Ein Feuerwehr-Führer klagt die Politik für Ausreden und Versagen im Ahrtal an

Ein Feuerwehrmann in Rheinland-Pfalz liest seiner Landesregierung die Leviten. Es ist eine Art Aufschrei der Ehrenamtlichen, die Schlimmeres verhinderten, gegen eine Politik, die sie dafür auch noch an den Pranger stellt. 

IMAGO / Panama Pictures
In Bad Münstereifel, 17.07.2022

Der „Wehrführer“ der Feuerwehr des von der Flut hart getroffenen Ortes Schuld im Ahrtal hat bei den Feierlichkeiten zum Jahrestag der Katastrophe am 14. Juli eine bemerkenswerte Rede im Namen des ehrenamtlichen Katastrophenschutzes an das Bundesland Rheinland-Pfalz gehalten. Dieser Mann, Tobias Lussi sein Name, war wie andere Feuerwehrführer vor einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss geladen worden.

Rheinland-Pfalz lässt also zu, so Lussi im „kritischen Teil“ seiner Rede, dass „Politiker die ehrenamtlichen Führungskräfte an den Pranger stellen“. Deutschland und Österreich seien die einzigen Staaten, in den der Katastrophenschutz auf Ehrenamtlichkeit und Freiwilligkeit aufgebaut ist.

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„Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte waren es, die das Kind, welches die Politik hat in den Brunnen fallen lassen, retten wollten und es mit allen Mitteln und aller Kraft auch getan haben bis zur totalen körperlichen und seelischen Erschöpfung. Die Politiker wiederum waren es, die im Vorfeld ihrer Arbeit nicht nachgekommen sind. Niemand wollte zuständig sein. Und so ist es noch heute. Verantwortung wurde gar per Schriftstück übertragen. Politiker waren es, welche während der Katastrophe liebe ihr eigenes Hab und Gut gerettet haben, während die Feuerwehrleute nichts retten konnten, weil sie im Einsatz für andere unterwegs waren, nicht zuhause, und somit rein gar nichts zuhause retten konnten. Politiker waren es, die in Urlaub gefahren sind und all ihre Energie darin verschwendet haben, ihren Arsch und das Ansehen ihrer Partei zu retten und die Schuld auf andere zu schieben. Und wir, die Ehrenamtlichen, sollen uns jetzt vor euch rechtfertigen.“ Dafür gab es johlende Zustimmung und Applaus.

Sein Urteil über die Landes- und Bundespolitik nach der Flutkatastrophe ist vernichtend: Chaotisch sei es bei den Rettungsarbeiten erst geworden, als das Land und der Bund sich eingeschaltet haben. Ähnlich sein Urteil über die politische Nachbereitung:

„Die Befragung hat einiges an politischen Versäumnissen der letzten Jahre und Jahrzehnte aufgedeckt“, so Lussi weiter. „Hier ist bis heute nachweislich keiner tätig geworden. Ich hätte eine bessere Idee: Wie wäre es, wenn man dasselbe Geld und dieselbe Energie investieren würde, um die Ehrenamtlichen Entscheidungsträger zu befragen, wie der Katastrophenschutz angepasst werden muss. Wir sind der Katastrophenschutz. Wir wissen, wie es funktioniert. Und wir wissen, wo es hakt. Doch diese Befragung passiert nicht. Wir fragen uns, warum.

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Das Ehrenamt habe das Land Rheinland-Pfalz und das Ahrtal vor Schlimmerem bewahrt. Doch: „Das Land Rheinland-Pfalz wiederum zerstört nachhaltig das einmalige Prinzip des Ehrenamtes. Ich frage euch: Wer lässt sich denn heute noch zur Führungskraft ausbilden und wählen, wenn der Dank eine Vorladung des Landes ist? Wer tut sich freiwillig und unentgeltlich in seiner kostbaren Freizeit so etwas an? Liebes Land Rheinland-Pfalz, ich bin enttäuscht und gleichzeitig entsetzt.“ 

Das bittere Fazit in Lussis Wutrede: „Würde eine Katastrophe in diesem Moment wiederkehren, wir stünden genauso schlecht da wie zuvor. Rheinland-Pfalz, du hast in meinen Augen nichts gelernt. Rheinland-Pfalz, du kannst dich darauf verlassen, dass jeder Ehrenamtliche dasselbe wieder tun würde zum Schutz der Heimat und zum Schutz der Mitmenschen. Doch liebes Rheinland-Pfalz, auf was können wir uns bei dir verlassen?

