkontrollen und Werbung für Bürgergeld im Ausland um nur einige andere Beispiele zu nennen. Darauf hinzuweisen soll verhindert werden. So funktioniert „unsere Demokratie“, die allerdings mit tatsächlicher Demokratie… Mehr

tiptoppinguin
1 Monat her

Das Bundesverfassungsgericht definierte vor etlichen Jahren (als dort noch Richter saßen) die Säulen, auf denen die Freiheitlich Demokratische Grundordnung steht, bzw. zu stehen habe. Art. 20 Abs. 4 Grundgesetz Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist. Die Hürden sich auf ein Widerstandsrecht zu berufen liegen hoch, denn noch sind Wahlen vorgesehen (auch wenn schon Kandidaten ausgeschlossen werden und der stärksten Oppositions-Partei nach der Geschäftsordnung zustehende Positionen verwehrt werden), noch existieren Gerichte (die nicht durch Parteisoldaten der Brandmauerparteien besetzt sind) und die Exekutive läßt bisher nur… Mehr

Simplex
1 Monat her
Antworten an  tiptoppinguin

Die Brandmauer widerspricht den Grundsätzen der repräsentativen Demokratie. Früher sah man das so. Heute nicht mehr. Heute laufen die Wahlergebnisse ins Leere, ein friedlicher Machtwechsel findet nicht mehr statt. Mit Corona hat sich dieser Zustand in Bund und Ländern stabilisiert. Klar, der Wahlberechtigte macht nur die Kreuzchen und die gewählten Volksvertreter sorgen davon unabhängig für eine stabile Kanzlermehrheit. Dem Juristen reicht das als Begründung aus.

H. Priess
1 Monat her

Die DDR ist nicht zuletzt an den Westmedien gescheitert. Die meißten DDR Bürger konnten die aktuelle Kamera oder die, damals noch glaubwürdige Tageschau oder heute sehen, und vergleichen. Dieses Westfernsehen konnten die DDR Chefs nicht abschalten oder mit Sudelede den Westen diskreditieren. Das neue Westfernsehen sind die sozialen Medien in denen sich jeder der will und fähig ist, informieren kann. Der Unterschied zu damals, jetzt können unsere Machthaber wirklich das neue Westfernsehen abschalten und sie werden es tun allein um des Machterhalts wegen. Das ganze Geschwafle von Unsererdemokratie und Zivilgesellschaft ist für jeden demokratisch denkenden Menschen widerlich!

Simplex
1 Monat her
Antworten an  H. Priess

„Die DDR ist nicht zuletzt an den Westmedien gescheitert…“
Das ist mal eine ganz neue faktenferne Sichtweise.Ostalgie?
Die bösen Sachsen – die haben sich in „Dunkeldeutschland“ extra Antennen gebastelt und gen Westen gerichtet, damit sie West-TV empfangen konnten.

Last edited 1 Monat her by Simplex
TruthHurts
1 Monat her

Das beste Deutschland aller Zeiten.