INSA – Erste Umfrage sieht AfD vor SPD

Die Zwangsumarmung der CDU beschleunigte den Erstickungstod der SPD, während die AfD in aller Seelenruhe einen Platz nach dem anderen besetzt, den SPD und CDU frei machen.

© Tobias Schwarz/AFP/Getty Images

Die Schlange hat zugebissen. Das angestrengte Starren der Maus entwickelte keine hypnotischen Kräfte, die AfD ist jetzt erstmals in einer Umfrage an der SPD vorbeigezogen. Eine Zäsur? Wird der 19. Februar 2018 in Zukunft der Tag sein, der immer wieder zitiert werden wird, wenn jemand die Frage stellt, wie es zum Niedergang der SPD kommen konnte?

Laut INSA-Umfrage von heute kommt die SPD auf 15,5 Prozent der Stimmen der Befragten und die AfD auf 16 Prozent. Da fällt es kaum noch auf, dass die CDU mit 32 Prozent gegenüber der SPD mehr als doppelt so viele Stimmen auf sich vereinen konnte. So fällt auch nicht einmal mehr auf, wie viel grotesker sich jetzt noch einmal die Ministerpostenverteilung der Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und CDU ausmacht.

Nun sollten sich aber die Jubelstürme auch in der AfD in Grenzen halten. Hier hat ein Hase-und-Igel-Rennen stattgefunden mit der SPD als Hasen. Schneller kann man der AfD kaum entgegenkommen. Wir erinnern uns: Wenige Wochen vor der Bundestagswahl sah es so aus, als würden sich die umwälzenden Veränderungen im Land kaum auf die Wahlprognosen auswirken, die SPD näherte sich der 30-Prozent-Marke an und wollte mit Kanzlerkandidat Martin Schulz stärkste Kraft im Bundestag werden.

Der positive Schulz-Effekt allerdings entwickelte sich zum negativen Schulz-Gabriel-Maas-Scholz-Dreyer-Klingbeil-Schwesig-Stegner-Heil-usw.-Drall. Die AfD überholt in der ersten Umfrage überhaupt die SPD. Und das ausgerechnet in einem Moment, als sich mit André Poggenburg ein führender AfD-Politiker die wohl bisher schlimmste Entgleisung in der gesamten AfD-Historie erlaubte und es damit schaffte, sogar noch Björn Höcke zu überholen.

Das allerdings ist noch aus einem ganz anderen Grunde schlimm, erzählt es doch, dass der Aufstieg der AfD zur zweiten Kraft im Lande abgekoppelt ist von irgendwelchen Sympathiepunkten für Vertreter der parlamentarischen Rechten, sondern viel mehr der Ratlosigkeit der SPD ebenso geschuldet ist wie der auch von konservativen Bewegungen innerhalb der CDU nicht mehr umkehrbaren Sozialdemokratisierung der Christdemokraten.

Die SPD hat fertig. Zuerst kam sie ins Schwitzen und gab ihre Kernkompentenzen an der GroKo-Garderobe ab, dann ließ sie es zu, dass sich die CDU die wattierte Jacke stibitzte und der AfD auch noch den rechten Ärmel der abgewetzten Arbeiterjoppe überließ, die dann mit ein paar wenigen sozialistischen Einfärbungen im Wettlauf um die Wählergunst an ihr vorbeizog.

Volksparteien im Abwärtstrend
Letzte Woche die Union demoskopisch runter auf 29,5 Prozent, nun die SPD runter auf 16 %
Jetzt könnte man dieses Überholmanöver von Seiten der SPD zur Lappalie erklären, zu einer Momentaufnahme, die sich schnell wieder umdrehen wird. Aber es war die SPD selbst, die das neue Zwischenergebnis dieses Wettlaufs als Worst Case für die eigene Partei verstand. Wer über Jahre einen Alarmismus gegenüber der Gauland-Weidel-Partei pflegt, weil das so bedeutend einfacher ist, als eigene positive Signale für die Zukunft zu setzen, der muss sich nicht wundern, wenn ihm die Wähler davonlaufen.

