Die Union muss die SPD retten

Die SPD taumelt immer weiter Richtung Abgrund. Doch für Merz hat deren Rettung oberste Priorität. Selbst die Ankündigungen von Nicht-Reformen werden jetzt weiter verschoben. Die bekannten Probleme werden so weiter vertieft und neue kommen dazu. Deutschland im Wartestand, während die Union ihre vermutlich allerletzte Chance verspielt.

IMAGO / Bernd Elmenthaler

Friedrich Merz wurde nicht nur Bundeskanzler, sondern, wie es den Anschein hat, kurz davor auch Sonderbeauftragter der SPD für Unionsangelegenheiten, denn er machte die Regierung zu einem Pflegeheim für die SPD, und zwar zum teuersten Pflegeheim aller Zeiten. Würde man nach einem Krankheitsbild für den politikklinischen Zustand der SPD suchen, käme auch jeder Laie auf politische Demenz, denn die SPD hat vergessen, wer sie war, ihre eigene Geschichte, und sie weiß auch nicht mehr, wer sie ist. Die Farbe Rot kommt nur noch vom Rost am Tanker. Völlig orientierungslos macht an Bord jeder, was er will. Alle sagen, so kann es nicht weitergehen. Doch wohin soll man gehen?

Die wohlstandsverwahrlosten Kinderzimmertyrannen der SPD, die Jusos, fühlen sich so richtig dufte, wenn sie sich in Pose werfen und Klassenkampfparolen mit schwacher Stimme und starkem Verstärker in die Welt hinausposaunen dürfen. Die Lehrer ihrer Lehrer hatten schon nach 1968 bitter erfahren müssen, dass die durch den Kapitalismus geknechteten Arbeiter im Westen nicht ihre Knechtschaft und ihren Wohlstand gegen die famose Freiheit und den Mangel der Arbeiter im Sozialismus eintauschen wollten, obwohl den Arbeitern im Sozialismus sogar die Fabriken gehörten. Sie hatten nur nichts davon. Deshalb tauschten die von der Arbeiterklasse enttäuschten 68er Lehrer der Lehrer der Jusos den Klassenkampf erst gegen den Umwelt- und dann gegen den Klimakampf aus. Klimakampf statt Klassenkampf. Und weil die Arbeiter nicht befreit werden wollten, tönten die Bürgersöhnchen und Bürgertöchterchen fortan für die Befreiung der Kolonialisierten, der Homosexuellen, der Queeren, der Transmenschen, aller Formen von Diversen – der Klassenfeind war nun der weiße heterosexuelle Mann, eigentlich auch die weiße heterosexuelle Frau, worüber man aber lieber schwieg.

Die Migranten sollten die Arbeiter und Handwerker ersetzen, für sie macht die SPD Politik. Wenn sie sich nun sorgt, dass sie als Partei wahrgenommen wird, die für Bürgergeldempfänger Politik macht, so scheut sie nach wie vor die Wahrheit, denn sie wird als Partei wahrgenommen, die Politik für die Einwanderung in die deutschen Sozialsysteme, für die Umverteilung und für die Benachteiligung von Deutschen ohne Migrationshintergrund Politik betreibt, wodurch sie die Spaltung der Gesellschaft vorantreibt, Arbeiter und Handwerker als Wähler vertreibt und durch eine falsche Wirtschafts- und Energiepolitik sogar noch die Spielräume für den einzigen Politikentwurf, den die Sozialdemokraten haben, für ihre Umverteilungspolitik noch reduzieren, was unweigerlich zu Verteilungskämpfe führen wird.

Ob die Sozialdemokraten die Umverteilungspolitik unter Klassenkampfgetöse nach Art der Jusos verschärfen oder sich nur in der Semantik bewegen, aber ansonsten mit viel Kraft auf der Stelle treten mit gelegentlichen Ausfallschritten nach links, wird man sehen. Es ist auch egal, denn die SPD ist keine Partei mehr, sondern nur noch ein Apparat, der ums Überleben kämpft. Übrigens, selten sahen junge Leute als Retro-Marxisten schon so alt aus, wie in der SPD, aber das hat die SPD mit den spießigen Grünen gemeinsam.

