Brüssels Auspuff-Rechentrick: Studie zerlegt Mythos vom klimaneutralen Elektroauto

Die EU misst den CO2-Ausstoß nur in direkten Abgasen und erklärt das E-Auto als klimaneutral. Eine Studie der TU München entlarvt nun diesen Rechentrick, der Emissionen aus Rohstoffen, Produktion, Strom und Recycling unterschlägt. E-Autos senken die CO2-Belastung gegenüber Verbrennern nur um 41 Prozent.

IMAGO / Christian Ohde
Autoauspuff *** car exhaust

Elektroautos sollen das Klima retten. So lautet jedenfalls die Brüsseler Erzählung, auf deren Grundlage die europäische Autoindustrie umgebaut wird. Spitzenwissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) stellen diese Annahme nun frontal infrage. Die EU-Klimapolitik für Autos beruhe auf einer lückenhaften Auspuff-Logik und führe zu einer substanziellen Fehlsteuerung, berichtet die „Bild“-Zeitung über eine TUM-Studie, die am Dienstag in München vorgestellt werden soll.

Der Kern der Auto-Lüge: Weil Elektroautos am Auspuff kein CO₂ ausstoßen, erklärt die EU sie kurzerhand für CO₂-frei und damit klimaneutral. Doch die politische Rechenregel hat mit einer vollständigen Klimabilanz wenig zu tun.

Eine systematische Auswertung von 19 Studien und 47 Szenarien ergibt ein wesentlich nüchterneres Bild. Batterieelektrische Fahrzeuge verringern die CO₂-Belastung gegenüber Verbrennern zwar – im Durchschnitt aber lediglich um 41 Prozent. Das ist ein deutlicher Unterschied, aber weit entfernt von jener Klimaneutralität, die Brüssel der Elektromobilität auf dem Papier zuschreibt.

Die TUM-Professoren verwerfen den bisherigen Ansatz der EU-Regulierung deshalb als wissenschaftlich nicht haltbar. Brüssel schaut nur auf das, was am Ende aus dem Auspuff kommt – und blendet aus, was vor und während des Fahrzeugbetriebs geschieht.

Nicht berücksichtigt werden die Emissionen, die bei der Beschaffung der Rohstoffe, bei der Produktion, im Betrieb und beim Recycling eines Elektroautos entstehen. Dazu gehört der CO₂-Rucksack von Stahl und Aluminium ebenso wie die Herstellung der Batterien. Entscheidend ist zudem, ob für Produktion und Betrieb grüner oder fossiler Strom eingesetzt wird. Ein Elektroauto, das mit Kohlestrom gebaut und geladen wird, wird durch eine politische Verordnung nicht klimaneutral.

Die Brüsseler Auspuff-Rechnung ist deshalb mehr als ein statistischer Schönheitsfehler. Auf ihrer Grundlage entscheidet die EU, welche Antriebe, Produktionsverfahren, Stähle und Batterien politisch bevorzugt werden. Eine lückenhafte Klimabilanz wird damit zum industriepolitischen Steuerungsinstrument.

Gleichzeitig erfasst die geltende Regulierung erhebliche mögliche Beiträge zur tatsächlichen Dekarbonisierung über den vollständigen Lebenszyklus eines Autos überhaupt nicht. Die Folgen treffen damit nicht nur die Fahrzeughersteller, sondern auch Stahlindustrie, Batterieproduktion und Zulieferer – und letztlich den gesamten Autostandort Deutschland und Europa.

Hält die EU weiter allein an der Reduzierung von CO₂ im Abgas fest, wird sie nach Einschätzung der Wissenschaftler ihre eigenen Klimaziele massiv verfehlen. Denn auch in vier Jahren wird die europäische Fahrzeugflotte voraussichtlich noch zu 78 Prozent aus Verbrennern bestehen. Brüssel konzentriert seine Politik damit auf den Auspuff neuer Elektroautos, während der weitaus größte Teil des Fahrzeugbestands weiterhin mit Verbrennungsmotor fährt.

Im November steht das sogenannte Automobil-Paket im Europaparlament und im Rat der Europäischen Union zur Abstimmung. TUM-Präsident Thomas Hofmann schlägt deshalb Alarm. Die Erkenntnisse der Studie müssten noch vor den Beratungen in Brüssel Eingang in die politische Debatte finden.

