Monika Maron zur Fischer-Trennung: Situation war absurd

Fischer-Chefin Bublitz wollte Maron nötigen, einen Text zu lesen – „Die letzten Jahre waren deprimierend und ausgesprochen ärgerlich“.

picture alliance / dpa | Klaus-Dietmar Gabbert

Berlin. Die Autorin Monika Maron äußert sich in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Tichys Einblick noch einmal zur Trennung von ihrem langjährigen Verlag S. Fischer und spricht von einer absurden Situation. Siv Bublitz, die verlegerische Geschäftsführerin des S. Fischer Verlags, habe sie sogar nötigen wollen, einen bestimmten Text zu lesen, um Maron die Tradition des Verlages zu verdeutlichen. „Die Situation war einfach absurd. Frau Bublitz hatte ausgedruckte Seiten von Fischer Berman mitgebracht, die sollte ich lesen, in ihrer Anwesenheit wahrscheinlich, um zu verstehen, was Exil und ein Exilverlag ist“, schildert Maron die Begegnung mit Bublitz vor der Trennung. „Nun bin ich ja selbst als Exilautorin zu Fischer gekommen. Das war das eine. Und das andere war, was sie offenbar auch nicht wusste, obwohl sie es hätte wissen können, weil «Pawels Briefe» ja bei Fischer erschienen ist, dass ich aus einer polnisch-jüdischen Familie komme und mein Großvater als Jude von den Nazis ermordet wurde. Mich musste man über die Geschichte nicht aufklären.“

Mit dem Wechsel der Verlagsführung zu Bublitz habe sich das Klima im Fischer-Verlag gewandelt und „auch der Charakter des Verlags verändert“, so Maron. „Die letzten Jahre waren deprimierend, unerfreulich und auch ausgesprochen ärgerlich.“ Dass sie zuletzt von Fischer als rechts diffamiert wurde, habe sie „zwar empört, aber nicht sonderlich getroffen“, so Maron. Sie sei „schon lange nicht mehr links, was ja nicht bedeutet, dass ich nun rechtsradikal bin.“ Wie leicht man heute als rechts abgestempelt werde, zeigt Maron am Beispiel der Sprache. „Es ist ja nach Ansicht des linken Meinungsverbunds sogar rechts, die deutsche Sprache gegen ihre Ver­hunzung zu verteidigen. “

Einen Glücksfall nennt Maron die Zusammenarbeit mit ihrem neuen Verlag Hoffmann und Campe. „Für mich war besonders wichtig, dass Hoffmann und Campe ein eigentümergeführter Verlag und kein Konzernverlag ist, weil ich gesehen habe – auch bei anderen Verlagen –, dass Konzerninteressen den Charakter eines Verlages auch beschädigen können“, so Maron. „Wenn es sich so fortentwickelt, wie es sich bisher angelassen hat – im Herbst erscheinen alle meine Romane als Neuausgaben bei Hoffmann und Campe –, dann ist es Glück.“


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Kommentare ( 11 )

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Sonny
1 Jahr her

Fischer Verlag – noch ein Unternehmen auf meiner No-Go-Liste.

Hoffnungslos
1 Jahr her

Was für ein lächerlich absurdes Verhalten von Frau Siv Bublitz vom Fischer Verlag. Gut, dass Sie einen neuen Verlag gefunden haben, der seine Autoren mit Respekt und Achtung behandelt. Viel Erfolg, Frau Maron!

Ostfale
1 Jahr her

Mit dem Wechsel der Verlagsführung zu Bublitz habe sich das Klima im Fischer-Verlag gewandelt und „auch der Charakter des Verlags verändert“, so Maron.  Nur ein weiteres Beispiel dafür, wie ‚gewinnbringend‘ es für die Gesellschaft und Unternehmen in diesem Staate ist, wenn Damen in ‚leitender Funktion‘ ihr Wesen Treiben können. Aus jahrelanger beruflicher Praxis und der auferlegten Zusammenarbeit mit Frauen in der Leitungsebene – von Führungsebene spreche ich hierzu bewußt nicht – ist das immer ein fachliches Desaster für das Unternehmen gewesen. Intrigen und fehlende Fachkompetenz der Stelleninhaberinnen, in Folge auf der selben Position, führten zu schweren wirtschaftlichen Schieflagen des Unternehmens… Mehr

Marilu
1 Jahr her

Liebe Frau Maron: Mit dem Auftritt, den Siv Bublitz Ihnen gegenüber hingelegt hat, hat sie sich doch bis auf die Knochen blamiert. Gönnen Sie sich den Triumph darüber, statt sich zu ärgern. Ich wünsche Ihnen viel Glück mit Ihrem neuen Verlag!

RMPetersen
1 Jahr her

Gut, dass Frau Maron als Autorin sich nicht von einem Verlag unter Druck setzen lässt.
Eine Schande, was aus dem Fischer-Verlag geworden ist. (Eine Schande, dass die einst freiheitlichen, selbstbewussten, staatskritischen Persönlichkeiten im Mediengeschäft kaum noch gibt.)

Klaus Weber
1 Jahr her

Dem Fischer-Verlag muss man nicht nachweinen und man muss von dort auch keine Bücher mehr kaufen. Das gilt jedenfalls für mich…..

alter weisser Mann
1 Jahr her

Ein Kulturbetrieb, der von Typen wie Siv Bublitz bestimmt wird, passt zwar zum Zeitgeist und zerlegt sich doch auf Dauer selbst.
Von S.Fischer kaufe ich nichts mehr, seit deren Rechtsstreit mit Project Gutenberg.

Melante
1 Jahr her

Als „gelernter Ossi“ kenne ich die frühen Bücher Frau Marons noch als „Bückware“. Zwischenzeitlich sah es so aus, als würden sie das wieder werden.
Der Verlagswechsel lässt hoffen.

Babylon
1 Jahr her

Ein Verlagswechel ist nicht immer verkehrt, wenngleich so etwas für manche Autoren einer Ehescheidung gleich kommt. Fischer war natürlich in der Vergangenheit einmal ein bedeutender Verlag mit ebenso bedeutenden Autoren. Mir fallen spontan zwei Nobelpreisträger ein Th.Mann und H.Hesse. Heute scheint Fischer eher kleingeistig blasenhaft orientiert zu sein.
Frau Maron viel Glück bei Hoffmann und Campe, etwas altmodisch gewünscht mit H.Hesse „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne….“ lol

kasimir
1 Jahr her

Das tut mir leid für Frau Maron! Ich habe schon vor ein paar Wochen gehört, was sie bei S.Fischer mit ihr abgezogen haben, das war echt stillos. Da ich coronabedingt im letzten Jahr zuhause war, habe ich wieder begonnen Bücher zu lesen, zuerst ältere Bücher, die sich noch in unserem Bücherschrank befanden und ich nach längerer Zeit mal wieder lesen wollte, später habe ich mir dann auch online Bücher bestellt. Von Fischer war nichts mehr mit dabei, obwohl ich früher oft von ihnen was gekauft habe. Schön, daß Frau Maron jetzt eine „neue Heimat“ gefunden hat, ich hoffe die wissen,… Mehr