Wieder eskaliert eine Fahrkartenkontrolle. Ein alarmierter Polizeibeamter wird bespuckt und per Kopfstoß verletzt. Die Gewalt im Bahnverkehr nimmt kontinuierlich zu - die Politik lenkt immer wieder ab und will partout die Ursachen nicht benennen.
picture alliance/dpa | Hendrik Schmidt
Im Chemnitzer Hauptbahnhof genügte wieder einmal eine Ticketkontrolle, um den Bahnhof in eine Bühne der Einschüchterung zu verwandeln. Eine Schaffnerin will einen Mann kontrollieren, weil er schon mehrfach ohne Fahrschein gefahren sein soll. Diesmal hat er zwar ein Ticket, aber das rettet keinen Tonfall und keine Nerven.
Stattdessen soll der 36-jährige türkische Staatsbürger seine Hand zur Pistole geformt und eine Schussbewegung angedeutet haben. Das ist keine Unmutsäußerung, das ist eine Drohkulisse gegen eine Mitarbeiterin der Bahn, die schlicht ihren Job macht.
Die Bundespolizei wird alarmiert, der Mann beschimpft die Beamten und wirft Gegenstände umher. Er darf nicht in die Regionalbahn steigen und wird zur Dienststelle gebracht. Auf dem Weg spuckt er die Polizisten an und verletzt einen von ihnen mit einem harten Kopfstoß. Der Polizist muss mit Prellungen im Gesicht ins Krankenhaus, der Verdächtige bleibt unverletzt. Das Kräfteverhältnis in diesem Land ist oft erstaunlich eindeutig.
Wer so etwas liest, kann sich die alte Ausrede sparen, es handle sich um „Einzelfälle“. Die Bahn selbst berichtet für 2025 von mehr als 3.000 Angriffen auf Bahnmitarbeiter, im Schnitt acht am Tag. Die Situationen sind fast immer die gleichen: Fahrkartenkontrollen, Durchsetzung des Hausrechts, Volksfeste, Großveranstaltungen, Fußballspiele. Die Zahlen kennen von Jahr zu Jahr nur eine Richtung: nach oben.
Rund die Hälfte der Attacken passiert im Regionalverkehr. Und es trifft nicht nur Zugpersonal: Auch Sicherheitskräfte, Reinigungskräfte und Servicekräfte am Bahnhof geraten ins Visier.
Erst vor zwei Wochen war Schaffner Serkan C. bei Kaiserslautern durch einen brutalen Fahrgast albanischer Herkunft so massiv verletzt worden, dass er verstarb.
Die Bahn reagiert inzwischen mit Maßnahmen, die zeigen, wie tief die Lage schon gekippt ist: Bodycams für Zugbegleiter, wenn sie das wollen, Nulltoleranz als Parole, eine Melde-App für Vorfälle, engere Zusammenarbeit mit der Bundespolizei. Das ist kein Fortschritt, das ist Notwehr im Dienst, die in vielen Fällen auch nicht vor schlimmerem bewahrt. Und es ist vor allem ein Eingeständnis, dass Ticketkontrolle, Hausrecht und schlichtes Durchsetzen von Regeln heute als Einladung zur Eskalation gelten.
Was die Politik daraus macht, ist noch peinlicher. Verkehrsminister Patrick Schnieder bringt ernsthaft ins Gespräch, ausgerechnet die Identitätskontrollen zu reduzieren, weil sie „Auslöser für erhebliche Grundaggressivität“ seien. Seine Rechnung: Man könne die Gewalt „um etwa 18 Prozent senken“, wenn man auf solche Kontrollen verzichtet.
Das ist Kapitulation als Konzept: Nicht der Täter soll sich ändern, sondern der Staat soll wegsehen, damit es „ruhiger“ wird. Schnieder schlägt stattdessen Stichproben wie in U- und S-Bahn vor, oder Kontrollen am Bahnsteig nach ausländischem Vorbild mit Zugangsschranken. Gleichzeitig fordert er mehr Videoüberwachung und Bodycams, sogar mit Tonaufnahmen, was bisher an Datenschutzregeln scheitert.

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Die Lösung gegen Schwarzfahren: Zugang zum Gleisbereich nur mit gültigem Ticket. Mit QR-Scanner kein Problem. Funktioniert in Italien wunderbar.