Also kommt es auf die Union an, genauer: noch für eine kleine Weile kommt es auf die Union an, die ihr Momentum verspielt. Sie könnte jetzt die Brandmauer Brandmauer sein lassen und die Schwäche der SPD nutzen. Doch stattdessen macht sich die Union aus Solidarität mit den Sozialdemokraten lieber selbst schwach. Wohl kein Bundeskanzler in der Geschichte der Bundesrepublik und auch kein Partei- und Staatschef in der DDR hatte in einer wichtigen machtpolitischen Situation wie Friedrich Merz, der Kanzler des Niedergangs, so jämmerlich versagt.

Anstatt jetzt ein beherztes Reformprogramm vorzulegen und die SPD an den Rubikon zu zwingen, will Merz die SPD stabilisieren, anstatt sich um Deutschland zu sorgen, sorgt sich Merz um die SPD. Wer ist er? Der Ehrenvorsitzender der SPD? Damit erweist Merz seinen wahlkämpfenden Parteifreunden in Magdeburg und in Schwerin einen Bärendienst. Aber Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern interessieren den Herrn aus dem Sauerland nicht, ach und eigentlich interessiert ihn auch Sachsen nicht, nicht Brandenburg und auch Thüringen nicht. Das ist für Merz, wie man früher gesagt hätte, recht eigentlich Dritte Welt.

Doch Merz will die SPD nicht nur stabilisieren, sondern verpasst seinen Parteifreunden auch noch einen Maulkorb, wenn er sie bittet, alle provokanten Reformvorschläge, wie das Handelsblatt schreibt, zu unterlassen. Jegliche Reformen sind abgesagt, zumindest solange, bis sich die SPD wieder erholt hat und zu Kräften gekommen ist. Mehr kann man für die Wahlerfolge der AfD in Sachsen-Anhalt und in Mecklenburg-Vorpommern gewiss nicht tun, als es der Brandmauerkanzler und Arzt am Krankenbett der SPD, Friedrich Merz, unternimmt. Was schert ihn Deutschland? Hauptsache der SPD geht es gut. Einer muss doch Deutschland verwalten, während er durch das Ausland jettet. Er mag sich als großer Staatsmann fühlen, weitsichtiger als all die Kleingeister, doch blickt er dabei nur in den Spiegel und nicht aus dem Fenster. Friedrich Merz führt die CDU auf den Weg der Erosion und singt dabei so laut und falsch: „Der kühnen Bahn nun folgen wir,/die uns geführt“ die SPD.

Für das vierte Quartal 2025 kündigte Merz einst noch einen „Herbst der Reformen“ an, es wurde der Winter unseres Missvergnügens daraus. Nun sagte Merz, dass es ein „Frühjahr der Reformen“ nicht geben werde. Es herrscht Stillstand – und das ist noch das Beste, was von dieser Regierung zu erwarten ist, denn wohin sie sich auch bewegt, tippelt sie in die falsche Richtung, in der Wirtschaftspolitik, in der Migrationspolitik, in der Energiepolitik, in der Ukraine-Politik, in der Sozialpolitik, in der Ungarn-Politik.

Nach Bild-Informationen verstieg sich Merz zu der Aussage: „Wir freuen uns heute, aber bitte kein Triumphgeheul – insbesondere gegenüber der SPD.“
Eigentlich ist Friedrich Merz wie Angela Merkel – nur ohne Talent. Wer CDU wählt, wählt SPD oder Linke, die Botschaft des Friedrich Merz kommt im Osten an – und nicht nur dort.

