Sind für Spahn, Miersch und Hoffmann deutsche Interessen ein Fremdwort?

Während Deutschland weiter zerfällt, wollen CDU/CSU und SPD Milliarden für den Wiederaufbau der Ukraine ausgeben. Unter dem Titel „Frieden und Sicherheit in Europa verteidigen“ wird Aufrüstung betrieben, Diplomatie bleibt aus – und der deutsche Steuerzahler soll dauerhaft zahlen.

picture alliance/dpa | Christophe Gateau

Nicht nur, dass die Bundesregierung nun auch mit der Umbenennung und Variierung des GEG und dem Tariftreuegesetz das Land ruinieren, wollen die Fraktionen von CDU/CSU und SPD auch noch den Antrag: „Frieden und Sicherheit in Europa verteidigen – Solidarität mit der Ukraine zum Jahrestag des russischen Angriffskrieges“ durch den Bundestag bringen, der de facto darauf hinausläuft, dass deutsches Staatsziel die Finanzierung und der Wiederaufbau der Ukraine wird, während Deutschland weiter zerfällt.

Bereits die Überschrift des Antrags geht von falschen Tatsachen aus, denn dort steht: „Frieden und Sicherheit in Europa verteidigen“, doch in Europa herrscht Krieg und eben nicht Frieden. Um den Frieden überhaupt verteidigen zu können, müsste erst einmal Frieden geschaffen werden. Auf dem CDU-Parteitag erklärte Merz vollmundig: „Wer heute einen naiven Pazifismus verfolgt, der fördert die Kriege von morgen.“ Doch wie wäre es, bevor wir über die Kriege von morgen schwadronieren, die Kriege von heute zu beenden?

Auf der „Biotreppe“ in die Planwirtschaft
Die Koalition hat sich geeinigt, das Gebäudeenergiegesetz umzubenennen
In dem Antrag der Regierungsfraktionen findet man nur wolkige Erklärungen in der Art einer politikwissenschaftlichen Seminararbeit, wie ein Frieden ganz allgemein aussehen müsste: „Deutschland und Europa stehen mit der Ukraine für ein gemeinsames Wertegerüst aus Demokratie, Freiheit, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit ein. Wenn die territoriale Unverletzlichkeit in Europa keinen Bestand mehr hat, dann steht die Grundlage für Frieden in Frage.“ Folgt daraus, dass die Grundlage für Frieden in Frage steht, dass wir Krieg führen müssen? Und: „Gemeinsames Ziel in Europa muss es sein, einen umfassenden, gerechten und dauerhaften Frieden zu erreichen, der auf dem Völkerrecht und der Achtung der territorialen Integrität aller Staaten beruht. Eine umfassende, gerechte und dauerhafte Friedensordnung kann nur im multilateralen Rahmen Bestand haben.“ Und so weiter und so fort. Doch den Satz, dass die Regierung sich intensiv für einen Frieden einsetzt und zu diesem Zweck sich bemüht, konkret zwischen der Ukraine und Russland zu vermitteln, sucht man vergebens.

Ganz davon abgesehen, dass es erstens wirklich nicht sehr hilfreich ist, wenn die verbale Aufrüstung der militärischen Aufrüstung Deutschlands um Längen voraus ist, zweitens das Embargo der eigenen Wirtschaft schadet und drittens es geopolitisch unklug ist, Russland in die Umarmung Chinas zu treiben. Es ist erschütternd, dass in dem ganzen geharnischten Antrag nicht eine Idee entwickelt wird, wie man zu einem Waffenstillstand kommt. Stattdessen besteht die gesamte Staatsklugheit der gegenwärtigen Classe politique darin, die Ukraine „in eine Position der Stärke für einen möglichen Waffenstillstand oder Friedensgespräche zur bringen“. Es stimmt nicht, wenn sich die Fraktionen auf die Schulter klopfen, dass sie „diplomatische Initiativen für einen umfassenden, gerechten und dauerhaften Frieden“ unterstützen. Im Gegenteil, die Bundesregierung, allen voran der Kanzler, der sich gern markig reden hört, hat die Friedensinitiative von Donald Trump nicht unterstützt, sondern legte ihr mit Starmer, Macron und von der Leyen große und größere Steine in den Weg.

