Aufschwung im Fantasialand des Kanzlers – klaffende Wunden in der Realwirtschaft

Der Bundeskanzler feiert ein vermeintliches Mini-Wachstum als Trendwende. Doch in der Realwirtschaft sind die Risse im Fundament nicht mehr zu übersehen. Nun warnt das deutsche Handwerk vor dem nächsten Tiefpunkt der Dauerrezession.

picture alliance / dts-Agentur | dts Nachrichtenagentur GmbH

Eskapismus hat seine gute und seine schlechte Seite. Auf persönlicher Ebene kann die Flucht vor der Realität eine Zeit lang wie Balsam auf einer geschundenen Seele wirken. Bei der Ausübung eines öffentlichen Amtes, sagen wir: dem des Bundeskanzlers, hat die Abkopplung von der realen Welt allerdings fatale Folgen – wenigstens für die leidgeplagten Regierten im Land.

Gut 350.000 Jobs in der Privatwirtschaft, größtenteils in der Industrie, sind in einem Jahr verloren gegangen. Der Kanzler feiert in der ersten Woche nach seiner Sommerfrische ein mickriges Scheinwachstum – nahezu unberührt von der Tatsache, dass sich die Neuverschuldung gerade verdoppelt hat. Sein Wachstum von etwa einem Prozent beruht dabei ausschließlich auf dem statistischen Effekt schuldenfinanzierter Staatsnachfrage.

Eine Inflation in Höhe von drei Prozent zersägt die Kaufkraft der Bürger, diese halten krampfhaft ihr Geld zusammen, und wie zum Beweis meldete das Gastgewerbe einen realen Umsatzverlust von über 5 Prozent im ersten Halbjahr. Und in dieses Horrorszenario platzt nun die Nachricht des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), der zum Wochenende von einer katastrophalen Umfrage berichtet.

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Die Konjunkturflaute im Handwerk hat sich im zweiten Quartal 2026 spürbar verschärft und inzwischen alle Gewerke erfasst. Umsatz und Auftragsbestand sind rückläufig, die Beschäftigungsentwicklung bleibt negativ, während Energie-, Material- und Lohnnebenkosten immer weiter ansteigen. Besonders dramatisch: Die Stimmung im Handwerk hat sich laut ZDH-Präsident Jörg Dittrich einem Niveau angenähert, das zuletzt während der Corona-Zeit erreicht wurde. „Die größten Sorgen macht mir, dass die Investitionen in den Betrieben nicht anspringen“, warnt Dittrich. Wer investiert denn freiwillig am toxischsten Wirtschaftsstandort der EU?

Dittrich befürchtet gar, der deutsche Verbraucher könne sich den klassischen Handwerkertermin nicht mehr leisten – mit Blick auf die katastrophale ökonomische Lage, die steigenden Abgaben, Inflation und Arbeitslosigkeit, liegt er damit gar nicht einmal so falsch. Eine schuldentrunkene Berliner Politikerkaste deutet die Zerstörung der Zukunft einer ganzen Generation zu Wahlkampfzwecken in einen wirtschaftspolitischen Triumph um. Denn es ist unbestritten: Die Realwirtschaft befindet sich im freien Fall. Tag für Tag werden etwa 1.000 Jobs in der deutschen Wirtschaft gestrichen. Wer das politisch ignoriert, handelt nicht nur grob fahrlässig – er stellt sich ethisch auf die Seite manischer Ideologen und der Zerstörer dieser Gesellschaft.

Ganz gleich, ob Industrie, Handwerk oder die völlig am Boden liegende Bauwirtschaft – in Deutschland sehen Investoren und Unternehmer einen Abwicklungsstandort, keinen Hort der Zukunft. Die Nettoinvestitionsquote dürfte folgerichtig noch immer knapp im negativen Bereich pendeln – die deutsche Wirtschaft fährt nach Abzug der Abschreibungen auf Verschleiß, Kapazitäten werden nicht mehr ausgebaut.

Für den Bundeskanzler dürften diese Beobachtungen Märchenerzählungen der Miesmacher sein, der Nörgler und ewig Gestrigen, wie er sie nennt.

Sicherlich, ökonometrisches Zahlenwerk ist spröde, bedarf oft langwieriger Erklärungen und Geduld beim Zuhörer – Geduld, die man im Bundeskanzleramt wohl nur aufbringt, wenn die Zahlen rosig klingen.