Wir hatten eine ganz andere Art des Umgangs wie des gesellschaftlichen Lebens – bis Merkels Grenzöffnung und den seither einströmenden, von uns alimentierten Massen.
Geben wir tatsächlich auf?
Schneller und günstiger: Einfach nicht mehr kontrollieren. Frei Bahn für (un)freihe Bürger.
Dann stechen sie (nicht nur) unsere Kinder – schon vergessen? Wie viele Schritte kann man zurück gehen, bis man an der Wand steht?
Den randalierenden Türken in die Türkei schicken. Dort macht er das genau einmal.
Dieses Staat, dieses Land ist nur noch palliativ zu begleiten. Die einzige Frage, die sich noch stellt ist, verbrennen oder einsargen. Der Tod ist gewiß.
Wälscht – stirbscht. Wählscht net stirbscht auch.
Also feiere mehr bisch zum Ende. Dös kimmt gwiss.
Ja, Stichproben, wie bei den Messerkontrollen. Omas kontrollieren, die Schwarzfahrer laufen lassen.
Aber, aber. Schwarzfahren gibt es nicht mehr. Das ist rassistisch! Siehe auch Serge Mengas Video dazu…
Eventuell könnte die Bunteswehr die Ticketkontrollen begleiten (je ein Soldat mit Sturmgewehr dürfte reichen), sich damit nützlich machen. Stattdessen soll kontrolliert werden, ob Tanker unbedingt in London versichert sind statt in einem BRICS-Land – obwohl keine internationale Konvention London vorschreibt: „Die EU konstruiert laut Quellen Vorwände für die Kaperung russischer Tanker – Anti-Spiegel“ > „… „Im Wesentlichen geht es darum, die rechtlichen Grundlagen für das Anhalten, die Inspektion und die mögliche Beschlagnahme von Tankern zu schaffen, die (nach Meinung Brüssels, Anm. TASS) russisches Öl und Fracht transportieren. Dies bereitet einer Reihe von EU-Ländern große Sorgen, da es eine direkte militärische… Mehr
Mit Sturmgewehr nutzt doch gar nichts, denn es ist ja klar daß dieses nicht benutzt wird, selbst wenn es dauernd imm „Anschlag“ wäre. Polizei wird ja auch bespuckt und attakiert weil üblich ist daß Solches real keinerlei Folgen hat
Gebt den Indigenen das Schusswaffenrecht der USA. Dann hat sich das Problem innere Sicherheit schnell gelöst. Damit auch solche Problemchen. Wem das zu weit geht, der schaue über den Rhein. Dort wird nicht mehr deeskaliert sondern liquidiert. Keine 2. Chance und null Toleranz.
„der Verdächtige“ Entschuldigung aber hier handelt es sich doch zweifelsfrei um den Täter. Tatsachen sollten doch auch unverschleiert als Tatsachen benannt und unverzüglich bestraft werden.
Bis er verurteilt ist, ist er trotzdem der Verdächtige. Und das ist auch gut so, denn nicht jeder Verdächtige, der nach Ansicht von Irgenwem zweifelsfrei schuldig ist, ist es auch tatsächlich. Wenn er zweifelsfrei schuldig ist, wird ein Gericht dies (hoffentlich) feststellen.
Die Anwendung der Unschuldsvermutung im tristen deutschen Alltag stellt sich allerdings stark gruppenspezifisch divergent dar.
Die Bestimmung des Strafmaßes leider auch, das verschnupft mich etwas.
Franzosen haben den am Arc de Triumph neulich liquidiert – und gar nicht vor Gericht kommen lassen?
Der Stern schreibt verschleiernd: „Ein mit einem Messer bewaffneter Mann hat einen Gendarmen beim Triumphbogen in Paris angegriffen und ist dabei selbst ums Leben gekommen.“ https://www.stern.de/politik/ausland/kriminalitaet–terroranschlag-am-pariser-triumphbogen—gendarm-unverletzt-37135866.html
Auf frischer Tat ertappt – was soll das denn mit der Unschuldsvermutung! Angriff auf einen Polizisten – warum hat einer von beiden nicht die Waffe in der Hand und nutzt sie? Spätestens nach dem Spucken sollte man solchen Typen eine Waffe in den Mund stecken. Schlagstock oder Pistole. Beides verhindert dann das Spucken.