In Flensburg wurde Unseredemokratie gerettet – auf Kosten der Demokratie

Mehrere Hunderte – oder waren es Tausende? – mutige und wachsame Antifaschisten stürmten einen AfD-Stand in Flensburg und verhinderten so, dass die Partei potenzielle Wähler infiltrieren, pardon: informieren und Kugelschreiber verteilen konnte. Der Bürgermeister will parallel zu den „Demonstrationen“ die AfD politisch-demokratisch stellen und ein Verbotsverfahren prüfen.

Screenshots via X

Karin Prien und vor allem Daniel Günther können aufatmen, am Samstag rettete die Vereinigte Linke Unseredemokratie in Flensburg. Der als terroristisch zu bewertende Anschlag der AfD auf Unseredemokratie in der nordnorddeutschen Stadt konnte noch in letzter Sekunde von aufrechten Antifaschisten verhindert werden. Zwar gelang es der AfD, auf dem Nordermarkt so heimtückisch wie – schlimmer noch – demokratisch einen Infostand aufzubauen, doch 800 wachsame Demonstranten protestierten dagegen, dass die AfD kleine blaue Kugelschreiber verteilt. Puh, das war bannig knapp. Doch Unseredemokratie ist gerettet.

Die verkündeten Zahlen der beteiligten Samstagvor- und -nachmittagsantifaschisten schwanken allerdings. Während die Kieler Nachrichten von hunderten Menschen spricht, will Daniel Günthers stramm rotgrüner Landessender NDR tausende Demonstranten gesehen haben. Man weiß allerdings nicht, wie viele NDR-Aktivisten mit an vorderster Front für Unseredemokratie stritten, wie viel in Flensburg ansässig sind und wie viele zu den kleinen Aufmärschen womöglich auf Kosten des Steuerzahlers herangekarrt wurden. Die genaue Zahl der Demonstranten ist also unbekannt, wie auch nicht bekannt ist, wie viele von den Aktivisten, die ein einfacher Infostand schon auf die Straße treibt, wo es doch eigentlich reicht, die AfD nicht zu wählen, auf die eine oder andere Art mittelbar oder unmittelbar in den Genuss von Steuergeldern kommen aus den vielen Programmen, die Land und Bund, an vorderster Front das Prien-Ministerium zur Finanzierung von Aufmärschen und Aktionen gegen die Demokratie, gegen die Freiheit, gegen die Bürgerrechte, gegen das Grundgesetz und gegen die Toleranz ausgeben.

Der Bürgermeister der Stadt Flensburg, Henning Brüggemann, bringt das Demokratieverständnis Unseredemokratie auf den Punkt, wenn er sich wünscht, dass parallel zu den „Demonstrationen“ die AfD politisch-demokratisch gestellt und ein Verbotsverfahren geprüft wird. In Demokratien entscheidet zwar der Wähler, welches Angebot der Parteien er annimmt, in Diktaturen aber die Gerichte und das Ministerium für Staatssicherheit. In Demokratien werden Parteien durch Argumentation und Meinungsstreit politisch-demokratisch gestellt, in Diktaturen durch Zensur und Verbot. Brüggemann äußert im Grunde, was sein Ministerpräsident in der Lanz-Sendung geäußert hat, aber nicht so gemeint haben will, was er aber doch so gemeint hat, obwohl er es nicht geäußert hat.

Im Grundgesetz steht nichts davon, dass die Antifa oder Daniel Günther oder Karin Prien oder der heftig mitdemonstrierende Bürgermeister von Flensburg darüber entscheiden, wen die Bürger wählen und wen nicht. Es steht auch nichts im Grundgesetz darüber, dass die Antifa oder Daniel Günther oder Karin Prien oder der heftig mitdemonstrierende Bürgermeister von Flensburg die politische Willensbildung übernehmen. Oder, muss man Karin Prien fragen, zählt die Lektüre des Grundgesetzes inzwischen schon zur „Zersetzung der Demokratie“?

Vielleicht findet sich ja wenigstens ein Mitarbeiter in ihrem Ministerium, das von Tag zu Tag mehr zu einem Volksbildungsministerium wird, der ihr das Böckenförde-Diktum erläutern kann:

„Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Das ist das große Wagnis, das er, um der Freiheit willen, eingegangen ist. Als freiheitlicher Staat kann er einerseits nur bestehen, wenn sich die Freiheit, die er seinen Bürgern gewährt, von innen her, aus der moralischen Substanz des einzelnen und der Homogenität der Gesellschaft, reguliert. Anderseits kann er diese inneren Regulierungskräfte nicht von sich aus, das heißt mit den Mitteln des Rechtszwanges und autoritativen Gebots zu garantieren suchen, ohne seine Freiheitlichkeit aufzugeben und – auf säkularisierter Ebene – in jenen Totalitätsanspruch zurückzufallen, aus dem er in den konfessionellen Bürgerkriegen herausgeführt hat.“

Verkürzt gesagt treiben Günther, Prien und die Vereinigte Linke aus Linke, Grüne und SPD die Republik in die „konfessionellen Bürgerkriege“ zurück, indem Unseredemokratie in den „Totalitätsanspruch“ zurückfällt oder viel mehr den „Totalitätsanspruch“ erhebt. So erstaunt nicht, dass inzwischen der Herrschaftsanspruch des Unseredemokratie-Komplexes den Begriff „unsere Demokratie“ inhaltlich in die Nähe zu Begriffen wie sozialistische Demokratie, demokratischer Zentralismus, Rätedemokratie und Parteien des demokratischen Blocks rückt.

Laut WELT riefen „mehr als 40 Organisationen und Initiativen“ zu den Aufmärschen gegen einen Infostand der AfD auf. Polizisten mussten verhindern, dass Unseredemokraten den kleinen Stand der AfD stürmten. Es muss ein Zeichen von besonderer kognitiver Dissonanz sein, die sie in diesen Kreisen gern pflegen, dass sie „ein starkes und sichtbares Zeichen für Toleranz“ setzen wollen, indem sie erbittert die „Freiheit des politisch Andersdenkenden“ bekämpfen. Intoleranz als Zeichen für Toleranz? Dieser Satz, dass die Freiheit zuallererst die Freiheit des politisch Andersdenkenden ist, findet sich in der Kritik Luxemburgs an Lenin und in geradezu hellsichtiger Voraussicht an Stalin und den Stalinismus, denn der Stalinismus ist im Leninismus bereits angelegt ist. Dieser Satz wird im Aufleben des Neo-Stalinismus leider wieder aktuell.

Die Aktivisten in Flensburg rühmten sich: „Bisherige Versuche der AfD in Flensburg aktiv zu werden konnten durch antifaschistische Arbeit verhindert werden.“ Doch in einer Demokratie entscheiden die Bürger selbst, wen sie wählen und wen sie nicht wählen. Weshalb also kämpfen Flensburgs Aktivisten und die möglicherweise nach Flensburg gereisten Aktivisten so fanatisch dagegen, dass sich die Bürger informieren? Sorgen sie sich, dass die Bürger infiltriert werden könnten oder Unseredemokratie „zersetzt“ wird, wie inzwischen die Sprache der Stasi im Sprachgebrauch sogar von CDU-Politikern Einzug hält? Benötigen sie deshalb Gewalt, weil ihnen die Argumente fehlen? Warum stellen sie sich nicht dem Streit der Meinungen? Ersetzen sie aus Unvermögen die Macht der Argumente durch das Argument der Macht? Ist es nicht gerade dieser Vorgang, die Macht der Argumente durch das Argument der Macht zu ersetzen, den wir aus deutscher Diktatur kennen?

Die Kieler Nachrichten schreiben: „Gegen 13 Uhr klappten die AfD-Vertreter ihren Stand in ein Auto und fuhren, von ausgestreckten Mittelfingern der Demonstranten begleitet, vom Nordermarkt.“ Sehr gebildete Leute dort in Flensburg, wo ein ausgestreckter Mittelfinger als Argument gilt. Man erinnert sich, dass dort Karin Prien einmal Bildungsministerin war.

Dass der Infostand nicht mehr da war, hinderte die Aktivisten nicht, ihre Aufmärsche fortzusetzen. Wo man doch schon mal da war …


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Kommentare ( 67 )

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fluffy_bird
1 Monat her

Der Grad der Meinungsfreiheit und Freiheit im Allgemeinen in einem Land aber auch bei einem Menschen zeigt sich immer darin, wie das Land oder der einzelne Mensch mit Personen und Meinungen umgeht, die im diametralen Widerspruch zu seiner eigenen Meinung stehen.

fluffy_bird
1 Monat her

Ich habe vor sehr vielen Jahren einmal, nachdem ich angesprochen wurde, eine Unterstützungsunterschrift für irgendeine marxistische Splitterpartei gegeben. Nicht weil ich irgendwas mit dieser Partei anfangen konnte. Nicht weil ich auch nur den winzigen Rest einer Sympathie für eine Ideologie habe die Millionen von Menschen das Leben gefordert hat. Diese Unterschrift bedeutete keine Wahl. Sie bedeutet nur, dass diese Partei zur Wahl antreten konnte. Und eine solche Unterschrift würde ich für die NPD (oder wie auch immer sie jetzt heißt) genauso wie für die furchtbarste marxistische Partei geben. Früher nannte man so etwas Demokratie, Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit. Deshalb war für… Mehr

Dr. Bomke
1 Monat her

Die obigen Fotos dieser tapferen Kämpfer gegen die Demokratie – ääh, ich meinte gegen die AfD – riefen bei uns spontan Assoziationen mit längst vergangenen Äonen menschlicher Entwicklungsgeschichte hervor. Wie kann man sich als mündige Menschen intellektuell derartig entblößen. Tja, muss wohl das Ergebnis des Zweikampfes zwischen Verstand und Gefühl sein – der Verstand hat verloren. Irgendwie schon belustigende Szene.

