Wie bei Anne Will die leisen Töne die Wahrheit herausschreien - und die Sehnsucht nach einem deutschen Tsipras wächst

Manchmal sind es die leisen Töne in den lauten Talk-Shows, die die eigentliche Wahrheit vermitteln. Etwa als gestern bei Anne Will der langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach schilderte, wie schwer es ist, Recht zu haben, Recht zu kriegen - aber gegen die Vernunft stimmen zu müssen. Nach fünf Jahren Euro-Rettung steht Europa wieder da, wo es 2010 angefangen hat mit der Retterei - nur 240 Milliarden Euro später, bei zunehmender gesellschaftlicher Verwahrlosung und sozialer Katastrophe in Griechenland, steigenden Konflikten innerhalb der EU. Nichts hat es gebracht: der Euro ist Weichwährung, die Schulden steigen, die Prinzipien des Euros zerstört - und Griechenland ist wieder bankrott, oder besser gesagt: Die Kohle is fott. Frische muß her, mit alten Argumenten zu neuem Kredit. Die Antwort ist ein brüllendes Weiter-So. 

VON Roland Tichy | Do, 26. Februar 2015
Warum das griechische Reformprogramm scheitert und noch mehr Hilfen fällig werden.

„Das Dumme am Sozialismus ist, dass einem das Geld der anderen ausgeht“, sagte einmal die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher. Nun muß man wissen, dass ihre Amtszeit 1990 endete und damals EU und Euro noch nicht voll zur Blüte gelangt waren.

Das ist heute anders. Dank EU und Euro kann die bankrotte sozialistische-nationalistische griechische Regierung trotz Bankrott weitermachen und den unausweichlichen Grexit verschieben.

VON Roland Tichy | Mi, 25. Februar 2015
Es geht um viele Milliarden, aber noch um wesentlich mehr: Europa wird von innen zerstört

Es war mal wieder die Europa-Show, wie wir sie kennen - zu gut kennen, bis zum Abwinken gut kennen: Nachtsitzungen, schwarze Limousinen, vier Wochen Spannung, Schäuble hart, Auftritt der Staatsschauspieler im Dutzend, Pressekonferenzen, Getue in Brüssel, rätseln, ob die neugewählte griechische Regierung der national-sozialistischen Flegel halbwegs zivilisiert Geld vom Rest Europas erpressen oder dem Spender noch eine über die Rübe hauen. Dann ein Kompromiss, alles erleichtert, alles gut? Ungefähr nach zehn Stunden Erleichterung das Gefühl, dass das alles irgendwie nicht stimmt. Deshalb einige Fakten zum Griechen-Drama:

VON Roland Tichy | Sa, 21. Februar 2015
Wie geht es weiter mit Griechenland? Hier sind 7 Denkfehler, die zu der derzeitigen Krise geführt haben.

1. Griechenland hat gar kein Geld bekommen
Komplizierte Rechnungen und Nachweise werden geführt, um zu zeigen: Griechenland hat gar kein Geld bekommen, die bösen Finanzmärkte und Banken haben es.  Klar ist: Seit dem Beitritt zur Euro-Zone hat Griechenland seine Staatsverschuldung dramatisch ausgedehnt. Im Frühjahr 2010 stellte sich heraus: Das Land ist überschuldet, und internationale Geldgeber weigerten sich, weitere Mittel zur Verfügung zu stellen. In mehreren Hilfspaketen sprangen die europäischen Staaten, die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds ein und stellten insgesamt 320 Milliarden zu Verfügung; das ist die Troika, die seither die Reformen kontrolliert. Ca. 40 Prozent der griechischen Staatsschuld wurde gestrichen; den Rest der Schuldtitel übernahm die Troika.

VON Roland Tichy | Mi, 18. Februar 2015
Die Zuwanderung in Deutschland muß neu geregelt werden - auch im Interesse der Flüchtlinge

Drei Schlauchboote kentern in den Winterstürmen des eiskalten Mittelmeeres – über 300 Flüchtlinge aus Afrika ertrinken. Jeden Tag machen sich im Kosovo Dutzende von Bussen mit Flüchtlingen auf den Weg; manche fliehen zu Fuß durch den Schnee der Wälder nach Deutschland.

VON Roland Tichy | Di, 17. Februar 2015
Heute bitten wir Sie um Hilfe: Ersteigern Sie dieses Bild von Dieter Hanitzsch - der Erlös geht an Flüchtlinge in Syrien

Hält die Waffenruhe in der Ukraine?

