Wer lesen kann, ist ein Nazi?

In Halle will die linke Stadtratsmehrheit die Buchmesse „Seitenwechsel“ mit Steuergeld und Amtshilfe verhindern, fordern SPD, Die Linke, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Volt. Angriffe von Rot-Grün auf kritische Medien häufen sich. Auch Apollo-News, NIUS und TichysEinblick sind betroffen.

Es ist selten, dass eine Stadt gegen eine Messeveranstaltung ankämpft – schließlich sind Messen Orte der Begegnung; und die lokale Wirtschaft freut sich über Besucher. Das wirtschaftlich klamme Halle will genau das versuchen: Mit städtischen Mitteln und Geldern eine Buchmesse in der kulturell eher armen Stadt blockieren. Wer lesen kann und will, wird als Nazi gebrandmarkt, als „rechtsextrem“, sowie mittelbar mit Ausgrenzung, Rassismus, Menschenfeindlichkeit und einem Doppelmord in Verbindung gebracht.

Anlass ist die neue Buchmesse „Seitenwechsel“. Tichys Einblick ist Medienpartner und veranstaltet am 8. November „Tichys Abend-Einblick“. Es soll ein Abend unter Freunden von Büchern und TE sein, mit Autoren, Diskussion, Musik und guten Gesprächen.

Aber Literatur ist in Halle unerwünscht.

Der Stadtrat will die Veranstaltung mit einem eigenen Festival blockieren und Messebesucher abhalten und abdrängen. So heißt es im Stadtratsbeschluss: „Der Stadtrat unterstützt entschieden das WIR-Festival, das sich aus der Mitte der Zivilgesellschaft gebildet hat und begrüßt dessen geplante Initiativen und Aktionen im Kontext der Buchmesse „Seitenwechsel“ und darüber hinaus. Ferner begrüßt der Stadtrat die Vielfalt der geplanten Veranstaltungen und der Akteur:innen.“

Auch die Stadt soll diese Kampfmaßnahmen unterstützen und dafür Gelder freigeben – Halle zählt zu einer der am höchsten verschuldeten Kommunen in Sachsen-Anhalt. Die Gewerbesteuer bricht ein, im laufenden Haushalt klafft ein Fehlbetrag von bis zu 100 Millionen Euro, gab die Stadt bekannt. Trotzdem will die Stadtratsmehrheit weitere Mittel zur Bekämpfung einer Messe freigeben.

So heißt es weiter: „Der Stadtrat begrüßt jegliche Unterstützung des Festivals seitens der Stadtverwaltung. Im Rahmen der Möglichkeiten sollen ideelle und finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten zur Durchführung des Festivals geprüft werden. Der Stadtrat ruft die Hallenser:innen dazu auf, die Aktionen im Rahmen des Festivals zu unterstützen, sich selbst einzubringen und sich für ein freiheitliches, weltoffenes und vielfältiges Halle in Gegenwart und Zukunft zu engagieren.“

Nun stellt sich die Frage, was mehr zu einem „ freiheitlichem, weltoffenen und vielfältigen Halle“ beitragen könnte als ein Buchmesse, auf der sich bislang eine Vielzahl von meist kleineren Verlagen angekündigt hat, um in Halle um Leser zu werben und mit dem gedruckten Buch für Gedankenfreiheit, Vielfalt und Weltoffenheit zu demonstrieren.

Aber das interessiert die Stadtratsmehrheit nicht. Die Fraktion der CDU hat sich übrigens bei der Abstimmung der Stimme enthalten.