Anderenfalls drohten ökologische und ökonomische Fehlsteuerungen erheblichen Ausmaßes. Es geht um den industriellen Kern Deutschlands und Europas. Die EU ist dabei, eine Schlüsselindustrie nach einer Rechnung umzubauen, die Elektroautos politisch auf null setzt, indem sie einen Großteil ihrer tatsächlichen Emissionen gar nicht erst mitzählt.

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Kommentare ( 91 )

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Angela Honecker
9 Tage her

Um wieviel wollen wir wetten, das die für die Studie verantwortlichen Professoren sofort als von den Ölkonzernen bezahlte Mietlinge verleumdet werden?

Dr_Dolittle
9 Tage her

Der wahre Grund für die Förderung von E-Autos ist, daß man das Tanken nicht in bar und nur mit Identität bezahlen kann.

ralfer04
9 Tage her

Da ist sie wieder, diese längst zum Standard gehörende links-grüne Manipulation. Ohne scheint aber auch gar nichts begründbar zu sein, von der Politik, die das Heil der Welt verspricht.

Michael Palusch
9 Tage her

Der Fehler liegt aber auch hier schon im Ansatz. Nämlich in der Prämisse, der CO2-Ausstoß MÜSSE unbedingt gesenkt werden. Selbst wenn man sich darauf einließe, wird die Frage, welchen positiven Einfluss selbst die theoretische Reduktion des CO2-Ausstoßes deutscher Automobile auf NULL auf das Weltklima hat, nicht einmal gestellt, geschweige denn beantwortet.

RandolfderZweite
9 Tage her

Was man bei der Migration nicht vermag, Grenzen zu schützen, scheint hier aber bestens zu funktionieren….
Der Rohstoffabbau, die Transportwege und die Herstellung außerhalb der EU werden geflissentlich vergessen!

andreashofer
10 Tage her

Außenseiterthese: Nicht “Brüssel” hat das Verbrennerverbot erlassen, sondern über Lobbyismus die deutsche Autoindustrie, um den Markt in China nicht zu verlieren. So einen Fehler macht man nur einmal in 100 Jahren. E-Autos können sie besser – auch wg. extremer Subventionen und weil sie ja auch nicht noch nebenbei eine immer noch profitable Industrie parallel laufen lassen müssen. Verbrenner werden die Chinesen auch bauen. Fun Fact für die deutschen Arbeitnehmer: Demnächst werden deutsche Verbrenner in Ungarn gebaut. DAS ist die EU.

Last edited 10 Tage her by andreashofer
Apfelmann
10 Tage her

Die Subvention von E-Autos sollte eingestellt werden. Die Betriebskosten eines E-Autos (Steuern, Strom, Wartung) sind sowieso schon wesentlich geringer als bei einem Verbrenner. Dieser Vorteil sollte für Käufer genügen. Wenn das Ladenetz dann noch ordentlich ausgebaut ist sollte jeder frei entscheiden können welches Auto er kauft ohne eine staatliche Förderung. Der Staat muss hier nicht die Nanny spielen.

Egge940
10 Tage her
Antworten an  Apfelmann

So ist es. Die Zahlen waren schon vor der Förderung bei knapp 30 %. Reine Geldverschwendung für eine ohnehin überlegene Technologie. Ähnlich bei Wärmepumpen.

Britsch
10 Tage her
Antworten an  Egge940

Wernn die Technologie überlegen ist, warum dann Sibventionen?
Der Markt muß es regeln

Don Didi
4 Tage her
Antworten an  Britsch

Hat er. Bereits 1910. Bis dahin war der Anteil der E-PKW (in den USA) bei etwa 40% und wurde vollständig von den wesentlich besseren Verbrennern verdrängt.
Sämtliche Versuche, diese veraltete Technologie wiederzubeleben sind aus technischen und wirtschaftlichen Gründen gescheitert.

Michael Palusch
9 Tage her
Antworten an  Egge940

„überlegene Technologie. Ähnlich bei Wärmepumpen.“
Wie „überlegen“ die Technologie ist, sehe ich beim meinem direkten Nachbar. Da ist ist Wärmepumpenfirma gefühlt alle zwei Monate vorstellig, und allein für die Anreise in das Urlaubsgebiet eines unserer Nachbarländer, die ich mit meinem Fahrzeug locker am Stück bewältigen würde, muss er mit seinem BEV zwei Tankstopps einlegen.