Diese Frage ist wohl die entscheidende für das Europa unserer Tage, das wieder von einem Krieg erschüttert wird. Darüber diskutierte der Sonntags-Stammtisch des BR am Tag nach dem offiziellen Beginn der Waffenruhe. Ist Angela Merkel damit die Friedenskanzlerin? Dieter Hanitzsch zeichnet  Angela Merkel als May-Be-Friedensengel -  die richtige Antwort muß erst angekreuzt werden. Diese Zeichnung versteigern wir zu Gunsten der Hilfsorganisation Orienthelfer.

Die Orienthelfer wurden von Stammtisch-Bruder Christian „Fonsi“ Springer gegründet. Denn auch das Schicksal der Flüchtlinge aus dem Kosovo, aus den Ländern der südlichen Mittelmeerküste, war Gegenstand unserer Diskussion.

VON Roland Tichy | Mo, 16. Februar 2015
Die besten Wahltips schlugen die Prognosen der Demoskopie

Die Sieger der Wahlwette anlässlich der Landtagswahl in Hamburg stehen fest: Severin Tatarczyk, der beruflich mit Medien und Online-Beratung zu tun hat. Er gab der SPD 46,5 Prozent und traf damit fast punktgenau; scheiterte fast an seiner CDU-Hoffnung von 17,7%, lag aber insgesamt mit der Prognose der Grünen von 12,5; Linke 8,9, sowie mit der AfD, der er 5,7 % gab und bei der FDP mit 6,1 so gut, dass sein Ergebnis erstaunlich nahe am amtlichen Endergebnis liegt.

VON Roland Tichy | Mo, 16. Februar 2015
Haben sich vielleicht die Wahlforscher doch getäuscht?

Erste Indikatoren deuten bei einigen Prognose-Kritikern darauf hin, dass die Wahl in Hamburg anders ausgehen könnte als erwartet: "Für Olaf Scholz wird es ein besonders spannender Sonntag. Der SPD-Spitzenkandidat und Erste Bürgermeister der Freien Hansestadt Hamburg konnte sich zuletzt steigender Umfragezahlen erfreuen. Laut ZDF-Politbarometer kommen die Sozialdemokraten aktuell auf 47 Prozent. Vielleicht reicht es sogar wieder für eine absolute Mehrheit."

VON Roland Tichy | So, 15. Februar 2015
Grexit, Dax, Lebensversicherungen - wohin geht das gute Geld? Diese Wirtschaftswoche knapp kommentiert von Roland Tichy

In jeder richtigen Revolution gibt es Sieger, Verlierer und Kriegsgewinnler. Wenn man die Geldruck-Politik und Null-Zins-Strategie der Europäischen Zentralbank als Revolution versteht - wer ist dann welcher Gruppe zuzuordnen? Was sind die Folgen der Geldrevolution? So viel vorab. Es ist eine Umverteilung von unten nach oben.
Griechenland siegt immer, auch dann, wenn es verliert
Fangen wir mit den Siegern Nummer 1 an - den Griechen. Sie haben sich so 300 Milliarden geborgt, verkonsumiert und mit diesem Schuldenloch damit die Geldrevolution ausgelöst. In deren Zuge wurde ihnen die Rückzahlung der Hälfte der Schulden erlassen, für den Rest die Zinsen auf lächerliche 2,2 Prozent gesenkt und der Rückzahlungsbeginn auf das Jahr 2020 verlegt. Jetzt geben sie sich als Opfer, damit sie wieder frisches Geld oder frischen Kredit erhalten.

VON Roland Tichy | Sa, 14. Februar 2015
50 Gründe für eine große Liebe

Manche Männer nennt man zu Recht: Ein Mann wie eine Eiche. Einer davon ist Hans-Peter Canibol, einer der recherchestärksten Journalisten dieses Landes - und einer der kreativsten. Immer neue Ideen, immer neue Geschichten, die er in Focus erzählt und später in Telebörse und Euro.

Und dann ein Tag, der die Eiche fällt. Schlaganfall. Ein großer Mann - gelähmt. Ist das Leben zu Ende?

VON Roland Tichy | Sa, 14. Februar 2015
Das Marketing von Opel ist entweder Genie - oder Wahnsinn. Aber anders geht es wohl nicht

Rettet eine Birmakatze aus Paris Arbeitsplätze in Eisenach?  Die Party-Stadt Berlin jedenfalls hat die mächtigste Katze der Welt  schon in Aufregung versetzt; eine solche Neu-Wagen-Show hat lange kein Auto mehr erlebt: 350 Gäste,  Filmschauspieler (Iris Berben) Fußballstars (Christoph Metzelder), Wirtschaftsgrößen (Helene von Reeder, Credit Suisse) feierten die Fotos von Choupette - der weißen Luxusmietze (2 Nannys, eigener twitter-Account) von Chanel-Designer Karl Lagerfeld. Choupette hinterm Lenkrad des neuen Opel Corsa, im Kofferraum, auf der Motorhaube: Früher lockten auf dem heißen Blech zweibeinige Miezen zum Kauf, heute echte. Das nennt man wohl Fortschritt, jedenfalls gendermäßig ist es einer.