Wofür steht die SPD heute? Kaum einer weiß es noch genau. Die Zwangsumarmung der CDU hat den Erstickungstod der SPD beschleunigt, während die AfD in aller Seelenruhe einen Platz nach dem anderen besetzt, einfach deshalb, weil er frei geworden ist. Oder anders gesprochen: Während die AfD weiter bei ihrem Masterthema Massenzuwanderung bleibt, weil die Verursacher sich immer noch stur weigern, dieses Problem nachvollziehbar anzupacken.

Unterschätzen sollte man so eine Prognose übrigens auch aus einem weiteren Grund nicht: Umso mehr Befragte sich für die AfD aussprechen, desto weniger Bedeutung haben die Ausfälle einzelner Parteimitglieder. Der deutsche Wähler ist treu. Auch wenn heute das Gegenteil behauptet wird und von so viel unentschlossenen Wählern wie nie die Rede ist, so war auch das häufig nur eine SPD-Alibibehauptung aus der Erklärungsnot des eigenen Versagens heraus.

Sollten sich aber erst einmal bis zu zwanzig Prozent der Wähler für die AfD entscheiden, dann nähern sie sich dem Schlagbaum zur Volkspartei an. Dann gilt die Partei noch einmal mehr als ihre einzelnen Vertreter. Dann wird sich die AfD in der Bundesrepublik langfristig etablieren. Und das auf Augenhöhe mit den beiden ehemaligen Volksparteien. Eine Erfolgsgeschichte, welche die FDP nicht einmal angepeilt und um die die Grünen Jahrzehnten vergeblich gerungen haben.

Eine Zäsur? Vielleicht. Aber auf jeden Fall ein Datum, dass Sie sich merken dürfen.

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Kommentare ( 284 )

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Wenn die SPD weiter bei ihrem Harakiri-Kurs bleibt und sich nur an Randexistenzen dieser Gesellschaft orientiert, denen sie auf Kosten derer, die echt arbeiten, die Kohle bündelweise in die Taschen steckt wird sie mittelfristig im einstelligen Bereich enden. Wie schon andere sozialdemokratische Parteien vor ihr.

So schön es klingt, aber wir reden hier über eine Umfrage. Und die werden doch nur zur Beeinflussung der Wähler alle Nase lang veröffentlicht. Vor der Bundestagswahl die AfD „runter gefragt“, Realität war dann doch etwas anders, nach Scheitern von Jamaika die FDP „runter gefragt“, obwohl Lindner genau das getan hat, was seine Wähler erwartet haben, nämlich Absage von rot-grüne Politik mit FDP als Steigbügelhalter.
Und jetzt wird die SPD „runter gefragt“, um Panik vor Neuwahlen bei den Mitgliedern zu schüren, auf dass AM mittels GroKo weiter im Amt bleiben kann.

Das ist ausgemachter Blödsinn. Geht die SPD in diese GroKo, wird es für die SPD noch weiter nach unten gehen. Für die CDU ebenfalls. Denn die Politik beider heißt keine Veränderung. Ich mag mir gar nicht die Zustände dann in diesem Resteland ausmalen wollen. Jedoch : Die dynamische Realität wird alle erreichen. …

Die SPD sieht sich wohl noch immer in der Situation wie von Ex-Bundespräsident Joachim Gauck einst beschrieben: „Die Eliten sind gar nicht das Problem, die Bevölkerungen sind im Moment das Problem.“ (Google) Mit anderen Worten: Die SPD benötigt für ihre jetzige Politik dringend ein anderes Volk

Es ist doch auffällig, das im Vorfeld der SPD-Urabstimmung über die Unterzeichnung der Großen Koalition, die SPD-Werte so eng mit Umfragen begleitet werden, die stets in Relation zur AfD gesetzt werden, praktisch nie aber zu den erschreckend hohen Umfragewerten der Grünen.
Das „Schreckgespenst“ der AfD klebt doch fest bei ca.15%, warum also nur diese Bezugnahme?
Kann es sein, dass der eigentliche Sinn dieser „Umfragen“ ist, die SPD-Mitglieder zu beeinflussen, für den Vertragsentwurf zu stimmen – aus Angst vor der bösen AfD und dem eigenen Bedeutungsverlust?

