Die schwarz-rote Regierung will ab April die Gesundheit reformieren. Wenn die Wahlen vorbei sind. Auf die Bürger kommen höhere Beiträge bei schlechter werdenden Leistungen zu – auch weil die Verbands-Funktionäre genauso wenig taugen wie die Politiker.
picture alliance/dpa | Marcus Brandt
Im April will die „Finanzkommission Gesundheit“ ihre Vorschläge für eine Reform des Gesundheitswesens vorlegen. Nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Würden Christ- und Sozialdemokraten den Bürgern mit diesen Vorschlägen ein besseres Gesundheitswesen bieten, würden sie diese Vorschläge vor den Wahlen machen – um damit zu punkten. Dass sie diese nach die Wahlen verschieben, lässt erwarten, dass sie die Beiträge oder Eigenanteile erhöhen oder Leistungen streichen oder auch einfach alles zusammen.
Vorschläge, die das System verbessern, sind nicht mehr zu erwarten. Nicht von der Politik. Aber auch nicht von den Verbänden. Das zeigte die Jahres-Pressekonferenz der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Die spricht sich für den Abbau der Bürokratie aus. Das tun derzeit alle. Sogar CDU, CSU, SPD, Grüne, Linke und die FDP, die mit ihrer Politik diese Bürokratie überhaupt erst haben auswuchern lassen. Doch für jede Aufgabe im öffentlichen Dienst, die sie mühevoll streichen lassen, führen sie in der gleichen Zeit Dutzende neue Aufgaben dazu. So bemühen sich christ- und sozialdemokratische Länder derzeit um die Einführung eines Registers, das alle deutschen Matratzen aufführt und verwaltet.
Was noch? Die Krankenhausgesellschaft will die Gesundheitsförderung stärken. Deswegen soll es eine Bundesstiftung Prävention geben. Eine Institution mit jeder Menge Bürojobs, die sich für Vorsorge ausspricht. So wie bereits die Landeszentralen für Gesundheitsförderung oder die entsprechenden Abteilungen in den Krankenhäusern oder in den Gesundheitsministerien. Zur Erinnerung: Gerade mal einen Absatz vorher hat sich die gleiche Gesellschaft noch für einen Abbau der Bürokratie als Lösung aller Probleme ausgesprochen.
Was könnte eine Bundesstiftung Prävention tun? Sie würde sicher für mehr Cardio-Sport werben. Wie Schwimmen. Nur: Wer diesem hoch sinnvollen Sport in der Mitte der deutschen Hauptstadt nachgehen will, der muss unter der Woche morgens um 6.30 Uhr auf der Matte stehen. Dann bietet das Stadtbad für anderthalb Stunden öffentliche Schwimmzeiten an. Ab 8 Uhr gibt es keine Möglichkeiten mehr zu schwimmen, ganz egal, was die Bundesstiftung Prävention vorschlagen würde.
Oder Gehen. Wie alle anderen Einrichtungen würde die Stiftung jedem Bürger empfehlen, am Tag zwischen 1000 und 8000 Schritte zurückzulegen. Gut für Herz, Kopf und Beine. Nur gefährdet das Gehen in der deutschen Hauptstadt in den letzten Wochen die Gesundheit mehr, als dass es ihr nutzt. Denn in Berlin räumen weder Staat noch Privatleute die Gehwege. Selbst die simpelste aller Cardio-Sportarten ist in der Hauptstadt kaum möglich. Von Joggen gar nicht zu reden. Wer das auf den Berliner Eisbahnen genannten Gehwegen aktuell versucht, würde die Kosten für die Krankenhäuser eher in die Höhe treiben, statt sie zu senken.
Eine Stiftung Prävention wäre wünschenswert in einem Land, das sich diese Stiftung leisten kann. Angesichts eines Staats, der trotz Rekordeinnahmen und -schulden immer weniger Infrastruktur bereitstellen kann, wäre eine solche Stiftung eine Farce. Der Vorschlag zeigt nur, dass die Verbände sich mittlerweile genauso wie die Politik nur noch um sich selbst drehen. Dass ihre Funktionäre an Schraubstellen drehen wollen, weil sie das Große und Ganze nicht mehr überblicken.