Aber was erwartet man von einem Antrag, der auch noch historisch dilettiert. Über den Angriff Russlands auf die Ukraine heißt es: „Er hat die europäische Friedens- und Sicherheitsordnung, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg und im Rahmen der Vereinten Nationen etabliert wurde, zerstört.“ Es mag den möglicherweise westdeutschen Verfassern des Antrages nicht bekannt sein, aber die europäische Friedens- und Sicherheitsordnung hatte zwar ihren Anfang nach dem II. Weltkrieg. Doch die heutige Friedens- und Sicherheitsordnung in Europa entstand hingegen mit dem Fall des Eisernen Vorhanges 1989, als Westeuropa, Mittel- und Osteuropa zueinander finden konnten. Sie entstand, als die Völker Ost- und Mitteleuropas sich vom Kommunismus und von der Herrschaft der Sowjetunion befreiten, ohne Hilfe des Westens übrigens. Wäre es anders, gäbe es keinen Krieg in der Ukraine, denn dann würde die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik noch zur Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken gehören.

Fass ohne Boden
Energie-Krise der Ukraine: EU-Kommission will weitere Milliarde überweisen
Aus falschen Voraussetzungen entspringen falsche Schlussfolgerungen. Die Regierungsfraktionen schätzen ein: „Deutschland ist mittlerweile der größte Unterstützer der Ukraine weltweit und trägt mit rund 55 Milliarden Euro militärischer Unterstützung ganz wesentlich dazu bei, dass die Ukraine ihren Verteidigungskampf führen kann.“ Es stimmt, hier ist nur die „militärische Unterstützung“ aufgerufen, nicht mannigfaltige zivile Unterstützungen und der Anteil Deutschlands an der Unterstützung der EU. Aber alles das reicht nicht, denn die deutsche Regierungsmaxime scheint zu lauten: „Alles für die Ukraine“.

Und so sieht der Antrag der Regierungsfraktionen folgende Maßnahme vor. An erster Stelle steht Propaganda, wie man sie nur aus Staaten kennt, die sich gegeneinander im Krieg befinden, denn es muss „deutlich werden, dass die Verteidigung der ukrainischen Souveränität zugleich die Verteidigung unserer gemeinsamen Werte und Sicherheit ist. Hierzu soll sie Bürgerinnen und Bürger transparent über die Ziele, Erfolge und Erfordernisse der Unterstützung informieren und so für die breite Unterstützung für die Ukraine werben sowie russischer Desinformation entgegenwirken…“ Wer im offenen und demokratischen Diskurs zu anderen Auffassungen kommt, andere Meinungen vertritt, wird dann wohl russischer Desinformation bezichtigt und möglicherweise auf die Sanktionsliste gesetzt, denn wie ein Regierungssprecher vor kurzem sagte, besteht das Ziel in der Erziehung der Bürger, in der Veränderung ihres Verhaltens.

Was wir aber feststellen können, ist, dass umso länger der Krieg in der Ukraine andauert, die Demokratie in Deutschland immer größeren Schaden nimmt.

Die Abgeordneten fordern: „die Ukraine weiterhin militärisch so zu stärken, dass sie sich gegen die fortdauernde russische Aggression erfolgreich verteidigen kann. Die Bundesregierung wird aufgefordert, im engen Zusammenwirken mit ihren Partnern die Ukraine mit den notwendigen Waffensystemen, Munition, Ausrüstungen, Ausbildungskapazitäten und logistischen Mitteln zu versorgen, auch damit die Energie- und Wärmeversorgung dauerhaft gesichert werden kann.“

Klartext aus Belgien:
De Wevers Warnung an von der Leyen: „Wir stehen am Rand einer existenziellen Krise“
Abgesehen davon, dass die EU für 2026 und 2027 90 Milliarden Euro zur Verfügung stellen soll, wobei der deutsche Anteil 22 Prozent beträgt, abgesehen davon, dass Deutschland selbst pro Jahr ca. 9 Milliarden Euro an Hilfen zahlt, fordert der Antrag die Bundesregierung „darüber hinaus“ auf, „national das Potenzial der deutschen Entwicklungsbank (KfW/DEG)“ zu nutzen, um die ukrainische Wirtschaft anzukurbeln. Es ist wohl nicht etwa so, dass die deutsche Wirtschaft zerfällt, besonders der Mittelstand, es ist wohl nicht etwa so, dass die Insolvenzen explodieren und dass die Infrastruktur zerbröselt, dass die Regierung das deutsche Volk um 400 Milliarden Euro zur Sanierung der Infrastruktur verschuldet, weil sie sich trotz überreichlich fließender Steuereinnahmen außerstande sieht, das aus dem regulären Haushalt zu finanzieren.

Sind Miersch, Hoffmann und Spahn, der es als gelernter Bankkaufmann eigentlich wissen sollte, eigentlich die Folgen klar, wenn sie fordern, was schon einmal in der EU auf Ablehnung stieß, wenn sie die eingefrorenen Vermögenswerte der russischen Zentralbank zu rauben empfehlen? Der belgische Premierminister Bart de Wever hat dazu alles gesagt und auf TE ist alles dazu geschrieben worden. Und da die Sanktionen der deutschen Wirtschaft noch nicht genügend Schaden zugefügt haben, wird natürlich ein 20. Sanktionspaket gefordert.

