Wissenschaftler watschen Politik der Ampel ab

Das ifo-Institut hat Wirtschaftswissenschaftler zur Politik der Ampel befragt. Das Ergebnis ist verheerend. Vor allem in der Frage der Kernkraft vertreten sie eine gänzlich andere Position als Olaf Scholz, Robert Habeck und Co.

IMAGO / Political-Moments

Schulen schließen, zu Hause vereinsamen oder im Restaurant eine Maske anziehen für den Weg zur Toilette. Das galt noch vor zwei Jahren als alternativlos. Wer den Sinn dieser Maßnahmen in Frage stellte, musste sich ein Totschlagargument anhören: „Die Wissenschaft“ wolle das so. Im Klimaschutz läuft es genauso. Da fahren mit Braunkohlestrom betriebene E-Autos, weil „die Wissenschaft“ das so wolle.

Würden Kanzler Olaf Scholz (SPD) und sein Vize Robert Habeck (Grüne) „die Wissenschaft“ nicht nur als Argument vorschieben, wenn es ihnen passt – sondern sie wirklich ernst nehmen – dann müssten die beiden jetzt zurücktreten. Denn „die Wissenschaft“ hat ihnen ein verheerendes Zeugnis ausgestellt. Das ifo-Institut hat Wirtschaftswissenschaftler zur Politik der Ampel befragt – und die würden sich eine andere Politik wünschen.

58 Prozent der Befragten sind demnach gegen den Ausstieg aus der Kernkraft. „Durch den Atomausstieg haben wir eine klimafreundliche Energiequelle abgestellt und lassen weiter Federn im internationalen Standortwettbewerb durch hohe Energiepreise“, sagt Niklas Potrafke, der für das ifo-Institut die Studie wissenschaftlich begleitet hat. Demnach haben sich nur 38 Prozent der Wirtschaftswissenschaftler für den von FDP, Grünen und SPD gewünschten Ausstieg ausgesprochen.

Dass der Strom in Deutschland zu teuer ist, sieht mittlerweile sogar „Wirtschaftsminister“ Habeck ein. Auch dass die deutsche Wirtschaft durch diese Preise nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Die Antwort des Kinderbuchautors darauf: Ein Großteil der Unternehmen soll neben den hohen Strompreisen auch noch hohe Steuern zahlen, um einem kleinen Teil der Unternehmen den Strompreis zu subventionieren. Das nennt er „Industriestrompreis“.

Der „Wirtschaftsminister“ glaubt, die Wirtschaft dadurch wettbewerbsfähig zu halten. Das glauben die Wirtschaftswissenschaftler offensichtlich nicht: 83 Prozent lehnen laut ifo-Institut den Plan ab. Nur 13 Prozent befürworten ihn. „Der Industriestrompreis würde den Anreiz der Unternehmen reduzieren, energiesparend zu produzieren. Außerdem besteht die Gefahr, dass der Staat dauerhaft subventionieren muss“, sagt Potrafke.

Auch sonst stößt die Politik der Ampel auf wenig Gegenliebe bei den Wissenschaftlern. 60 Prozent von ihnen lehnen Habecks Heizhammer ab. 55 Prozent sind gegen die zweite Anhebung des Bürgergelds um zwölf Prozent innerhalb eines Jahres. Immerhin: Nur 40 Prozent lehnen die Legalisierung von Cannabis ab. Allerdings sind auch nur 34 Prozent dafür – der Rest hält das für eine unbedeutende rot-grün-gelbe Spielwiese, die keine eigene Meinung wert ist. „Follow the Science“, also Folge der Wissenschaft, gilt aber erst wieder, wenn es der Ampel passt.



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Kommentare ( 43 )

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murphy
9 Monate her

Neben „der Wissenschaft“ gibt es auch noch Fakten die man mit Bezahlung nicht ändern kann. Bestes Beispiel : Der CO2-Gehalt der Luft soll angeblich wichtig sein. Dieser wurde um 1820 mit ca 410 ppm (Mittelwert von Sausure) gemessen, später (um 1970) vom „Wissenschaftler“ Keeling) aktuell ebenfallls mit ca. 400 ppm. Wobei der „Wissenschaftler“ Keeling den CO2-Gehalt um 1820 mit 280 ppm schätzte. Was jeden Faktenfinder und Faktenfuchs überzeugt, dass der CO2-Gehalt der Luft durch die Industrialisirung böse ansteigt. Tatsächlich änderte sich der CO2-Gehalt im Laufe der Erdgeschichte oft. Er folgt der Ozeantemperatur mit rund 700 Jahren Verzögerung, ist nicht dessen… Mehr

Manfred_Hbg
9 Monate her

Na, da haben die Wissenschaftler beim ifo-Institut, bei ihrer Umfrage wohl vergessen, zu allererst erst mal zu fragen und abzuklären, ob die befragten Wissenschaftler und Unternehmen dann auch dem grünen und woken Klientel zuzurechnen sind ?

