Wer will schon eine griechische Seele?

Geld ist etwas Wunderbares. Ich kann nie genug davon kriegen. Geld ist eine teuflische Angelegenheit. Für Geld wird gemordet, geheiratet, werden Rosenkriege und Kriege auf Leben und Tod geführt. Geld ist nicht nur Kaufkraft – Geld ist Gefühl, Gier, Glaube. Geld macht Dankbarkeit und Geld macht Hass. Jetzt sagt der neue griechische Vize-Kulturminister Nikos Xydakis: „Die Deutschen bekommen unser Geld, nicht aber unsere Seele“.

Es ist ein Satz voll Hass. Wollen wir Deutschen den Griechen die Seele klauen? Wir habe nicht einmal ihr Geld genommen, im Gegenteil: Mit rund 80 Milliarden hat Deutschland den Griechen geholfen. Damit sie ihre Rechnung bezahlen können für Benzin, Medikamente, Autos, Lebensmittel. Deutschland hat gegeben, nicht genommen. Woher kommt der Hass? Warum wird unsere Bundeskanzlerin mit Hitler-Bärtchen beleidigt? Warum Deutschland als Nazi-Reich beschimpft, das „Griechenland zu Boden geworfen“ habe, wie Nikos Xydakis sagt?
Es ist eine bittere Wahrheit: Über das gemeinsame europäische Geld zerstreitet sich Europa. Politiker aus Frankreich, Italien, Spanien unterstützen die zornigen Griechen. Sie wollen das „deutsche“ Geld nicht mehr, denn das steht dahinter:
Der Euro sollte so werden wie D-Mark: Hart, stark, wenig Staatsschulden, kein Geld für die Staatskasse drucken, keine Umverteilung aus Deutschland für die schwächeren europäischen Länder. Das hat damals Bundeskanzler Helmut Kohl durchgesetzt und die europäische Zentralbank nach Frankfurt gebracht damit allen klar ist: Hier spielt die Musik, und zwar so, wie sie die Deutsche Bundesbank vorspielt.
Für die Griechen (und viele Politiker in Italien und Frankreich) aber bedeutet der Euro etwas anders: So leben wie die Deutschen, so wohlhabend, so viel Konsum, Löhne, Urlaub, Sozialleistungen. Aber ihre Wirtschaft ist nicht so leistungsfähig wie die deutsche. Das passt nicht zusammen.
Denn mit dem deutschen Geld klappt eine Wirtschaft nur, wenn sie so ist wie die Deutschen: Sparsam, Geld auf die Seite legen, damit neue Maschinen gekauft werden können. Schulden werden nur gemacht, damit das Geld morgen mehr wird.
Die Griechen wollen jetzt etwas anderes: Wir sollen ihnen ihre Schulden ganz erlassen, damit sie sich wieder neu verschulden können. Und immer wieder so weiter.
Die Deutschen aber wollen die Schulden nur dann streichen, wenn die Griechen in der Wirtschaft werden wie die Deutschen. Daher hat der verrückte Xydakis schon Recht: Wir wollen den Griechen doch die Seele nehmen, und die ist weniger streng als die der Deutschen.
Das ist der Grund, warum der Zank um den Euro zum europäischen Rosenkrieg wird wie bei einem Ehepaar, das sich gegenseitig umbringt beim Zank ums Geld bei der Scheidung: Geld ist nicht gleich Geld, sonder Geld ist eine Vorstellung darüber, wie man leben, arbeiten, wirtschaften soll. Auto oder Urlaub, Bankkonto oder Einbauküche, Kneipe und Zigaretten oder Lebensversicherung?
Das Dumme ist nur: Europa kann sich nicht trennen, kann sich nicht scheiden lassen. Deutschland liegt mitten in Europa und braucht seine Nachbarn – und die brauchen uns. Und das gemeinsame Geld, den Euro, wir kriegen ihn nicht mehr los.
Das heißt aber nicht, dass wir uns alles gefallen lassen müssen. Denn trotz aller Versprechungen ist vom alten deutschen Geld in Europa ist nicht mehr viel über. Es ist längst mehr zu einer Art italienische Lira geworden als die gute Deutsche Mark. Die Garantien Helmut Kohl für die Stabilität des Euros wurden unter Angela Merkels Euro-Rettungspolitik Stück für Stück aufgegeben. Die Tradition der Bundesbank ist Geschichte. Die italienische Zentralbank mit Sitz in Frankfurt Realität. Mehr geht nicht mehr – noch weicher, noch mehr Schulden, noch mehr Draghi: Damit geht das Geld kaputt und dann die ganze Wirtschaft. Unser Geld muss seine Seele behalten, und wer es  noch mehr so aufweicht, bis es auch für Griechenland passt,  macht ganz Europa arm wie die Griechen. Und das wollen nicht einmal die Griechen selbst, Seele hin oder her. Am Ende zählt Geld. Und darum gehts auch trotz aller lustigen Sprüche.
Dieser Beitrag erschien teilweise zuerst in BildamSonntag
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