Der ökologische Fußabdruck der Klimablockierer: Skirulaub und durch die Welt reisen

Der "Aufstand der letzten Generation" blockiert die Straßen Berlins und vergräbt Kartoffeln vor dem Kanzleramt. Privat nehmen es die Klimablockierer mit dem Klimaschutz oft nicht so ernst. Da tourt man auch mal mit dem Mercedes-Verbrenner durch Spanien oder fährt mit den Eltern in die Skiferien

picture alliance/dpa | Paul Zinken
Wenn der „Aufstand der letzten Generation“ eines kann, dann Medienaufmerksamkeit erzeugen, das muss man sagen. Erst traten sie vor dem Kanzleramt in Hungerstreik, bis Olaf Scholz ihnen ein „Gesprächsangebot“ machte, dann blockierten sie Straßen in Berlin und schließlich buddelten sie Kartoffeln vor dem Kanzleramt ein.

Und damit schreiben sie Geschichte. Denn ihnen ist der finale Gegenbeweis der goldenen Regel der Medienbranche gelungen, nach der auch schlechte PR gute PR wäre.

Mit dem Hungerstreik vor dem Kanzleramt brachten sie selbst Cem Özdemir gegen sich auf, mit den Autoblockaden vereinen sie aktuell die ganze Berliner Bevölkerung von Ahmed aus Neukölln bis Ronny aus Marzahn gegen sich und fangen den „Klimakampf“ in ein eindrückliches Bild: Upperclass-Moralisten kämpfen auf anderer Leute Kosten für ein abstraktes Ziel, schaden am Ende aber nur den einfachen Leuten. Und vor der Kanzleramt bewiesen sie mit ihrer Kartoffel-Pflanzaktion nur, dass sie noch nie in ihrem Leben eine Schaufel in der Hand hatten. Ob die Einpflanzung im Rasen am Ende funktioniert oder doch nur Lebensmittelverschwendung darstellt, bleibt offen.

Besonders aufschlussreich ist auch ein Blick in die Lebensrealität der Aktivisten. Einer der Klimablockierer auf der Straße erzählte der Berliner Zeitung, er würde jetzt erstmal mit seinen Eltern in den Skiurlaub fahren.

Die Aktivistin Carla Hinrichs, die noch jüngst heldenhaft von ihrer Festnahme in Berlin twitterte – „weil ich für unser Überleben kämpfe“ – , präsentiert sich auf Instagram bei Reisen durch die Weltgeschichte. Mit einem Mercedes-Verbrenner tourt sie da etwa durch Spanien und Portugal.

— Carla Hinrichs – Widerstand oder Katastrophe (@carla_hinrichs_) February 10, 2022

An anderer Stelle postet sie: „Jetzt greifen wir zu zivilem Ungehorsam und blockieren massiv Autobahnen und Bundesstraßen, bis ihre Ignoranz gebrochen wird“. Dann beschreibt sie wieder ihre tragische Festnahme – sie sei „weggesperrt“ worden, weil sie Lebensmittel rettete. Zwischen Swimmingpool, Jurastudium und dem Boden der Berliner Stadtautobahn lebt es sich heute gut als Aktivist. Der Kick einer provozierten Festnahme rundet das verquere Widerstandskämpfer-Feeling zum Nulltarif dann ab.

Es ist eine Milieu, das immer Opfer ist. Weil irgendwer irgendwie Lebensmittel wegschmeißt, stirbt die Welt und darum haben die Extremisten das Recht, die Ärztin auf dem Weg zur OP oder die Hochschwangere auf dem Weg zur Entbindung auf der Stadtautobahn festzusetzen. Die Aggressoren sind immer die anderen.

Die inszenierte Verzweiflung der aller-, allerletzten Generation soll Panik erzeugen. Doch der ökologische Fußabdruck der Scheinheiligen der letzten Tage spricht für sich selbst.

Niemandem wäre es gelungen, diese Bewegung so schnell zu diskreditieren wie die Doppelmoral und die entgleiste Selbstinszenierung der Akteure selbst.

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