Christ- und Sozialdemokraten konzentrieren sich im Bund wie in den Ländern auf den Erhalt der „Brandmauer“. Im Mittelpunkt ihrer Politik steht die Verteidigung ihrer eigenen Fleischtöpfe gegen die AfD. Für echte Reformen fehlen ihnen die Konzentration, die Übersicht und der Wille. Deswegen einigen sie sich nur noch darauf, an Stellschrauben zu drehen. Wie in der Gesundheit. In der sie Wahlen abwarten, um medizinische Leistungen für Arbeitnehmer zu streichen, während die Kassenbeiträge für diese trotzdem weiter steigen.
Dazu hat die Krankenhausgesellschaft auch was beizutragen. Sie will die Kosten für Klinikbesuche verdoppeln: von 10 auf 20 Euro pro Tag. „Vielleicht auch ein paar Euro mehr,“ sagt Gerald Gaß. Da ist der Vorstand der Krankenhausgesellschaft generös. Wer eine Stiftung gründen will, weil er Bürokratie abbauen will, der schaut nicht so sehr auf den einzelnen Euro – zumindest dann nicht, wenn es der Euro eines anderen ist. Gaß hat ja schließlich einen Erfolg vorzuweisen: Der Personalbestand der GKV hat sich verachtfacht, seiner ging nur um 50 Prozent nach oben. In Berlin sieht man sich da schon als erfolgreich – da geben sich Politiker und Verbands-Funktionäre nichts.



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„Was könnte eine Bundesstiftung Prävention tun?“
Mmmh, sie könnten ja noch einmal Ricarda Lang und Karl Lauterbach eine Kampagne für gesunde Ernährung machen lassen. (Ironie aus)
Das ist schon längst offene Verhöhnung!
Das macht Sinn: Hinter (mindestens) jeder zweiten Tür liegt inzwischen ein sogenannter „Neubürger“, so meine gewiss nicht übertriebene Schätzung….
..und wer glauben Sie trägt die Kosten dafür?
Natürlich die Allgemeinheit…. also Sie und ich….
Wieso müssen die Krankenhäuser jetzt weg ? Weil es zu viele NICHTEINZAHLER in der KV gibt … ?
Ja, das ist logisch .. also den Einzahler die Grundversorgung nehmen und alles in Krankenhausindustriekomplexe umbauen …
Der nächste Schritt wäre dann die Selektion, welche Kranke noch „behandlungswürdig“ ist (also auch mit pol. Gesinnung und so).
Nein, ohne mich … im übrigen ist der Wähler schuld, der sein Kreuzchen weiterhin bei den Blockparteien macht und die ÖRR-AgitProp finanziert …
„Auf die Bürger kommen höhere Beiträge bei schlechter werdenden Leistungen zu“
Warum auch nicht? Schließlich betteln „die Bürger“ das doch weiterhin täglich auf Knien herbei. Am 8.März werden ca. 80% der Wähler in Baden-Württemberg diese Aussage zum wiederholten mal höchst eindrucksvoll bestätigen.
Super, die Bürger sollen die Kosten der irrsinnigen Asylanteneinfuhr bezahlen.
Wacht auf und wählt in diesem Jahr richtig.
Die schreckliche Junta, die uns verwaltet, können es nach meiner Meinung nicht. Ich denke manchmal sogar an Vorsatz.
Der Elefant im Raum und dessen Kot, der im freien Fall nun fortwährend dem Beitragszahler vor die Füße platscht, erfordert nun auch auf dessen Kosten die stete Beseitigung. Der damit verbundene Gestank führt offensichtlich nicht nur zur Verdopplung der Kosten für die Patienten, sondern auch zur Verdopplung der Dummheit derer, die reformeifrig nur noch eine schlechter werdende Leistung für den Beitragszahler zur Lösung anbieten.
Einer der vielen Mythen in der Medizin ist, die Lebenskrankheitskosten seien durch „Prävention“ zu verringern. Aber das hört sich halt wie eine magic bullet für ein anderweitig (auch) nicht zu lösendes Problem an.
Völlig richtig. Denn ca. 80% der Gesundheitskosten fallen in der Regel in den letzten 2 Lebensjahren an. Ob sie mit 30 oder erst mit 100 den Löffel abgeben ist dabei völlig egal.
Alles, wirklich alles in diesem Land läuft darauf hinaus, den Leistern alles zu nehmen und es den Nullleistern und Nutzlosen zu gute kommen zu lassen.
Es widert mich nur noch an.