Bayern zieht sich vom Ludwig-Erhard-Gipfel zurück. Weimer reicht seine Anteile weiter. Zwei nüchterne Meldungen, ein Befund: Das Tegernsee-Modell wird politisch untragbar, also wird Abstand organisiert und Verantwortung verschoben. Politische Konsequenzen ersetzt man durch Registertricks.
picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt
Bayern steigt aus dem Ludwig-Erhard-Gipfel aus. Die Staatskanzlei zieht ihre Schirmherrschaft zurück, sagt Termine ab, der Staatsempfang erst einmal perdu. Das alles wird verpackt in warme, relativierende Parteifreundworte. Aber dennoch Ausdruck von Herrn Söders Gespür für Windrichtungen. Der Tegernsee-Event war jahrelang das Schaufenster eines Machtmodells: Nähe und Drehtür zwischen Politik, Konzernen und Medien, gerahmt von staatlicher Kulisse. Jetzt ist die Kulisse ein zu großes Risiko.
Weimer tritt Anteile ab
Der zweite (deutsch zu spät erfolgte) Einschnitt: Wolfram Weimer tritt seine Anteile an der Weimer Media Group ab. Eingetragen am 30. Dezember 2025 beim Amtsgericht München, HRB 198201. Der neue Anteilseigner ist kein Unbekannter: Peter Kersting. Kersting ist allerdings kein externer Käufer, kein unabhängiger Sanierer, sondern der Mann, der Weimers Geschäft seit Jahren operativ führt. Kersting kommt aus dem inneren Kreis des deutschen Medienbetriebs. Stationen bei Springer und Burda, also aus demselben Beritt wie Weimer auch. Später als General Manager der Weimer Media Group, zuständig für (im Weimerschen Großmannsprech für Potemkinsche Mediendörfer-Sammelsurium) Expansion, Struktur, Monetarisierung. Genau dieser Manager wird jetzt also Eigentümer, auf Zeit. Weimer verschwindet erstmal aus dem Register, nicht aber aus der Architektur. Frau Weimer gehören weiterhin 50 Prozent. Eine kosmetische Haftungsverschiebung, die kaschieren und retten soll, was noch zu retten ist.
Für Bayern kam diese Meldung jedoch schon mal zu spät – too little, too late.
Diese beiden Schritte stehen auf einer Zielgeraden einer langen und immer länger gewordenen Affärenkette, die längst kaum mehr überschaubar ist. Zentral ist, dass die Weimer Media Group mit substanziellen Vorwürfen wegen massiven Urheberrechtsverletzungen konfrontiert ist. Aufgedeckt wurde das nicht von staatsnahen Redaktionen, sondern von neuen, freien Medien, in diesem Fall von Alexander Wallasch. Der nun wiederum selbst Gegenstand von Arbeitsgruppen von Landesmedienanstalten ist, u.a. auch mit Weimer-Nähe. Man trifft sich, man kennt sich, man hilft sich. Wallasch wird drangsaliert und in der weiteren Geschäftstätigkeit massiv behindert. Das Ziel ist hier offenbar die erzwungene Einstellung seiner journalistischen Arbeit.
Strafbare Urheberrechtsverletzungen
Beim Weimer-Portal ‚The European‘ wurden jahrelang tausende Texte systematisch ohne Genehmigung der Autoren übernommen, Urheber als Autoren geführt, ohne deren Zustimmung einzuholen, Urheberrechte ignoriert.
Zahlreiche Abmahnungen, Schadensersatzforderungen und strafrechtliche Vorermittlungen stehen hierzu im Raum.
Parallel dazu wurde das politische Geschäftsmodell Weimer immer weiter sichtbar. Der Ludwig-Erhard-Gipfel fungierte als exklusive Kontaktbörse. Sponsoren- und Partnerpakete bewegten sich im Bereich von 20.000 bis 100.000 Euro.
Konzernlogos dienten als Kulisse für politische Gespräche. Und gleichzeitig floss staatliches Geld. Die Bayerische Staatskanzlei alimentierte das Format zwischen 2022 und 2025 mit rund 700.000 Euro Steuergeld. Die Politik finanzierte also ein Event, das politisch nutzbaren Zugang organisierte. Die Liste der angeblichen Sponsoren liest sich wie ein Who’s who der globalen Lobbyökonomie. Es geht um Amigo-Wirtschaft – Merz hat Weimar ins Amt geholfen und gegen jeden Anstand und Vorsicht gehalten.
Die Drohnen der Weimer-Operette
In dieses Geflecht schlug der nächste Hammer: Der österreichische Plagiatsforscher Stefan Weber wies in Weimers Buch ‚Das konservative Manifest‘ umfangreiche Plagiate nach. Weber sprach von einem schwerwiegenden Fall, belegte Übernahmen aus Journalismus, Reden und wissenschaftlichen Texten. Ein Manifest ist Selbstvergewisserung. Ein Plagiatsbefund entkernt sie vollständig.