Biskaborn
9 Monate her

Diese Ergebnisse interessieren die herrschende Regierung garantiert nicht. Man hört nur auf Wissenschaftler die man bezahlt hat und nach ihrer Pfleife tanzen. Das ist doch beim Klima ganz genauso!

Endstadium0815
9 Monate her

Wo waren die Knallinger 2011 und im April 2023? Immer waren alle im Widerstand nachdem die K am Dampfen ist.

Nibelung
9 Monate her

Die Wissenschaft erklärt am Ende das, was Forscher in Erfahrung gebracht haben durch unterschiedliche Methoden und deshalb sollte man es in der Begrifflichkeit trennen, denn nicht alles was sich Wissenschaftler nennt, kann auf eigene Experimente und Erkenntnisse zurück greifen, der Forscher aber schon, wenn er der Sache auf den Grund gegangen ist und Heureka rufen kann, was andere wiederrum nur aus dem vererbten Lehrbuch haben und es allerdings verfeinern können, was durchaus auch anerkennenswert ist. So ist die Wissenschaft als solche in der Mehrheit auf alten Erkenntnissen sitzen geblieben und verteidigt das Dogma, was die Forschung ständig in Bewegung hält… Mehr

AnSi
9 Monate her

Beim Begriff „Wissenschaft“ fällt mir nur der folgende Spruch ein:
„Die Wissenschaft hat festgestellt, dass der A*** die Beine hält!“
Es mag einmal Zeiten gegeben haben, wo Wissenschaft noch Wissen geschafft hat, aber die sind seit 200X vorbei. Seit AM die „Führung“ eines der führendsten Länder in Wissenschaft und Technik übernahm, war es damit vorbei. Seitdem gilt nur noch „wes Brot ich ess, des Lied ich sing!“
Was bin ich froh, dass ich es noch besser gelernt habe!

Werner Geiselhart
9 Monate her

Vor drei Jahren klang das mit der Kernenergie bei den meisten Wissenschaftlern noch anders. Außer in Nicht-MS-Medien war man ziemlich einheitlich dafür, umgehend auszusteigen, Ausnahme war Sinn vom IfO. Bei der ersten kleinen Belastungsprobe für das Stromsystem plötzlich ein Umschwenken, hoppla. Und natürlich hätte man das vorher wissen können, wenn man es in seiner ideologischen Verbohrtheit gewollt hätte, wenn man nicht Greenpeace und den Grünen ohne nachzudenken hinterhergehechelt wäre. Kurz gesagt, wenn man seinen Verstand benutzt hätte, wo er noch vorhanden war. Grob geschätzt hat der Kernenergieausstieg Deutschland um 60 Jahre zurückgeworfen, so ist es halt, wenn Pseudomoral über die… Mehr

Guzzi_Cali_2
9 Monate her

Wenn sie wenigstens „Mittelmaß“ wären. Aber diese Dämlichkeiten und Herrschäftchen wären im wahren Leben dauerarbeitslos und würden unter der Brücke hausen. Oder vielleicht noch bei Muttern wohnen.

Juergen P. Schneider
9 Monate her

Wissenschaft ist nur gefragt, wenn sie korrupt genug ist, die irrationale Politik der Regierenden als alternativlos zu verkaufen. Sollte „die Wissenschaft“ anderer Meinung sein als die Regierungsclowns, wird sie entweder ignoriert oder diskreditiert.

Maja Schneider
9 Monate her

Die Energiewende ist komplett gescheitert! Alles, was jetzt an weiteren Fehlern folgt, dient der Vertuschung dieser Tatsache. Namhafte Wissenschaftler haben früh genug und sachlich belegt vor diesem Debakel gewarnt, aber solange ein großer Teil der Bürger die ausgegebenen Ziele der „Klimarettung“, für die er große Opfer bringen muss mit der Aussicht, dass die Zukunft dann einfach wunderbar wird, immer noch glaubt, wird sich leider nichts ändern. Kritische Meinungen werden kalt lächelnd missachtet oder verfolgt. Das sind die Methoden der Wahl.