Drei schwere Wahlniederlagen später fällt die Union bei INSA auf 19 Prozent. Die AfD liegt bei 29,5 Prozent und damit 10,5 Punkte vorne, ein Rekordvorsprung. Selbst Schwarz-Rot erreicht zusammen nur noch 33,5 Prozent.
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Die nächste Zahl für Friedrich Merz und seine desolate CDU kommt wenige Tage nach den schweren Wahlniederlagen im Osten und lässt wenig Raum für die Hoffnung, der Absturz könne sich inzwischen gefangen haben. In der jüngsten INSA-Erhebung fällt die Union bundesweit auf 19 Prozent. Die AfD erreicht unverändert 29,5 Prozent. Der Abstand beträgt damit 10,5 Prozentpunkte und ist nach Angaben der Erhebung so groß wie nie zuvor.
Noch vor einer Woche hatte die Union bei INSA bei 19,5 Prozent gelegen, die AfD ebenfalls bei 29,5 Prozent. Der damalige Rekordabstand von zehn Punkten hielt gerade sieben Tage. Seit Anfang September bewegt sich CDU/CSU in den INSA-Erhebungen zwischen 19 und 20,5 Prozent, die AfD durchgehend zwischen 28 und 29,5 Prozent. Aus einem schlechten Einzelwert ist inzwischen eine Serie geworden.
Für Merz kommt die Erhebung zu einem Zeitpunkt, an dem seine Partei die Folgen von drei Landtagswahlen noch gar nicht verarbeitet hat. In Sachsen-Anhalt brach die CDU auf 17,2 Prozent ein; die AfD erreichte 43,8 Prozent und verfehlte mit 39 von 83 Mandaten die absolute Mehrheit nur knapp. In Mecklenburg-Vorpommern scheiterte die CDU erstmals am Einzug in einen Landtag. Dort wurde die AfD mit 38,2 Prozent stärkste Kraft.
Eine Woche nach Sachsen-Anhalt folgte am 20. September Berlin. Die CDU verlor dort 9,5 Prozentpunkte und kam nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis auf 18,8 Prozent der Zweitstimmen. Die Linke erreichte 25,7 Prozent und wurde stärkste Partei. Die AfD legte um 7,2 Punkte auf 16,3 Prozent zu. Drei Landtagswahlen innerhalb von zwei Wochen hinterließen damit drei verschiedene politische Landschaften und für die CDU jedes Mal dasselbe Ergebnis: kräftige Verluste.
Die neue Bundesumfrage setzt diesen Trend fort. Gegenüber der Vorwoche verliert CDU/CSU erneut einen halben Punkt. SPD und Grüne gewinnen jeweils einen Punkt und stehen nun bei jeweils 14,5 Prozent. Die Linke kommt auf zehn Prozent, die FDP auf vier und das BSW auf 3,5 Prozent. Für die INSA-Erhebung wurden vom 25. bis 28. September 2001 Menschen online befragt; die angegebene maximale Fehlertoleranz liegt typischerweise bei 2,2 Prozentpunkten.
Besonders unangenehm für die Bundesregierung fällt die Addition aus. Union und SPD erreichen zusammen 33,5 Prozent. SPD, Grüne und Linke kommen rechnerisch auf 39 Prozent. Keine dieser Kombinationen hätte nach den genannten Zahlen automatisch eine parlamentarische Mehrheit, die Größenordnung zeigt jedoch, wie weit die amtierende Koalition in dieser Erhebung vom Stimmenanteil früherer großer Koalitionen entfernt ist.
Für die Union verschiebt sich damit die Größenordnung ihrer Krise. Bei der Bundestagswahl 2025 ging es noch um die Frage, wie stark sie als führende Regierungspartei sein würde. Ende September 2026 weist INSA CDU und CSU gemeinsam bei einem Wert aus, der nur 4,5 Punkte über SPD und Grünen liegt und mehr als zehn Punkte unter der AfD. Diese Abstände entscheiden keine Wahl, sie beschreiben jedoch die gegenwärtige Ausgangslage für eine Partei, deren Vorsitzender zugleich Bundeskanzler ist.
Dass der Absturz kein INSA-Sonderfall ist, zeigt zugleich das aktuelle RTL/ntv-Trendbarometer von Forsa. Auch dort fallen CDU und CSU auf 19 Prozent und damit auf den niedrigsten jemals in dieser Erhebung gemessenen Wert. Die AfD liegt trotz eines Verlusts von einem Punkt mit 26 Prozent sieben Punkte davor, die Grünen erreichen 16, die SPD nach einem Plus von zwei Punkten 14 Prozent. Besonders tief reicht die Krise bei einer anderen Frage: Nur noch neun Prozent der Befragten trauen der Union am ehesten zu, die Probleme Deutschlands zu lösen. Also quasi niemand mehr. 55 Prozent nennen inzwischen überhaupt keine Partei, der sie diese Fähigkeit zutrauen, das ist eine Katastrophe.
Noch drastischer fallen die Forsa-Werte für den Kanzler selbst aus. Gerade elf Prozent sind mit der Arbeit Friedrich Merz’ zufrieden, 87 Prozent unzufrieden. Der Rückhalt ist inzwischen selbst unter den eigenen Anhängern nur noch sehr, sehr begrenzt: Von den Wählern von CDU und CSU äußern sich 59 Prozent als unzufrieden. Damit steht hinter den 19 Prozent für die Union eine zweite Krise, die sich nicht über Parteipräferenzen erklären lässt: Der eigene Kanzler erreicht selbst in dem politischen Lager, das ihn ins Amt getragen hat, keine mehrheitliche Zustimmung mehr.
Auch die innerparteiliche Volte bekommt dadurch einen eigenartigen zeitlichen Rhythmus. Merz kündigte nach den September-Wahlen Beratungen über den weiteren Kurs an. Das CDU-Präsidium soll am 11. Oktober zu einer Klausurtagung zusammentreten, um die Niederlagenserie aufzuarbeiten. Jetzt dann wohl ohne Strandkorb auf Amthors Terrasse, der nach der vernichtenden ZDF-Doku „Inside CDU“ wieder abtransportiert wurde. Die acht CDU-Ministerpräsidenten hatten dem desolaten Parteichef zunächst Rückendeckung gegeben, wenn auch nur äußerst viertelherzig und ohne ihn überhaupt beim Namen zu nennen.
Die historische Dimension der 19 Prozent zeigt sich auch nochmal im Vergleich mit den beiden vergangenen Bundestagswahlen. 2021 erzielten CDU und CSU unter Armin Laschet 24,1 Prozent – das bis dahin schlechteste Bundestagswahlergebnis der Union überhaupt. Die Niederlage kostete sie das Kanzleramt und führte anschließend zum Wechsel an der Parteispitze. Friedrich Merz übernahm eine CDU, deren zentrale politische Aufgabe darin bestand, dieses Ergebnis hinter sich zu lassen. Bei der Bundestagswahl 2025 gelang zunächst die Erholung auf 28,6 Prozent mit Wahlversprechen, die das Blaue vom Himmel gelogen haben. Merz galt im Vorfeld als die große Hoffnung, die den Merkel-Kurs korrigiert. Es steht nicht in Aussicht, dass sich die CDU von diesem letzten wirklich schweren Vertrauensverlust noch einmal wirklich nennenswert erholt, zumal sie personell nicht in der Lage ist, das glaubwürdig aufzufangen. Ebenso wenig wie ihr mediales Umfeld.


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