CDU/CSU: Das Ende vor Augen

CDU/CSU haben in den letzten 16 Jahren sich nach links gewandt, Politik gegen die gemacht, die sie gewählt haben und die sie repräsentieren sollten, und sich ihren Wählern entfremdet.

picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Vielleicht haben Sie es schon vergessen, aber gestern sind CDU/CSU in die heiße Wahlkampfphase gestartet. Ein Medienevent wie der Grüne Parteitag war es nicht. Werfen wir also einen Blick von den Medien weg in die Realität.

Deutsche Realität ist, wenn Milliarde zu Milliarde vom Steuerzahler weg zu ideologischen Projekten kommt. Olaf Scholz und die sich hinter seinem Rücken verbergende Linke, nebst illiberalen Linksliberalen wollen 1,1 Milliarden Euro für ihre Fußtruppen ausgeben, die alle bekämpfen, die aus der Sicht der Linken und Linksliberalen „rechts“ sind. CDU/CSU haben fröhlich mitfinanziert, dass sie nun bekämpft werden. Wirklich clever. Sie haben Journalisten, Künstler, Intellektuelle, Wissenschaftler, die sie unterstützen, im Regen stehen lassen und den linken und linksliberalen Budgets zur Förderung ihrer Klientel überlassen. Zwischen der CDU und liberalen und konservativen Intellektuellen hat eine Entfremdung eingesetzt – und das in einer Zeit, in der der Geist nicht mehr links steht.

Zeit zum Lesen
"Tichys Einblick" - so kommt das gedruckte Magazin zu Ihnen
Eine weitere Milliarde wollen die Grünen nun in ihrem Programm der De-Industrialisierung für Lastenfahrräder ausgeben. Was man für einen Witz oder eine böswillige Plakataktion der AfD halten könnte, ist vorindustrieller Ernst der Grünen. Der haushaltspolitische Sprecher der Partei, Sven-Christian Kindler, teilte dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (RND) mit, dass die Grünen eine Million Lastenräder mit jeweils 1.000 Euro Zuschuss fördern wollen. Da freut sich jeder Handwerker im Umland, wenn er morgens mit einem Mischer auf dem Lastenfahrrad fröhlich in die rotrotgrüne Hauptstadt radelt und gegen Mittag auf der Baustelle ankommt. Oder wenn ein Dachdeckermeister mit all seinen Gesellen und Lehrlingen einen Tag damit beschäftigt sein wird, die erforderlichen Ziegel zum Decken des Hauses zur Baustelle mit Beineskraft zu transportieren. Aber die Berliner Grünen wollen ohnehin, dass bald schon in ihrer Stadt kein Auto mehr fährt.

Während Handwerker in wirtschaftliche Probleme geraten, weil die Inflation, wie EU und EZB in ihrem Umverteilungsprogramm von unten nach oben es wollten, angesprungen ist und sich Baustoffe wie bspw. Holz verteuern, Gewerbetreibende wegen der Corona-Maßnahmen der Regierung ihre Existenz verlieren, für viele Familien der Traum vom Eigenheim ein Traum bleibt, benötigen die Grünen 1,1 Milliarden Euro, um Lastenräder zu subventionieren.

Eine weitere Milliarde Euro hat Außenminister Heiko Maas unter der Hand den Herero versprochen. Da der Außenminister auch nach Abgabe des Versprechens, noch mit dem Studium von postkolonialen Texten – und diese sind so zahlreich wie die Förderung an den deutschen Universitäten für diese Theorie genannte Ideologie – sehr beschäftigt war, entging ihm leider, dass die Taliban mittlerweile Kabul eingenommen haben. Um dieses Versäumnis wieder gut zu machen, hat er gleich 100 Millionen Euro für humanitäre Maßnahmen bewilligt, die am Ende wohl den Taliban zu Gute kommen werden. Dafür, dass man diesen Außenminister in den letzten Jahren außer beim Kampf gegen rechts nicht sah, hat er stolze Summe an Steuergeldern verteilt.

Mit einem Mal ist alles anders
Merkel ähnelt den abrückenden Besatzern in Kabul: Nach mir die Sintflut. Rette sich wer kann.
Über Rotrotgrün müsste man keine Zeile verlieren, wenn nicht die Wahrscheinlichkeit von Tag zu Tag wüchse, dass sie die nächste Regierung bilden, entweder in einer rotrotgrünen oder in einer anderen Koalition, an denen die Roten oder die Grünen oder beide Parteien beteiligt sein werden. Man kann ihnen das nicht zum Vorwurf machen. Sie tun, was sie tun. Man muss sie ja nicht wählen. Aber wen wählt man dann?