Das ist reine Augenwischerei und verfolgt das Ziel, dass die SPD-Mitglieder für die Koalition stimmen. Mit der Nachricht, dass AfD stärker sei als SPD soll den Mitgliedern Angst gemacht werden, damit sie für die Koalition stimmen. Reine Panikmache und Manipulation der Bürger. Wenn das der erwartete Aufbruch ist, dann sollten wir ihn abblasen bevor er begonnen hat, das geht in die Hose.

Ob die ausstehende Wahl von AKK zum Generalsekretär der große Wurf und Befreiungsschlag für die CDU ist, bezweifle ich. Ich habe keine Zweifel, dass AKK einen guten Job machen wird, ich habe aber Zweifel, dass es merkel retten wird.

„Unterschätzen sollte man so eine Prognose übrigens auch aus einem weiteren Grund nicht: Umso mehr Befragte sich für die AfD aussprechen, desto weniger Bedeutung haben die Ausfälle einzelner Parteimitglieder.“ Sie haben damit leider so Recht Herr Wallasch. Die Poggenburg Rede war wirklich aus der untersten braunen Schublade. Aber ich würde die AfD dennoch wieder wählen, selbst wenn er sich zusätzlich noch das passende Bärtchen stehen lässt. Und ich bin ganz ehrlich: Ich WILL solche Menschen nicht wählen müssen und es widert mich selbst an, aber ich sehe mich in einer Notwehr Situation! Wenn beim Thema Migration nicht bald massiv gegengesteuert… Mehr
Liebe Leute, es muss hier nochmals erwähnt werden, dass die Bundestagswahlen seit geraumer Zeit illegal sind, siehe entsprechendes Bundesgerichtshof Urteil. Der Wähler gibt seine Stimme ab und legalisiert dadurch ein illegales Konstrukt. Auf diese Weise erhält dieses politische System seine Legitimation. Es steht uns also in keinster Weise an ein System zu kritisieren welches von uns selbst, durch eine Stimmabgabe, in die Welt gebracht wird. Eine AFD hat den ganz wichtigen Sinn weiterhin Menschen in dieses Konstrukt einzubinden. Die Wahlbeteiligung wäre sicherlich einiges geringer wenn es diese Alternative nicht geben würde. Somit dient auch diese Partei in letzter Konsequenz der… Mehr

Eine durchaus interessante Theorie, die ihren Charme hat.
Umso weniger verstehe ich hier Leute, die sie mit Negativpunkten belegen.

Liebe SPD-Mitglieder!

Können Sie sich vorstellen, was los sein wird,

wenn eine Partei, die in den Umfragen nur 15,5 % bekommt,

eine Politik durchsetzen darf, als habe sie eine MEHRHEIT ??

Die Wähler werden STINKSAUER sein auf Sie und die SPD.

SIE WOLLEN DIE POLITIK DER SPD NICHT.

Demokratie geht nicht mit Tricks oder mit Zwang.

Gehen Sie in die Opposition!

Sehr geehrter Herr Wallasch, Betr. Ihr Zitat: „…Während die AfD weiter bei ihrem Masterthema Massenzuwanderung bleibt, weil die Verursacher sich immer noch stur weigern, dieses Problem nachvollziehbar anzupacken.“ Die AfD wird NATÜRLICH „ bei ihrem Masterthema Massenzuwanderung“ bleiben, denn die Verursacher weigern sich nur deshalb nicht, das Problem nachvollziehbar anzupacken, weil diese Massenzuwanderung ABSICHT ist. Die Massenzuwanderung gehört zu einem Plan, an dessen Ende für die Einen die „Vereinigten Staaten von Europa“ stehen sollen und die Anderen sich eine rundum und umfassend globalisierte Welt wünschen mit einem möglichst homogenen Markt und mit möglichst homogenen Marktteilnehmern. Das wird nicht von allein… Mehr

Diese (und vorangegangene) Umfragen sollen mglw. auch ein wenig dazu beitragen, die SPD Mitglieder in Angst und Schrecken zu versetzen. Damit sie auf jeden Fall ihr Kreuz an der richtigen GROKO Stelle machen. Interessant wird es, wie sich die Umfragen dannach entwickeln werden….