Segen des Papstes für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk

ARD, ZDF und Co. waren beim Papst. Statt zufriedenem Schulterklopfen täte den Machern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aber mehr Selbstkritik gut.

© Franco Origlia/Getty Images

Den Segen des Papstes für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Eine bessere PR und Bestätigung seiner Arbeit kann man sich als Chefredakteur eigentlich nicht wünschen. Dementsprechend zufriedene Gesichter waren nach der Audienz beim Heiligen Vater zu sehen, zu der ARD, ZDF und Co Anfang April in den Vatikan geeilt waren. Vermittelt hatte den Termin Kardinal Marx. Der Papst: „Ich ermutige Sie, in Ihrem Einsatz dafür zu sorgen, dass es Fakten statt Fake News, Objektivität statt Gerüchte, Differenzierung statt oberflächlicher Schlagzeilen gibt.“

Während Franziskus also noch medienethisch mahnte und zu Recht forderte, für das hohe Gut der menschlichen Freiheit und Würde entschieden Stellung zu beziehen, wand Kardinal Marx Kränze. Die öffentlich-rechtlichen Medien seien ein „wichtiger Pfeiler für die Sicherung der Demokratie“. Sie fragten „kritisch und auch unbequem nach“ und hätten „immer die wesentlichen Werte einer pluralen und freien Gesellschaft vor Augen“. Anne Will und ihre legendären Merkel-Interviews kann der Kardinal da nicht gemeint haben. Die Kämpfer für das journalistische Gute in einer Welt voller populistischer Fake News: In diesem Selbstverständnis bestätigt durften die Chefredakteure nach Hause fahren.

Zurück bleibt der Eindruck einer Kirche, die um jeden Preis auf Anschluss an das Establishment in Politik und Medien setzt. Rundfunkstaatsverträge halten schließlich die Illusion von kirchlicher Relevanz aufrecht. Das Bündnis von Thron und Altar: So sieht es im 21. Jahrhundert aus. Die Kirche positioniert sich damit aber inmitten eines legitimen Streits um Sinn und Sendung der öffentlich-rechtlichen Medien und macht sich ohne Not zum angreifbaren politischen Akteur.

Die Framing-Manual-Affäre der ARD
Illusion öffentlich-rechtlicher Rundfunk
Dass es die Legitimationskrise der öffentlich-rechtlichen Medien gibt, daran tragen ihre Macher maßgeblich selber Schuld. Es ist nicht in erster Linie das tödlich langweilige Programm aus Krimis und noch mehr Krimis, das viele Menschen am Sinn der Zwangsgebühren zweifeln lässt oder ihre marktverzerrende Wirkung auf die private Konkurrenz. Sie kritisieren, dass ihnen in Tagesthemen, Heute-Journal und Co. als Objektivität verkauft wird, was in zu vielen Fällen einfach Meinung von Kleber, Slomka und Hayali ist. Es sind dabei nicht grölende Wutbürger und Verschwörungstheoretiker, die dem ZDF Russia Today oder Compact vorziehen, sondern Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, die diese Diskrepanz feststellen.

Medienforscher Kepplinger brachte es auf den Punkt: „Journalisten sind keine Lügner, aber Gläubige, die ihre Sicht für die Wahrheit halten.“ Das Problembewusstsein bei vielen Vertretern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bezüglich ihrer eigenen Arbeit ist dabei etwa so hoch ausgeprägt wie bei Vertretern des Ersten und Zweiten Standes vor der Französischen Revolution. Statt glaubwürdig auf die eigenen blinden Flecken zu reflektieren, schreibt man den Zwangsgroschen zur Demokratieabgabe hoch und klopft sich für Faktenchecks auf die Schulter.

Ja: Ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk kann seinen Sinn haben. Viel Gutes wird ja auch produziert. Demokratischer Diskussion sind aber weder sein Programm noch seine Existenz entzogen. In anderen Demokratien geht es schließlich auch ohne. Zu dem fälligen Diskurs über die Zukunft der öffentlichen Medien hat die Kirche aber am allerwenigsten beizutragen.


Dieser Beitrag von Oliver Maksan erschien zuerst am 10. April 2019 als Leitartikel in Die Tagespost. Katholische Wochenzeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur.

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Kommentare ( 86 )

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Die christliche Kirche ist in der Agonie: zum einen brennen die Kirche selbst schon in Europa und woanders werden Christen abgeschlachtet. Sei es nun durch Attentate oder durch „Säuberungen“. Dazu kommt das immense demografische Probleme, dass zuwenig christliche erzogene Kinder aufwachsen. Augenscheinlich wird die christliche Kirche durch eine „muslimischen Sintflut“ aus Gewalt und Migration überrannt und sie versucht sich mit staatlichen Stellen zu verbünden. Leider verkennt die Kirche dass diese Staaten genauso wenn nicht noch schwächer sind, da sie noch mehr den Ausgleich mit Randgruppen suchen müssen. Zu einer eigenen gestalterischen Vision erscheint die durch Skandale wie Kindesmissbrauch ins Straucheln… Mehr

Symbiose der Volksverdummung. Und damit meine ich nicht den Artikel.

Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: Halt du sie dumm, – ich halt’ sie arm!
Reinhard Mey

Das Programm des ÖR ist nicht nur in der politischen Ausrichtung sowie der Programmgestaltung (Krimi, abgelöst von Haltungskrimi, danach nochmal Tourismus-Wervekrimi) einseitig. Ich halte den ÖR auch für den Hauptverursacher der dramatischen Situation, in der sich der deutsche Sport befindet: Fußball und sonst Wüste. Die Fußballer kriegen’s in den A* geblasen, alle andern darben. Selbst drittklassige Fußballer verdienen noch ein Heidengeld, Top-Leute in allen anderen Sportarten krebsen nahe am Existenzminimum. Keine Chance mehr auf Werbeeinnahmen, denn es läuft nur noch Fußball. Selbst Sportarten wie Tennis und Leichtathletik fristen ein Randdasein. An der Basis läuft es entsprechend. Für lau stehen sich… Mehr

Leute, macht Euch bitte endlich klar, seit spätestens den Medici, dass man dem römischen „Vertreter Christi“ nicht vertrauen kann.
Ob die „Herrscher“, oder der Vatikan, im „dunklen Mittelalter“, geändert hat sich für die „Leibeigenen“ eigentlich kaum etwas.
Die heutige „ach so freie und demokratische Gesellschaft“, zahlt immer noch ihren Zehnten, wenn nicht mittlerweile sogar mehr, darf sich heute aber ihren Herrscher aber „frei“ wählen.
Beide, Vatikan und auch Politik, kommen sich bei ihren Herrschaftsansprüchen bestimmt nicht in die Quere! Sie unterstützen immer das andere Machtprinzip, sonst würde ja vielleicht auch weniger Geld fließen,….in die eigenen Taschen.

Und wieder mal pünktlich zu Ostern kommt DER SPIEGEL mit einem „religiösen“ Aufmacher daher: „Wer glaubt denn sowas?“ Dabei geht es um die Frage: Warum bleiben Menschen in der Kirche, obwohl sie nicht mehr an Gott glauben? Heißt also für Christen in Deutschland: Wir bleiben in der Kirche, weil wir Marx und Bedford-Strohm total supi finden? Dagegen waren die Christen des finsteren Mittelalters von absolut rationalem Denken geprägt, die wollten nämlich wenigstens noch was für ihre Frondienste und Zehnten, nämlich die ewige Seligkeit.

„Viel Gutes wird ja auch produziert.“ Ach ja? Das kann ich leider gar nicht bestätigen. Das wirklich einzige sind Reportagen über Tiere, da dort keine politischen Kommentare auftauchen. Der Rest sind alte Filme, Serien, Gewaltverherrlichung, Filme nahe an Pornografie, menschenverachtende ‚Spiele‘ (Dschungelcamp etc.), extrem einseitige politische Berichterstattungen/Talkshows. Ich hätte längst die Zahlung eingestellt, wenn ich allein wäre und nicht aufs Auto (wg. der Wegfahrsperre) angewiesen wäre.

