Deutschlands Freiheit wird am Traualtar verteidigt

Niemals zuvor haben sich bei uns weniger Menschen das Ja-Wort gegeben. Wer darin eine willkommene Folge der modernen Zivilisation sieht, hat das Wesen einer Gesellschaft von selbstbestimmten Individuen nicht verstanden.

picture alliance/dpa | Georg Wendt

Um Zahlen verstehen und bewerten zu können, muss man sie erst einmal haben. Im Jahr 2024 wurden so wenige Ehen geschlossen wie noch nie. Genauer: wie seit 1950 nicht. Da hatte das Statistische Bundesamt (Destatis) die Zahlen erstmals erhoben.

Insgesamt haben bei uns 349.200 Paare geheiratet. Knapp drei Prozent waren gleichgeschlechtliche Ehen. Für mehr als drei Viertel (79 Prozent) der 698.400 Beteiligten war es die erste Trauung.

Jeder zweite Erwachsene über 18 bei uns ist verheiratet. Das sind etwa 34,6 Millionen. Doch sowohl die absolute Zahl der Verheirateten also auch ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung gehen seit Jahrzehnten kontinuierlich zurück. Vor 30 Jahren zum Beispiel haben noch etwa 39,2 Millionen Volljährige in einer Ehe gelebt, das waren 60 Prozent.

Gleichzeitig sind immer mehr Menschen über 18 Jahren ledig. Noch 1994 waren gut 16 Millionen Volljährige nicht verheiratet, das entsprach 24 Prozent. Ende 2024 waren 23,1 Millionen Menschen ab 18 Jahren ledig, das sind gut 33 Prozent.

Dass der Anteil der Verheirateten seit Jahren schrumpft, liegt auch daran, dass die Menschen – wenn sie denn überhaupt heiraten – beim ersten Ja-Wort immer älter werden. Vor 30 Jahren hatte das Durchschnittsalter bei der ersten Eheschließung für Frauen bei gut 27 Jahren und für Männer bei etwas über 29 Jahren gelegen. Im Jahr 2024 waren Frauen bei ihrer ersten Heirat im Schnitt schon fast 33 Jahre alt, Männer sogar gut 35 Jahre.

Älter bei der Hochzeit, älter bei der Scheidung

Auch bei den Scheidungen werden die Beteiligten immer älter. Vor drei Jahrzehnten waren Frauen am Ende ihrer ersten Ehe durchschnittlich gut 36 Jahre alt, Männer waren gut 39 Jahre. Im Jahr 2024 sind die frisch geschiedenen Frauen weit über 44, die Männer weit über 47 Jahre alt.

In Deutschland heiraten wir etwas öfter als in den anderen EU-Länder: Wir haben 4,3 Eheschließungen auf 1.000 Einwohner. Der EU-Schnitt liegt bei 4,0. Die meisten Ehen auf 1.000 Einwohner schließen die Rumänen (5,8), Lettland (5,6) und Ungarn (5,2). Am seltensten heiratet man in Bulgarien (3,4), Italien (3,1) und Slowenien (3,0).

Staat, Familie und Ehe

„Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung.“ So heißt es im Grundgesetz (Art. 6 Abs. 1 GG).

Vor allem die Grünen kritisieren, dass dieses traditionelle Konzept „nicht mehr zeitgemäß“ sei. Insgesamt fordern so gut wie alle linken und selbsternannten liberalen Strömungen im Land, also die vermeintlich modernen „Progressiven“, dass alle Formen des Zusammenlebens als gleichwertig erachtet und dementsprechend rechtlich gleichgestellt werden – z. B. auch Alleinerziehende, Regenbogenfamilien, polyamore Beziehungen und was man sich sonst noch so vorstellen kann.

Doch das ist grandioser Unfug.

Auf den ersten Blick geht es den Staat nichts an, wie seine Bürger ihre privaten Beziehungen organisieren. Insofern wäre es unbillig, wenn der Staat bestimmte Formen des Zusammenlebens verbietet. Aber der Staat hat unbestreitbare Eigeninteressen – zum Beispiel, dass das Staatsvolk erhalten bleibt, dass also Kinder geboren werden.

Zwar stimmt es, dass der Anteil der Kinder, die nicht einer Ehe entstammen, in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist. Anfang der 1990er-Jahre lag er bei etwa 15 Prozent. Heute liegt er doppelt so hoch, bei knapp 30 Prozent. Das bedeutet aber auch: Immer noch werden zwei Drittel aller Kinder ehelich geboren. Die Ehe ist unverändert die mit Abstand wichtigste Bindung, die Kinder hervorbringt. Im ländlichen Raum ist der Anteil noch deutlich höher als in den größeren Städten.

