Zu Steinmeier:„Es reicht nicht aus, eine beeindruckende Rede zu halten“

Wir dokumentieren den Brief von Simone Hoffmann an Frau Müller ARD. Es um deren Beitrag, wonach Israel das Holcaust-Gedenken "gekapert" habe und das überschwängliche Lob für die Rede von Bundespräsident Steinmeier.

Oden Karni - Pool/Getty Images
Gerd Buurmann schrieb: »Wenn welche, die nicht vergessen wollen, auf jene treffen, die nicht vergessen können, dann sollten jene, die nicht vergessen wollen, aber auch nicht schweigen können, zumindest darauf achten, nicht jenen, die nicht vergessen können, zu erklären, wie es mit dem würdigen Gedenken „klappt“.«

Dem schloss Simone Hoffmann den nachstehenden Brief an Frau Müller bei der ARD an:

Sehr geehrte Frau Müller,

haben Sie die Gedenkfeier überhaupt gesehen? Und auch alles verstanden? Es scheint mir, als sei das nicht Fall.

Ja, der deutsche Bundespräsident hat eine beeindruckende Rede gehalten. Aber beeindruckende Reden reichen halt nicht aus, wenn den Worten keine Taten folgen und die tatsächlichen Handlungen den gesagten Worten nicht entsprechen. Die Versprechen, die Deutschland immer sehr gerne in Bezug auf Israel gibt, werden von den Amerikanern erfüllt. Was, wenn Deutschland irgendwann wirklich zu diesen Versprechen stehen muss?

Als Israeli würden Sie auch nicht auf das vertrauen, was gesagt wird, sondern auf das, was getan wird.

Israel kann sich eben nicht auf jeden verlassen, der lautstark und mit leeren Worten Dinge verspricht, von denen man, durch dessen Handlungen, ausgehen kann, dass das Gesagte niemals in die Tat umgesetzt wird.

Was haben Sie denn erwartet? Haben Sie erwartet, dass Israel erfreut ruft: „Ja, Iran zerstöre den jüdischen Staat“?

Haben Sie erwartet, dass Israel den Palästinensern zuruft: „Wir freuen uns, werft mehr Raketen auf uns ab?“

Haben Sie im Ernst gedacht, dass sich Juden mit gesenktem Haupt der Welt präsentieren? Hier hat sich ein stolzes Israel präsentiert, das dem Holocaust gedenkt, aber gleichzeitig sagt: „Mit uns nie wieder! Und ja, wir können uns wehren! Und wir werden das auch tun!“

Genau damit haben Sie ganz offensichtlich ein Problem. Juden, die stolz und selbstbewusst auftreten und sich wehren können, sind für Sie wohl ein ungewohnter Anblick. Schade, dass Sie offensichtlich den Sinn des Gedenkens an den Holocaust überhaupt nicht begriffen haben.

Es reicht eben nicht aus, sich mit betretenem Gesicht zu präsentieren, eine beeindruckende Rede zu halten und dann wieder zur Tagesordnung überzugehen. Der Antisemitismus ist allgegenwärtig und auch ich ertappe mich dabei, dass ich die Kette mit dem Davidstern, die ich stets trage, in manchen Situationen verdecke, weil ich Angst habe, als Jüdin erkannt zu werden. Ist das für Sie normal? Für mich nicht.

Ich bin unendlich dankbar, dass wir Juden, egal wo wir auf der Welt leben, heute Israel haben und dieses Land für uns alle unsere Lebensversicherung ist. Was Sie hier in Ihrem Kommentar behaupten, zeigt mir einfach, dass Sie überhaupt nicht begriffen haben, worum es geht, was auch ihre Wortwahl klar zum Ausdruck bringt.

Schade, denn wenn man alles richtig verstanden hat und den Sinn der Gedenkfeier begriffen hat, dann kann man nur sagen, dass Israel eine wunderbar würdige Gedenkfeier organisiert hat. Schade, dass Sie so gar nichts verstanden haben.

Mit freundlichem Gruß,
Simone Hofmann
Frankfurt


Der Beitrag ist zuerst bei Tapfer im Nirgendwo erschienen.

Unterstützung
oder

Kommentare ( 71 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Andere bringen wir ungekürzt.
Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

----

71 Kommentare auf "Zu Steinmeier:„Es reicht nicht aus, eine beeindruckende Rede zu halten“"

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Nicht-mein-Bundespräsident Steinmeiers Rede war nur dahingehend beeindruckend, wie es dieser mal wieder schaffte, der Verachtung für sein eigenes Volk freien Lauf zu lassen. Und mehr als ein willkommener Anlaß genau dafür, war sein Auftritt ohnehin nicht.

Mit Holocaust-Gedenken hatte das Ganze – soweit es Steinmeier betrifft – nichts zu tun.

