Ein Jahr Merz: Arbeit und Familie tragen die Lasten

Ein Jahr nach Amtsantritt zieht Kanzler Friedrich Merz eine positive Bilanz. Tatsächlich spüren aber viele Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Familien vor allem eine neue, zusätzliche Belastung. Eine Bilanz von Sylvia Pantel

picture alliance/dpa/Revierfoto | Revierfoto

Die Bundesregierung präsentiert sich als „Kurskorrektur für Sicherheit und Investitionen“, hinter der Fassade steht aber eine Politik, die den Faktor Arbeit und die Familie weiter in die Zange nimmt, ohne dass die versprochene Migrationswende eingetreten oder die Sicherheit in Deutschland spürbar besser geworden wäre.

Migrationswende bleibt Fassade

Im Wahlkampf sprach Friedrich Merz von einer „Migrationswende“ mit strikter Begrenzung illegaler Einreisen und deutlich mehr Abschiebungen.

Doch die Zahlen zeigen, dass die Asylzahlen im Vergleich zu Rekordjahren etwas gesunken sind, aber die Anträge immer noch im sechsstelligen Bereich liegen.

Die angekündigten Abschiebungen bewegen sich deutlich unterhalb der Relation, die Merz als Maßstab für eine echte Wende genannt hat.

Vor allem in vielen Städten spüren Bürgerinnen und Bürger weiterhin Unsicherheit im Alltag, die Kanzler-Rede von der „sichersten Nation der Welt“ steht in deutlichem Widerspruch zu den Erfahrungen auf der Straße.

Sozialer Rückschritt bei der Familienversicherung

Nicht genug, dass die Sozialabgaben weiter steigen und Arbeitnehmer immer mehr vom Bruttolohn abgezogen bekommen, die Merz-Regierung will nun auch die beitragsfreie Familienmitversicherung abbauen.

Nach aktuellem Reformplan sollen nicht erwerbstätige Ehe‑ und Lebenspartner künftig einen Mindestbeitrag von rund 225 Euro pro Monat für Kranken‑ und Pflegeversicherung zahlen, unabhängig vom Familieneinkommen.

Das trifft vor allem klassische Einverdiener‑Familien, Teilzeit‑Haushalte und Paare, in denen ein Partner Kinderbetreuung oder Pflege übernimmt. Die Regierung legt damit Hand an an einen zentralen Schutzmechanismus für Familien. Statt Familien zu entlasten, wird ihnen ein weiterer finanzieller Druck auferlegt.

Sozialabgaben

Die Sozialabgabenquote in Deutschland steigt weiter und erreicht 2026 neue Rekordhöhen. Rund die Hälfte des Bruttolohns entfällt bereits auf Lohn‑ und Sozialabgaben.

Die Merz‑Regierung hat diese Entwicklung nicht gestoppt, sondern Ende vergangenen Jahres mit weiteren Beitragssatz‑Anpassungen und neuen Beitragslasten gearbeitet, die Arbeitnehmer monatlich um mehrere Prozent ihres Nettoeinkommens belasten.

Für den Mittelstand bleibt die einkommensteuerliche Entlastung nur ein Versprechen, während die
Entlastungsprämien zu Lasten Dritter gehen.

Die von der schwarz-roten Koalition angekündigte „Entlastungsprämie“ von bis zu 1.000 Euro pro Beschäftigtem wirkt auf dem Papier wie ein großes Zugeständnis an Arbeitnehmer.

In Wahrheit ist es aber ein Versprechen zu Lasten von Arbeitgebern und dem Steuerzahler: Die Prämie wird vom Arbeitgeber getragen, der die zusätzlichen Kosten in einer schwierigen Lage oft nur bedingt stemmen kann.

Gleichzeitig wird die Maßnahme teils über Steuererhöhungen (zum Beispiel Tabak‑, Zucker‑ oder weitere Verbrauchssteuern) oder Ausweichlasten finanziert, statt die strukturellen Abgaben auf Arbeit systematisch abzubauen.

