Trump stellt sich der Polizei

Gegen Donald Trump ermittelt die Staatsanwaltschaft. Eine Anklage wurde noch nicht erhoben, trotzdem wurde er verhaftet und ein Fahndungsfoto angefertigt. Dieses veröffentlichte Trump in den sozialen Medien selbst.

IMAGO / ZUMA Wire

Zum vierten Mal steht Donald Trump nun vor einem Strafgericht. Der Vorwurf: Verschwörung zum Wahlbetrug im Bundesstaat Georgia während der Präsidentschaftswahl 2020. 

Deswegen musste er sich der Polizei stellen: Ein Fahndungsfoto wurde angefertigt und seine Fingerabdrücke wurden erfasst. In Gewahrsam musste er nicht, im Gegenzug musste er aber eine Kaution über 200.000 Dollar hinterlegen. Schon bei seinen vorherigen Prozessen wurde er derart erkennungsdienstlich behandelt, auf ein Fahndungsfoto wurde bisher aber verzichtet.

Das „booking“ von Angeklagten ist Teil des regulären Strafverfahrens von Georgia, bei dem Angeklagte durch die Staatsanwaltschaft noch vor Erhebung der Anklage aufgefordert werden, sich der Polizei zu stellen. Sie werden dann verhaftet und durchlaufen den Prozess der Einbuchung in das Gefängnis, einschließlich „Mug Shot“ und Leibesvisitation, um gegen Hinterlegung einer Kaution freizukommen. Ihm wurde die Insassennummer „P01135809“ zugeteilt. Auf eine Leibesvisitation wurde bei Trump wohl verzichtet. In seinen vorherigen Prozessen wurde dieses Einbuchen ins System im Gericht, und nicht im Gefängnis, vorgenommen.

Trump selbst bezeichnet den Vorgang als einen Versuch, „die Wahl zu beeinflussen“. Erst am Vortag fand die erste große Debatte der republikanischen Kandidaten statt. Um sich als Präsidentschaftskandidat aufstellen zu lassen, muss er sich noch gegen die Konkurrenten in der eigenen Partei durchsetzen. Eine Kandidatur gilt aber als fast sicher – erst kürzlich ergab eine Umfrage, dass 62 Prozent der Republikaner für ihn wählen wollen. Sein nächster Konkurrent, Ron DeSantis, steht bei 16 Prozent.

Auch andere aus seinem engsten Kreis mussten sich den Behörden stellen. Darunter sein ehemaliger Stabschef Mark Meadows und der Anwalt Rudy Giuliani. Ein Prozessanfang ist noch nicht terminiert. Die Staatsanwaltschaft hat den 23. Oktober beantragt. Trumps Anwälte versuchen, eine Verschiebung des Prozesses nach den Präsidentschaftswahlen am 5. November 2024 zu erreichen. Selbst wenn Trump zu einer Haftstrafe verurteilt würde, könnte er trotzdem als Präsident antreten und auch regieren. 

Trump veröffentlichte das Fahndungsfoto auf den sozialen Medien mit einem Hinweis auf seine Website. Dort schreibt er :

„Heute wurde ich im für seine Gewalt berüchtigten Fulton County Gefängnis, Georgia, verhaftet, obwohl ich kein Verbrechen begangen habe“. 

Und weiter heißt es dort:

„Das amerikanische Volk weiß, was los ist. Was hier vorgeht ist eine Travestie von Gerechtigkeit und ein Eingriff in die Wahlen. Die Linken wollen Sie davor einschüchtern einen politischen Außenseiter zu wählen, der die Amerikaner an erste Stelle setzt.“

Abschließend bittet er um Spenden für seinen Wahlkampf.

 

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Kommentare ( 40 )

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mediainfo
10 Monate her

„Trump selbst bezeichnet den Vorgang als einen Versuch, „die Wahl zu beeinflussen“.“

Wie soll man diese Vorgänge auch anders bewerten? Es geht darum mit Dreck zu schmeißen so viel wie möglich, inklusive demütigender Prozeduren vor den Augen der Öffentlichkeit. Trumps politische Absichten im allgemeinen und im speziellen seine Ankündigung, Kriege zu beenden oder gar nicht erst anzufangen, sind eine Bedrohung für den militärisch-industriellen Komplex in den USA.

Last edited 10 Monate her by mediainfo
Guzzi_Cali_2
10 Monate her

Trump hatte recht, als er sagte: „Wenn ich aufgeben würde und nicht mehr im Rennen wäre, würden sie alle Anklagen sofort fallen lassen. Da ich aber niemals aufgeben werde, werden sie ALLES versuchen, mich von einer Kandidatur auszuschließen.“ Genau so ist es gekommen, aber da haben sich die Demoncrats den Falschen ausgesucht. Mit jeder neuen Anklage machen sie ihn immer noch stärker, als er ohnehin schon ist. Sie haben schon so gut wie verloren und sie wissen es auch. Es ist nur noch Show.