Stumpf und ohne auch nur ein Argument, warum Leser und Verlage pauschal verdächtigt werden, heißt es im Beschluss weiter: Man bekenne sich „mit der Unterstützung für das aus der Zivilgesellschaft entstandene Festival zu seiner politischen und gesellschaftlichen Verantwortung gegen Ausgrenzung, Rassismus und Menschenfeindlichkeit vorzugehen.“ Eine Begründung für diese Vorwürfe? Das erspart sich die linke Stadtratsmehrheit. Diese Verantwortung wird auch vor dem Hintergrund des Anschlags vom 9. Oktober 2019 in Halle (Saale) wahrgenommen.“ Damit wird der Buchmesse, ihren Teilnehmern und Veranstaltern eine Verantwortung für den Doppelmord mit rechtsextremen Hintergrund unterstellt.

Angriffe auf Medien von linken und grünen Gruppen häufen sich. In Berlin will eine Aktionsbündnis der Partei „Die Linke“ mit der halbstaatlichen Amadeu-Antonio-Stuftung „ rechten „Medien auf die Tasten treten“.

Der Bezirksvorsitzende der Linken Treptow-Köpenick, Moritz Warnke, erläuterte das Ziel eines gemeinsamen Treffens: Man wolle Apollo News „auf den Sack gehen“ und der Redaktion „das Leben unbequem machen“. Neben Ideen für Kundgebungen erwähnte er explizit unter anderem eine Störung der Apollo Seminare für junge Journalisten, sowie unspezifische „weitere gemeinsame Aktivitäten“, die er auf der Veranstaltung nicht öffentlich ausführen wollte. Vor Ort lud er Interessierte ein, sich an einer speziell gegründeten Arbeitsgruppe zu beteiligen. In der „AG Aktiv gegen Apollo-News in Alt-Treptow“ sind engagierte „Antifaschist*innen“ eingeladen, Ideen für das weitere Vorgehen zu sammeln und gemeinsam gegen Apollo News vorzugehen.

Ziel der gewalttätigen Aktionen ist das Redaktionsbüro von Apollo-News. Auch Tichys Einblick wird in dem Aufruf genannt sowie NIUS. Damit ist das Vorgehen kein Einzelfall, sondern offensichtlich breit angelegt.

Übrigens: trotz medialer Unterstützung scheinen die Proteste gegen die Buchmesse „Seitenwechsel“ nicht zu fruchten. Über 60 Verlage nehmen teil. Auch die Abendveranstaltung „Tichys Abend-Einblick“ nähert sich der Überbuchung. Restkarten sind noch verfügbar.

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Kommentare ( 11 )

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Kraichgau
5 Minuten her

wundert einen nicht,das die tiefroten am Liebsten alles verbieten würden,was Ihnen politisch entgegen steht.
Das die CDU sich enthält,ist da auch keine Überraschung,ist Sie doch wieder zur Blockflöte zurück degeneriert

Marcel Seiler
5 Minuten her

Das sich für rechtschaffen haltende links-grüne Milieu hat nichts gegen die Anwendung von übler psychischer Gewalt (Augrenzung, ungerechtfertige Diffamierungen, Beleidungen) und leichter bis mittlerer physischer Gewalt (Straßensperren, Nötigung, Drohungen), wenn es gegen Andersdenkende geht.

Das ist nicht nur moralisch übelst verwerflich. Es bereitet auch den Boden für andere Gewalt, etwa die der Einwanderer (Messer), der Hamas (mit Gewalt drohende Demonstrationen) und Rechtsnationaler. Es schafft eine latente Bürgerkriegsatmosphäre. Schlimm.

Der-Michel
7 Minuten her

Ab wann wird zu Ermordung von Brillenträgern, siehe Pol Pot, aufgerufen?
https://www.die-tagespost.de/politik/wer-brille-trug-musste-sterben-art-178095

Ich bin RECHTS
11 Minuten her

Wer lesen kann ist N@zi

Wer die größte Partei (AFD) wählt ist N@zi
Wer gegen illegale Migration ist ist N@zi
Wer gegen Waffenliegerungen ist, ist N@zi
Wer gegen Drogen ist, ist N@zi
Wer für Kernenergie ist, ist N@zi
Wer nur an 2 Geschlechter glaubt, ist N@zi
………

Sind dir nicht alle ein bißchen N@zi ?

