20.000 Exil-Iraner in Frankfurt: Eine Machtdemonstration gegen die islamische Diktatur

Zehntausende Exil-Iraner setzen in Frankfurt ein gewaltiges Zeichen gegen die Mullah-Diktatur. Reza Pahlavi nahm in der Paulskirche den Freiheitspreis für das iranische Volk entgegen. Die Bilder zeigen den ungebrochenen Freiheitswillen einer Nation, die sich seit 47 Jahren gegen die islamische Unterdrückung auflehnt.

picture alliance/dpa | Boris Roessler

Frankfurt erlebt an diesem Samstag eine Demonstration, deren politische Botschaft weit über die Grenzen Deutschlands hinausreicht. Rund 20.000 Menschen versammelten sich nach Angaben der Polizei im Ostpark, Tausende waren zuvor durch die Innenstadt gezogen. Sie sind aus verschiedenen europäischen Ländern, vereinzelt sogar aus Nordamerika angereist. Viele tragen die iranischen Nationalfarben mit dem historischen Löwen-und-Sonne-Emblem, feiern den im Exil lebenden Reza Pahlavi und fordern die Befreiung ihrer Heimat von der islamischen Diktatur.

Es ist eine Demonstration gegen eine Herrschaft, die Frauen entrechtet, politische Gegner einsperrt und ebenso wie Oppositionelle hinrichten lässt, zu Beginn des Jahres an die 100.000 Menschen bei den Aufständen gegen das Mullah-Regime massakriert hat und seit Jahrzehnten mit staatlichem Terror versucht, die Bevölkerung gefügig zu machen. Und es ist eine Demonstration für etwas, das im Westen inzwischen allzu oft zur politischen Leerformel herabgesunken ist: Freiheit.

Für die Menschen, die in Frankfurt zusammenkommen, ist sie keine rhetorische Zutat einer leeren Sonntagsrede. Sie haben erlebt, was es bedeutet, ohne sie leben zu müssen.

— Visegrád 24 (@visegrad24) November 7, 2026

Ein Freiheitspreis für ein Volk, das sich nicht unterwerfen lässt

In der Frankfurter Paulskirche nimmt Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs, den Freiheitspreis 2026 der Friedrich-Naumann-Stiftung entgegen. Ausgezeichnet wird ausdrücklich nicht er persönlich, sondern das iranische Volk für seinen jahrzehntelangen Kampf gegen die islamische Gewaltherrschaft. Pahlavi verspricht, die Auszeichnung eines Tages ihren rechtmäßigen Eigentümern zu übergeben, und zwar in Teheran, nach dem Ende der Diktatur. Die Islamische Republik bezeichnet er als illegitime Regierung seines Landes.

Dass diese Preisverleihung in der Paulskirche stattfindet, hat eine historische Bedeutung. Hier tagte 1848 die erste gesamtdeutsche Nationalversammlung, hier wurde um jene Freiheitsrechte gerungen, die im Iran bis heute mit Gefängnis, Folter und Hinrichtung beantwortet werden. Während deutsche Politiker Freiheit meist als gesicherten Besitz betrachten, kämpfen im Iran Menschen unter Einsatz ihres Lebens um elementarste Bürgerrechte. Die Bilder aus Frankfurt erinnern daran, dass es Völker gibt, die ihre Unterdrücker nicht als unvermeidliches Schicksal akzeptieren.

Was dieser Kampf kostet, haben die Massaker vom Januar 2026 erneut gezeigt. Am 8. und 9. Januar schossen iranische Sicherheitskräfte auf Demonstranten und Unbeteiligte. Zehntausende Menschen wurden ermordet, das Regime kappte die Internetverbindungen und ging anschließend mit Verhaftungen, Folter und Einschüchterungen gegen die Überlebenden vor. Der Vorsitzende der Friedrich-Naumann-Stiftung, Steffen Saebisch, erinnerte bei der Preisverleihung an die 34-jährige Aida Aghili, die nach seiner Schilderung mit zwei Schüssen in den Rücken getötet wurde. Ihr Leichnam wurde erst Tage später im Hinterhof eines Krankenhauses gefunden.