„Dschungelcamp“ dürfte eine RTL-Produktion sein. Ich bin ein vehementer Kritiker des ÖRRF aus vielen sachlichen Gründen und ich würde mir wünschen, dass die Bürger viel nachdrücklicher über die Landtage eine Selbstbeschränkung und einen allmählichen Rückbau der überbordenden Bürokratie verlangen. Ohne öffentlichen Druck werden die Pfründe und Kommunikationsplatformen nur noch weiter ausgebaut. Aber, wir sollten trotzdem anerkennen, dass trotz aller Kritik und identifizierbarer Verschwendung die
Qualität im Vergleich zum nationalen und internationalen Vergleich nicht so schlecht ist.

Meint der Pabst wirklich, das Image seiner Kirche mit Treffs derartiger Erziehungsmedien (um das andere, besser passende Wort zu vermeiden) aufpolieren zu können? Und ganz offensichtlich haben einKardinal Marx und ein Bedford-Strohm noch immer nicht begriffen, dass sie sich selbst auf dem Weg des Antichristen bewegen. Wohin man in Deutschland auch sieht, fast überall unverkennbare Spuren des Niedergangs, der Demagogie, des Eigennutzes einer ganzen Führungsclique vor dem Wohle des Volkes. Die notorischen Lügner sind wirklich schlimm dran, ihre Missetaten der Vergangenheit müssen in der Gegenwart flankierend gedeckt, und für die Zukunft weiter gesichert werden, durch neue Lügen! Erbärmlich, deren angebliche… Mehr

Nach ihrem denkwürdigen Auftritt auf dem Tempelberg in Jerusalem befinden sich Bedford-Strohm und Marx nicht mehr auf dem Weg zum Antichristen, nein sie haben dort eindeutig gezeigt, dass sie es bereits sind !
Und viele, die die Soutane tragen wollen den beiden Lumpen darin nicht nachstehen. Zuletzt ein Bishhof in Berlin , der meine so kurz vor Ostern das Treiben eines gesteuterten kranken Kindes aus Schweden mit dem Einzug Jesu nach Jerusalem ,vergleichen zu müssen.

Früher waren Kirche und Staat untrennbar, heute sind es Kirche, Staat und Rundfunk. Kein Wunder, sind doch alle Drei Spezialisten in Volksverdummung.

Sagt der Fürst
zum Kirchenmann:
halt du sie dumm –
ich halt sie arm.

Lesetipp:
Jose Saramagge – Hoffnung im Alentejo.

„Jose Saramago“ natürlich.

Dieser Papst ist sich für nichts zu schade,oder schlichtweg weltfremd! Da er aber selber ein linker ist kann man auch seinen „Lügner-Segen“ wieder einordnen. Vertreter Gottes auf Erden??,nein ,Steigbügelhalter Lucifers wäre wohl der gerechtere Name für den Amtsinhaber. Man stelle sich wirklich einmal vor Jesus kommt zurück,klopft im Vatikan an und will „seinen“ Stuhl besteigen. Was denkt man was würde passieren??,ja,genau das,er würde weggesperrt. Nein,die sogenannten Amtskirchen sind kein Hort des Glaubens mehr,sind sie nie gewesen. Die großen Kirchen,nicht nur die christlichen sind vielmehr darauf ausgelegt mit wenigen Macht über viele auszuüben,bei anderen „Kirchen“ auch als allein Herrscher über viele,und… Mehr

Weltfremd ist der nicht.
Und Papst Benedikt ist bestimmt nicht von sich aus zurück getreten. Das steht dem Stellvertreter Gottes auf Eden nicht zu.
Ein Franziskus ist nichts weiter als eine Marionette.

Da könnten Sie Recht haben,alles Maskerade,alles Lug und Betrug!

Benedikt wurde zurück getreten,oder anders ausgedrückt : er war schlauer wie damals der „dreiunddreißig Tage“ Papst,der hat schließlich seinen Anspruch auf eine arme Kirche für die Armen mit dem Leben bezahlt.
Ob Benedikt das im Hinterkopf hatte wo er auf das Amt verzichtete??

Schierlingsbecher oder Rücktritt, das war Frage.

Papst und TV Macher sind ja aus dem selben Metier, letztere sind nur die moderne Version.
Wie es früher so schön? Der König sagt zum Papst: Halt sie dumm. ich halte sie arm.
Heute ist es dasselbe Prinzip, nur die Mittel sind andere.