VON Roland Tichy | So, 8. Februar 2015
Ein Dutzend Argumente, warum das einfach nicht so weitergeht mit dieser Demokratie.

Leipzig - Die Stadt Leipzig hat dem islamkritischen Bündnis Legida die für Montag geplante Demonstration untersagt. Es könnten nicht die nötigen Polizeikräfte zur Verfügung gestellt werden, hieß es unter Berufung auf das sächsische Innenministerium. Dieses widersprach aber sofort.

Die Stadt als Versammlungsbehörde erklärte, sie sei gezwungen, die Demonstration "aus Sicherheitsgründen" zu verbieten. "Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass in Sachsen offenbar Polizeinotstand herrscht und es nicht möglich ist, das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit zu gewährleisten", sagte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD).

VON Roland Tichy | Sa, 7. Februar 2015
Es sind nicht die Milliarden für Griechenland - die tiefergehenden Schäden der Eurorettung sind das Problem

Wer gehofft hat, mit dem Amt komme der Verstand und die Bereitschaft, sich in den europäischen Geleitzug einzuordnen, sieht sich getäuscht: Der Ton gegenüber den internationalen Geldgebern ist weiterhin angriffslustig, selbstbewusst und zu Recht: siegesgewiss. So hat der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras am Donnerstag im griechischen Parlament versprochen, der Austeritätspolitik der Europäischen Union "ein für alle Mal ein Ende zu bereiten" und harte Verhandlungen über neue Bedingungen für Griechenland zu führen." Griechenland wird keine Befehle mehr akzeptieren, erst recht keine, die per E-Mail kommen", sagte er.  Nachdem jetzt faktisch die EU einknickt, wird klar: Griechenland hat sich durchgesetzt; aber der eigentliche Schaden kommt nicht vom Geld, sondern von der Zerstörung unserer Währungsordnung.

VON Roland Tichy | Fr, 6. Februar 2015
Die Pläne des Digital-Kommissars Oettinger: Netzneutralität und Euro-Roaming

Günther Oettinger, der neue EU-Digital-Kommissar, hat seine Pläne vorgestellt, wie er die „digitale Aufholjagd“ anpacken will, um für Verbraucher und Wirtschaft in Europa die „digitale Souveränität“ zurückzugewinnen - die er von den großen US-Konzernen bedroht sieht. Natürlich geht es dabei um den flächendeckenden Ausbau der Breitbandnetze „bis ins kleinste Dorf“; da unterscheidet er sich nicht von den deutschen Politikern, die glauben, schon mit Wörtern allein werden Glasfaserkabel verlegt. Aber Kabel allein sind nicht das eigentlich Thema; und mehr hört man ja kaum von Berliner Digitalpolitikern. Da ist Oettinger ehrgeiziger als ein Sigmar Gabriel oder Alexander Dobrindt: Oettinger geht es schon um Europa - und da will er nach der europaweiten Verkaufsfreiheit für Bier und Geld und Urlaub auch den gemeinsamen „digitalen Binnenmarkt“. 

VON Roland Tichy | Do, 5. Februar 2015
Zwangsurlaub für Griechenrettung? Mehr Ouzo für alle? Neue Rettungspläne für Griechenland enthüllt

Die neue griechische Regierung hat jetzt erstmal ihre Ideen präsentiert, wie sie das Land aus dem Schuldensumpf führen will.

Nun ja, so neu ist das nicht. Im Wesentlichen soll es jetzt nicht mehr „Schuldenschnitt“ heißen, sagt der neue Finanzminister Yannis Varoufakis, weil das in Deutschland irgendwie Igitt sei. Endlich jemand, der uns versteht! Auch auf die deutsche Seele Rücksicht nimmt. Allerdings: In der Sache hält er die Menschen für ziemlich dumm. Ein Schuldenschnitt ist nicht nur der Wegfall von Schulden - sondern auch das Kürzen von Zinsen und Strecken der Rückzahlungsverpflichtung ist ein Schuldenschnitt. Der schlaue Minister will jetzt eine „unendliche Laufzeit“ für die Anleihen, also die Rückzahlung zum Zeitpunkt des jüngsten Gerichts. Viel Spaß davor! 