Der Ingenieur
12 Minuten her

Was müssen diese Linksextremisten, Blockparteien und Verfassungsfeinde (Artikel 5 Grundgesetz: „Eine Zensur findet nicht statt“) für Angst vor diesen Büchern haben, dass sie deren Marketing und den Vertrieb verbieten wollen.

„Wehret den Anfängen!“ schrieb bereits vor 2.000 Jahren der römische Schriftsteller Ovid und Heinrich Heine meinte vor 200 Jahren:

„Dies war ein Vorspiel nur. Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen“

Last edited 43 Sekunden her by Der Ingenieur
PapaAN
21 Minuten her

Alles was mit „R“ anfängt ist Nazi, ist doch wohl klar!
Rechts = Nazi
Russe = Nazi
Rentner = Nazi
Eine Gesellschaft in vollendeter Zerstörungswut, und das alles für „UNSERE DEMOKRATIE“! Willkommen in der Geschlossenen Anstalt, im gefallenen Deutschland!
Ach ja, ganz vergessen, Putin war’s!

Michael W.
24 Minuten her

Wer die Bezeichnung „Zivilgesellschaft“ außer zu Dokumentationszwecken nutzt, ist ein Kommunist. Damit ist die politische Richtung dieser ganzen Kasper klar: Die wollen den Kommunismus zurück.
Warum wollt ihr Ossis den Kommunismus wieder haben? 1989 habt ihr dagegen gekämpft, jetzt wollt ihr ihn wieder? Habt ihr noch alle Tassen im Schrank, alle Latten am Zaun?
Ja, ihr Hallenser habt beim letzten Mal 59% CDU/Linke/SPD/Grüne/Volt in den Stadtrat gewählt. Ihr habt den Kommunismus gewählt. Da nutzen auch 21,2% AfD nichts!
Dumm geboren und nichts dazu gelernt. Sorry für die harten Worte, aber ihr seid nicht ganz dicht!

Brauer
34 Minuten her

Vielleicht helfen Zitate? Es waren vor 90J LINKE!

Die Nazis fühlten sich als Linke! Es schrieb Josef Goebbels in der Parteizeitung der NSDAP „Der Angriff“, die am 06.12.1931 erschien: „Der Idee der NSDAP entsprechend sind wir die deutsche Linke (…) Nichts ist uns verhasster als der rechtsstehende, nationale Besitzbürgerblock.“ Auch Adolf Hitler erklärte: „Wir sind Sozialisten, wir sind Gegner des heutigen kapitalistischen Wirtschaftssystems (…) und wir sind alle dazu entschlossen, dieses System unter allen Umständen zu zerstören.“

Kampfkater1969
8 Minuten her
Antworten an  Brauer

Wir sollten die NAZIs nicht so benennen, sondern , wie es auch richtig wäre, als „Nat.Sozialisten“ betiteln. Nur so erkennen die Menschen, welch geistes Kind die Verbrecher des 3. Reiches waren.

Talleyrand
34 Minuten her

Das dürfte zum Bekannheitsgrad von Seitenwechsel enorm beitragen. Grüne Gehirne haben vermutlich noch schwerwiegendere Defekte als nur Leseschwäche. Hoffentlich gibt es noch viel mehr Rabatz im Vorfeld, so dass auch die Staatsmedien nicht daran vorbei können und auch zu berichten sich gezwungen sehen.

Haba Orwell
21 Minuten her
Antworten an  Talleyrand

> Grüne Gehirne haben vermutlich noch schwerwiegendere Defekte als nur Leseschwäche.

Irgendwelche Gründe muss es geben, wieso man Genderdingsbums „studiert“, während „Nazis“ MINT machen. Diese „Nazi“-Studie – PYSSA? Wie diese Stadt mit dem schiefen Turm in Kalabrien?