Österreichischer Atomexperte: Solarenergie „deutlich gefährlicher“ als AKW

Radioökologe Georg Steinhauser von der Technischen Universität Wien überraschte bei seinem TV-Interview zum 40. Jahrestag des Super-GAUs in Tschernobyl: Das Montieren von Solarpaneelen fordere mehr Opfer als die Atomenergie.

picture alliance / imageBROKER | Manuel Kamuf
Solarmodule auf einem Dach

Gleich zu Beginn relativierte Steinhauser in dem Interview der ORF-Nachrichtensendung ZiB2 eine oft zitierte Zahl: Dass 1.000 zusätzliche Krebsfälle in Österreich mit den Folgen der Tschernobyl-Katastrophe in Verbindung gebracht werden, sei eine statistische Modellrechnung, die real nie eindeutig nachweisbar gewesen sei. Die heutige Strahlenbelastung durch Tschernobyl liege bei weniger als einem Prozent der natürlichen Hintergrundstrahlung. Entsprechend könne man „selbstverständlich“ weiterhin Pilze aus dem Salzkammergut essen.

Auch persönliche Erfahrungen flossen in das Gespräch ein: Der Wissenschaftler berichtete von mehreren Forschungsaufenthalten in der Sperrzone bei Tschernobyl. Dabei überraschte er mit einer unerwarteten Einschätzung: Der Flug dorthin verursache eine höhere Strahlendosis als der Aufenthalt vor Ort. Dennoch schränkte er ein: „Dort leben würde ich auch nicht wollen. Aber eine Woche finde ich unproblematisch.“

Moderne Kernkraftwerke „unfassbar sicher“

Und während die Kernenergie in der öffentlichen Wahrnehmung häufig als Hochrisikotechnologie gilt, stellte Steinhauser klar, dass sie statistisch betrachtet – gemessen an Todesfällen pro erzeugter Kilowattstunde – „eine der sichersten und ungefährlichsten“ Methoden der Stromproduktion sei. Mehr noch: Die Solarenergie sei sogar „deutlich gefährlicher“, da jedes Jahr „viele Menschen vom Dach fallen, wenn sie dort Solarpaneele installieren“.

Sein Gesamturteil fällt deutlich aus: Moderne Kernkraftwerke seien „unfassbar sicher“. Der Reaktor von Tschernobyl sei technisch nicht mit heutigen Anlagen vergleichbar. Der Experte zog dazu einen eindrücklichen Vergleich: Es sei, als würde man nach dem Unglück des Luftschiffs Hindenburg-Desaster die gesamte Luftfahrt infrage stellen. Ein Unfall wie 1986 sei unter heutigen Standards „völlig ausgeschlossen“.

Der Grund für die Katastrophe im Kernkraftwerk in der heutigen Ukraine liege laut Steinhauser in einem „dilettantisch durchgeführten“ Experiment. Ein solches Vorgehen würde heute nicht einmal mehr ein Physikstudent an der TU Wien empfehlen.

Deutschland hat 17 AKW stillgelegt

Während Österreichs Bundesregierung schon seit Jahrzehnten klar gegen den Einsatz von Atomkraft ist, wurde auch in Deutschland der vollständige Atomausstieg politisch beschlossen und umgesetzt: Insgesamt mussten 17 Kernkraftwerke schrittweise vom Netz genommen werden. Die letzten drei Anlagen – Isar 2, Neckarwestheim 2 und Emsland – wurden im April 2023 endgültig abgeschaltet. Damit endete eine Ära, die über Jahrzehnte die Energieversorgung der Bundesrepublik geprägt hatte. Der Ausstieg wurde insbesondere nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 beschleunigt, diese Maßnahmen werden allerdings jetzt schon massiv kritisiert.

Auf europäischer Ebene wird der Kampf gegen die Atomenergie ebenfalls immer öfter hinterfragt. Selbst Ursula von der Leyen bezeichnete jüngst die Abkehr von der Atomkraft als einen „strategischen Fehler“. Gleichzeitig kündigte sie Investitionen in neue Technologien an: So sollen 200 Millionen Euro zur Absicherung privater Investitionen in innovative Reaktorkonzepte bereitgestellt werden. Finanziert werden diese Mittel aus dem europäischen Emissionshandel.

Ein besonderer Fokus liegt auf sogenannten kleinen modularen Reaktoren. Ziel sei es, diese Technologie bis Anfang der 2030er-Jahre in Europa einsatzbereit zu machen. „Unser Ziel ist einfach: Wir wollen, dass diese neue Technologie in Europa bis Anfang der 2030er Jahre einsatzbereit ist“, sagte von der Leyen.

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Kommentare ( 4 )

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ceterum censeo
1 Stunde her

Wie wird das ausgehen? Die Welt baut AKW`s – Typ 3 und 4, bis zum Schluss nur noch Strahlungsmüll übrig bleibt, der mit dem der Radiologie entsorgt wird. Deutschland aber verzichtet auf Energie und wird mit Kerzen und Kienspan – wie im Mittelalter – das Haus beleuchten…

alter weisser Mann
1 Stunde her

Diese Argumentation mit dem „vom Dach fallen“ begibt sich auf das Niveau der Atomangst herab. Man zählt ja auch nicht die Unfälle auf KKW-Baustellen.

Reimund Gretz
1 Stunde her

Ein kollektiver Angstausbruch der die Hirne vernebelte führte zur verheerenden #Energiepolitik von #Deutschland! Deutschland amputierte sich mit der Kernkraft seiner technologische Gliedmaße, die zuverlässig, klimafreundlich und vergleichsweise sicher die Grundlast der Industrienation sicherte. Eine führende Wirtschaftsnation der Welt wähnte sich stark genug für den doppelten Salto mortale: Den gleichzeitigen Ausstieg aus der Kernkraft und der Kohle, während die erneuerbaren Energien die Versorgungslücke niemals füllen können. Weht kein Wind, dreht sich kein Rad. Nachts hilft die größte Solaranlage nichts. Damit war der wirtschaftliche Abstieg von Deutschland eingeleitet, durch die „#Klimaangst“ wurde man endgültig zum politischen #Geisterfahrer und ohne Korrektur wird der… Mehr

humerd
1 Stunde her

das Diktat der deutschen Grünen: keine Atomkraftwerke. Gleichzeitig fordern die Grünen Atombomben, gut erstmal „nur“ für „Europa“, gemeint ist aber die EU.