Michael Palusch
9 Tage her
Antworten an  Egge940

„Die Zahlen waren schon vor der Förderung bei knapp 30 %“
Schön geträumt?
Wo haben Sie denn den Unsinn her?!
Vor Beginn der Förderung, also Ende 2015, lag die Quote für Neuzulassungen der BEV bei 0,4% und der Anteil am PKW-Fahrzeugbestand (~25.500) betrug beindruckende <0,1%!

Last edited 9 Tage her by Michael Palusch
Egge940
9 Tage her
Antworten an  Michael Palusch

Ich rede von Anfang diesen Jahres, bevor die Förderung eingeführt wurde.

Don Didi
4 Tage her
Antworten an  Egge940

Überlegene Technologie?
Diese völlig veraltete Technologie (>200 Jahre) wurde um 1910 von der deutlich besseren Technologie des Verbrenners abgelöst. Völlig ohne Einmischung irgendwelcher Ideologen, einfach, weil der Verbrenner den Batteriespielzeugen meilenweit überlegen ist.
Sämtliche Versuche, die E-Mobilität wiederzubeleben (MAN-Busse in den 70ern, CitySTROMer in den 80ern, CitySTROMer 2 in den 90ern, O-Busse bis etwa 1970, E-Busse Offenbach 2016, Wiesbaden 2023, Dortmund 2024, Berlin 2024, Indianapolis 2019, tbc) sind kläglich gescheitert.

Michael Palusch
9 Tage her
Antworten an  Apfelmann

Warum soll der Steuerzahler die Ladeinfrastruktur für E- Autos, was ja auch eine staatliche Förderung ist, bezahlen? Das Tankstellennetz wurde auch nicht aus Steuermitteln finanziert. Das tat die Mineralöwirtschaft, und die hat sich das Geld dann im Laufe der Zeit von den Tankkunden zurückgeholt. Und genau so sollte es auch beim Ladenetz sein.

Peter Pascht
10 Tage her

Grüner Unverstand Fanatismus wissenschaftlich widerlegt !!! Klimawandel schon seit ewigen Zeiten ein Naturphenomän ohne menschliche Ursache Während der Ubergangsphase, vom Ende des spätmittelalterlichen Wärmeoptimums bis zum Beginn der Kleinen Eiszeit, häuften sich in Mitteleuropa extreme Starkregenereignisse und lang anhaltende Dürreperioden. Es finden sich in zahlreichen historischen Quellen Hinweise zum mittelalterlichen und neuzeitlichen überregionalen Witterungsgeschehen. Besonders ungewöhnliche Starkniederschläge und Überflutungen werden in der ersten Hälfte des 14. und im 18. Jahrhundert, zum Ende des mittelalterlichen Wärmeoptimums beschrieben: So wechselten sich im 14. Jahrhundert großräumige Dürrekatastrophen (1304 und 1344), extrem feuchte Sommer mit starken Überschwemmungen (1302, 1306, 1312-1316, 1321 und 1336) und… Mehr

MarcusPorciusCato
10 Tage her

Alles ist klimaneutral, weil nichts einen Einfluss auf das Klima hat!

MachiavelliNiccolo
10 Tage her

Hier gehts weder um CO2 noch ums Klima, das sollte wohl langsam jeder wissen. Das Ganze ist eine geniale Abzocke verbunden mit totaler Kontrolle der Bürger über die Gängelungselektronik. Es muß ein Traum sein wenn man dem Bürger einfach per Mausklick sein Auto deaktivieren kann

andreashofer
10 Tage her
Antworten an  MachiavelliNiccolo

Das auch. Aber: Es entstehen neue Vertriebskanäle. Statt einmal das “Spiegelpaket” kaufen, geht das über ein Abo. Und: Für dieses oder jenes Extra gibt es keine Updates mehr, also den Nachfolger kaufen. Und wenn man einen zentralen Appstore hat und APIs freigibt, kann man mit solchen Sachen richtig Geld machen

Last edited 10 Tage her by andreashofer