Darauf folgte eine amüsante ARD-Episode. Weimer erzählte beim ARD-Format ‚titel, thesen, temperamente‘ von Drohnen über seinem Haus und deutete auf AfD-Kreise. Kurz darauf erklärten Sicherheitsbehörden, dass es keinerlei Erkenntnisse, Anzeigen oder bestätigte Sichtungen gibt. Übrig blieb – Piff – eine schwere politische Behauptung ohne jeden Beleg. Dieses Muster zieht sich seit dem Aufdecken der Urheberrechtsskandale durch die armselige wie durchschaubare Argumention von Weimer und Merz.
In einer normalen Demokratie wäre das schon lange der Moment für Konsequenzen. In der CDU unter Friedrich Merz passiert das Gegenteil. Merz stellt sich schützend vor Weimer. Die Nähe zwischen beiden ist kein Geheimnis. Der Tegernsee gilt in Berlin längst „als Keimzelle“ dieser Regierung, nicht ohne Grund. Merz war dort regelmäßiger Gast, die beiden sind enge persönliche Amigos. Das Geschäftsmodell Weimer und das Machtmodell Merz sind sehr eng miteinander verwoben.
Und das erklärt, warum die Union den Bruch nicht vollzieht. Drei Kabinettsmitglieder, Dorothee Bär, Thorsten Frei und Alois Rainer, hatten trotz der eklatanten Affärenlage ihre Teilnahme am nächsten Gipfel zugesagt. Die Botschaft lautet: Jetzt erst recht. Wir bleiben unter uns. Eine polit-aristokratische Selbstgewissheit, die jede Scham abgelegt hat und dem angewiderten Wähler noch einmal den Mittelfinger ins Gesicht hält.
Kritik daran wird systematisch stigmatisiert. „Windbeutel“ Weimer (Zitat FAZ) und sein Buddy sprechen von Kampagnen „Rechter“, der „AfD“ oder „rechter Medien“ und wieder von vorn. Genau diese Technik ist Teil der politischen Schutzarchitektur. Kritik wird nicht widerlegt, sondern moralisch verschoben. Wer fragt, gilt als Feind der Demokratie. So immunisiert sich ein kleptokratisches Selbstbereicherungssystem gegen Aufklärung.
Parallel dazu baut Berlin mit Brüssel eine Regulierungs- und Zensurarchitektur auf, die Kritik administrativ einhegt: Plattformgesetze, Meldepflichten, Inhaltskontrolle, Durchleuchtung privater Kommunikation. Das ist die perfekte Ergänzung zu einem Milieu, das seine eigenen Skandale nicht mehr erklären möchte.
Und Weimer ist nicht einmal der einzige Fall. Jens Spahn, heute Fraktionsvorsitzender der Union, erklärte in der Corona-Enquete, Impfstoffe würden „bis heute im Markt getestet“ und ein Fremdschutz sei „nie Ziel“ gewesen. Das steht frontal gegen seine eigene Politik von 2021. Auch hier: kein Rücktritt, kein Eingeständnis, nur sprachlicher Rückbau.
Wir sehen eine CDU am Ende ihres Weges, die vom Keller bis zum Dach durch Netzwerke, Machterhalt und Vorteilsstrukturen geprägt ist. Immer dieselbe Mechanik: Nähe, Geld, Einfluss, keine Konsequenzen. Vor diesem Hintergrund bekommen die beiden neuen Meldungen ihr Gewicht. Bayern zieht sich zurück, weil das Risiko politisch nicht mehr tragbar ist. Söder dreht gerade bei im Wind, der Merz ins Gesicht bläst.
Weimer verbleibt schwer angeschlagen weiter im Amt und unter dem persönlichen Schutz von Friedrich Merz, schiebt seine Firma zu Kersting, um sein Potemkinsches Mediendorf über die Zeit zu retten. Beides sind Fluchtbewegungen in einem System, das nicht aufklärt, sondern sich selbst bis zur nächsten Wahl noch irgendwie über Wasser hält.
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Weimers Lug- und Betrugskonstrukt über die Zeit retten? Sollten nicht die Urheberrechtsanzeigen dem Lügenbaron die Zähne ziehen?
Der Versuch eines geordneten Rückzugs, die Vertuschung beginnt. Klicken denn noch Handschellen?
„dass die Weimer Media Group mit substanziellen Vorwürfen wegen massiven Urheberrechtsverletzungen konfrontiert ist“
Das ist ja nun längst bekannt. Interessanter wäre, ob einer der Rechteinhaber nun mal aktiv geworden ist?