Die Verantwortung für den erstaunlichen Akzeptanz- und Machtzuwachs der Ewiggestrigen liegt ganz allein in dem, was man bürgerliches Lager nennt, bei CDU, CSU und FDP. Sie haben in den letzten 16 Jahren vollständig versagt, haben sich rotgrünen Positionen angenähert, sie übernommen. CDU/CSU haben in den letzten 16 Jahren sich nach links gewandt, Politik gegen die gemacht, die sie gewählt haben und die sie repräsentieren sollten, und sich ihren Wählern entfremdet. Dass dieser Prozess schleichend geschieht, liegt einzig und allein an der immensen Leidensfähigkeit ihrer Wähler. Aber irgendwann ist auch die größte Geduld aufgebraucht. Roland Tichy hat in einem eindrucksvollen Text beschrieben, wie das Land zerbröselt. Die Verantwortung dafür tragen unmittelbar CDU/CSU und mittelbar die FDP.

Wenn zum Auftakt für die Schlussphase des Wahlkampfes Markus Söder für das Zerbröseln des Landes, für die Spaltung des Landes, für das permanente Regierungsversagen, für die geistige Entkernung der CDU Angela Merkel dankt, dann wird es auch dem leidensfähigsten Wähler mehr als schwer, CDU/CSU zu wählen. Es mag sein, dass Markus Söder „keinen Bock auf Opposition“ hat, aber wenn interessiert, worauf Markus Söder „Bock“ hat? Wie glaubwürdig ist die Warnung von Söder vor den Grünen, mit denen er noch vor kurzem regieren wollte, wie glaubwürdig Laschets Warnung vor den Roten und den Grünen, wo er doch ihre Inhalte nachbetet und nicht weniger den Herold der Klimaapokalyptik abgibt als Habeck? Selbst die mit Elan vorgetragene Parole, das gleiche zu machen wie die Rotgrünen, nur viel besser, viel wirtschaftsverträglicher, stellt keine Alternative dar.

Am Volk vorbei, über es hinweg
Parteien haben die Weimarer Republik zerstört und tun es in der Bundesrepublik wieder
Auch wenn Armin Laschet es noch so freundlich und sympathisch betont, dass er den Pelz waschen will, ohne ihn nass zu machen, weiß jeder, dass der Pelz doch nass wird, wenn man ihn wäscht. Das Problem besteht nicht in der Nässe, sondern im Waschen. Das große Problem, da kann man so leidenschaftlich reden, wie man will, besteht darin, dass die Positionen der anderen die Positionen der anderen bleiben und man das, was man als Folge der Politik eines politischen Gegners prophezeit, letztlich auch die Folgen eigener Politik sein würden. Nur mit eigenen Themen könnten CDU/CSU im Wahlkampf sich als Alternative zum Ökosozialismus von Rotrogrün darstellen, doch dazu bedarf es eigener Themen. Es ist ein Jammer, in der CDU scheint man gründlich vergessen zu haben, was eigene Themen und Positionen sind. Weder mit Rotrotgrün, noch mit CDU/CSU findet ein Aufbruch für Deutschland, sondern nur ein Einbruch statt. Die CDU unter Angela Merkel hat in der Konsequenz und im Ergebnis Deutschland den Rotgrünen ausgeliefert. Und die CSU hat ihr dabei geholfen, so gut sie konnte. Darin besteht ihre Schuld.

CDU/CSU werden, wenn nicht noch ein Wunder geschieht, dafür die Quittung am 26. September 2021 erhalten. Für Deutschland, für die Familien, für uns hoffe ich auf ein Wunder. Das größte Problem von CDU/CSU besteht paradoxerweise darin, die eigenen Wähler noch einmal überzeugen zu können, für sie zu stimmen. Die CDU ist bisher nicht einmal in der Lage, ihre Basis ausreichend für den Wahlkampf zu mobilisieren. Aber womit will sie Mitglieder und Wähler überzeugen? Mit einer Schreckensvision? Ein Teil dieser Vision ist doch längst unter Angela Merkel Realität geworden.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 113 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

113 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Gerro Medicus
3 Monate her

Glauben Sie wirklich, dass sich durch die BTW irgendetwas ändern wird? Dass die CDUCSU die Quittung für Merkels Terrorstaat erhält? Dann möchte ich Ihnre Aufmerksamkeit auf folgenden Umstand richten. Die Gallionsfiguren der vorgenannten Parteien entblöden sich nicht, bereits jetzt mit den Grausamkeiten nach der Wahl zu drohen, wenn sie gewählt werden, und geben unverhohlen zu, dass sie das mit Absicht nicht vor der Wahl machen, um die Wähler nicht zu erschrecken. Für mich heißt das übersetzt: Den Parteigranden geht die Meinung der Wähler am A**** vorbei. Man teilt dem Wähler ja die Grausamkeit schon mit, auch wenn man sie erst… Mehr

Umf-Backe
3 Monate her

gibt es auch einen Zuschuss für Petroleumlampen?