Das Problem ist offensichtlich. Es gibt überall an exponierten Stellen mittlerweile zu viele Quotenfrauen, da qua Peterprinzip in Positionen ihrer maximalen Inkompetenz hochgespült worden sind. Wenn dir nur still wären. Aber sie sabbeln sich um Kopf und Kragen. Dümmer gehts scheinbar immer. Natürlich spült das Peterprinzip auch Männer in maximale Inkompetenz, wie man an unserem launigen Wirtschaftsminister oder unserm Außenminister sehen kann. Aber wenn man für irgendwas nicht die Fähigkeit, sondern eine Quote des richtigen Geschlechts einführt, ist klar, dass man irgendwann die Inkompetenz an exponierter Stelle hat und schwer wieder loswird.

Nach der Leipziger Volkszeitung ist die Anbringung einer israelischen flagge an einem Leipziger Schornstein von „linken Aktivisten ausgeführt“ worden. Begründung: Die linken Aktivisten wollten „ein Zeichen für Israel setzen“. https://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Linke-Aktivisten-hissen-Israel-Flagge-an-Schornstein-ueber-Leipzig Kann mir mal jemand erklären, welches „Zeichen“ damit gesetzt werden sollte? Von „linken Aktivisten für Israel“? Ich habe eher den Eindruck, dass man nun, nachdem klar ist, wer dahinter steckt, kaum noch in den Medien darüber berichtet wird. Man gibt sich mit der lächerlichen Begründung zufrieden „linke Aktivisten wollten „für Israel ein Zeichen setzen“ und damit sei es nicht antisemitisch. Das Gegenteil ist richtig, wie in der Süddeutschen Zeitung vom… Mehr
Habe mir jetzt erst einmal den Kommentar von Sabine Müller angesehen, der übrigens in einem inhaltlichen Punkt vom geschriebenen Text abweicht: „und demonstrativ überlangen bilateralen Gesprächen zwischen Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Präsident Wladimir Putin.“ fehlt im gesprochenen Kommentar. Und darin liegt wohl der Ärger begründet: Dass Netanyahu mit Putin gedachte und nicht mit dem eulenhaften, tiefe Betroffenheit darstellenden Nicht-mein-Bundespräsident Steinmeier. Man legt nicht Kränze an Arafats Grab nieder und beglückwünscht den Iran zum Jahrestag der Revolution – ohne, dass dies zur Kenntnis genommen würde. Das würde aber vielleicht erklären, warum Israel den Buße heuchelnden, nicht die „Tätersprache“ sprechenden Steinmeier überhaupt… Mehr

Man möchte jeden Satz unterstreichen! Selten klaffen Wort und Tat so weit auseinander wir im Verhalten der deutschen Politik gegenüber Israel, es ist beschämend! Im übrigen kenne ich kaum jemanden von denen, die die Rede des Bundespräsidenten gehört oder gelesen haben, der beeindruckt von ihrem Inhalt gewesen wäre.

Tausend Daumen nach oben für Simone Hofmann.
Aber vergebliche Mühe – ARD und ZDF sind fest in Clan-Hand.

Nur der teilweise oder ganze Entzug der Gebühren an die ÖR wird diese Leute noch zum Nachdenken bringen können.

Zu Steinmeier wurde ja schon alles gesagt, naja, alles was unzensiert gesagt werden kann 😉

Ja, liebe Frau Hofmann, unsere polit-mediale Elite weiß mit den Begriffen „Stolz“, „Wehrhaftigkeit“ und „Selbstbewusstsein“ leider nichts mehr anzufangen.
Ob sie Ihren guten Brief überhaupt versteht?

Danke für den Brief. Anstatt diese (mMn dummen) Kommentare und Reden von unseren Politikern brauchen wir den Juden gegenüber eine positive Einstellung und dann mal fragen: Wo können wir helfen? Das Geschehene darf man nicht vergessen und kann nicht rückgängig gemacht werden, jedoch sollte man so anständig sein und den neuen Generationen Beistand leisten! Ich habe eher den Eindruck, dass man ihnen Knüppel zwischen die Beine werfen will! Mein Eindruck ist auch, dass man das ganze Thema am besten mit Juden diskutieren kann. Die haben eine viel rationellere Sichtweise und das nicht nur bei diesem Thema!

Dieser Brief durch jemanden, der durch den heutigen Zeitgeist wieder einmal betroffen ist, ist mehr als berechtigt.
Wer von deutschen „Eliten“, ob Bundespräsident oder Regierungshandelnden oder Journalisten des Mainstreams erwartet, irgendeine Ahnung von Kultur und Geschichte zu haben, der glaubt auch an den Osterhasen. Alleine dass „nicht mein Bundespräsident“ die Rede in englisch gehalten hat und durch seine Erklärung unsere Nation in Geiselhaft genommen hat für Verbrechen, die von vorigen Generationen begangen wurden, zeugt von einer Verlogenheit, die nicht zu überbieten ist. Als Israeli würde ich einem Menschen, der den Mullahs gratuliert hat, nicht einmal mehr die Hand geben!