Der Staat sollte zwar keine zwischenmenschliche Beziehung blockieren (sofern es um eine freiwillige Beziehung zwischen erwachsenen und nicht miteinander verwandten Menschen geht). Aber natürlich kann er jene Beziehungen besonders fördern, die den Erhalt des Staatsvolkes am ehesten sichern.

Dazu kommt: Die Lebenschancen eines Kindes hängen wissenschaftlich nachweisbar wesentlich auch vom Elternhaus und der Familienstruktur ab. Die wichtigsten Faktoren, damit ein Kind nicht als Erwachsener oder schon als Jugendlicher kriminell wird oder in die Armut fällt, sondern im Gegenteil eine positive Biografie entsteht, sind ein intaktes Elternhaus (Vater und Mutter), keine Drogen und eine akzeptable Schulbildung.

Das heißt: In Ehen werden nicht nur die meisten Kinder geboren – sondern Ehen bieten auch die größte Wahrscheinlichkeit dafür, dass aus den Kindern keine Nichtsnutze werden.

Natürlich gibt es furchtbare Ehen. Und Ehen bieten auch keinerlei Garantie dafür, dass aus dem Nachwuchs mal etwas Gescheites wird. Aber sie bieten die mit weitem Abstand größte Wahrscheinlichkeit, dass es gelingt.

Noch ein Grund für den Staat, die Ehe zu schützen und zu fördern.

Ehe und Freiheit

Das größte Missverständnis des modernen Menschen, vor allem des urbanen, in Bezug auf die Ehe ist die vermeintliche Einschränkung der individuellen Freiheit. Beschränkt uns das Ja-Wort nicht in unserem Bewegungsspielraum und unseren Wahlmöglichkeiten – womöglich sogar lebenslang, „bis dass der Tod euch scheidet“ und so?

Im Gegenteil.

Das Leben ist die Summe unserer Entscheidungen. Wer sich immer wieder neu entscheiden können will, zum Beispiel in Bezug auf den Partner, der will sich in Wahrheit gar nicht entscheiden. Die Nichtfestlegung auf einen Partner, die gerade junge Städter so feiern, ist in ihrem Kern die Flucht vor der Verantwortung für das eigene Leben.

Auf dem Land entscheidet man sich. Noch jedenfalls. Hier suchen sich vor allem die jüngeren Frauen ihren Zukünftigen nicht vorrangig nach Optik oder politisch korrekter Gesinnung aus – sondern danach, ob der junge Verehrer ehrgeizig und strebsam und zuverlässig wirkt und somit eine reelle Chance besteht, mit ihm eine gemeinsame wirtschaftliche Existenz zu begründen, ein Haus zu bauen (mit den viele Jahre währenden Verpflichtungen) und eine Familie mit Kindern zu gründen.

Es ist eine Entscheidung nicht für die Freiheit des Augenblicks, sondern des Lebens.

Die Bindungslosigkeit, die Ledige bei sich selbst so oft bejubeln, ist kein Grund zum Feiern. Denn sie schafft kein freies Individuum. Sie kreiert vielmehr einen Menschen, der im Leben auf sich allein gestellt ist und von niemandem etwas erwarten kann – außer vom Staat. Ist der Staat übergriffig, wie bei uns, dann wird er die Gelegenheit nutzen. Alleinstehende Menschen sind wesentlich gefügigere Untertanen als Menschen in einem festen Familienverbund – wie einer Ehe.

Unterm Strich haben wir als Angehörige der Spezies Mensch nur zwei Aufgaben: Selbsterhaltung und Arterhaltung. Beides können wir allein nicht schaffen – mit einem Lebenspartner aber durchaus.

Erstaunlicherweise verbirgt sich in der neuen Ehe-Statistik doch auch ein Fünkchen Hoffnung: Die Ehen, die geschlossen werden, halten länger als früher: nämlich 14,7 Jahre – im Vergleich zu nur zwölf Jahren 1994.