Pahlavi steht für einen politischen Neuanfang, für freie Wahlen, die Trennung von Religion und Staat und einen Schulterschluss mit Israel. Was ihn natürlich zum erklärten Gegner der westlichen antisemitischen Linken macht. Damit stellt er das Gegenteil dessen in Aussicht, worauf die Islamische Republik ihre Macht gegründet hat. Das Regime in Teheran hat den Hass auf Israel zur Staatsdoktrin erhoben und unterstützt islamistische Terrororganisationen wie Hamas und Hisbollah. Die Exil-Iraner in Frankfurt demonstrieren für die Aussicht auf einen Iran, der seine Zukunft nicht länger dem religiösen Fanatismus und dessen mörderischer Außenpolitik opfert.

Die Frankfurter antisemitische Linke wollte die Preisverleihung verhindern

Wie grotesk der politische Umgang mit dieser Freiheitsbewegung in Deutschland inzwischen geworden ist, zeigt die Vorgeschichte der Veranstaltung. Frankfurts SPD-Kulturdezernentin Ina Hartwig blieb der Preisverleihung demonstrativ fern. Grüne, Linke und Volt kritisierten die Auswahl Pahlavis. Die Frankfurter Linke ging noch weiter und verlangte, den Mietvertrag für die Paulskirche mit der Friedrich-Naumann-Stiftung zu kündigen. Ganz so, wie man es von diesem Personal im Umgang mit politisch Andersdenkenden gewohnt ist. Ausgerechnet die Wiege der deutschen Demokratie sollte für eine solch immens wichtige Veranstaltung nicht zur Verfügung stehen.

Der Preis galt dem iranischen Volk und seinem Freiheitskampf. Dass deutsche Linksparteien daraus einen Anlass machten, eine Preisverleihung verhindern zu wollen, sagt alles über deren Verkommenheit. Die Solidarität mit Unterdrückten reicht offenbar nur so weit, wie deren politische Repräsentanten den eigenen Vorstellungen entsprechen.

Auf dem Frankfurter Roßmarkt versammelten sich am Nachmittag nach Polizeiangaben zunächst etwa 100 bis 150 Gegner Pahlavis, unter denen sich nach Darstellung des Hessischen Rundfunks auch Anhänger des Mullah-Regimes befanden. Im Ostpark feierten unterdessen Zehntausende den Oppositionspolitiker. Die Polizei beschrieb die große Demonstration als weitgehend störungsfrei. Auch darin liegt eine Botschaft: Menschen, deren Heimat von staatlicher Gewalt und Repression beherrscht wird, machen in Deutschland friedlich von ihren Freiheitsrechten Gebrauch.

Die Bilder aus Frankfurt führen zugleich die europäische Iran-Politik vor. Wie oft wurden die Massaker des Regimes verurteilt, Sanktionen angekündigt, Menschenrechte beschworen und Besorgnis bekundet? Die Islamische Republik hat auf all das immer wieder mit weiterer Unterdrückung reagiert. Die Exil-Iraner verlangen mehr als die nächste diplomatische Pflichtübung. Sie wollen das Ende eines Regimes, das dem eigenen Volk jede politische Selbstbestimmung verweigert.

Der 7. November 2026 wird den Menschen, die nach Frankfurt gereist sind, deshalb in Erinnerung bleiben. Nicht wegen eines Preises allein, sondern weil sie mitten in Deutschland ein Stück jener Freiheit erleben und öffentlich einfordern konnten, die ihren Landsleuten in der Heimat mit brutaler Gewalt vorenthalten wird. Ihre Demonstration ist eine Anklage gegen die Herrscher in Teheran und gegen jeden, der sich mit deren Fortbestand abgefunden hat.

Die Iraner wollen ihre Heimat von der islamischen Diktatur befreien. Die Frankfurter Linke wollte ihnen nicht einmal die Paulskirche gönnen. Deutlicher lässt sich der politische und moralische Unterschied kaum offenlegen.

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