Arbeitgeber als Belastungsträger, nicht als Partner

Die Regierung Merz spricht gern von „Wirtschaftswende“ und „Innovation“, doch in der Praxis überlässt sie dem Mittelstand die Hauptlast der Finanzierung.

Während Bürokratie punktuell angegangen wird, bleiben tiefgreifende Reformen wie eine echte Entlastung der Einkommensteuer, eine vereinfachte Besteuerung von Personengesellschaften und eine Entkopplung von Lohn‑ und Sozialabgabendruck aus.

Die Politik der „kleinen Schritte“ nutzt vor allem dem Staat, der zusätzliche Einnahmen sichert, nicht den Unternehmen, die Investitionen und Arbeitsplätze schaffen. Arbeitsmarktpolitik wird so immer mehr zu einer Belastungspolitik am Arbeitsplatz.

Fazit: Mehr Belastung, weniger Sicherheit

Die einjährige Kanzlerschaft von Friedrich Merz zeigt, dass die Regierung Arbeitnehmer mit höheren Sozialabgaben, Arbeitgeber mit zusätzlichen Zahlungs‑ und Bürokratiepflichten und Familien durch die geplante Abschaffung der beitragsfreien Familienmitversicherung belastet, ohne dass die versprochene Migrationswende eingetreten oder die Sicherheit in Deutschland spürbar besser geworden ist.

Statt die private Wirtschaft und die Familie als Stützen der Gesellschaft zu entlasten, werden sie als Puffer für politische Umverteilungsspielräume und Steuerlasten instrumentalisiert. Wenn die Bundesregierung ihr Versprechen der Kurs‑ und Wirtschaftswende ernst meint, muss sie die Abgabenlast auf Arbeit drastisch senken, die Familienversicherung stabil halten und Sicherheitsversprechen endlich in greifbare Ergebnisse umsetzen, statt mit Einmalprämien, Symbolen und Verschiebereien Verantwortung von sich zu schieben.

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Kommentare ( 21 )

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Heptamer
13 Tage her

Mal unsachlich: Merz bei der Anprobe des Kanzlersessels an einem Wochenende vor der Wahl.

Peter Klaus
13 Tage her

Joachim Löw und der andere (Hansi?), dessen richtigen Namen ich nicht kenne, haben bei den letzten beiden Fussball-WMs nach dem Ausscheiden in der Vorrunde auch nicht wirklich eine negative Bilanz gezogen. War ja nicht alles schlecht….man hatte nur Pech. „Der Russe“, der für seine Kriegsindustrie auf Platinen aus ukr. Wäschetrocknern und Sandwich-Toastern angewiesen sein soll, schafft es nicht, auch unter massiven Verlusten innerhalb von 4,5 Jahren vier von Gott verlassene Kuh-Dörfer in der Oblast Donezk zu erobern, soll aber demnächst bei uns an der Tür klopfen? Gut, wahrscheinlich nehmen sie dann nicht die Deutsche Bahn oder Dresdner Brücken oder müssen… Mehr

Haba Orwell
14 Tage her

> Ein Jahr nach Amtsantritt zieht Kanzler Friedrich Merz eine positive Bilanz. Absolut, woanders wird er gelobt als „bester Bundeskanzler ever“: >>>Friedrich Merz: bester Bundeskanzler ever – für die Ukraine – Wassersäge<<< > „… Sie muten dem Volk einen massiven Sozialabbau für die Entwicklung einer Kriegswirtschaft wegen einer herbeigeredeten Kriegsgefahr durch Russland zu, die mit nichts – absolut nichts – begründbar ist. Nennen Sie mir auch nur ein Indiz, warum der Russe 2029 vor der Tür Deutschlands stehen sollte! Das können Sie nicht, weil es kein einziges Indiz dafür gibt! Will der Russe unser Agrarland? Will er unsere Rohstoffe? …“… Mehr