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Kommentare ( 15 )

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Guzzi_Cali_2
29 Minuten her

Ich frage mich, wie es im Kopf vom Fritze aussehen muß – daß der über 70 Jahre alt geworden ist, ohne jeden belastbaren inneren Kompaß. Wie muß man sich fühlen, jedermanns Hanswurst zu sein, herumgeschubst und der Lächerlichkeit preisgegeben zu werden? Wahrscheinlich weiß er das tief drinnen, nur in seinem bisherigen Leben mußte er offenbar nie Stellung beziehen und das, was er versprochen hat, auch durchziehen. So mäandert er in der Gegend herum, ohne Richtung, ohne Ziel. Markige Worte machen eben noch keine Taten. Das alles wird auch der Grund dafür sein, daß er jeden Angriff auf sein Handeln persönlich… Mehr

Ich bin RECHTS
30 Minuten her

Wer, wie Bärbel Bas, in Zeiten des industriellen Niedergangs Deutschland die (überwiegend männlichen) Unternehmer und Arbeitgeber als den eigentlichen Feind erkannt hat, der hat in der Politik und schon garnicht an der Regierungsspitze etwas verloren.

Lehrer sind auch nur Menschen
34 Minuten her

Eigentlich ist Friedrich Merz wie Angela Merkel – nur ohne Talent.“ besser kann man es kaum zusammenfassen!!! Wenn nur die Journalisten des ÖRR nicht wären, die die Leute verdummen, wie es nicht einmal die SED-Journalisten in der DDR geschafft haben… wer wählt CDU und SPD, die über 70-jährigen. Denen kann es ja egal sein, wenn das Land in die Grütze geht… die jungen Leute merken es langsam, dass man ihre Zukunft kaputt macht, und was wählen die: natürlich die AfD.. ganz so dumm sind die jungen Leute eben nicht… Gratulation, dass man das Wahlalter heruntergesetzt hat.

ebor
37 Minuten her

Quatsch, Herr Mai. Der CDU allerletzte Chance ist noch lange nicht gekommen. Falls Sie es nicht mitbekommen bekommen haben sollten: im Ahrtal hat die Hälfte der Wähler nicht die AfD gewählt, sondern die CDU. Weil der Wähler die SPD nicht mehr mochte. Herzlichen Glückwunsch, kann man da nur sagen. Bei soviel Blindheit für die Realität wird die CDU noch viele, viele Chancen haben. Leider.

Last edited 36 Minuten her by ebor
rainer erich
40 Minuten her

Und wie genau retten wir Schland vor Merz und Konsorten ? Es wird ja immer enger.

Judith Panther
43 Minuten her

Merkel – beste Kanzlerin der Grünen, Merz – bester Kanzler der Roten, beide zusammen – beste Wahlhelfer der Blauen.

MartinKienzle
47 Minuten her

Herr Mai, das Besatzerkonstrukt BRD (https://www.youtube.com/watch?v=hIu80oSC728 ab Minute 3:25) um Merz lätzcht nach Auflösung, das unter anderem der triste Umgang Merz‘ mit der moribunden SPD offenbart!

CaTo23
54 Minuten her

Die Union wird langsam mit dem sinkenden Schiff SPD untergehen.

GWR
58 Minuten her

Ich bin guter Hoffnung, dass die Politik und der ganze Zirkus, der jetzt veranstaltet wird, der Koalition im Herbst massiv auf die Füße fällt. Die AfD kann sich zurücklehnen und abwarten. Die ganzen Parteistrategen von Union und SPD sind ganz offensichtlich von allen guten Geistern verlassen.

Klaus D
58 Minuten her

Die Union muss die SPDS retten….und sich selber! Würde die CDU es mit der AfD machen würde die CDU mit sehr hoher wahrscheinlichkeit viele wähler verlieren. Also hat die CDU nur 2 möglichkeiten = SPD oder Bündnis90/DieGrünen (DieGrünen). Im ungünstigsten fall könnte es sogar zu rot rot grün gelb kommen. Verliert die CDU viele wähler wenn sie vor wahlen sagt es mit der AfD zu machen werden diese zu anderen parteien abwandern und wer bleibt da – SPD FDP Grüne Linke BSW. Viele denke ich würden zur FDP gehen und wenn die dann wieder auf 6-7% oder mehr kommt könnte… Mehr

Last edited 56 Minuten her by Klaus D