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Kommentare ( 73 )

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73 Comments
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Michaelis
1 Monat her

Starke Thesen. Beispiel:
„Alleinstehende Menschen sind wesentlich gefügigere Untertanen als Menschen in einem festen Familienverbund – wie einer Ehe.“

Das wage ich doch SEHR zu bezweifeln! In den weitaus meisten Ehen (bzw. festeren „Partnerschaften“) wird sich eine Art Homogenisierungseffekt nachweisen lassen inbezug auf politische Einstellungen und politisches Wahlverhalten – wenn nicht schon vorher eine hohe Ähnlichkeit bestand. Und nach meinen Beobachtungen wählen „Paare“ (zumal solche mit Nachwuchs) signifikant häufiger „linksgrüne“ Parteien – was vielfältige Ursachen/Gründe hat.

Last edited 1 Monat her by Michaelis
Helfen.heilen.80
1 Monat her

Tja vielschichtig, vergleicht man die Zeiten der romantischen Liebe im Sinne v JustineN mit den heutigen Zeiten, liegen ja schon alle Gründe offen. Der „Erfahrungshorizont“ damals war viel kleiner, man lernte die Gegend um sein Dorf kennen, in diesem Rahmen steckte man die Erwartungshaltung an das andere Geschlecht ab, und bezog seine Maßstäbe in punkto gesellschaftlich Einbettung. Das könnte man streckenweise als engstirnig bezeichnen, aber da tanzte man nicht so schnell aus der Reihe, weil das als Schande galt. Ebenso, wenn man ein Taugenichts war. Heute beziehen sich Geschlechterideale nicht selten auf z.B. ästhetische Topstars vom anderen Ende der Welt… Mehr

Deutscher
1 Monat her

„Die Ehe ist unverändert die mit Abstand wichtigste Bindung, die Kinder hervorbringt.“ Die wichtigste? Naja, sagen wir mal, es ist die häufigste. „Alleinstehende Menschen sind wesentlich gefügigere Untertanen als Menschen in einem festen Familienverbund – wie einer Ehe.“ Das halte ich für ein Gerücht. In meinem Umfeld – ländlich, übrigens – haben die Verheirateten am meisten Bammel davor, zu ihrer oppositionellen politischen Meinung zu stehen, die Regierung offen zu kritisieren oder gar – Gott bewahre – sich auf ner Demo blicken zu lassen. Man kann es sich im Geschäft, mit der Schule der Kinder, mit den Nachbarn und der Verwandtschaft… Mehr

Last edited 1 Monat her by Deutscher
Michaelis
1 Monat her
Antworten an  Deutscher

Da gäbe es auch harte Fakten: wieviele „Revolutionäre“ und Widerständige, wieviele wissenschaftlich-technische Geistesgrößen … der Weltgeschichte lebten in festen Partnerschaften/Ehen, und wieviele davon waren zeitlebens oder die meiste Zeit ihres Lebens alleinstehend/ledig usw.? Ich glaube, solche Daten sprächen eine klare Sprache. Immanuel Kant nur als ein eher extremes Beispiel.

Gerro Medicus
1 Monat her

Ja, das ist EIN Aspekt. Jedoch befürchte ich, dass man dies in einem wesentlich größeren Zusammenhang sehen muss, dessen Ziel möglicherweise die Auslöschung der deutschen (und europäischen) Kultur ist. Wie funktioniert das? Etwa so: Verringere die Reproduktionsrate eines Volkes durch Freigabe von Abtreibung. Verbräme dies mit dem Slogan „Befreiung der Frau“. Seit 1976 ca 110.000 Abtreibungen pro Jahr (ohne Dunkelziffer) = bis 2026 5,5 Millionen getötete Kinder, fast 2 Generationen! Unterstütze eine Wirtschafts- und Finanzpolitik, die immer mehr dazu führt, dass das Einkommen einer Person nicht, wie noch in den 50er und Teilen der 60er Jahre ausreicht, eine Familie zu… Mehr

Last edited 1 Monat her by Gerro Medicus
AmpelFluechtling
1 Monat her
Antworten an  Gerro Medicus

Alle europäischen Völker sollen vernichtet werden. Das ist vollkommen klar. 8% der Weltbevölkerung sind europäischer Abstammung. Bis Ende des Jahrhunderts werden es nur noch 1-2% sein.