giesemann
14 Tage her

Asyl: SPD-Kommunalexperte Martin Neuffer (1924 – 2004)über die Ausländerpolitik der Bundesrepublik: Eine radikale Neuorientierung der Bonner Ausländerpolitik fordert der langjährige hannoversche Oberstadtdirektor, Städtetagpräside und NDR-Intendant Martin Neuffer, damals 57. In seinem soeben erschienenen Buch : »Die Erde wächst nicht mit. Neue Politik in einer überbevölkerten Welt«. Verlag C. H. Beck, München; 195 Seiten; 17,80 Mark. plädiert der linke Sozialdemokrat dafür, die Einwanderung von Türken etc. in die Bundesrepublik »scharf« zu drosseln und auch das Asylrecht »drastisch« auf Europäer zu beschränken. Auszüge: 18.04.1982, 13.00 Uhr • aus DER SPIEGEL 16/1982 »Die Reichen werden Todeszäune ziehen« – DER SPIEGEL Klartext: Ukrainer ja, weil Europäer, Söhne… Mehr

kraichtaler
14 Tage her

Wie war das nochmal mit der Merz-Aussage im Wahlkampf:
„Arbeit muß sich wieder lohnen!“
Als CDU-Wähler muß man sich eigentlich mehr als verga…ert vorkommen.
Ich hoffe, diese Wähler – so sie mit der Regierungspolitik der CDU/CSU unzufrieden sind – denken bei der nächsten Wahl nach, bevor sie ihr Kreuz bei der CDU/CSU setzen.

Mausi
14 Tage her

Und in den nächsten Landtagen wird es dennoch nach den nächsten Wahlen ein „Weiter So“ geben.

Will Hunting
14 Tage her

Stimmt das eigentlich das die bisher mitversicherten Ehepartner beitragspflichtig werden und in der Türkei lebende Ehepartner oder Eltern davon unberührt bleiben?

Peter Klaus
13 Tage her
Antworten an  Will Hunting

Ihre Frage ist ja schon ziemlich „rechts-radikal“. Und erst die Antwort darauf…..ein Fall für den Verfassungsschutz „Unserer Demokratie“.

Heptamer
13 Tage her
Antworten an  Will Hunting

Offensichtlich ja. Man will sich ja nichts mit denjenigen verderben, die Deutschland „aufgebaut“ haben.

Reimund Gretz
14 Tage her

Die @CDU feiert sich selbst für ein erstes erfolgreiches #Regierungsjahr, mehr Wahrnehmungsstörungen geht wirklich nicht mehr!

Montesquieu
14 Tage her

Frau Bas meinte ja heute, es gebe keine Einwanderung in unsere Sozialsysteme, nur neue Menschen für den danach hungernden Arbeitsmarkt. Es mag sein, dass die, die schon lange hier sind resigniert haben und nicht mehr protestieren gegen soviel zynische Publikumsverulkung, aber sie nehmen mittlerweile fast alle wahr, was abgeht. Auf welchen Rücken diese irrsinnige Politik ausgetragen wird und wieviele zig Milliarden für wen jedes Jahr ausgegeben werden und für wen nicht.. Ich habe beruflich mit vielen Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen zu tun und fast alle berichten das gleiche: sie haben die Schnauze gestrichen voll und beschränken ihr Engagement – außer… Mehr

Juri St.
14 Tage her
Antworten an  Montesquieu

Dann hoffen wir mal, dass die alte Besatzung nicht über Bord geworfen wird, wenn’s zu eng wird oder die Vorräte zur Neige gehen.

DDRforever
14 Tage her
Antworten an  Juri St.

Genau das wird es geben und es hat längst begonnen. Herzlichen Glückwunsch zu Deiner Wahl BRD Bürger!

Ho.mann
14 Tage her

Dazu passt auch die Reform im Gesundheitswesen, die mit der Abzocke und Verhöhnung der Beitragszahler einhergeht und politmedial als Erfolg verbucht wird. Geht’s nicht noch ‘ne Nummer schäbiger? Obendrein gibt’s noch diese erbärmliche Zuckersteuer-Planung, die jeden demütigt, der mit gesundem Menschenverstand dieses ungerechte System finanzieren muss und dafür immer weniger Gegenleistung erhält, während sich zugleich ein beitragsfreies Schmarotzertum auf Kosten der Beitragszahler immer mehr entfalten kann.

Last edited 14 Tage her by Ho.mann