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Nun, da die deutsche Industrie aus dem allerletzten Loch pfeift und bereits über 15 Prozent ihrer Produktionsaktivität eingebüßt hat, können wir nur mutmaßen, wie sich ein zahlenbegeisterter Bundeskanzler gebärden würde, liefe alles rund im Land. Aus Merzens schrecklicher Dünnhäutigkeit würde wohl über Nacht ein übersprudelnder Zahlenjongleur, ein Meister statistischer Details mit ökonomischer Tiefenschärfe, dessen stundenlange theoretische Vorträge über ökonomische Zahlenarithmetik selbst den letzten begeisterten Fan vergraulen würden. Castro-Merz – immerhin dieses Szenario bleibt uns wohl erspart!

In dieser schlechtesten aller Welten, in der die vom Klima und von manischer Klimapolitik zerriebene Industrie ums Überleben kämpft, bleibt einem Mann wie Friedrich Merz tatsächlich nur noch der Eskapismus in eine politische Scheinwelt. Umgeben von der schrumpfenden Zahl willfähriger Paladine seiner Partei, beschränkt sich der Bundeskanzler darauf, aus dem mickrigen Resultat seines gigantischen Schuldenhammers einen medialen Popanz aufzublasen. Doch wer soll auf diese Camouflage noch hereinfallen?

Friedrich Merz’ fortwährende Wählertäuschung, marktwirtschaftliche Reformen anzudeuten, Schulden abbauen zu wollen, bloß um das exakte Gegenteil umzusetzen, könnte seinem gebrochenen Blick auf die Welt geschuldet sein. Noch vor wenigen Monaten dekretierte der Kanzler, die Steuerlast in Deutschland für die Unternehmen sei zu hoch. Das müsse sich ändern. Zugleich versprach er, die Körperschaftsteuer Schritt für Schritt von 15 auf zehn Prozent abzusenken. Selbstverständlich wird es niemals zu Steuersenkungen kommen, zu weit fortgeschritten ist die Erosion fiskalpolitischer Stabilität – Finanzminister Klingbeil plant im kommenden Jahr einen Staatsausgabenaufwuchs von mindestens fünf Prozent. Kriegswirtschaft hat Priorität, Bürgerinteressen müssen hintanstehen.

Sie erinnern sich? Merz ist der Mann der Bierdeckel-Steuerreform, der bürokratischen Entschlackung und der Marktwirtschaft. So lautete einst die Legende vom großgewachsenen Sauerländer, der in seinem gegenwärtigen Amt zu einem Klima-Apokalyptiker zusammengeschrumpft ist. Heute bleibt vom marktwirtschaftlichen Reformer vor allem der Mann, der mit gigantischen Schuldenprogrammen Wachstum organisiert und anschließend das statistische Ergebnis als Wirtschaftswende verkauft.

Neu ist die klimaapokalyptische Rhetorik, die sich Merz während seiner dreiwöchigen Sommerfrische ausgeheckt hat und die nun seine passiv-aggressive Rhetorik, sein Stilköfferchen aus Larmoyanz und Bürgerschelte, substanziell erweitern soll.

Zum Abschluss noch eine Zahl für den Meister der Verdrängungskunst: Bei einer Staatsquote von über 50 Prozent und einer Neuverschuldung, die in diesem Jahr die 4-Prozent-Marke überschreiten wird – kalkuliert man seine Bilanztricks und die kommunalen Schulden mit ein –, schrumpft die reale Ökonomie um etwa drei Prozent.

Das ist der wahre Zustand der deutschen Wirtschaft, 15 Jahre nach dem von Angela Merkel dekretierten Aus der Kernenergie und dem Abschied von republikanischer Kultur sowie der finalen Exekution der sozialen Marktwirtschaft durch Katastrophenkanzler Friedrich Merz.

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Kommentare ( 2 )

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Noelender Noergler
13 Minuten her

Den besten Kanzlerdarsteller den es je gab darf man ja nicht straflos Lügenfritz nennen. Aber vielleicht ist zulässig Potjomkin Merzel?

giesemann
23 Minuten her

Will er Kanzler bleiben, dann muss er sich alles schönreden. Die normative Kraft des Faktischen wird es aber richten.