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Kommentare ( 74 )

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Pellenzer
19 Tage her

Die Ahrflut war doch wieder mal ein trauriges Beispiel der unfähigen Politik und die sie tragenden Parteien. Solche Vereinigungen, die nur ihren eigenen Machterhalt im Auge haben braucht wirklich kein Mensch. Leider ist es so, daß es den meisten Menschen zu gut geht, und wenn nicht direkt beteiligt, es sie kaum interessiert. Und genau das ist das Klientel die die abgehalfterten Polit-Parteien immer wieder wählen. Was dabei heraus kommt wird uns jeden Tag vor Augen geführt.

Andreas Bitz
19 Tage her

Die regierungsergebenen Medien in Rheinland-Pfalz werden die berechtigte Kritik der Ehrenamtlichen nicht oder nur verkürzt verbreiten. Hier einige ergänzende Infos, welche die politische „Elite“ verfassungsschutzrelevant delegitimieren, jedoch auch weithin unerwünscht sind. Landesregierung, Untersuchungsausschuss, Medien etc. haben zwei Sündenböcke präsentiert, um von den Verantwortlichkeiten abzulenken. a) Landrat Pföhler hat versagt, war aber nur für seinen Landkreis zuständig. b) Umwelt- und spätere Bundesfamilienministerin Spiegel hatte für Katastrophenschutz keine Zuständigkeit; A. Spiegel ist das Opfer grün-interner Intrigen. Es ist mir schleierhaft, warum Opposition (CDU, AfD), Medien etc. nicht mal nachfragen, warum ausgerechnet in der kritischsten Phase der Katastrophennacht gegen 20 Uhr der allein… Mehr

Linus van de Sand
19 Tage her

Wir brauchen keine Ehrenamtlichen und keine Staatshilfe für das Ahrtal, wir brauchen einen Klimabeauftragten für Palau und ein paar Millionen € Hilfsgelder für die Republik Moldau, das ist wichtig! Und bedingungsloses Grundeinkommen für Migranten! Deutschland muss die Klimakatastrophe verhindern, dafür muss alles zurückstecken! Und bitte noch mehr Geld für den Kampf gegen Rechts!

Riffelblech
19 Tage her

Dieses allgemeine mulmige Gefühl ,das sich schon unmittelbar nach der Katastrophe an der Aar einstellte ,das genau die hochgelobte Politik versagen werde , hat sich bewahrheitet. Politische Hohlköpfé innen und Schwätzer innen haben zwar markige Reden gehalten ,ansonsten blieben ihre Hände oben : wir waren es nicht ,wir können nichts dafür „ alles nur Klimawandel . Freiwillige Helfer ,welche wirklich hoch erfolgreich waren , auch von nicht gewollten politischen Einstellungen und Parteien wurden behördlich auf Anordnung der Länder vom Hof gejagt . Ihre Hilfsgüter , obwohl dringlichst gebraucht , zum Müllplatz gebracht . Das ist die staatliche Hilfe ,welche sich… Mehr

R6
19 Tage her

Als Armin der Lasche sich dort hinstellte und so energisch versprach das jetzt ganz schnell und vor allem unbürokratisch Hilfe folgen müsse, wusste ich das diese Menschen verloren sind. Man hilft sich, wie in den USA, untereinander. Mehr sollte man nicht erwarten. Darum habe und werde ich auch nie einen Cent spenden. Weil mir klar ist, dass es die Bürokratendiktatur auffrisst und die Hilfsorganisationen sich ein schönes Leben machen. Und das Ganze gesetzeskonform. Außerdem spende ich schon jeden Monat 50% von meinem Einkommen. Um Missverständnisse zu vermeiden. Mit Spenden an sich habe ich auch kein Problem. Aber ich gebe es… Mehr

Kassandra
19 Tage her
Antworten an  R6

Und jetzt überlegen Sie mal, was da wo ankommt, wenn westliche Staaten Steuermilliarden wie private Spenden in ein korrruptes Land wie in die Ukraine transferieren – und wer sich da die Finger reibt.
Im Donbass selbst kommt nichts an – und westliche Hilfsorganisationen, NGOs, gar das Flüchtlingshilfswerk der UN sind da nicht gesehen!
Von Waffengeschäften nicht nur im Darknet ganz abgesehen!

bonesix
19 Tage her

Vorsicht, derartig klare Kritik an den politisch Verantwortlichen wird als rechtsradikal eingestuft und vom Verfassungsschutz beobachtet und verfolgt

Pellenzer
19 Tage her
Antworten an  bonesix

Ja, die wollen sogar ein altes DDR-Gesetz wegen Verächtlichmachung von Politikern wieder ausgraben. Das sagt doch alles über die Bananenrepublik Deutschland.

Monika
19 Tage her

Man kommt sich ja vor wie eine Schallplatte mit Sprung. Schuld an dieser Misere hat einzig der Wähler. Selbst nach der Katastrophe wurden dieselben Parteien bestätigt, die die Misere verursacht und die Helfer behindert haben. Die Partei, die vor der Katastrophe versuchte, die Schwachstellen aufzudecken und damit eine Besserung einzuleiten, wurde kaum gewählt. Ich persönlich würde keinerlei ehrenamtliche Arbeit mehr machen. Diese Energie sollte man nur noch für einen bekannten und überschaubaren engen Kreis (Familie, Nachbarn, Freunde) aufwenden, nicht mehr für die Allgemeinheit, denn die tritt einen wo sie nur kann in den Hintern.