MartinKienzle
1 Monat her
Antworten an  Gerro Medicus

Sie haben es korrekt erkannt: Es findet gegenwärtig vor unseren Augen ein Völkermord am Deutschen Volke statt (sogenannte „UN-Völkermordkonvention“ aus dem Jahr 1948: „Darin ist Völkermord als Verbrechen definiert, das durch die Absicht gekennzeichnet ist, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe ganz oder teilweise auszulöschen. Zum Tatbestand des Völkermordes zählen: das Töten oder Zufügen von körperlichem und/oder seelischem Schaden an Angehörigen einer Gruppe; die Gruppe oder ihre Angehörigen Lebensumständen zu unterwerfen, die auf die Zerstörung der Gruppe abzielt; den gezielten Raub von Kindern aus der Gruppe und die (politische) Anordnung zur Geburtenverhinderung innerhalb dieser Gruppe.“ https://www.ecchr.eu/glossar/voelkermord/)) – verübt durch… Mehr

amendewirdallesgut
1 Monat her
Antworten an  MartinKienzle

Ist wohl eher ein Selbstmord , in Folge von Dekadenz !

Legolas
1 Monat her

Wenn die Deutschen beschließen, sich aus der Geschichte zu verabschieden, und es deutet Vieles darauf hin, muss man sich um das „Deutschland“ genannte Siedlungsgebiet in Mitteleuropa dennoch keine Sorgen machen. Es ist fruchtbar, hat ein angenehmes gemäßigtes Klima, genug Wasser und sehr schöne Landschaften. Hier werden immer Menschen leben. Es wird kein Vakuum entstehen. Ob diese Bewohner nun eine Hochkultur aufbauen oder wieder in Höhlen leben und Ziegen fi***n, ist dem Land ziemlich egal. Wir selbst finden es nur traurig, eine Hochkultur verschwinden zu sehen, weil es die Unsere ist und die Art und Weise, wie sie verschwindet, recht würdelos… Mehr

AmpelFluechtling
1 Monat her

In den USA gibt’s eine statistische Erhebungen, dass 2030 45% aller Frauen zwischen 18 und 44 single und kinderlos sein werden. In anderen Ländern wie Südkorea, Japan oder Kanada ist es noch krasser. In Kanada sind 96% der Bevölkerung 18-30 unverheiratet und kinderlos und 30-40 jährige sind zu 50% kinderlos und unverheiratet. Ich weiß nicht ob es für Deutschland ähnliche Statistiken gibt. Ich glaub in Deutschland sieht es noch nicht so düster aus wie in anderen Ländern, dahingehend ist Deutschland immer noch ein bisschen konservativer. Familie wurde als Institution völlig abgeschafft, was ich auch der Entwicklung des Sozialstaates zu schreiben.… Mehr

Last edited 1 Monat her by AmpelFluechtling
Die Wahrheit
1 Monat her

Eine Beziehung und das Leben gemeinsam bestreiten, kann sicher sehr erfüllend sein. Aber Frieden bekommt man in einem Land, wo gegen die Familie offen Krieg geführt, sicher nur alleine. Also ich bleibe Single – für mich ist das nix.

Michaelis
1 Monat her
Antworten an  Die Wahrheit

Krieg nicht nur gegen die Familie, sondern auch gegen den Mann. Zudem mischt sich der Staat viel zu sehr in die privaten Angelegenheiten der Menschen ein. In solch einem Land bleibe auch ich lieber alleine, alles andere macht einen kaputt!!!

Last edited 1 Monat her by Michaelis
Der Person
1 Monat her

„[Die Bindungslosigkeit] kreiert vielmehr einen Menschen, der im Leben auf sich allein gestellt ist und von niemandem etwas erwarten kann – außer vom Staat.“

Die Bindungslosigkeit kreiert vielmehr einen Mann, der im Leben auf sich allein gestellt ist und von niemandem etwas erwartet. Und die Bindungslosigkeit kreiert eine Frau, die im Leben auf sich allein gestellt ist und vom Staat erwartet, dass er die Rolle des Versorgers übernimmt.

rainer erich
1 Monat her

Keine Ahnung, ob die schmissige Überschrift und die Elogen auf die Ehe als formale Institution der Sache gerecht werden. Offen bleibt auch hier die Frage von Ursache und Wirkung. Nicht offen ist der Befund, dass es nicht nur für die Ehe, für die besonders, sondern jede Form einer ( verbindlichen ) Partnerschaft bestimmter Bedingungen und Voraussetzungen bedarf, weniger der “ staatlich“ geschaffenen, als der psychokulturellen und sozialen. Es hilft deshalb auch den Anhängern dieser Verbindungen eher wenig , darüber zu klagen oder auch wie üblich zu appellieren, an das “ wir“ oder an den, den es betrifft. Die Klagen über… Mehr

Donostia
1 Monat her

Die Zusammenfassung ist schon sehr dürftig. Mich würde schon interessieren wie die 72 Geschlechter, oder sind es schon mehr, sich untereinander verheiratet haben.