Last edited 1 Monat her by Dr. Bomke
Fralarovi
1 Monat her

Das seit Jahren üblich AfD-Bashing geht völlig an der Wirklichkeit vorbei und lenkt von den wahren Problemen ab, die dadurch weder erkannt noch angepackt werden.   Freiheit, Frieden, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie werden nicht nur durch die weitgehend ökosozialistische Politik der Block-Einheitspartei-Marionetten der globalistischen Oligarchen und Hochfinanz allgemein gefährdet, sondern noch bedrohlicher und systemischer durch die KI-Welt, wenn deren Entwicklung nicht transparent und demokratisch gesteuert wird.   https://www.youtube.com/watch?v=DBkgZXkRa_c Elon Musk’s brain chips going exponential   https://www.youtube.com/watch?v=eAej6fttAL4 Top-KI-Forscher geben heimlich zu: Wir könnten die Kontrolle bereits verloren haben   https://www.youtube.com/watch?v=-I9V6n7aX44 KI Welt: EU geht voran! Giga-Factory in Deutschland soll massive KI-Rechenleistungen stemmen… Mehr

Rasparis
1 Monat her

Die im Dauerblindflug mit „Antifa“-Genossin Prien um das Rautenfunkfeuer kreisende Flitzpiepe aus Eckernfoerde hat mitsamt seiner kaputten „C.D.U.“ soeben eine mediale und juristische Total-Bruchlandung hingelegt. Da ist nun natuerlich, dem charakterlichen und intellektuellen Zuschnitt des schrebergaertnernden „Politologen“ entsprechend, allerlei sinnfreier Klamauk mit den hirnverheerten Milchbuebchen der „Antifa“-SA seiner Parteifreundin angesagt.
Warten wir einmal ab, bis Steinhoefel die daemlich grinsende Visage dieses Merkel-Quexen juristisch aufpoliert hat. Bisher ist das Guentherchen ja milieutypisch erst einmal abgetaucht.

Niklot
1 Monat her

Wenn die CDU eine vernünftige Politik machen würde, bräuchte und gäbe es die AfD nicht. Wer Politik gegen die Wähler macht, kann nicht erwarten, deren Stimme oder Zuspruch zu bekommen. Demokratie ist, wenn eine Regierung abgewählt werden kann, die abgewählte die Macht an die neue Mehrheit abgibt und dieser Machtwechsel friedlich von statten geht. Jeder kann für sich entscheiden, ob glaubt, dass wir noch eine Demokratie haben.

Metric
1 Monat her

Der Bürgermeister heißt Henning Brüggemann? Ich würde ja lachen, wenn der verwandt ist mit Dietrich Brüggemann, der zum Thema „Gegen Nazis!“ bereits allesgesagt hat:
https://www.youtube.com/watch?v=a6OEv0SlUDU

Jens Frisch
1 Monat her
Antworten an  Metric

Das ist doch der Regisseur, der bei #allesdichtmachen dabei war. Der Mann hat einen Spruch zum besten gegeben, der sich jedes Mal wieder bewahrheitet:
„Wenn du was gegen Ausländer hast, geh zur deutschen Linken, da gibts nämlich keine.“

ceterum censeo
1 Monat her

Doch in einer Demokratie entscheiden die Bürger selbst, wen sie wählen und wen sie nicht wählen.“ Ergo: spätestens seit Merkel die Wahl in Thüringen rückgängig gemacht hat, hat sich die Demokratie in D verabschiedet. Ludwigsburg et.al. stützen diese Aussage. Weiterhin war es schon immer so, daß derjenige, der am lautesten geschrien hat, die schlechtesten Argumente hatte. Von daher ist die Gewaltanwendung aus der Nomenklatura und deren Vorfeldorganisationen nur eine Bestätigung dessen, daß das System von UnsereDemokratie gänzlich auf tönernen Füßen steht und bei näherer Betrachtung innen komplett hohl ist (Parallelen zur gewissen Personen sind natürlich rein zufällig)…

schwarzseher
1 Monat her

Es gab einmal eine Zeit, da wurden die Deutschen wegen ihrer Disziplin, ihres Arbeitsethos, ihrer Ingenieurskunst etc. in der ganzen Welt geachtet, beneidet und bewundert. Alles vorbei. Heute herrscht verbreitet nur Schadenfreude bezüglich des Niedergangs dieses versifften, totalitären Drittewelt Landes. Zu Letzteren zähle ich selber inzwischen.

Der Ingenieur
1 Monat her

Das war der Stand der AfD auf dem Flensburger Nordermarkt:

https://www.foerde.news/files/news-bilder/01-FL/2026-01-24-AFD-Demo/HT-2026-01-24-AFD-Demo-6.jpg

Was müssen die Blockparteien und deren Handlanger für Angst vor der AfD und mündigen, logisch denkenden Wählern haben, dass sie degen so einen winzigen Stand der AfD hunderte von Demokratiefeinden von weit herankarren?

Quelle des Fotos:

https://www.foerde.news/news/afd-stand-am-nordermarkt-polizei-schirmt-infostand-von-rund-800-gegendemonstrierenden-ab.html

Johann Conrad
1 Monat her
Antworten an  Der Ingenieur

Wahnsinn, wenn man den Aufmarsch der Gegner sieht.