Hesta
19 Tage her
Antworten an  Monika

So wird es auch noch kommen, dass sich keiner mehr ehrenamtlich engagiert. Dieses Land und seine Politiker ist gänzlich verkommen, wenn schon Polizisten, Feuerwehr und Sanitäter angespuckt und bedroht werden. Das Ausland ist darüber doch bestimmt auch informiert und denkt sich seinen Teil.

Wolfgang Schuckmann
19 Tage her

Ich frage mich ernsthaft, ob hier bei den Verantwortlichen die Tassen noch im Schrank sind. Wenn ja, dann bezweifele ich stark ob sie der Reihe nach drinstehen. Abgesehen von den Ereignissen im Ahrtal:. Was würde geschehen, fiele im Zuge des momentanen Krieges in Europa auch nur eine Bombe in ein Stadtzentrum einer unserer Städte. Eine Kettenreaktion von unübersehbaren Folgen wäre der Fall. Nun stelle man sich die Leute vor, die im Ahrtal absolut versagt haben, seien die Personen, die da vor Ort organisieren, delegieren und zielführende Anweisungen geben sollten. Ich wage nicht weiterzudenken. Es erübrigt sich diesen Gedanken weiter zu… Mehr

Elisabeth D.
19 Tage her
Antworten an  Wolfgang Schuckmann

Aber genau die Parteien, die diese Missstände verursachen, wurden doch wieder gewählt! Auch von den Menschen im Ahrtal.

eifelerjong
19 Tage her
Antworten an  Elisabeth D.

Elisabeth D.,
in den unmittelbaren Tagen und Wochen nach der Katastrophe, hatten die Menschen dort anderes im Sinn, als sich Gedanken über Politik und Parteien zumachen.
SIE wären natürlich eisig kalt zur Wahl gegangen und hätten entsprechend Ihre Entscheidung getroffen,gelle?
Fernab eigenen Unglücks läßt sich leicht fabulieren!

bfwied
19 Tage her
Antworten an  Wolfgang Schuckmann

Ich halte ihn für einen absterbenden Staat – er will ja auch kein Staat mehr sein, und er, und das sind die, die sich Politiker nennen, will, dass wir kein Volk mehr sind, sondern nur eine Ansammlung von Figuren, die aber seltsamerweise in Schubladen gesteckt werden, auf denen „gute Menschen“ und „schlechte Menschen“ steht.

Frau U.
19 Tage her

Der Wehrführer Lussi hat immer noch nicht geschnallt, dass er mit seinem Engagement diese Politik Luschen weiter im Amt hält und covert, um morgen von Ihnen dann als rechtsextrem gebranntmarkt zu werden, sollte er aufmucken. Die Quotentrullas Dreyer, Spiegel und Eder, bauen darauf, dass die weissen Männer schon gut funktionieren, damit sie sich über wording und ihren nächsten Urlaub und Diäten/Mandatserhöhung Gedanken machen können. Selbst in seiner Rede, traut sich Lussi nicht, den Rücktritt von der Dreyer Regierung zu fordern, obwohl sie die politische! Verantwortung haben! Es wird Zeit Männer, an die „starken“ Frauen, Migranten und Queergemeinde zu übergeben und… Mehr

Last edited 19 Tage her by Frau U.
flat-eric
19 Tage her

Liebe Mitsteuerzahler und GEZ – treue Mitbürger, vielleicht könnten wir uns alle
an die ÖRR bezüglich einer kontroversen Sendung wenden…
In meiner Erinnerung gab es vor Äonen von Jahren noch kritische Sendeformate..

Warum fordern wir nicht einfach unser Recht ein, z.B. mit Beteiligung von bestimmten Personen zu bestimmten – uns eventuell – interressierenden Themen??? Über eine Petition oder wer hat noch andere Vorschläge (?) um vielleicht
einen Anspruch (Recht auf Information ?) in dem besten Deutschland aller Zeiten zu bekommen??

Kassandra
19 Tage her
Antworten an  flat-eric

Suchen Sie im www wie sie Lengsfeld & Broder bei der Anhörung hinsichtlich der „Gemeinsamen Erklärung 2018“ auflaufen ließen. Dann wissen Sie, wie weit sie in diesem Deutschland noch mit einer „Petition“ kommen.
Meiner Meinung nach muss der Protest auf die Straße – aber da gibt es zu wenig Mitläufer bei denen, die noch selber denken: https://terminkalender.top/pc.php