Doch all das sind Peanuts im Vergleich zu dem, was sich Miersch, Hoffmann und Spahn noch wünschen, nämlich, „dass die Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine durch die Eröffnung von ersten Verhandlungskapiteln zügig vorangebracht werden“. Das bisschen Korruption spielt keine Rolle, zur allgemeinen Beruhigung wird dann eben ein bisschen Korruptionsbekämpfung inszeniert. Kritik an der konkreten Korruptionsbekämpfung fiele dann vermutlich unter „russische Desinformation“.

Die Folgen für die EU und für Deutschland wären beträchtlich, für Deutschland der definitive finanzielle Zusammenbruch. Das Budget der EU würde erhöht werden müssen. Einige Länder würden sich ihre Zustimmung durch Beitragsrabatte o.ä. abringen lassen, nach Deutschland würden keine nennenswerten EU-Mittel mehr fließen, de facto würde der deutsche Michel zu Selenskyjs Zahlmeister.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 60 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

60 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
HS_1938
1 Monat her

„Russland in die Umarmung Chinas zu treiben“
Zum Umarmen braucht es immer zwei. Die Chinesen könnten den Krieg in 72h beenden, wenn sie denn Russland umarmen wollten. Entweder 300k Soldaten an den Amur und Wladiwostok beanspruchen oder 300 k an die Front im Donbas. Kurz danach hat der Krieg einen klaren Sieger. Den sich China auch noch aussuchen kann. Machen sie aber nicht, sie sitzen da und warten bis sich Russland selbst zerstört hat.

Mikmi
1 Monat her

So langsam frage ich mich, werden da unsere Steuergelder gewaschen? Ich frage nicht nur für einen Freund, denn wer hat diese Leute gewählt? Kann ich diese Leute verklagen, weil sie gegen ihren Amtseid verstoßen?

BKF
1 Monat her

„Wenn die territoriale Unverletzlichkeit in Europa keinen Bestand mehr hat, dann steht die Grundlage für Frieden in Frage.“ Wie hält es die CDU mit dem Amselfeld (und dem Camp Bondsteel, was erst durch die Abtrennung des Amselfeldes ermöglicht wurde und den strategischen Hintergrund vermittelt)? Wie positioniert sich die CDU zur Einheit Zyperns (und vielleicht auch gleich zu den exterritorialen Stützpunkten UKs dort)? Wann darf Spanien Gibraltar wieder als sein eigenes Gebiet begrüßen?

Last edited 1 Monat her by BKF
Hairbert
1 Monat her

Deutsche Interessen werden in Brüssel vereinbart: Totalüberwachung, Einschränkung von Meinungsfreiheit und Bürgerrechten, Demokratieabbau, Höchstbelastung der Bürger sowie Schikanieren der Wirtschaft bis zur Deindustrialisierung.

yeager
1 Monat her

So langsam frag ich mich, wer da welches Kompromat gegen welche deutschen Politiker in der Hand hat.

Peter Gramm
1 Monat her

Wie kaputt das politische System ist sieht man an der Tatsache dass Leute wie Spahn immer noch an der Spitze herumturnen dürfen.

Privat
1 Monat her

Ich halte die Figuren für absolut Anti-Deutsch und auch noch Ideologisch fehlgeleitet

Michael Palusch
1 Monat her

Spahn ist und bleibt eben ein kleiner Bankkaufmann. Er erinnert mich mehr und mehr an die „Vermögensberater“, die nach der Wende mit penetraner Art und in lila Bundfaltenhosen den Ossis ihre Schneeballsysteme aufschwatzen wollten.

Last edited 1 Monat her by Michael Palusch
Fulbert
1 Monat her

Nibelungentreue war ja schon 1914 erste Pflicht. Komme, was da wolle. Und es kam bekanntlich, was da wollte, nämlich das Ende des prosperierenden, vor wirtschaftlicher Kraft strotzenden Kaiserreichs – mit den bekannten historischen Folgen, die aller Wahrscheinlichkeit nach weit schlimmer waren, als was gewesen wäre, wenn man sich nicht bedingungslos hinter Österreich-Ungarn gestellt hätte. Und das nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa inklusive Russlands.

Udo Zimmermann
1 Monat her

Mit Stand von heute kann man unwidersprochen feststellen, dass die Bundesrepublik Deutschland die größte Exklave der Ukraine ist. Die deutschen Steuergelder, deren Höhe „noch“ ständig steigt, sind eine Art Tagesgeld für Kiew, jederzeit abrufbar durch W. Selenkyj &Co.