VON Roland Tichy | Di, 3. Februar 2015
Warum der Euro scheitern muss

Geld ist etwas Wunderbares. Ich kann nie genug davon kriegen. Geld ist eine teuflische Angelegenheit. Für Geld wird gemordet, geheiratet, werden Rosenkriege und Kriege auf Leben und Tod geführt. Geld ist nicht nur Kaufkraft - Geld ist Gefühl, Gier, Glaube. Geld macht Dankbarkeit und Geld macht Hass. Jetzt sagt der neue griechische Vize-Kulturminister Nikos Xydakis: "Die Deutschen bekommen unser Geld, nicht aber unsere Seele“.

VON Roland Tichy | Mo, 2. Februar 2015
Warum die neue griechische Regierung Europa in die Luft sprengen kann

Man soll ja an das gute im Menschen glauben. Und das Auftreten der neuen griechischen, im eigentlichen Sinne national-sozialistischen Regierung aus Rechts- und Linksradikalen wirkte in den ersten Stunden vielleicht frech und unverschämt - aber wenn man andere erpressen will, darf man nicht schüchtern daher kommen. In der neuen Regierung sitzen Mathematiker und Ökonomen, die sich mit der komplexen Spieltheorie befasst haben. Also lag der Verdacht nahe, dass hier eine besonders raffinierte Verhandlungsführung auf Europa zukommen könnte.

VON Roland Tichy | So, 1. Februar 2015
Die Fehler der Europolitik und warum nicht nur die Griechen schuld sind

1. Es sind nicht wir, es sind die anderen
Griechenland verleugnet konsequent, dass es die eigenen Schulden sind, die das Land ruinieren. Sie wurden dem Land nicht aufgezwungen, keine feindliche Besatzungsmacht hat Griechenland mit Kredit abgefüllt wie ein Wirt seinen Gast. Darin liegt der eigentliche Fehler der Hilfspolitik: Sie wirkt wie eine Besatzungsmacht. Möglicherweise macht sie das Richtige. Aber es ist einfacher, auf die Besatzer von der Troika zu schimpfen, statt die Reformen mitzumachen. Griechenland zeigt, dass man ein Land nicht technokratisch fernsteuern kann. Allerdings ist auch die Frage zu stellen: Was passiert mit einer gemeinschaftlichen Initiative wie dem Euro, wenn einer der Teilnehmer nach eigenen Regeln, nicht nach den verabredeten Regeln spielen will?

VON Roland Tichy | Di, 27. Januar 2015
Wirtschaft ist ziemlich konkret. Das vergessen die Nahfrage-Ökonomen

Es ist ein Erdrutsch-Sieg der Linken in Griechenland.
„Das griechische Volk hat Geschichte geschrieben”, sagte Tsipras am Sonntagabend vor tausenden jubelnden Anhängern in Athen, versprach ein Ende der „desaströsen Sparpolitik”.
Die Wähler hätten die Vorgaben der internationalen Gläubiger-Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) für „beendet” erklärt.
Damit spitzt sich die Frage zu: Helfen viele Schulden bei der dringend notwendigen wirtschaftlichen Erholung Griechenlands? Das ist das Versprechen nach der Griechenland-Wahl, dass die Wahlsieger, die linksradikale Syriza-Partei gegeben hat. Denn erfolgreich hat sich der Eindruck festgesetzt, es sei diese "Sparpolitik", die Griechenland schadet. Aber erzählen wir die Geschichte einmal anders herum: Wer Griechenland mehr Geld pumpt, rettet es nicht. Das Problem ist der Euro. Die Vorstellung von Syriza, eine Art "Schuldenkonferenz", was nichts anderes ist als ein Schuldenerlaß, ist eine trügerische Vorstellung, wie wir hier dargelegt haben.

Die zweite, trügerische Hoffnung ist: man könne mit Zentralbankgeld, also durch das Drucken von Geld, Griechenland helfen und insgesamt die gesamte Euro-Zone in eine goldene Zukunft führen. Es klingt wie ein Märchen. So süß. So hoffnungsfroh. Mein alter Freund, Chef und Kollege Ralf-Dieter Brunowsky hält daran fest und diskutiert meinen Kommentar in der heutigen Bild am Sonntag. Hilft viel frisch gedrucktes Geld? Ist es richtig, wenn jetzt die Reformen in Griechenland zurückgedreht werden? Ist es das "Spardiktat", von dem sich Griechenland nur befreien muß, um der Sonne entgegen zu eilen? Und wer zahlt dafür?

VON Roland Tichy | So, 25. Januar 2015
Einblicke in Davos

Ich war mit Angela Merkel in der Sauna. OK, das ist ein  paar Jahre her, nur im Ruheraum und wir trugen alle Jacken, Pullis, Thermohosen und Winterschuhe. Es war ihre Pressekonferenz  in Davos, und es war kurzfristig nur noch dieser einzige Raum frei.

VON Roland Tichy | So, 25. Januar 2015