Alexis de Tocqueville
3 Monate her

Ich habe einen Wahlkampfbrief von der CDU bekommen und den hässlichen Gröhe haben sie mir auch vors Haus gehängt.
Diese Partei tut wirklich alles, um mich weiter zu verärgern. Die Strategie dahinter erschließt sich mir allerdings nicht.

F. Hoffmann
3 Monate her

Ist in Kabul nicht das politisch verfemte KSK (Kommando Spezialkräfte) der Bundeswehr im Einsatz? Wahrscheinlich ist dessen Nennung mit einem CDU-Tabu belegt 🙂

Vivi_Virtual
3 Monate her

Das Tragische ist doch, dass – sollten CDU/CSU spürbare Stimmeneinbußen hinnehmen müssen – die Ursachenforschung in die völlig falsche Richtung abdriften wird. Man wird daraus schließen, nicht genug gegen den Klimawandel getan zu haben, kurzum nicht linksgrün genug gewesen zu sein. Siehe FDP nach Thüringen.

BKunze
3 Monate her

Das CDU Wahlprogramm ist immer noch das Merkel Wahlprogramm. Wenn Merkel wirklich in wenigen Wochen die Macht abgibt, wieso setzt sie dann noch immer heute wie jeden Tag der letzten 16 Jahre allein ihre Entscheidungen durch? Ein Kanzler, der zur Wahl nicht mehr antritt, müßte längt doch „history“ sein. Da stimmt doch alles nicht zusammen. Ich glaube, es wird nach der Wahl eine große Überraschung geben. Eine schöne wird es sicher nicht sein.

Conradp
3 Monate her

Das dem Artikel vorangestellte Foto vom Wahlkampfauftakt der Union mit der Staatsratsvorsitzenden links und dem Maskenmann rechts zeigt mehr als alle geistreichen Analysen das Dilemma, in die sich CDU und CSU mutwillig und mit einem sonderbaren Vergnügen hineinmanövriert haben: Während die beiden Flügelfiguren noch mehr oder weniger durchsichtig zu überspielen versuchen, daß sie im Grunde nicht davon ablassen können, gegen den Spitzenkandidaten in der Mitte zu intrigieren, werden sie voraussichtlich erst am Wahltag erleben, daß die Machtbasis für solche Spielchen bereits irreparabel zerbröselt ist, wie es Roland Tichy treffend beschrieben hat.

Harry Charles
3 Monate her

Eben. BW ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie die CDU sich selbst demontiert hat, und zwar durch Grünen-Appeasement, wobei diese Schraube letztendlich überdreht wurde. Das läuft fast alles über die Schulen. Da fing es an und da hätte man Widerstand entgegen setzen müssen und auch können. BW hatte früher (als alles noch normal war) ein beispielhaftes Schulsystem: nur ca. 6 Gesamtschulen bei ca. 400 Gymnasien, Letztere waren hervorragend materiell ausgestattet, der Lehrerstatus war gut, die Leistungsorientierung stand im Vordergrund, man hätte eigentlich nur eines tun müssen: die Dinge (im besten konservativen Sinn) so halten und bewahren wie sie waren.… Mehr

Markus Kempf
3 Monate her

Lieber olympos, Baden-Württemberg ist mitnichten nur von Schwaben besiedelt. Eine Petitesse, ich weiß. Aber dem Badenser in mir blutet jedes mal das Herz. Nichts für ungut…

Dreiklang
3 Monate her

Spätestens mit der BT-Wahl 2017 wurde die AfD zu einem neuen Brückenpfeiler des rechtskonservativen/liberalen Lagers. Und was machte die CDU? Sie wendete sich mit aller Kraft dagegen, sie nahm dabei sogar in Kauf, das Grundgesetz auszuhebeln, Thüringen nur als Beispiel. Es machten ALLE bei der CDU mit. Außen vor sind jene, die die gebotene Konsequenz zogen und aus der CDU austraten. Zerstören konnte die CDU die AfD jedenfalls nicht, beschädigen schon. Bei der CDU ist man so unerträglich dumm, dass man das auch noch feiert. Der Brückenpfeiler fehlt aber jetzt, da er mehr denn je benötigt wird. Mitleid mit der… Mehr