thomas der unglaeubige
10 Monate her

Trump, mag sein, wie er will. In seiner ersten Amtszeit hat er eine Menge für die kleinen Leute in Amerika getan, und was wichtiger ist er ist seit langem der Präsident gewesen, der keine neuen Krieg vom Zaun gebrochen hat. Als Deal Maker zum Beispiel auch Bestbesetzung für Verhandlungen mit Russland. Er hat die amerikanischen Jungs/Soldaten zurückgeholt und viel Schwachsinn beendet. Er hat zu mindestens versucht, die unkontrollierte Migration in die USA einzudämmen. Er hat ehemalige Wirtschaftsregionen in den USA wieder belebt, die am sterben waren. Mag sein Humor, schwarzer sein als der englische und Sein auftreten, jenseits von diplomatisch.… Mehr

Rosalinde
10 Monate her

Das macht mir alles weniger Sorgen. Vielmehr halte ich für möglich, dass die USA in einen neuen Bürgerkrieg rutschen könnten. Nur das diesmal nicht die Süd Staaten gegen die Nordstaaten kämpfen, sondern dass es diesmal quer durch den Gesamtstaat geht. Wobei die Schuldigen die sind, die Trump von Anfang an bekämpft haben. Wozu übrigens auch unser Merkelchen zählt.

Trump-Knarrenbauer
10 Monate her

Was mir an Trump inzwischen wirklich sehr gut gefällt, ist, dass er einfach „sein Ding“ (weiter) gnadenlos durchzieht – und allen, die ihm schaden wollen, einfach mal den Stinkefinger zeigt. Er kommt mir immer mehr wie ein Boxer im Ring vor, der permanent harte Schläge kassiert, ständig in die Ecke fliegt; schon jede Menge blutende Blessuren von den ständigen – auch unfairen – Schlägen hat … Immer wenn er am Boden liegt, schüttelt er sich kurz, atmet tief durch, rappelt sich wieder auf – und kämpft gnadenlos weiter. So lange, bis er seine Chance sieht, diese nutzt und dann einen… Mehr

bkkopp
10 Monate her

Mir scheint, dass sich betreffend der Anklage in Georgia ein Irrtum eingeschlichen hat. Gegen Trump, und 18 Mitangeklage, ist sehr wohl eine formelle Anklage in Georgia erhoben und auch veröffentlicht worden. Die Prozedur des verpflichtenden Erscheines eines jeden Angeklagten, in einem Gefängnis und nicht nur in einem Gerichtsgebäude, ist speziell Georgia und auch in anderen Bundesstaaten ähnlich. Wie man bereits aus den Anklagen nach Bundesrecht in Washington D.C. und Miami weiß, können die prozeduralen Vorschriften unterschiedlich sein. Deshalb gibt es diesmal, erstmals, das Foto von der formalen Festnahme, die dann gegen Kaution wieder ausgesetzt wurde. Es wird weitgehend angenommen, dass… Mehr

Milton Friedman
10 Monate her
Antworten an  bkkopp

„eine große Zahl von sehr vernünftigen Republikaner-Wählern die Nase voll haben“

na so groß kann die Zahl ja nicht sein, wenn Trump in allen Umfragen meilenweit vorn liegt ?

Del. Delos
10 Monate her

Trump wird mir von Tag zu Tag sympathischer. Außerdem geht er taktisch sehr clever vor. Die Sache mit dem Fahndungsfoto und dem Titel dazu soll ihm erst mal einer nachmachen!

Johann P.
10 Monate her

The Donald hat es einfach drauf! Ähnlich wie die AfD braucht er für seinen Wahlkampf kaum eigene Anstrengungen zu unternehmen, das machen die jeweiligen Gegner völlig umsonst – wohlgemerkt mit Schaum vor dem Mund, köstlich!

Thomas
10 Monate her

Auch im linken Lager, bei denjenigen die noch selbständig denken können, setzt ein Umdenken ein. Hier ein Artikel von Naomi Wolf über den Besuch einer Trump Veranstaltung in NJ: https://naomiwolf.substack.com/p/on-hearing-president-trump-in-person Die letzten Sätze des Artikels: So I wondered a month ago, as wind soughed softly on on that warm New Jersey evening: why is he doing this? As he often notes himself — he has a great life, and he does not need to run again. And I could not help, though it was against every conditioned reflex of many years, considering: Maybe he is doing this because he loves… Mehr

Last edited 10 Monate her by Thomas
Juergen Semmler
10 Monate her
Antworten an  Thomas

DEN /DAS Einzige(n), den / was er wirklich liebt, ist ER selbst.

Trump ist ein pathologischer Fall , ein Bilderbuch-Egomane ….

reiner
10 Monate her
Antworten an  Juergen Semmler

Du auch.Mal ehrlich ,auffällig ist,daß das vor der Präsidentschaftswahl, solch ein Mist rausgeholt wird.

Last edited 10 Monate her by reiner
haasel
10 Monate her

Trump ist ein mutiger Präsident, einer, der nicht redet, sondern macht. Einer, der die meisten Punkte seiner Wahlversprechen einlöste. Einer, der Vetternwirtschaft, Korruption und NGO‘s den Krieg ansagt. Das ist der Grund, des verzweifelten Kampfes gegen seine Kandidatur! Das gleiche Spiel wie hier mit der AfD.