Die Besatzungen der neuen Bundeswehr-Kampfhelikopter des Typs H145M können im Ernstfall relativ wenig machen: Die 20-Millimeter-Munition für die Bordkanone der Hubschrauber hat noch keine Sicherheitsfreigabe erhalten.
IMAGO / Jan Huebner
3,7 Milliarden Euro Steuergeld gibt die Bundeswehr bei der Beschaffung der 82 neuen Kampfhubschrauber vom Typ H145M aus. Je nach Ausstattung und Einrechnung von Support liegt der Stückpreis im Bereich von etwa 45 Millionen Euro. Die Maschinen sollen bis Ende der 2020er Jahre ausgeliefert sein; die ersten Exemplare sind bereits in Ausbildungseinheiten angekommen. Bei diesen Ausgaben könnte ein wesentliches Detail durchaus verlangt werden: Dass der Kampfhubschrauber auch schießt, wenn der Ernstfall eintritt.
Lieferungen verspäten sich
Aber wegen einer elektrostatischen Empfindlichkeit des Anzündhütchens kann die Munition bislang nicht als sicher eingestuft werden. Wann der Hersteller dieses technische Problem lösen kann, ist derzeit unklar. Auch bei den vorgesehenen Panzerabwehrraketen gibt es Verzögerungen, erste Tests mussten abgebrochen werden, die Lieferungen sind erst ab Ende 2027 geplant und sollen bis 2029 getestet werden.
Die neuen Hubschrauber werden der Truppe deshalb zunächst in einer vorläufigen Konfiguration übergeben, die lediglich für Ausbildungszwecke geeignet ist. Der Rechnungshof warnt jetzt in einem Bericht, der dem SPIEGEL vorliegt, das milliardenschwere Vorhaben befinde sich „auf einem kritischen Pfad“. Er empfiehlt, das Projekt gründlich zu prüfen und weitere Bestellungen vorerst auszusetzen. Das Verteidigungsministerium weist die schärfsten Befürchtungen zurück und will die Kritikpunkte prüfen.
Die aktuellen Probleme bei den Kampfhelikoptern setzen die Serie von Bundeswehr-Pannen bei Großbeschaffungen fort: Der Kampfhubschrauber Tiger, der eigentlich die Luftunterstützung in Afghanistan leisten sollte, war jahrelang nicht einsatzbereit und litt unter technischen Mängeln bei Verkabelung und Triebwerksleistung. Später kam es in Mali zu einem tödlichen Absturz, bei dem mehrere Ursachen zusammenkamen.
Der Transporthubschrauber NH90 wies bei der Erprobung gravierende Defizite auf: zu wenig Platz und Bodenfreiheit, ungeeignete Sitze für voll ausgerüstete Soldaten und Probleme beim Mitführen schwerer Waffen. Auch beim Eurofighter kam es wiederholt zu Verfügbarkeitskrisen durch Ersatzteilengpässe und Softwarefehler; zeitweise waren nur wenige Maschinen wirklich einsatzbereit. Das Aufklärungsdrohnenprojekt Euro Hawk wurde nach Investitionen von über einer halben Milliarde Euro gestoppt, weil keine Zulassung für den deutschen Luftraum erreicht werden konnte. Ärger gab es auch bei der Lieferung der Puma-Schützenpanzer, auch Korvetten hatten technische Mängel.
2026 fließen 108,2 Milliarden Euro Steuergeld in die Bundeswehr, im kommenden Jahr werden es sogar 140 Milliarden Euro sein, davon kommen 30 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen Bundeswehr.



Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein